Erinnern können, erinnern müssen

Neue Blickwinkel auf den Ersten Weltkrieg

Peter Illetschko , 27. September 2011, 18:32

Tagung in Wien: Ihre Gestalter kritisieren die fehlende Erinnerungskultur in Österreich, was die Kriegsursachen betrifft

2014, wenn man sich allerorts an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erinnern wird, könnte für Österreich ein Jahr der Verdrängung werden. Wissenschafter, die sich mit diesem Krieg beschäftigen, befürchten jedenfalls, dass die Politiker nicht bereit sein werden, sich zu erinnern, weil sie das - zumindest in diesem Fall - auch bisher nicht getan hätten. Die Gründe und Auswirkungen von vier Jahren, in denen 60 Millionen Soldaten kämpften, wobei etwa 6000 täglich getötet wurden, sind nicht im österreichischen Gedächtnis verankert.

"Man muss endlich einmal festhalten, dass der Erste Weltkrieg wesentlich von Österreich begonnen wurde", sagt zum Beispiel Lutz Musner, stellvertretender Direktor des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz (IFK). Die "unverantwortliche Politik" im Umgang mit den slawischen Volksgruppen, die zumindest mehr Autonomie im Vielvölkerstaat haben wollten, "war einer der Gründe für die Eskalation", sagt er. Besonders Serbien, dem die Regierung in Wien schon vor dem Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand durch den bosnischen Serben Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 einen radikalen Panslawismus unterstellte, stand im Fokus einer aggressiven Außenpolitik. "Das Attentat bot dann bloß den äußeren Anlass, zu einer martialischen Kriegspolitik überzugehen."

Musner hat nun gemeinsam mit IFK-Direktor Helmut Lethen und dem deutsch-amerikanischen Historiker Michael Geyer eine Tagung über den Ersten Weltkrieg konzipiert: "Geo-Politics in the Age of the Great War 1900-1930" (6. bis 8. 10.). Dabei wird es darum gehen, den Krieg nicht mehr als für sich allein stehende "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts zu sehen, als Schlachtengemälde mit Soldaten in Schützengräben, im Schlamm und in brennenden Doppeldeckerflugzeugen. Vielmehr soll der Krieg in eine weiter gespannte Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebettet werden. Zwei Folgetagungen jeweils im Herbst 2012 und 2013 sollen diese Sichtweise vertiefen.

Lange Gewaltgeschichte

Schon seit mehreren Jahren vertreten Historiker die Ansicht, dass 1914 eigentlich ein zweiter Dreißigjähriger Krieg begann, der erst mit der Kapitulation der Nazis im Mai 1945 zu Ende ging. Musner meint sogar, dass der Krieg eine erste von mehreren Eskalationen des vergangenen Jahrhunderts war, die bis 1989, bis zum Fall des Eisernen Vorhangs, andauerten. Er sieht die Verbreitung des Kommunismus nach der Oktoberrevolution 1917 und die daraus entstehenden Staatsformen sowie den Kalten Krieg als Teil dieser umfassenden Gewaltgeschichte.

Tatsache ist, dass die Folgen des Ersten Weltkriegs nachhaltig waren: Monarchien wie Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn zerbrachen genauso wie das Osmanische Reich. Neben dem Kommunismus entstanden zwei weitere, die nächsten Jahrzehnte prägende Ideologien: der deutsche Nationalsozialismus und der italienische Faschismus. Die Weltwirtschaftskrise und der damit verbundene Hunger begünstigten die Verbreitung von Feindbildern.

Musner wird in seinem Vortrag über die Technologie und die Geografie des Krieges sprechen und fragen: Was genau bedeuten Landschaften und Techniken des Krieges und welche Soldaten-Männer entsteigen dem Horror der Schützengräben?

Dazu muss man bedenken, dass erst die industrielle Massenproduktion von Waffen einen Massenvernichtungskrieg - unter anderem mit Giftgas - möglich machte. Hier wurde der Mensch erstmals "als biologisches Material gesehen, das zerstörbar ist", sagt der Historiker Geyer, der in diesem Zusammenhang auch von einem ersten Aufkommen "einer zutiefst rassistischen Techno- und Vernichtungspolitik" spricht.

Beispiele, die seine Aussage bestätigen, gibt es reichlich: Im Herbst 1914 meinte der deutsche Kaiser Wilhelm II., man solle 90.000 russische Kriegsgefangene auf der Halbinsel Kurische Nehrung, die heute zu Litauen und Russland gehört, verhungern lassen. Wenig später wollte der Monarch Belgien und Frankreich ethnisch säubern. Und lange nach der Niederlage, 1927, schrieb er an einen amerikanischen Freund, man sollte sich von der Presse, den Mücken und den Juden, einer "Pest", am besten durch Gas befreien.

Von derlei Vernichtungswahn vor der Nazizeit erfährt man in Schulgeschichtsbüchern wenig. Die Tagung am IFK soll aber noch ganz andere Blickwinkel auf den Ersten Weltkrieg öffnen: Wie sehr nahm der Kriegsschauplatz auf den späteren Verlauf der Geschichte Einfluss? Musner erzählt, der spätere italienische Faschistenführer Benito Mussolini und der Austrofaschist Emil Fey seien sich am Isonzo im heutigen Slowenien mit großer Wahrscheinlichkeit gegenübergestanden, nur durch wenige hundert Meter voneinander getrennt. Die maschinelle Gewaltexplosion im Karst und das daraus resultierende Trauma habe aus seiner Sicht das Weltbild der beiden Soldaten geprägt: eine gleichermaßen techniksoziologische wie psychoanalytische Sichtweise ideologischer Wurzeln.

Der Osten sei in der bisherigen Geschichtsschreibung des Ersten Weltkriegs insgesamt unterbelichtet, meint Geyer, was einen plausiblen Grund hat: Die historischen Archive wurden erst nach dem Ende des Kommunismus in Europa geöffnet. "Hier gibt es viel aufzuarbeiten und nachzuholen." Was geschah also an der Front zwischen Ostsee und Schwarzem Meer und auch dahinter während und nach der Oktoberrevolution?

Weibliche Heimatfront

Mit der Geschichte der Frauen im Ersten Weltkrieg, bisher auch kaum beachtet, beschäftigt sich schließlich Christa Hämmerle im Rahmen der Tagung. Die Historikerin organisiert an der Universität Wien auch eine eigene Konferenz zum Thema: "The First World War in a Gender Context. Topics and Perspectives" (von 29. 9. bis 1. 10, Campus der Universität Wien, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien). Sie sagt, Frauen seien nicht nur an der "weiblich konnotierten Heimatfront", sondern auch in Kampfgebieten zum Einsatz gekommen -und zwar nicht nur als Krankenschwestern. Der Krieg brauchte diese Unterstützung. Die Darstellung des "wirkmächtigen" Mannes habe zu einer hegemonialen Gesellschaftsordnung geführt und zu einem Erlahmen pazifistischer Bemühungen.

Ob derlei Erkenntnisse das offizielle Österreich dazu bringen, über Ursachen und Auswirkungen des Ersten Weltkriegs offen zu diskutieren? Musner glaubt nicht daran. "Der Erste Weltkrieg ist eine Kann-Erinnerung, der Zweite Weltkrieg und der Holocaust sind zum Glück schon eine Muss-Erinnerung." Auch Geyer zweifelt am Geschichtsbewusstsein österreichischer Politiker. "Vielleicht wird hier noch immer das Habsburgerreich idealisiert. Und man ist aufgrund seines Endes im Weltkrieg nicht interessiert, an 1914 zu denken." Dabei sei das ja auch ein Anfang gewesen, der Anfang von Republik und Demokratie. "Aber das vergisst man."


Veranstaltungstipp

"Geo-Politics in the Age of the Great War 1900-1930". Von 6. bis 8. 10. in den Räumen des IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien

Link

Tagung: "Geo-Politics in the Age of the Great War 1900-1930"

Kommentar posten
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Aldo Moro
 
00
3.10.2011, 03:31
Wetterbericht

das ausgehende neunzehnte jahrhundert klingt im zeichen eines kolonialen, und dementsprechend imperialen wettrüstens aus. Die Blüten der Industrialisierung heißen nicht nur Silikose im Kindesalter, sie heißen auch dreadnoughts, maschinengewehr, und flächen/präzisionsbombardements egal ob aus rohr oder fliegerschacht, Napalm und Streumunition. Beachtenswert ist der Ressourcenaufwand, für Produktion der Maschine & dem Mensch darin. Zu Menschenmaterial verkommen war Mensch bereits zur Zeit punnischer Kriege, erst die Industrialisierung hat ihn an die Grenzen seiner Überlebenssfähigkeit gebracht. Ob die Gebrüder Wright insgeheim von Gothabombern träumten? Denke nicht. But dont forget to praise the "lord" and to serve "your" country! Hail to...!

K 3
00
29.9.2011, 19:25
z.B. einer der vielen anderen Blickwinkel

Die Veränderungen, die in ihrer Gesamtheit als Beseitigung des autoritären Obrigkeitsstaates umschrieben werden können, waren dergestalt, daß sie in der Monarchie auf normalem, evolutionärem Weg nicht durchsetzbar waren. Im Unterschied zu den Anpassungsschritten an das moderne bürgerlich-liberale Zeitalter in den letzten Jahrzehnten Österreich-Ungarns, die eine Reihe demokratischer Reformen nach sich zogen, blieben sie mit den ureigensten Interessen der herrschenden Schichten unvereinbar. Sie sprengten den Rahmen der Systemkonformität und stellten eine neue Qualität dar: den vollen Durchbruch bürgerlichdemokratischer Verhältnisse am Ende des vollen militärischen Zusammenbruches des Staates.

Erika Rothen
01
29.9.2011, 16:37
"Man muss endlich einmal festhalten, dass der Erste Weltkrieg wesentlich von Österreich begonnen wurde"

Wäre nun eine Definitionsfrage, was mit "wesentlich" genau gemeint ist.

Einerseits den absolut guten Ansatz zu wählen, für das Verständis der Katastrophe des 20.Jhdts. das Fin de Siecle als Ganzes heranzuziehen, andererseits bei der "Kriegsschuldfrage" Ursache und Anlass nicht zu unterscheiden, ist ein grober Widerspruch. Ich konzediere aber, dass dieser Widerspruch u.U. nicht von Musner kommt, sondern evtl. durch die verkürzte Darstellung in einem Zeitungsartikel entstand.

Nick Tameer
00
30.9.2011, 09:43

Nun ja, die österreichische Regierung hat im Sommer 1914 ohne Not zunächst am freudigsten gezündelt und aus dem dem Attentat, dem man in Europa zunächst kaum eine solch weitreichende Bedeutung beimaß, erst die Krise gemacht, die dann zum Kriegsausbruch führte.

Erika Rothen
00
30.9.2011, 11:52
Das Attentat auf das Thronfolgerpaar war ja kein Einzelfall,

sondern Kulminationspunkt einer Serie von Aggressionen terroristischer Natur, welche indirekt und teils sogar direkt dem serbischen "Schurkenstaat" zuzuordnen waren.

In der k.u.k. Monarchie sorgte dieser Mord dann dafür, dass im labilen Gleichgewicht der politischen Kräfte letztlich die Kriegspartei unter Conrad von Hötzendorf die Oberhand gewann.
Und während man, wegen der russischen Garantien für Serbein noch zögerte, gab dann die Blankerklärung des deutschen Kaisers den letzten Ausschlag für die Kriegserklärung an Serbien

Conrad glaubte in seiner Naivität übrigens, denn Konflikt auf den Balkan ´begrenzt halten zu können.

Asparuch Edler von Leschnikoff
13
29.9.2011, 11:54
Mir fehlt noch ein bissl der Hinweis,

dass der Urgroßvater vom Schüssel maßgeblich am Kriegsausbruch beteiligt war.

Feuergeist
 
00
29.9.2011, 11:22

Wir posten hier von Links nach Rechts, schreiben über Schlachten, Fehler von Generälen und Kaisern, usw...
Tatsache ist, das 1916, wo der Stellungskrieg an der Westfront nahezu zum Stillstand kam NIEMAND das Wort Friedensverhandlungen auch nur gedacht hat.
Nein, es wurden weiter ganze Generationen europäischer Männer in die Gräben geschickt.

Erika Rothen
00
29.9.2011, 16:46
Stimmt nicht ganz.

Vor dem Kriegseintritt der USA gab es intensiven diplomatischen Austausch zwischen den USA und dem deutchen Außenamt, bzw. den USA und den Ententemächten, zu welchen Bedingungen ein Verständigungsfriede zustandekommen könnte.

Dass die jeweiligen Begehrlichkeiten der beiden Kriegsgegner so weit jenseits jeglicher Realität waren, dass eine Einigung trotz des US-amerikanischen Drucks vollkommen illusorisch war.

Faktisch war es so, dass die bei diesen Verhandlungen postulierten so weit überzogenen Kriegsziele die Angst der Gegner vor einer Niederlage so stark schürten, dass ein Verständigungsfriede außer Reichweite geriet.

Diese Sorge hat sich ja dann in Brest-Litowsk, bzw. Versailles/St.Germain erschreckend bestätigt.

Feuergeist
 
00
30.9.2011, 10:24

Danke für diese Information

Nick Tameer
00
30.9.2011, 09:08

Eigentlich waren es vor allem die deutschen Begehrlichkeiten im Westen, die 1916 einem Frieden entgegenstanden.

Nick Tameer
00
30.9.2011, 09:03

Auch die Deutsche Regierung hat Ende 1916 ein Angebot zu Friedensverhandlungen unterbreitet, das allerdings keine Kompromissbereitschaft bezüglich der Kriegsziele erkennen ließ und daher die erhoffte Wirkung (u.a. die Spaltung der Entente und wohlwollende Aufnahme bei den noch neutralen USA) verfehlte.

K 3
00
29.9.2011, 16:09

Personen, die bei öffentlichen Versammlungen, die Entscheidung den Krieg zu beginnen, kritisiert hatten, wurden bereits 1914 von Gendarmen auf offener Straße erschossen ohne ordentliches Gerichtsurteil, weil deren Befugnisse erweitert worden waren, unter diesen Personen waren auch Politiker. Andere Personen mit eigener Meinung waren bis 1916 diesem Schicksal gefolgt. Die Polizei hatte bereits 1913 auf Demonstranten geschossen. Es ist kein Zufall, daß es zur Revolution kam.

Quintus Beckloeffel
11
29.9.2011, 09:47

Die wichtigste Weiche, die falsch genommen wurde, war die kleindeutsche Lösung. Wäre das großdeutsche 1848er Paulskirchenkonzept realisiert worden, dann hätten die späteren Kriegsmächte Österreich und Preußen ihre nichttdeutschen Territorien abgeben müssen und der Grund für den ersten und in der Folge des zweiten Weltkrieges wäre entfallen.

Erika Rothen
01
29.9.2011, 17:00
Absolut meine Meinung!

Der Aufstieg Preußens unter und nach Friedrich des Großen, also sogar schon 100 Jahre zuvor, ist wahrscheinlich das Problem Mitteleuropas und Deutschlands seit ca. 1750.

Die Soldatokratie des preußischen Junkertums prägte das Deutsche Kaiserreich (und das "1000-jährige Reich") maßgeblich, indem es die Gesellschaft massiv militarisierte.
Dieses Lebensbild war ja zuvor (und ist es glücklicherweise wieder) einem großen Teil der Süd-, Mittel- und (nord-)Westdeutschen ziemlich fremd, führte aber, begünstigt durch falsch kanalisierte "deutsche Tugenden" wie Tüchtigkeit, Fleiß, Pflichtbewusstsein, zu dieser entsetzlichen (militaristischen) Politik mit ihren grauenvollen Resultaten.

Einzelstimme
00
29.9.2011, 14:26

Wie hätten die Landkarten in Böhmen, Mähren, schlesischen und sonstigen Gebieten mit großen Teilen deutschsprachiger und anderssprachiger Bevölkerung ausgesehen? Was wäre mit deutschsprachigen Enklaven des alten Preußen oder auch mit stärkeren deutschsprachigen Gebieten in Siebenbürgen und Banat geschehen? Wenn ich mich richtig erinnere, waren Elsass und Lothringen (ab 1870/71) beim deutschen Kaiserreich. Hätte eine großdeutsche Republik nach 1848 ohne Konflikte und mit großzügiger Unterstützung deutschsprachiger Minderheiten in allesamt befreundeten Nachbarländern das Auslangen gefunden? Hätte es für Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Rumänen staatliche Entwicklungen gegeben, die befriedigend verlaufen wären?

Nick Tameer
00
30.9.2011, 12:16

Schwer zu sagen, aber vermutlich wäre in es der Mitte des 19. Jahrhunderts leichter gewesen, eine zufriedenstellende Lösung zu finden als 1918. Dies wäre aber wohl auch nur dann möglich gewesen, wenn sich in der die Revolution zumindestens die Liberalen durchgesetzt und die alten Elite, die wohl kaum auf diese (teilweise aber auch, was man nicht vergessen sollte, ungarischen) Gebiete verzichtet hätte, ihre Macht verloren hätte.

Das nationalistische Dogma, dass Ethnie und Staat eine Einheit bilden müssten, ist ohnehin nur eine Garantie für Unfrieden.

Dhimmi
02
28.9.2011, 18:23
"Hier wurde der Mensch erstmals "als biologisches Material gesehen, das zerstörbar ist"

Sagt Historiker Gayer.
Er soll mal Cäsars "De Bello Gallico" lesen.

studiosa1
02
28.9.2011, 18:15
"Das Attentat bot dann bloß den äußeren Anlass, zu einer martialischen Kriegspolitik überzugehen."

Kapiert da jemand nicht den Unterschied zwischen Anlass und Grund?
Und weiter:
"Von derlei Vernichtungswahn vor der Nazizeit erfährt man in Schulgeschichtsbüchern wenig." Gemeint ist Kaiser Wilhelm. Der war ein Schwätzer, aber kein Killer. Dies war auch nicht Franz Josef. Beide waren Opfer eines Systems und eines Mechanismus, den es zu sezieren gilt.

Sofern sie in dem Beitrag korrekt wiedergegeben wurden, habe nicht das Gefühl, dass wir mit den Linzer Historikern etwas verpassen.

Dhimmi
00
28.9.2011, 18:04
"Man muss endlich einmal festhalten, dass der Erste Weltkrieg wesentlich von Österreich begonnen wurde"

Oh jee, Tätersehnsucht 2.0
Ja, Franz Josef hat durchgedreht, als ihm Thronfolger Nummer Drei weggeschossen wurde, der Kaiser in Berlin hat ihm zu allem Überfluss einen Blankoscheck ausgestellt.

Vollendet allerdings war bereits die Einkreisungspolitik, die eine automatische Kettenreaktion bedingte. Diese Einkreisungspolitik war von Frankreich initiiert, als Revanche von 1870.
Und schon sind wir bei Napoleon und den Befreiungskriegen, ein Komplex, der mit WKI seine Nachbeben bis ins 20.Jh.aussendete.
Und wie sehr WKII auf dem "Frieden" nach WKI basierte, wissen wir alle.

Umso höher ist das Bemühen um ein geeintes Europa einzuschätzen, das manche schon bei den ersten Bauproblemen wieder auf den Müll werfen wollen.

fds r
00
28.9.2011, 17:28
Schuld war die Syphilis

Vor hundert Jahren waren Adel und Militärs großteils an Lues erkrankt. Das hat sich enorm auf das zentrale Nervensystem geschlagen (siehe Kronprinz Rudolf, der als Jugendlicher "zur Ausbildung" zu Nobelnutten geschleppt wurde). Die waren schlicht und einfach am Ende.

le chat botté
01
28.9.2011, 16:10

Wenn man die Ursachen für den 2. Weltkrieg "verstehen" will, kommt man nicht umhin, sich auch schon mit dem 1. und dessen Folgewirkungen auseinanderzusetzen. Und da geht es noch lange nicht um die "Schuldfrage", wie z.B. etliche Poster meinen und sich sogleich reflexartig davon distanzieren.

Mirabeau
12
29.9.2011, 00:30
Wie kann man eigentlich eine Aussage wie:

"Man muss endlich einmal festhalten, dass der Erste Weltkrieg wesentlich von Österreich begonnen wurde" sonst noch interpretieren, als eine Schuldzuweisung?

Die Aussage ist ahistorisch und falsch:
Österreich hat keinen "Ersten Weltkrieg" begonnen. Österreich hat einen Krieg gegen Serbien begonnen.
Einen Krieg, wie es ihn in den Jahrhunderten davor unzählige male gab. Das daraus das globale Gemetzel werden würde, das wir heute den "Ersten Weltkrieg" nennen, war Franz Josef sicher nicht klar.

Als Ferdinand II 1618 gegen die protestantischen böhmischen Stände ins Feld zog, die seine Stadthalter aus einem Fenster der Prager Burg geworfen hatten, war ihm ja wohl auch nicht klar, daß er soeben den "Dreißigjährigen Krieg" begonnen hatte, oder?

Arjuna, the beautiful
14
28.9.2011, 15:58
"unverantwortliche Politik"

Das war auch gang und gäbe zu der Zeit, den Unterthanen weitestgehende Autonomie zu gewähren, nur die pösen Österreicher wollten das nicht verstehen.

Lobende Beispiele wären da etwa das Britische Empire oder Leopold II von Belgien, nicht wahr?

Auch die Freiheiten der amerikanischen Ureinwohner zu dieser Zeit sind legendär.

Lernen´s Geschichte, Hr. Redakteur!

Arjuna, the beautiful
11
28.9.2011, 16:07

Sorry, der Kreisky-Spruch bezieht sich natürlich auf den Hr. stellv. Direktor.

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