Qualitätsjournalismus

"Wie soll ich da die Paywall runterlassen?"

Oliver Mark, 27. September 2011, 18:48
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    foto: apa/hochmuth

    Eva Dichand sieht "Heute" in aller Munde.

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    Thomas Osterkron, Chefredakteur des "Stern", glaubt nicht an den Erfolg von Bezahltinhalten im Internet.

Öffentlich-rechtliche Sender konterkarieren die Onlineaktivitäten der Privaten, kritisiert "Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn bei den Medientagen

"Ich glaube schon." Wolfgang Pütz ist sich nicht sicher, ob man rein über die Qualitätsschiene einen TV-Sender betreiben kann. Sein Servus TV dümpelt nach zwei Jahren am Markt bei bescheidenen 0,8 Prozent Marktanteilen herum. "Mittelfristig" will er mit Servus TV ein Geschäftsmodell etablieren, das sich rechnet. Und zwar ohne die investierten Millionen eines Didi Mateschitz, der den Sender derzeit mit den Red Bull-Milliarden tränkt. "Wir können nicht auf Dauer nur vom Mäzenatentum leben", so Pütz, hofft aber: "Man kann Erfolg haben, wenn man Geduld hat."

30 Prozent jährliches Wachstum

Geduld braucht Eva Dichand, Herausgeberin von "Heute", nicht mehr haben. Zumindest nicht in puncto Monetarisierung. Ihre Zeitung sei nach sieben Jahren am Markt hochprofitabel, betont sie, "wir fahren die höchsten Renditen ein". Mit jährlichen Wachstumsraten von 30 Prozent beim Umsatz und zehn Prozent bei den Lesern. Qualität heißt für sie in erster Linie, Leserwünsche zu befriedigen. Und mit "Heute" verfolge sie diesen Anspruch: "Wenn die Neue Zürcher Zeitung das fünf Gänge-Menü ist, dann sind wir das Wiener Schnitzel", sagt Dichand, "die Leute mögen es."

"Mein Name steht für nachhaltige Profitabilität", behauptet Oliver Voigt von der Mediengruppe "Österreich". Heuer werde sein Haus einen operativen Gewinn einfahren. Der Gratiszeitung "Heute" zollt er Respekt: Der Vertriebsweg sei der Richtige. Auf der einen Seite werden die Kosten niedrig gehalten, auf der anderen Seite können junge Leserschichten erschlossen werden. Ein Spagat, der auch mit "Österreich" gelingen werde, ist er überzeugt. "Masse und Klasse" definiert er als seine Zielgruppe: "Wir erreichen sowohl den Hausmeister als auch den Generaldirektor."

Keine Massenzeitungen

In Richtung "Falter"-Chef Armin Thurnher, der "Heute" und "Österreich" die Qualität abspricht, meint Voigt: "Die Leser sollen über Qualität entscheiden und nicht die Branchenkollegen." Thurnher hält "Österreich" für ein "unjournalistisches Produkt", das mit gefälschten Interviews hausieren gehe. Qualität habe nichts mit der Befriedigung von Kundenwünschen zu tun. "Wir werden nicht in opportunistischer Manier das machen, was das Publikum fordert." Qualitätszeitungen seien keine Massenzeitungen, aber demokratiepolitisch essenziell. Den "Falter" werde es auch in zehn Jahren noch geben, ist er überzeugt.

Nicht nur Frage der Auflage

Dass sich Qualität und Masse ausschließen, stimme nur bedingt, meint Thomas Osterkorn vom deutschen "Stern". Der "Spiegel" sei das beste Nachrichtenmagazin Europas, und das bei einer riesigen Auflage. "Je kleiner die Auflage, desto höher die Qualität" gelte nicht immer. Den österreichischen Medienmarkt beobachtet er mit Erstaunen: "Wahnsinn, was da alles geht." In Deutschland könne man sich nicht an jeder Straßenecke einfach eine Zeitung nehmen. Das Gratismodell lasse sich nicht nach Deutschland transferieren. "Bei Gruner + Jahr sind wir der Meinung, dass Qualität ihren Preis hat", so Osterkorn, "irgendwo muss das Geld schließlich reinkommen".

Das Qualitätsmäntelchen will sich auch News-Boss Axel Bogocz umhängen. Qualität liege, genauso wie Kunst, im Auge des Betrachters, sagt Bogocz, der die Printprodukte seiner Verlagsgruppe auf einem guten Weg sieht. Am Ausbau der Onlineaktivitäten führe allerdings kein Weg vorbei. "Wir müssen das Nutzungsverhalten noch genauer anschauen, um Geschäftsmodelle zu entwickeln."

"Österreich" denkt an TV

Auch Oliver Voigt will mit "Österreich" einen 360 Grad-Ansatz fahren. Mit multimedialem Denken: "Wir generieren den Impuls in Print, wickeln das Geschäft dann online ab." Um die Mediengruppe zu komplettieren, kann er sich in Zukunft TV-Aktivitäten von "Österreich" vorstellen.

Paywall? "In Deutschland fehlt dafür die Akzeptanz"

Damit Qualitätsjournalismus im Internet finanziert werden kann, brauche es den Massenmarkt, so "Stern"-Chefredakteur Osterkron. Als Portale, die Schwarze Zahlen schreiben, führt er Spiegel Online und Bild.de ins Treffen. "Das sind mit ihren Millionen Usern Marktmächte, die sich kapitalisieren lassen." An erfolgreiche Paywall-Modelle glaubt er nicht: "In Deutschland fehlt dafür die Akzeptanz." Auch, weil Medien den Markt torpedieren. Mit Rückendeckung der Medienpolitik. Als Beispiel nennt er öffentlich-rechtliche Sender wie die ARD, die pro Jahr 60 Millionen Euro in Internetaktivitäten investieren - um ihre Inhalte gratis unter die Leute zu bringen, kritisiert Osterkron: "Wie soll ich da die Paywall runterlassen?" (om, derStandard.at)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
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manfred bruckner
00
29.9.2011, 10:22
kann mir irgend jemand erklären...

welche funktion hans mahr auf dem podium hatte? es ist einfach sagenhaft, wie unbedarft moderatorInnen bei diesen medientagen sein dürfen - jedes jahr wieder...
http://manfredbruckner.blogspot.com/2011/09/q... kodil.html

Dhimmi
00
28.9.2011, 19:02
"führt er Spiegel Online und Bild.de"

Und was ist mit dem STERN?
Einstmals opinionleader und Platzhirsch?
Und wo seid ihr jetzt Herr, äh, Oster...ja?

Und warum?
Vielleicht weil man sich als linkes Kampfblatt etablieren wollte und mit dementsprechend unsäglichen Chefredakteuren a la Michael Jürgs auf die Nase fiel?

Merke: Selbst der Spiegel ist plusminus überparteilich und die Bild sowieso.
Vielleicht liegt da ein Teil des Geheimnisses?

Waldviertler1
01
28.9.2011, 13:55
Qualitätsmedien?! Mit Qualität haben unsere Medien im allgemeinen überhaupt nichts mehr am Hut! Die meisten Meldungen dieser Medien, egal ob TV, Print oder Internet sind Pressemeldungen von Agenturen (APA, DPA, Reuters, usw....) SCHLEICHWERBUNG!!!!!!

Jeder kann eine Pressemeldung gegen Entgelt veröffentlichen, egal ob eine Partei, eine Interessensvertretung, ein Lobbyist, ein Konzern, ein Verein, eine Organisation usw.....

es handelt sich also um eine Schleichwerbung und nicht wie viele (naive) Medienkonsumenten meinen um Journalismus!!

Qualitätszeitungen seien keine Massenzeitungen, aber demokratiepolitisch essenziell. Gehts noch, wenn ca. 70 % der Meldungen von der APA (etc...) kommen, dann zählt nur die Macht des Kapitals (also die PR Abteilungen obiger Organisationen, usw...) und dabei geht es nicht um Demokratie!!

Marktanteile, Meinungsmacherei, Profit und Manipulation!

Erwin Wolfram
00
28.9.2011, 17:52
...

jede freie webseite bietet ein zigfaches an nutzwert und aktualitaet und wahrheit und realitaetsbezug.

kerihuelo
12
28.9.2011, 12:36

"Qualität heißt für sie in erster Linie, Leserwünsche zu befriedigen."

erinnert mich irgendwie an prostitution!

wir schreiben, was die mehrheit lesen will! das hat rein gar nichts mit qualität zu tun!

Dhimmi
01
28.9.2011, 18:51
"erinnert mich irgendwie an prostitution! "

Und? Sie erfüllt eine wesentliche Funktion.
Oder willst lieber einen Seelsorger oder Moralapostel an jeder Strassenecke?

Qualität hat viele Definitionen.

Dreistein
 
15
28.9.2011, 11:45
Servus TV gehört inzwischen zu meinen Lieblingssendern.

Dass Servus TV nur eine Marktanteil von 0,8 Prozent haben soll, kann ich gar nicht glauben. Habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass viele TV Konsumenten gar nicht wissen, auf welcher Frequenz man diesen Sender finden kann. Haben sie ihn aber einmal abgespeichert wird er - zumindest in meinem Bekanntenkreis - sehr gerne gesehen.

Terence Lennox
12
28.9.2011, 13:13
wenn man schon..

..bezahlte poster (was ja sehr professionell ist) einsetzt, dann bitte texte tippen, die nicht so durchsichtig schlicht sind. für so etwas gibt es professionelle agenturen..

Mycroft Holmes
01
28.9.2011, 14:46

meh, ich mag Servus auch, sogar unbezahlt. Leider.

kein nick will mir mehr einfallen
01
28.9.2011, 11:34
Das Gratismodell lasse sich nicht nach Deutschland transferieren.

warum eigentlich nicht? anderswo funktioniert das gratismodell genau so gut oder sogar besser als in österreich, in london ist mit dem evening standard sogar eine qualitäts-gratiszeitung verfügbar.

Nussbaum
00
28.9.2011, 13:23

gartiszeitungen hatten es bis dato in deutschland schwer, weil es nicht so wie in UK ein wirtschaftszentrum mit millionen pendlern gibt (london), sondern es viel dezentralisierter ist, was bedeutet man hat ein logisitisches problem (vertrieb ist teurer) und müsste wahrscheinlich auch lauter adaptionen machen (für münchen, berlin, hamburg, stuttgart, köln,...)

astemp79
00
28.9.2011, 11:03
Unabhängigkeit oder Leserwünsche?

"Qualität heißt für sie [Eva Dichand] in erster Linie, Leserwünsche zu befriedigen."

Ja, genau - daran krankt die gesamte österreichische Presse. Es gibt keine unabhängigen Medien, alle sind in Gesellschaften (WZ, News-Gruppe) organisiert. Und allen geht es nur ums Geld, nicht um wahre Information. Egal ob "dem Leser zum Munde reden", ob Werbung, ob Scheinartikel, ob Gegengeschäfte mit Firmen (Pharma- und Gesundheitsbranche): Hauptsache, der Rubel rennt.
Der Sinn der Medien ist vollkommen verschwunden.
Leider.

Einziger Ausweg: besonders Fellnerpresse und WAZ ignorieren - und viel mehr ausländische Blätter lesen.

Post von Mortem
25
28.9.2011, 10:46
bin ich noch retro oder schon so alt?

Was ist "paywall"?

besson
31
28.9.2011, 12:10

wohl beides.

Hornhifi
12
28.9.2011, 13:04

... und was simma selber, Herr Unfreundlich?

Gerald H
00
28.9.2011, 11:44

alt

Sukram's Panopticum
 
00
28.9.2011, 11:42

Ein geflügeltes Wort, dass meint, eine Hürde für Nutzer darzustellen, da für den Inhalt einer Website bezahlt werden muss, um diesen (vollständig) zu sehen.

saka jamahatsu
01
28.9.2011, 11:14

das ist die technische barriere die sie davon abhält einen onlineartikel zulesen, bevor sie dafür bezahlt haben

afrayspeed
00
28.9.2011, 10:37

wo bleibt denn der klimek? ^^

kerihuelo
04
28.9.2011, 10:32

heute lesen ist wie fastfood burger essen:

sieht toll aus, aber hinterher ist einem immer übel ...

tramezzino
00
28.9.2011, 12:30

und bei heute wird man nicht von informationen "überfrachtet" ;-)

1116er
12
28.9.2011, 08:20
"Die Leser sollen über Qualität entscheiden und nicht die Branchenkollegen."

der autofahrer soll über die verkehrsordnung entscheiden.

die pädophilen sollen über die tagesgestaltung im kindergarten entscheiden.

der wähler soll über die politik entscheiden.

wie man sieht: wo immer der bürger mehrheitlich entscheidet, kommt mist raus!

hin und wieder ein tunichtgut
01
28.9.2011, 08:14
es ist

schon ziemlich unfassbar, für wie toll sich manche medienverantwortlichen halten. in wirklichkeit tragen sie zum ständig wachsenden niveauverlust in diesem lande massiv bei.

die politik möge endlich aufhören, den boulevard über inserate zu fördern und steuergeld dafür zu vergeuden!

sdfad sdfaf
01
28.9.2011, 07:58

Den "Spiegel" als Qualitätsmedium zu bezeichnen ist gewagt. Es ist teilweise erschütternd wie schlecht und manipulativ die Artikel sind, z.B. zur Eurokrise und Fukushima. Der Onlineauftritt gleicht überhaupt streckenweise einem Boulevardmagazin. Der "Stern" ist allerdings noch eine Kategorie darunter.

Nicholas van Orton
11
28.9.2011, 10:42
"Den "Spiegel" als Qualitätsmedium zu bezeichnen ist gewagt."

geh bitte...

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