Lose Umarmung des Lebens

27. September 2011, 17:26
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    foto: stadtkino

    Matthew Porterfields "Putty Hill" beschreibt eine ärmliche Community und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl.

Feinsinniges US-Independentkino: Matthew Porterfields beschreibt in "Putty Hill" eine ärmliche Community und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl

Wien - Vorurteile sind näher, als sie erscheinen! Wer am Anfang von Matthew Porterfields Putty Hill bei den durch die Wälder von Maryland pirschenden Paintball-Spielern gleich an dämliche Waffennarren denkt, wird schnell eines Besseren belehrt. Einer der "Weekend-Warrior" ist James (James Siebor), ein verträumter, sanftmütiger Kerl, der so gar kein Klischee dieses Freizeitsports erfüllen will. Demoskopisch entspricht er der Zielgruppe freilich schon, James stammt aus einer zerrütteten weißen Familie am unteren Ende der Einkommensskala. Sein Bruder Cory, das abwesende Zentrum des Films, ist kürzlich an einer Überdosis gestorben.

Es benötigt einen unvoreingenommenen, auch unverbrauchten Blick, um einem Milieu, das gerne lapidar unter dem Begriff "White Trash" zusammengefasst wird, noch neue Sichtweisen abzugewinnen. Putty Hill zeichnet diese Neugierde aus: Hier werden weder die Konventionen des Sozialrealismus bemüht, der einen an proletarischen Welten teilhaben lässt, noch wird eine Art Ursachenforschung sozialer Missstände betrieben. Dieser Film schaut hin, aber er kommentiert nicht.

Porterfield, der selbst aus Baltimore stammt und die strukturschwachen Vororte der Stadt gut kennt, betrachtet das Vertraute mit den Augen eines Unbeteiligten. Er schafft damit Raum für Assoziationen, die von Teen-Dokumentarfilmen wie Streetwise bis zu Fotografien von William Eggleston reichen - Arbeiten, die das Bild eines Lower-Class-Amerika geprägt haben. Das Dokumentarische benützt Porterfield im Film wie ein Authentizitätssiegel: Es kommt öfters vor, dass er eine Figur des Films gleichsam zur Seite nimmt und aus dem Off Fragen an sie richtet, um etwas mehr über ihre Beweggründe zu erfahren.

Bemerkenswert daran ist aber weniger der Bruch mit der Illusion - sie ist ohnehin fragil - als der Umstand, dass es nur wenig Erklärungen, geschweige denn Wahrheiten zu ergründen gibt. Corys Cousine Jenny (verkörpert von der Sängerin Sky Ferreira, der einzigen Prominenten des Films) hat kaum Erinnerung an den Toten und kämpft selbst um die Anerkennung durch ihren Vater, einen Tätowierer. Drogen sind in diesen Verhältnissen so selbstverständlich, dass darum kaum Aufhebens gemacht wird. Die Trauer um Cory hält sich vielleicht auch deshalb in überschaubaren Grenzen.

Eine durch ihre atmosphärische Unbestimmtheit besonders erinnerungswürdige Szene des Films zeigt die Trauerfeier für den Toten, in der es zu keinerlei emotionalen Ausbrüchen kommt. Das Setting in einer schmuddeligen Karaoke-Bar gibt einen eher gemächlichen Rhythmus vor, es werden kleine Ansprachen gehalten, Lieder gesungen. Diese Community mag über eine ungewöhnliche Gelassenheit verfügen, die Szenerie vermittelt aber auch ein nur schwer fassbares Zusammengehörigkeitsgefühl.

Deshalb ist wohl auch der Skateboard-Platz genau der richtige Ort für ein Graffito, das an Cory erinnert: Innerhalb dieser losen Gruppe, deren unbestimmte Bewegungen Muster auf den Beton zeichnen, kennt sich ein jeder vom Sehen. Und jeder, sagt einer der Jugendlichen, kann irgendetwas besonders gut. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe 28.9.2011)

Ab Freitag im Kino

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18 Postings
Hugo Grasser
00
28.9.2011, 16:21

Schon wieder so ein Porno...was geschieht nur mit unserer Gesellschaft?

Gary Grantscherbn
20
28.9.2011, 11:36

wer soll der Holzkuckuck am Foto sein?

peff
00
28.9.2011, 16:07

hmmm... Allerdings sicher nicht Sky Ferreira => http://skyferreira.com/

TSD
00
28.9.2011, 14:47
deine mudder!

Gary Grantscherbn
41
28.9.2011, 15:07

sorry, hierzulande gibt's keine "Mudder". Hast dich wohl im Forum geirrt-Piefkonien ist woanders.

exSpectator
00
28.9.2011, 16:41

Die Ische is auf jeden zu hübsch für ne Grantscherbn.

TSD
13
28.9.2011, 15:12
Ach du grüne 9e,

hab ich nun Fortexsöldner im Pelz, wenn ich in österreichischem Intranetz surfe? ; )

Gary Grantscherbn
40
28.9.2011, 15:35

ich muss dich wieder enttäuschen, "grüne9e" existiert hier auch nicht. Und das Übersetzungsbüro will ich nicht einschalten.

peff
00
28.9.2011, 10:55
Sky Ferreira?

Die IT-Girl, youtube-Superstar-Sängerin ist auch Schauspielerin?

error.
00
28.9.2011, 10:10

finally :)

TSD
00
28.9.2011, 09:36
Super & na endlich!

Dachte schon das wird einer dieser Festivalfilme, die dann nie im Kino sind! Leider nur Wien, hoffe das geht noch weiter.

peff
01
28.9.2011, 09:21
Baltimore rules!

Super Film, das bisher fehlende Pendant zu TV-Serie THE WIRE!

TSD
01
28.9.2011, 10:10
Baltimore scheint das neue New York zu sein ; )

http://www.negativ-film.de/2011/09/p... imore.html

Wieviel Demokratie ist es bitte?
02
28.9.2011, 00:26
/* No Comment */
00
27.9.2011, 19:05
@derSta

Weiß man auch schon, in welchem Kino? Der Film würde mich nämlich sehr interessieren!

Barbara Schett
00
27.9.2011, 20:48

http://www.falter.at/web/kino/kliste.php

Sehenswerter Film, finde ich. Ruhig, nachdenklich, tolle Bilder.

ölika
01
27.9.2011, 20:41

Im Stadtkino ab 30. www.stadtkinowien.at :)

Wolligessocki
02
27.9.2011, 19:46

im stadtkino wien ab 30.09

http://www.stadtkinowien.at/stadtkino... /film/572/

wär nur noch interessant ob der auch noch in anderen kinos gespielt wird

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