Gyurcsany wehrt sich: "Terror"-Bericht ist "Lüge"

27. September 2011, 16:31

Ex-Premier: 2006 war vielmehr "Putschversuch" von Fidesz-MPSZ

Budapest - Die Interpretation der Ereignisse des Herbstes 2006 durch die rechtskonservative Regierungspartei Fidesz-MPSZ (wir berichteten) hat der ungarische Ex-Premier Ferenc Gyurcsany als "Lüge" bezeichnet. Gyurcsany reagierte damit auf einen Regierungsbericht, in dem das Vorgehen der Polizei gegen Anti-Regierungs-Demonstranten am 23. Oktober 2006 in der Budapester Innenstadt als "Terroraktion" bezeichnet wird.

Der Bericht des Ex-Justizministers Istvan Balsai sollte das "brutale Vorgehen" der Polizei untersuchen. Der Bericht vermutet, die Polizei habe auf "höchste politische Anweisung", das heißt "auf Befehl" des damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany gehandelt. Deswegen müsse die politische und rechtliche Verantwortung von Gyurcsany für die Ereignisse untersucht werden.

Auf seiner Facebook-Seite behauptet Gyurcsany, 2006 sei vielmehr ein "Putschversuch" von Fidesz-MPSZ erfolgt. Die Polizei habe vor fünf Jahren "auf der richtigen Seite" gestanden und die verfassungsmäßige Ordnung verteidigt, "wenn auch nicht fehlerfrei". Die Polizei sei "energisch gegen gesetzlose Gewalt aufgetreten, hinter der Fidesz sowie nahestehende Personen und Gruppen standen". Dabei seien leider auch unschuldige Menschen verletzt worden, bedauert der Ex-Premier. Doch auch diese Tatsache dürfte nicht von der Erkenntnis abbringen, dass "wir auf der Seite der Republik standen, während sich Fidesz wiederum mit den Feinden der Republik verbündete". Der Balsai-Bericht würde deutlich machen, dass "sie nur Munition für leeres Herumhauen haben". Gyurcsany stellte zugleich die Frage: "Warum verbitten wir uns nicht diesen Strom widerlicher Lügen, was erreichen wir mit unserer Feigheit?"

Bei seiner Untersuchung sei Balsai zu der Erkenntnis gelangt, dass die "groben Rechtsverletzungen" ein Zeichen gewesen seien für das "brutale und paranoide Machtbestreben" der Gyurcsany-Regierung, heißt es in dem Text. Während der Bericht keine konkreten Beweise nennt, dass Gyurcsany der Polizei Anweisungen gegeben hätte, sieht Balsai, der Verfassungsrichter und frühere Abgeordnete der Regierungspartei Fidesz, die "kontinuierlichen Telefonate" zwischen Gyurcsany und dem damaligen Budapester Polizeichef Peter Gergenyi als Belege an.

Der bereits seit März 2011 vorliegende, aber erst jetzt veröffentlichte Bericht wird seitens der oppositionellen Sozialisten (MSZP) als eine "Schmähung mit Timing" von Premier Viktor Orban bezeichnet. Mit der jetzigen Veröffentlichung wolle Orban nur vom "vollen Zusammenbruch seiner dilettantischen Wirtschaftspolitik" ablenken, erklärte der MSZP-Vorsitzende Attila Mesterhazy und betonte: Der Bericht würde Behauptungen beinhalten, die an die "Grenze des Wahnsinns " gingen und Handlungen der lediglich ihren Dienst versehenden Polizisten der "Terroraktionen" bezeichnen.

Die Anti-Regierungs-Ausschreitungen in Budapest hatten nach der Veröffentlichung der sogenannten "Lügenrede" von Gyurcsany im September 2006 begonnen. In einer parteiinternen Rede in der Ortschaft Balatonöszöd hatte Gyurcsany einige Wochen zuvor zugegeben, den Wählern während des Wahlkampfes im Frühjahr 2006 nicht die Wahrheit über die Lage im Land gesagt zu haben. Laut Bericht erreichten die Proteste ihren "Gipfel" am 23. Oktober, dem 50. Jahrestag der Revolution von 1956. An jenem Tag waren viele Menschen - großteils friedlich - in Budapest auf die Straße gezogen, um ihrem Unmut gegen den "Lügner" Gyurcsany Ausdruck zu verleihen. Die damalige Oppositionspartei Fidesz-MPSZ forderte den Rücktritt des Regierungschefs. Gegen Abend kam es am Rande der Proteste zu gewalttätigen Ausschreitungen mit brennenden Autos, Mülltonnen und Barrikaden, die bis spät in die Nacht andauerten. Die Polizei setzte unter anderem Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschoße ein.

Premier Orban ersuchte Parlamentspräsident Laszlo Köver, den Bericht den Parlamentsabgeordneten zuzustellen und zu ermöglichen, dass das Parlament und seine Ausschüsse den Inhalt behandeln können. Laut einer Aussendung von Peter Szijjarto, dem Sprecher des Ministerpräsidenten, sei dieser Schritt notwendig, da die "politisch motivierten brutalen Angriffe der Polizei gegen friedliche Demonstranten nicht ohne Folgen bleiben dürfen". Die Eile wird weiter damit erklärt, dass die möglichen Straftaten von 2006 nun nach fünf Jahren verjähren, wenn nicht zuvor Anklage erhoben wird, schreibt die Internetzeitung "Origo". (APA)

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Posting 1 bis 25 von 46
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Felix Meritis
14
1.10.2011, 09:14

Meiner Erinnerung nach, sind da völlig entgleiste Rechtsextreme mit einem Panzer rumgefahren und haben Randale der übelsten Art veranstaltet. In so einem Fall würde auch die österreichische Polizei sehr hart vorgehen - ohne dass Faymann anrufen muss.

Bagolyvár
00
7.10.2011, 12:29
Muten Sie denen nicht zuviel zu?

http://www.youtube.com/watch?v=O... re=related

derie Standardin
52
30.9.2011, 09:24
Hat derstandard...

Hat derstandard keine bessere Themen Ungarn betreffend als regelmässig Facebook postings dieses Exkrements zu übersetzen? Der Spruch dass die Ereignisse 2006 ein "Putschversuch" ist aber doch originell... Wars nicht so dass laut eigener Aussage er WEGEN seines erfolgreichen Putsches 2 Jahre so tun musste als ob er regieren würde oder hab ich da was falsch verstanden? Feri 2006: "Sie werden vor dem Parlament Demonstrieren, natürlich werden sie dass, irgenwann wird denen Langweilig und gehen nach hause". Unglücklicherweise wurde es "denen" nicht langweilig & "sie" waren friedlich... Dieser Penner sollte JEDEM EINZELNEN der das Fernsehgebaude geplündert hat die Füsse küssen. 2 Gaunerbanden und wer verliert? Der friedliche Demonstant:(

Ibsen
04
1.10.2011, 10:21
Dert Sandard könnte zum Beispiel auch darüber berichten, dass...

während Gyurcsány plötzlich unter Terrorverdacht steht, wurde György Budaházy plötzlich aus dem Gefängnis entlassen und nach Hause geschickt
http://index.hu/belfold/2... oztatasat/

Bekannt wurde Budaházy mit seiner Organisation u.a. durch zahlreiche Gewaltakte mit Molotowcocktails.
http://derstandard.at/128519940... xtremisten

Sandor Kocsis
10
1.10.2011, 19:18

für die unter uns, die nicht Ungarisch können: er steht unter Hausarrest, was ein kleiner Unterschied ist - ich gehe davon aus, dass war nicht die alte Agit-Prop Methode, der Ibsen verfallen ist - der auch garantiert, dass der Wahnsinnige nicht an den Demos teilnimmt.
Die vorherigen Regierungen haben ihn immer davor ganz aus der Haft entlassen, correct me if I am wrong Ibsen

Ibsen
10
6.10.2011, 15:39
Apropos Agit-Prop Methode:

Heute wurde - direkt von der Regierung (Rózsa Hoffmann) geordnet - in der Schule als Teil des Festaktes zum 6. Oktober Orbáns neue Verfassung den 10jährigen (!) und 14jährigen verteilt und den Schülern die Verfassungspräambel vorgelesen.... http://index.hu/belfold/2... lkotmanyt/

Sandor Kocsis
00
7.10.2011, 11:06

Während sie danach mit Tränen in den Augen die Szekler Hymne anstimmten, und über ihnen der Turul seine Runden zog, um ihnen den Weg ins gelobte Land zurück hinterm Ural wies!

Ibsen
00
16.10.2011, 19:40
Und noch etwas zum Lachen für den Wochenanfang:

Orbán Viktor kormánya 2012-tol össze akarja vonni NÓgrád és Borsod-Abaúj-Zemplén MEGyét. Már az új neve is megvan... :-)

Sandor Kocsis
00
17.10.2011, 09:57

:-)))

Ibsen
00
16.10.2011, 08:43
Aber zuerst haben sie das Gips-Gesicht von Orbán streicheln müssen:

http://index.hu/belfold/2... _vakoknak/

Bagolyvár
00
16.10.2011, 21:08
Geschmackssache.

Manche hächeln mit eifrigem Zungenschlag hinter Gyurcsány her.

Ibsen
00
7.10.2011, 12:29
:-))))

Ibsen
10
3.10.2011, 15:15
Das ist keine Agit-Prop Methode, das ist eine Paralelle

Budaházy durfte nach Hause, unter Hausarrest, während Gyurcsány plötzlich unter terreorverdacht steht.

Findest Du etwa, dass es in einem zilvilisierten Land in Ordnung ist?

Sandor Kocsis
00
7.10.2011, 11:05

Nein, aber Szarházy ist unter HausARREST! Das ist ein feiner Unterschied zu "nach Hause entlassen"

Janosch bacsi
10
7.10.2011, 15:40

Was? Mester(szar)hazy auch schon verhört?

Ibsen
00
7.10.2011, 12:28
Ja,

so ist das!

Janosch bacsi
40
1.10.2011, 10:56

Es war schon höchste Zeit, daß Budahazy in den Hausarrest entlassen wurde. Er wurde von der Gergényi-Polizei hinterfotzig in die Falle gelockt (Ladung zur Zeugenaussage), wurde verhaftet und saß über ZWEI JAHRE in U-Haft. Sie haben absolut keine Beweise gegen ihm, er wird eine schöne Entschädigungssumme kassieren. Hoffentlich kommt er nicht auf die Idee am 23. Oktober sein Haus zu verlassen.

Sandor Kocsis
20
1.10.2011, 19:15

der Depperte hat Fidesz mehr als jeder andere geschadet, und das ist schwer

sandokan55
51
29.9.2011, 23:03
„Die Interpretation der Ereignisse des Herbstes 2006 ... hat der ungarische Ex-Premier Ferenc Gyurcsany als "Lüge" bezeichnet. „

Na, wenn der Lügner
"jahrelang haben wir(soz-lib) Tag und Nacht gelogen"
etwas als Lüge bezeichnet, dann ist es sicher wahr, nicht wahr?:-)

Die Hunderte von den schlagenden Polizisten standen völlig "anonym" da
- schon vor der „großen Schlacht“ - ,
weil ihre Dienstnummer "heruntergefallen" waren,
wie dies der von Gyurcsany hochgelobte und ausgezeichnete Polizeichef Gergenyi behauptete.

und die soz-lib Fans glaub(t)en alles, wie die Kinder, wenn sie Märchen hören, mit großen Augen...

omar chamra
13
28.9.2011, 08:51
Der Regierungsbericht ist bereits vom 15. März und wurde bislang zurückgehalten, wie 2006 auch Gyurcsánys „Lügenrede“. Pünktlich zum Nationalfeiertag am 23. Oktober dürfte es eine Anklage geben - das ist Teil der Inszenierung

Der Verfasser des Berichts, der Ex-Justizminister, frühere Fidesz-Abgeordnete und jetzige Verfassungsrichter Istvan Balsai bezieht sich im Bericht unter anderem auf die juristischen Vorarbeiten von zwei Jobbik-nahen Organisationen, bei denen er sich explizit bedankt (S. 141): Dem Civil Jogász Bizottság (Ziviler Juristenausschuss) und der Nemzeti Jogvédo Alapítvány (NJA) és Szolgálat (Stiftung Nationaler Rechtsschutz und Nationale Rechtshilfe). Mitglieder beider Organisationen waren bzw. sind die Jobbik-EU-Abgeordnete Krisztina Morvai und der Jobbik-Abgeordnete Tamás Gaudi-Nagy.
http://pusztaranger.wordpress.com/2011/09/2... -juristen/

Bagolyvár
30
30.9.2011, 22:25
Ja eben! Warum werden immer diese Rechtsextremen befragt?

Neben Pusztaranger hätten sie zur Wahrheitsfindung unbedingt die hochgeschätzte Philosophin Ágnes Heller einladen müssen:
http://www.youtube.com/watch?v=39JGGbGJhwQ

Mariano
27
27.9.2011, 20:20
Mythos 2006

Fidesz hat einen Mythos von den Krawallen in 2006 kreiert. Sie haben ein Ereignis gebraucht, das lange im Gedächtnis der Bürger bleibt. Das haben sie ohne Zweifel geschafft. Auf einen solchen Mythos möchten sie ein ganzes Regime längerfristig aufbauen.

Weiters ist das Ziel auf irgendeiner Weise Gyurcsány hinter Gitter bringen, da es wahrscheinlich auch im Fall Sukoró nicht möglich wird.

Am lächerlichsten ist es aber trotzdem, dass keiner von den Nazis, die damals bei dem Sturm auf das MTV-Gebäude mitgemacht haben, verurteilt wurde...

Bagolyvár
42
29.9.2011, 22:09
Ihre Vermutungen klingen gut!

Der letzter Satz zeigt aber, dass Sie entweder falsch informiert sind oder bewußt lügen. Zumindest einer der Täter sitzt noch immer ein.

Adam Markus
03
27.9.2011, 22:28

Leider hat sich die Fidesz mit der Aktion selbst in Knie geschossen, weil sie damit die radikale rechte aufgebaut hat, die sie jetzt vor sich her treibt.

Observateur
113
27.9.2011, 19:09
Die üblichen Lügen der Linken: genauso hat die ÖBB freiwillig die Faymann Inserate geschaltet!

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