WebStandard-Interview

GIS: Hacker-Angriff kam "aus dem Blauen heraus"

Interview | Markus Drenckhan, 28. September 2011, 17:04
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    foto: der standard

    GIS will aus Hackeranngriff gelernt haben

Herbert Denk im Interview über die neue Sicherheitsmaßnahmen seit dem Anonymous-Angriff

Seit kurzem ist der Online-Service des Gebühren Info Services GIS wieder in vollem Umfang verfügbar. Nach dem Hackerangriff von Anonymous Österreich am 22. Juli war zunächst der gesamte Internetauftritt des Unternehmens offline gewesen. Jetzt sind auch die Formulare für Anmeldungen und Datenänderung wieder online gegangen.

Die Aktion der Hacker zielte nach eigenen Angaben darauf ab, gravierende Sicherheitsmängel der GIS-Webseite aufzuzeigen. Über die Bewertung der Aktion und die Frage, ob die GIS leichtfertig mit Kundendaten umgegangen sei, gab es eine größere Auseinandersetzung. Im Interview äußert sich Herbert Denk, Leiter des Bereiches Marketing der GIS Gebühren Info Service GmbH, zu dem Vorfall und den Konsequenzen.

***

derStandard.at: Was waren die Schwierigkeiten in der Reaktion auf den Hackerangriff vom 22. Juli?

Denk: Da gab es keine wirklichen Schwierigkeiten. Das Ganze ist an einem Freitag passiert. Wir haben umgehend das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) angerufen, die sich wiederum mit einer IT-Security-Firma zusammengetan haben. Sie sind gemeinsam zum Server gefahren und haben mit der forensischen Analyse angefangen. Das hat die ganze Nacht bis Samstag in der Früh gedauert und dann war Wochenende. Die genaue Analyse und was dabei herausgekommen ist, haben wir erst am Montag bekommen.

derStandard.at: Es hat aber nach der ersten Übernahme der Webseite durch Anonymous Österreich weitere Übernahmen gegeben?

Denk: Es hat noch ein oder zwei Versuche gegeben, dann haben wir die Seite vom Netz genommen. Wir haben gesagt: „Jetzt schauen wir uns an, was wirklich passiert ist und lassen es analysieren. Es muss verkraftbar sein, dass wir eine Zeitlang offline sind."

derStandard.at: Anonymous hat Ihnen ein Ultimatum zur Veröffentlichung einer Erklärung gesetzt?

Denk: Das ist übers Wochenende [nach dem 22. Juli] aufgetaucht. Das hat unsere Entscheidungsprozesse aber nicht beeinflusst. Wir wussten erst am Montag, was wirklich geschehen war. An dem Freitag, als alles passierte, war es uns selber nicht klar. Die Analyse erfolgte Spätnachmittags bis zum Abend und in die Nacht. Den Endbericht erhielten wir am Montag. Wir wären auf jeden Fall mit der Information rausgegangen, egal ob Anonymous ein Ultimatum stellt oder nicht.

derStandard.at: Es war kein Versuch, das geheim zu halten?

Denk: Wir können das nicht geheim halten. Wenn Kundendaten abgezogen werden, sind wir vom Datenschutzgesetz her verpflichtet, zu informieren. Eine klare Information konnten wir aber erst geben, als für uns klar war, was eigentlich passiert ist. Als am Freitag alle möglichen Twitter-, Facebook- und Nachrichtenmeldungen darüber verbreitet wurden, war die Information für uns noch nicht da, da wussten wir selber noch nicht, wie und was passiert ist.

derStandard.at: Hat es im Vorfeld Hinweise auf mögliche Schwachstellen gegeben? Es gibt einen Bericht, in dem über Fehler bei der PHP-Eingabe berichtet wird?

Denk: Nein, keine die mir bekannt sind. Ich habe den Artikel auch gelesen, aber das ist für uns nicht nachvollziehbar.

derStandard.at: Sie haben intern keinen Nachweis gefunden, dass dieser Hinweis bei Ihnen eingelangt ist?

Denk: So ist es. Für uns kam der Angriff aus dem Blauen heraus.

derStandard.at: Der Angriff unterscheidet sich insoweit von anderen Hackeraktionen, da es Anonymous Österreich darum gegangen ist, auf „die eklatanten Verstöße der GIS gegen das Datenschutzgesetz" aufmerksam zu machen. Ist die GIS leichtfertig mit den Daten umgegangen?

Denk: Wir sind nicht leichtfertig mit den Daten umgegangen. Ich möchte betonen, es handelte sich um eine Protokolldatei. Es war keine Datenbank der GIS. Es war die Protokolldatei, die aufzeichnet, welche Eingaben Personen in unseren Online-Formularen gemacht haben. Die Datenbank ist mit dem Internet überhaupt nicht verbunden. Die IT-Umgebung der GIS mit den internen Datenbanken war von dem Angriff nicht betroffen. Der gesamte Webbereich, das gesamte Internet ist von unserer IT-Landschaft total getrennt. Da gibt es keinerlei Verbindung.

Auch die Angaben, die jemand in die Online-Formulare macht, laufen nicht ungeprüft in unser System, sondern müssen manuell bearbeitet werden und werden dann erst eingepflegt.

derStandard.at: War die Protokolldatei ausreichend geschützt?

Denk: Die war an und für sich ausreichend geschützt. Durch den Hackerangriff ist eine Schwachstelle aufgetaucht und über die war es dann möglich, auf den Server zu gelangen.

derStandard.at: War es für Sie ein krimineller Hackerangriff oder eine politische Aktion?

Denk: Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt eingebracht. Es ist uns ein Schaden dadurch entstanden.

derStandard.at: Wie haben Sie die geschädigten Personen informiert?

Denk: All jene Personen, deren Angaben in dieser Protokolldatei enthalten waren, wurden von uns schriftlich informiert. Bei denen, die eine E-Mail-Adresse dabei hatten, konnten wir sogar im Vorfeld per E-Mail informieren und auch noch einmal postalisch. Mit dem Hinweis darauf, welche Daten betroffen waren - es waren im Wesentlichen Name und Adresse und bei ungefähr der Hälfte auch eine Kontonummer. Bei den Kunden, bei denen die Kontonummer dabei war, haben wir darauf hingewiesen, dass sie ihre Kontobewegungen genauer ansehen und bei Unregelmäßigkeiten Kontakt mit dem Kreditinstitut aufnehmen sollten. Mit dem Hinweis darauf, dass das Zahlungsdienstegesetz vorsieht, dass bei ungerechtfertigten Abbuchungen eine Rückbuchung möglich ist. Von Schäden bei Kunden ist uns nichts bekannt.

derStandard.at: Gab es Fragen oder Beschwerden von Kunden?

Denk: Es hat natürlich Anfragen gegeben. Auch von Kunden, die nicht betroffen waren. Es hat sich sehr in Grenzen gehalten. Möglicherweise lag das an der Sommerzeit, das weiß ich nicht.

derStandard.at: Wie haben Sie Ihr Sicherheitskonzept überarbeitet?

Denk: Wir reden ausschließlich von der Webseite. Alle anderen IT-Systeme finden in einer ganz anderen Umgebung statt. Diese zwei Sachen sind total voneinander getrennt. Was die Webseite betrifft: Server und FTP-Client wurden neu konfiguriert, Firewalls angepasst und eine sehr strenge Auditierung durch ein externes IT-Security-Unternehmen auf eventuelle Schwachstelle durchgeführt, bevor alles wieder Online gegangen ist.

derStandard.at: Gab es darüber hinaus Maßnahmen für eine zukünftige Verbesserung der Sicherheit?

Denk: Es wird weitere Schritte geben. Es wird in Zukunft permanent Auditierungen und Penetrationstest von externen Spezialisten geben, um eventuelle Schwachstellen und Sicherheitsrisiken zu prüfen und festzustellen. Es wird gerade ein neues Konzept aufgesetzt, das diese Punkte vorsieht. Wir sind nicht im Mindesten daran interessiert, dass so etwas noch einmal passiert.
Für uns ist ganz vordringlich, dass die Kunden beruhigt sind und dass garantiert ist, dass Sicherheitsstandards da sind und eingehalten sind. Das ist eine ganz wichtige Sache. Wir sind ein Unternehmen, das sehr stark auf Datensicherheit ausgerichtet ist. Der GIS eine generelle Leichtfertigkeit zu unterstellen, ist wirklich ungerechtfertigt. (Markus Drenckhan, derStandard.at, 27.9.)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 149
1 2 3 4
Nr.3645
00
6.10.2011, 17:57
was ist eigentlich so schwer daran FEHLER zuzugeben?

so lügen alle herum, dass sich die balken biegen.
das glaubt doch kein vernünftiger leser!

Ser sum sin
00
2.10.2011, 22:16

Lügner. Es war ein SQL-Dump direkt als Datei über den Webserver zugänglich.

kevin brown
11
1.10.2011, 19:41

Server und FTP-Client wurden neu konfiguriert ...

Na wenn die heute noch FTP verwenden, dann ist eh alles klar...

spiel mit mir
05
30.9.2011, 07:42
"Die Datenbank ist mit dem Internet überhaupt nicht verbunden."

aha ... direkt evtl nicht, aber wie könnte sonst der Webserver in die DB schreiben ... lol ... ich liebe die GIS ...

klar kent
30
2.10.2011, 08:27

nicht alles ist eine php+mysql lösung ;)

suit
 
03
30.9.2011, 09:55

Die Protokolldatei wird regelmäßig ausgedruckt. Dann streicht ein Mitarbeiter alle Datensätze durch, die in der Live-Datenbank exakt so bereits vorhanden sind. Das wird dan eingescannt und per Mail an den "Datenbankadministrator"[1] weitergeschickt.

Der druckt sich die Liste aus und führt dann manuell die Korrekturen in der Live-Datenbank durch.

Ich versteh' nicht, wo das Problem sein soll - that's the way it's done :)

[1] bei Humboldt

spiel mit mir
00
15.11.2011, 08:27

YMMD!

Bilderrahmen
01
1.10.2011, 18:04

Und wofür hat die GIS eine Faxnummer? Die wird wohl sicherlich hier auch gerne eingesetzt.

sterngucker
 
00
29.9.2011, 16:44
Da wurde wieder ein Wort-für-Wort-Übersetzer interviewt

"Out of the blue" heißt im Deutschen noch immer "aus heiterem Himmel".

suit
 
00
30.9.2011, 09:56

Du siehst das im falschen Kontext - der Mann tischt uns Märchen auf:
http://www.bardill.ch/html/shop... rland.html

slow motion
03
29.9.2011, 15:59
"Unsere Sicherheitssysteme waren lausig, die Daten unserer Kunden völlig ungeschützt,

es war ein Kinderspiel, bei uns einzubrechen und Daten zu klauen, aber wir dürfen niemals zugeben, daß unsere Sicherheitsmaßnahmen lausig waren, und darum sagen wir: ´Der Hacker-Angriff kam aus dem Blauen heraus´ "

Topiary
 
09
29.9.2011, 15:09
ITler an Marketing:

und wie besprochen folgende Wörter nicht verwenden:
SQL-Injection, ungeprüfte Formulareingaben im PHP-Skript, uneingeschränkter Zugriff auf MySQL-Datenbank. Erzähl was von Protokolldatei, Firewall und gesichtertem Lan...

klar kent
00
2.10.2011, 08:47

"ungeprüfte formulareingaben im php-skript"

aha, nur im php-skript? ;)

suit
 
00
30.9.2011, 09:53

... und bevor ich es vergessen, ich hab' hier einen "Merkzettel" mit den wichtigsten Stichworten verfasst:

http://dilbert.com/fast/1994-02-22/

know your enemy
016
29.9.2011, 14:50
ich glaub ja, dass der GIS Mann der gerne bei mir klingelt nebenbei noch für die sicherheit des unternehmens zuständig ist

"Sie haben wirklich keinen Fernseher?"
"Nein."
"Darf ich mich persönlich davon überzeugen?"
"Nein."
"Und was hör ich da grad im Hintergrund?"
"Eine DVD im Laptop."
"Und Sie haben auch kein Breitbandinternet?"
"Nein."
"Darf ich mich persönlich davon überzeugen?"
"Nein."
"Sei wissen aber schon, dass das so nicht geht?"
"Nein."
"Dann muss ich also mit der Polizei kommen, damit ich mich persönlich davon überzeugen kann?"
"Die Polizei darf ohne richterliche Verfügung auch nicht in meine Wohnung."
"Na das werden wir dann schon sehen!"
"Genau, bis zum nächsten Mal."

Nr.3645
00
6.10.2011, 18:00
GENAU SO LIEF DAS BEI MIR AUCH AB!!!

inkl. drohung, dass sie das prüfen lassen werden.
diese typen sind ein witz.

hab mir inzwishen das entspr. gesetz ausgedruckt und habe es griffbereit damit mir der typ dann zeigen kann wo das alles stehen soll... ;)

Magic Number
01
4.10.2011, 08:19

und hier noch die fehler des GIS Manns:

1.) es geht nicht darum ob man einen fernseher hat! nur wer ein dvb-t empfangsgerät, telekabelzugang oder eine orf sat/sky karte besitzt muss orf gebühr zahlen (und das ist ja der größte teil der rundfunkgebühr)

2.) es ist belanglos ob ein internetzugang vorhanden ist. internet gilt nicht als orf empfangsmöglichkeit.

3.) "Sei wissen aber schon, dass das so nicht geht?" Es geht definitiv, und das ist vorspiegelung falscher tatsachen (lüge).

4.) Die GIS darf nicht mit polizei erpressen/drohen! Denn das ist nichts anderes als eine Drohung, noch dazu ohne rechtlicher basis für die durchführbarkeit.

Die GIS eintreiber spielen einem vor das gesetz zu vertreten, verletzen es aber selber.

Nr.3645
00
6.10.2011, 18:01

da gibt's nur eines (inzwischen bin ich vorbereitet)
protokoll schreiben und direkt danach anzeigen...

know your enemy
10
4.10.2011, 08:27
bzw. genügt natürlich auch ein einfaches radio um gebührenpflichtig zu werden

Magic Number
00
4.10.2011, 10:32

stimmt nicht ganz...
man kann sich von den orf gebühren befreien lassen, wenn man die oben genannen kriterien erfüllt. die eigentliche rundfunk gebühr ist ohne orf ja lächerlich gering.

wenn die meisten von den gis gebühren reden meinen sie doch die orf abgaben, die den löwenanteil ausmachen.

mir persönlich ist die rundfunkgebühr fast egal, solange ich dem orf nichts zahle!

know your enemy
00
4.10.2011, 10:48
ich dachte immer die radiosender, die zum ORF gehören, verlangen ebenfalls nach der ORF gebühr

und daher gilt die volle abgabe für radiobesitzer.

aber ich zahl für dieses angebot aus prinzip nicht.

Magic Number
00
4.10.2011, 12:23

nein dem ist eben nicht so.

es gibt ein offizielles formular von der gis das nach mehrmaligen nachfragen rausgerückt wird...

Llywellyn
 
00
3.10.2011, 16:24
true story?^^

know your enemy
00
3.10.2011, 17:07
nicht nur einmal... auch wenn der text in anderen fällen eventuell leicht abweicht :-)

numu
 
015
29.9.2011, 14:16

wie in verbindung mit gis das wort "kunde" fallen kann ist mir schleierhaft...

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