Einserkastl Rau

50 Jahre später

Einserkastl | 27. September 2011, 07:34

Warum der Herrl Karl von Qualtinger und Merz noch immer hochaktuell ist

Vor 50 Jahren wurde Der Herr Karl von Helmut Qualtinger und Carl Merz im österreichischen Fernsehen gesendet (ähnlich Schonungsloses käme heute sicher nicht auf den Schirm). Vieles in diesem Text bildet eine Konstante unserer Mentalität - bis heute:

"Ich mein, nicht daß ich blind wär' gegen die Fehler der Regierung ... i war ja immer kritisch. Ich hab immer alles durchschaut ... auch a Regierungsmitglied, wann i mir's so anschau ... der is aa net anders wie i. Und i kenn mi. So san de alle."

(Der Herr Karl zu den wahren Wurzeln der Politikverdrossenheit.)

"I bin damals an Sparverein beigetreten ... bin Kassier worn. Aber des war a Leichtsinn. Wissen S', dass de mi fast einsperren hätten lassen? Da ham s' mir vurgworfen, mit de Konten ... Wissen S', was des is, a Konto? Wenn man von einem Konto auf ein anderes ... Nein, das kann ich Ihnen als Laien net so erklären." (Der Herr Karl zur Weltfinanzkrise.)

"Aber a Persönlichkeit war er ... vielleicht ein Dämon ... aber man hat die Größe g'spürt ... I maan, er war net groß. I bin ja vor ihm g'standen - bein Blockwartetreffen im Rathaus. So wie i jetzt mit Ihnen sitz, bin i vor ihm g'standen ... Er hat mi ang'schaut ... mit seine blauen Augen ... i hab eahm ang'schaut ... hat er g'sagt: ,Jaja.' Da hab i alles g'wusst. Wir haben uns verstanden."

(Der Herr Karl ist fasziniert von "starken Männern" in der Politik.) (DER STANDARD-Printausgabe, 27.9.2011)

Kommentar posten
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politisch verfolgt
10
27.9.2011, 17:22
auch wenn es

leicht ist, sowas wie "der herr karl gilt immer noch" dahinzusagen, bin ich nicht dieser meinung. zumindest nicht für menschen unter 40-45.
der herr karl war eine geniale parodie auf die kriegsgeneration. einiges mag als typisch österreichisch gleich geblieben sein, vieles hat sich aber verändert. auch wenn es gerade jetzt vielleicht nicht so ausschaut.

Toni Meister
00
27.9.2011, 17:02
Der Lerneffekt vom Herrn Karl erinnert stark an den Waldheim - Effekt ( jetzt erst recht )

http://derstandard.at/131701855... igen-stark

Jeff Smart
00
27.9.2011, 16:40

Lex Minister von und mit Hans Peter Heinzl wird leider selten gespielt und ist schwer zu bekommen, ist aber auch sehr sehr aktuell wenn es ums Handaufhalten und die schiefe Optik geht...

Herr Vrtla
10
27.9.2011, 16:16

Herr Rauscher!
Alles gut und schön. Aber wenn sie weitherin der Nation, über das Einserkastl den morgendlichen Scheitel ziehen wollen - dann solltens einmal zuvor die Geschichte von den beiden Affen namens Adam und Eva lesen.

Cote 304
00
27.9.2011, 16:13

Das Trauma zwei verlorener Weltkriege. Darum haben wir Österreicher kein Selbstwertgefühl. Nur nicht auffallen ist die Devise.

Nik M
00
27.9.2011, 17:30

Den zweiten Weltkrieg haben wir gewonnen! Oder sehen sie heute noch deutsche Besatzer, die uns nicht einmal als eigenstaendige Nation anerkennen wollen, im Land?

Susanne_B
00
29.9.2011, 08:29

Die deutschen 'Besatzer' sind mit ziemlich offenen Armen empfangen worden. Österreich hat den 2.WK glücklicherweise verloren - Sie empfinden das genau wie ich und viele andere als Gewinn. Um bei der Wahrheit zu bleiben, muss man aber zugeben, dass Österreich eben nicht das erste Opfer sondern ein williger Mittäter war!

Nik M
01
29.9.2011, 09:09

Ohne Zweifel waren viele Oesterreicher Mittaeter. Aber Oesterreich (als Staat bzw als Nation) war nicht mit De alliiert, sondern wurde gewaltsam annektiert und als Staat aufgeloest. Zu schreiben "Oesterreich hat den zweiten Weltkrieg verloren" legt IMHO eine Buendnisstruktur wie im 1.WK nahe.

Herbert Kratochvil
10
27.9.2011, 16:10

was der Qualtinger war seinerzeit
ist Dorfer heit, weit verbreit

Alles hat ein Ende - und das Der Wurst ..... dauert wesentlich kürzer als das verstehen dieses Satzes

mikromalist
 
00
27.9.2011, 15:48
Was mir noch einfällt. HK und die wechselnden

Sündenböcke. Für Opportunisten, die prinzipiell nie selbst verantwortlich sind, sind diese Dualität.

Ein Beispiel - Antisemitismus:
"I war ein Opfer. Andere san reich worden, I war Idealist" (er hat ja Tennenbaum nur zum "aufwischen hingführt" zum "Gschäftn arisieren" kam er nicht).

exile in mainstream
02
27.9.2011, 14:03

das sicherste qualitätskriterium eines stückes ist wenn es bei jedem konsum besser wird. auf den herrn karl trifft das zu

anton-aus-tyrol
 
00
27.9.2011, 13:50
ähnlich Schonungsloses käme heute sicher nicht auf den Schirm

Die Frage ist wohl eher, ob heute etwas ähnlich Schonungsloses und Ehrliches auf dem Niveau produziert werden kann...

thomas wieser
00
27.9.2011, 13:44
doku im orf vor einigen tagen

dieser kommentar von rau zitiert die passagen vom hernn karl die auch in der doku des orf vorkamen. leider gibts im orf immer nur "häppchen" - die ganzen stücke muss man sich wohl anders besorgen.

in der doku haben 2 zeitgenossen angedeutet, dass man mit dem "alten" bronner nicht mehr gut reden konnte - weiss jemand was da war- ist er bärbeissig geworden oder was?

viridisdens
00
27.9.2011, 13:09
heißt nich der herr karl von heute karl-heinz?

mikromalist
 
13
27.9.2011, 12:23
Es gab eine Zeit, in welcher

es weniger "Herr Karls" gab. Zur Ära Kreisky mit einer moderat werte-konservativen ÖVP und aufkeimenden liberalen Tendenzen in der FPÖ.

Seit J Haider beinahe die gesamte Politik in seine Sündenbock-Idiologie "zwang", die Täuschung zum höchsten politischen Kalkül erhob, den Wettbewerb des idiotischen Populismus in allen Bereichen einläutete und ein grosser Teil der Medien seine Trickpolitik anhimmelte, ist Her Karl allgegenwärtig.

Herr Karl benötigt unbedingt Sündenböcke. Wenn es niemand gibt, muss gefälligst der Staat für welche sorgen. Und er sorgt dafür - wenn es sein muss kauft er die Herr-Karl-Presse.

Ausgeflippter Lodenfreak
01
27.9.2011, 13:26

Nein, der Herr Karl benötigt keine Sündenböcke. Im bekannten Kabarettprogramm wird eigentlich nie die Schuld auf irgenwem geschoben, sondern die eigene geleugnet. Der Herr Karl von Qualtinger und Merz ist ein Opportunist, der sich und seine Taten zurechtinterpretiert und entschuldigt.
An welcher Stelle müssen Ihrer Meinung nach im Programm Sündenböcke herhalten?

bula sagt
05
27.9.2011, 11:11
der herr karl,

ist der österreicher - der kleine mann, den die politiker so lieben - wie er leibt und lebt.
und wie er auch in 100 jahren noch sein wird.

God´s away on business
02
27.9.2011, 10:51

Nojo!“ sogt Böhmi „Nojo, was soll schon sein

„Die Justiz wird´s scho richten“
„Die Justiz wird´s scho richten“
Das ghöat zu ihre Pflichten
Dazu ist sie ja da!

naso
01
27.9.2011, 15:06
God´s away on business
03
27.9.2011, 10:49
Qualtinger aktueller denn je

Da neulich da sitzma in der Eden und redn
Da Meischi, da Karli und Pouilly
Ma red so, und was soll ich ihnen sogn, vom Flieger
Und was ma schon so red um zwei Uhr früh

Die Kallat, die hamma schon nach Haus expetiert
Mir worn schon, wie ma so sogt „Apres“
Und weil ma daun trist und a bissl nockdenklich wird
Passiert´s dassma richtiggehend philosophiert
Das ist schon so bei Jagdfreunden dorée

Auf einmal sogt mir da Karli Heinz
Sog wos is woah aus dem Tamtam
I hob so so was aufgeschnappt
Du hättest einen Unfall ghabt?

Drauf sogt Jörg Es ist nichts passiert
Mei Porsche ist schon repariert
Nur leider ist mir ein Passant
Bevor er Kanzler wurde, einegrannt!

Da mischt der Petzner sich ein
Na, was is jetzt mit Führerschein

sawi48
00
27.9.2011, 12:36
Applaus :-)

Baal Kagan
05
27.9.2011, 09:38
ein schönes Beispiel für einen modernen

Hrn. Karl, war der Auftritt des Zirkusdirektors letzte Woche bei Die große Chance.

Kleanthes
00
27.9.2011, 11:41
Gut gesehen!

Virtuell
02
27.9.2011, 09:22
Österreichisches Duckmäusertum

Bernhard Paul und "Zabine" in der Großen Chance mit Jeannee und dem anderen Alki - Herr Karl mit Sonnenbrille und Dirndl. Feiglinge, Duckmäuser, Katzbuckler, Kriecher vor der "Obrigkeit" und den mächtigen, typische Österreicher eben! Und solche Figuren sitzen in einer Jury und entscheiden über andere - typisch Österreich eben!

Kleanthes
00
27.9.2011, 09:18
Ja und?

Hier kommt's doch nur drauf an, WIE einer etwas sagt, und nie WAS er sagt. So ist das hier. Drum musste er soviel trinken, der Qualtinger.

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