Warum der Herrl Karl von Qualtinger und Merz noch immer hochaktuell ist
Vor 50 Jahren wurde Der Herr Karl von Helmut Qualtinger und Carl Merz im österreichischen Fernsehen gesendet (ähnlich Schonungsloses käme heute sicher nicht auf den Schirm). Vieles in diesem Text bildet eine Konstante unserer Mentalität - bis heute:
"Ich mein, nicht daß ich blind wär' gegen die Fehler der Regierung ... i war ja immer kritisch. Ich hab immer alles durchschaut ... auch a Regierungsmitglied, wann i mir's so anschau ... der is aa net anders wie i. Und i kenn mi. So san de alle."
(Der Herr Karl zu den wahren Wurzeln der Politikverdrossenheit.)
"I bin damals an Sparverein beigetreten ... bin Kassier worn. Aber des war a Leichtsinn. Wissen S', dass de mi fast einsperren hätten lassen? Da ham s' mir vurgworfen, mit de Konten ... Wissen S', was des is, a Konto? Wenn man von einem Konto auf ein anderes ... Nein, das kann ich Ihnen als Laien net so erklären." (Der Herr Karl zur Weltfinanzkrise.)
"Aber a Persönlichkeit war er ... vielleicht ein Dämon ... aber man hat die Größe g'spürt ... I maan, er war net groß. I bin ja vor ihm g'standen - bein Blockwartetreffen im Rathaus. So wie i jetzt mit Ihnen sitz, bin i vor ihm g'standen ... Er hat mi ang'schaut ... mit seine blauen Augen ... i hab eahm ang'schaut ... hat er g'sagt: ,Jaja.' Da hab i alles g'wusst. Wir haben uns verstanden."
(Der Herr Karl ist fasziniert von "starken Männern" in der Politik.) (DER STANDARD-Printausgabe, 27.9.2011)