Hitler Geburtsstadt Braunau

Vom Umgang mit "braunem Tourismus"

27. September 2011, 15:34
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    foto: kotanko

    Seinem Geburtsort Braunau - siehe Taufschein - maß Hitler keine Bedeutung bei. Der Ort kann das Thema aber nicht ignorieren, erlangte er doch Weltberühmtheit.

Der Weg, mit der eigenen Geschichte offensiv umzugehen, fällt historisch belasteten Orten nicht leicht - In Hitlers Geburtsort Braunau sprachen betroffene Bürgermeister über dieses schwierige Erbe

Braunau - Branko Lustig will nicht über Hitler reden. "Der hat doch verloren, und wir Juden haben gesiegt", meint der ehemalige KZ-Häftling 3317. Er krempelt den linken Ärmel seines Hemdes hoch und zeigt seine tätowierte Häftlingsnummer auf dem Unterarm. Als Kind war der gebürtige Kroate in den Lagern Auschwitz und Bergen-Belsen interniert, überlebte und ging nach Amerika. In Hollywood produzierte Lustig Anfang der 1990er-Jahre Schindlers Liste, danach Gladiator, wofür er jeweils einen Oskar erhielt. Nicht den Holocaust, nur die Person Hitler solle man vergessen, sagt der 80-Jährige. Über den für ihn übertriebenen Kult der Führerpersönlichkeit müsse nicht länger gesprochen werden. Doch was die Nazis im Dritten Reich verbrochen haben, das dürfe nicht verdrängt werden.

Um über den Umgang mit diesem Teil der Vergangenheit zu diskutieren, kam Lustig voriges Wochenende zu den Braunauer Zeitgeschichtetagen in Hitlers Geburtsstadt. Zum 20. Mal hatte der Verein für Zeitgeschichte diese mittlerweile internationale Tagung organisiert. "Wie gehen historisch belastete Orte mit ihrem schwierigen Erbe um?" lautete in diesem Jahr die zentrale Frage. Was machte etwa die Marktgemeinde Berchtesgaden nach Kriegsende mit dem Obersalzberg, über den der "Führer" in einem emotionalen Moment gesagt haben soll: "Ja, mit diesem Berg bin ich stark verbunden." Auf ihm ließ er die Residenz Berghof als zweites Machtzentrum neben Berlin errichten und erklärte ihn zum Sperrgebiet.

Erst Trophäen von Hitler

"Vermarkten - verdrängen - vermitteln", so skizzierte Albert Feiber vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin den Berchtesgadener Weg seit 1945. Im Gegensatz zu Braunau sei Obersalzberg nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine Pilgerstätte für Altnazis und Sensationstouristen geworden. "Die Freigabe des Sperrgebiets war der Startschuss für die Vermarktung", erklärte der Historiker. Touristen aus aller Welt, vor allem aus den USA, seien gekommen, um eine "Hitler-Trophäe" zu ergattern. Taschentücher mit den Initialen des "Führers" oder seiner Geliebten Eva Braun wurden in Souvenirshops feilgeboten. 1951 pilgerten 136.560 Besucher auf den Obersalzberg. Ein Jahr später ließ der Freistaat Bayern den Berghof sprengen.

Eine zunehmend negative internationale Meinung über den "braunen Nostalgie-Tourismus" brachte schließlich eine Abkehr vom "Hitler-Merchandising" (Feiber). Der Berg sollte einfach wieder "einer wie jeder andere sein", beschrieb Feiber die Stimmung im Landkreis Berchtesgaden. Doch das Bestreben, den Obersalzberg zu einem "deutschen Davos" zu machen, gelang nicht, "die Schatten Hitlers" waren zu lang. Die Tabuisierung der Geschichte habe den Berg, so der Wissenschafter, erst recht interessant gemacht: "Sie trug zur Mythenbildung bei, Hitler habe auf dem Obersalzberg eine Alpenfestung bauen wollen."

Jetzt Vermittlung der Historie

Heute befinden sich auf dem Obersalzberg ein Luxushotel und eine Dokumentationsstätte, deren Konzept das Institut für Zeitgeschichte entwickelte. Auf Druck der bayerischen Staatsregierung wurde Ende der 1990er-Jahre dieses Zweisäulenkonzept verwirklicht, erläuterte Ausstellungskurator Feiber: touristische Nutzung des Naturjuwels Obersalzberg und Vermittlung des geschichtlichen Erbes.

"Besser hätte man den Ort nicht entzaubern können", meint der Berchtesgadener Bürgermeister, Franz Rasp, heute. Noch 1992 schlug der seinerzeitige Bürgermeister die Einladung nach Braunau zu den ersten Zeitgeschich- tetagen mit dem Thema "Unerwünschtes Erbe" aus . Zu der Einsicht, "eine negative Erinnerung heißt nicht gleich ein negatives Selbstbild", seien laut Rasp die Berchtesgadener erst in den letzten Jahren gelangt. Ebenso habe "sein" Ort erkannt, dass "über eine Stätte mit einer welthistorischen Dimension, wie es der Obersalzberg ist, kein Gras wachsen kann".

Mit der Aufklärungsarbeit durch die Dokumentation habe der Berg jedenfalls an Attraktivität für Alt- und Neonazis verloren, versicherte Rasp in Braunau. Allerdings könne er nicht verhindern, dass nicht doch Grablichter für Hitler angezündet werden oder regelmäßig das Wort Holocaust auf der Infotafel, die sich an jener Stelle befindet, wo einst der Berghof stand, zerkratzt wird. Aber eine Pilgerstätte für Ewiggestrige sei der Obersalzberg nicht mehr.

Mit derartigen Problemen kämpft hingegen Giorgio Frassineti, Sindaco (Bürgermeister) von Predappio. Er war zur Tagung nach Braunau gekommen, um sich Lösungsansätze anderer geschichtsbelasteter Orte anzuhören. Das italienische Predappio, jener Ort, in dem Benito Mussolini geboren wurde und in den dessen sterbliche Überreste gebracht wurden, mutiert dreimal im Jahr zum Wallfahrtsort für Faschisten - "und zunehmend auch für Schaulustige", ergänzt der Bürgermeister. 100.000 Menschen pilgern jährlich zur Krypta Mussolinis, am Geburts- und am Todestag des "Duce" sowie am Jahrestag des Marsches auf Rom. Diese Veranstaltungen organisiere ein fundamentalistischer Priester.

Im Gegensatz zu Berchtesgaden wurde die Erinnerung aber nicht zerstört, indem etwa die Krypta gesprengt worden wäre. Gegen diesen Vorschlag habe sich Frassineti gewehrt: "Diese Präsenz gehört zu unserer Geschichte. Predappio muss selbst verstehen lernen, was es im 20. Jahrhundert war."

Lange Zeit habe sich sein Ort dafür geschämt. Mittlerweile wurde zumindest Mussolinis Geburtshaus zu einem Ausstellungsort. "Darin zeigen wir auf jene Zeit bezogene kulturell relevante Ausstellungen." Für den Bürgermeister ist "nur durch Kultur etwas zu erreichen".

In Hitlers Geburtshaus versucht der wissenschaftliche Leiter der Zeitgeschichtetage, Andreas Maislinger, das Projekt "Haus der Verantwortung" zu errichten. Branko Lustig unterstützt dieses Vorhaben. In diesem Haus möchte er, dass vor allem Toleranz vermittelt werde: "Das ist der einzige Weg, damit der Holocaust nicht noch einmal passiert." (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2011)

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Andrej Stoltz
00
28.9.2011, 20:11
Ich finde, die Brauner haben den Umgang mit diesem Erbe immer recht gut hinbekommen.

Kompliment.

Was den Obersalzberg betrifft...naja.
Die Hitlerwallstätte dort haben die amis begonnen, die sich bis vor 10 Jahren noch diesen Berg einverleibten.
Aber die Berchtesgadener haben sehr gern händereibend mitverdient mit Devotionalien und Souveniers...ohne auch nur die ganze Geschichte dort zu hinterfragen.

Die amis sind weg; man ist sich endlich aber auch der Problematik dieses Orts bewusst geworden.

Der baier. Finanzminister Faltlhauser (derselbe Experte, der auch die Hypo Kärnten kaufte) hat dann ein grosses Tourismusprojekt hingeklotzt.
Auch das ein dreistelliges Millionengrab.

john pell
41
28.9.2011, 18:24

haus von Hilter abreisen und ein Offentliche toilette nach bauen

mief quirl
00
29.9.2011, 12:25
GRÖFAZ Simulator?

Mal für 5 Minuten die braunen Massen unter sich haben, was kann man da wohl dafür verlangen?

Stefan Weilhartner
 
01
28.9.2011, 18:17
ZB. mit der Krankheit "Patriotismus" fängt es an

Was andere damals getan haben soll man natürlich nicht vergessen aber was viel wichtiger ist, ist das Problem des Schwarz/Weiß-Denkens. Man kann Personen dieser Zeit natürlich Dämonisieren, aber das führt dazu, daß sie nicht mehr als Mensch gesehen werden. Das ist meiner Meinung nach schlecht, weil man damit die Parallelen aktuell handelnder Menschen und diesen "Dämonen" nicht mehr so vergleicht. Damit meine ich auch den schrittweisen Wachstumsprozess dieser homophoben Personen. Das fängt ja irgendwann im kleinen an - teilweise durchaus nachvollziehbare und oft zu sehende Wesenszüge. Wenn sich das auswächst und noch Engagement dazu kommt, dann fängt die Kacke zum dampfen an. Aber jeder Kacke hat auch einen kleinen sichtbaren Anfang!

Igor Gassner
00
29.9.2011, 08:52
Mit der Krankheit Geld fängt es an

alles andere sind Subkrankheiten

trollvottel
00
28.9.2011, 13:43

Wie jetzt? Kärnten-Tourismus verbieten? Alle Hotels dort dichtmachen, Nächtigungen für Nichtangemeldete verbieten, wie in Nordkorea?
Wäre eine Zeitlang schmerzhaft, aber vermutlich sowohl lehrreich als auch für Österreichs Image nützlich.

luquas
01
28.9.2011, 11:53

Adolfs Lieblingskellner: der Ober Salzberg

-_-
00
27.9.2011, 16:47
Adolfus???

Cepheus
11
27.9.2011, 11:52
Das Museum dort ist sehr sehenswert

und die Gegend sowieso

Cepheus
00
28.9.2011, 16:12
Habe den Obersalzberg gemeint

Müff
10
27.9.2011, 11:19
"Was machte etwa die Marktgemeinde Berchtesgaden nach Kriegsende mit dem Obersalzberg?"

Gar nichts. Da saßen bis 1996 die Alliierten drin (Amis).

Schreck
11
27.9.2011, 12:19

Jetzt ist der Obersalzberg allerdings ein recht sehenswertes Museum. Gruslig vor allem, wenn man auf einmal die Aussicht sieht, die man aus x Bildern vorher schon gekannt hat. Eigenartiges Gefühl.

Anselm Friedhelm
00
27.9.2011, 08:50
Unklarheiten

Damit jetzt alles einmal klar gestellt wird:
Der Name im Taufschein "Adolphus" heißt ganz normal Adolf und wurde auch in anderen Dokumenten sicher als Adolf verwendet. Der Pfarrer hat damals den Namen schreiben dürfen wie er wollte, dieses Mal halt in Latein.
Außerdem wurde Hitler nicht unehelich geboren, sondern sein Vater Alois Hitler. Dieser hies zu seiner Geburt Schicklgruber, bis ihn viel später sein angeblicher Vater namens Hiedler als sein Kind anerkannte.

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
32
27.9.2011, 07:31
Toleranz? Bitte hinterfragen!

Ich besitze zwar die Wahrheit, aber ich gestatte abweichende Ansichten bis zu einem bestimmten Punkt und, so lange sie mich nicht stören...

Toleranz ist ein schlechtes Fundament für das friedliche Zusammenleben! Hat nicht die Toleranz dem Faschismus gegenüber geradewegs in die Kathastrophe geführt?

birka
01
27.9.2011, 13:51

Was soll denn das bitte heißen? Führen auch Null-Aussagen in die Katastrophe?

Igor Gassner
1411
27.9.2011, 08:38
In den zwanziger jahren war jeder beteiligte

intolerant. Das problem ist was ist Faschismus.

Laut linker Antifaschisten bin ich schon ein Faschist wenn ich behaupte die Aufstellung der Russischen Divisionen zeigt eindeutig dass der Angriff auf Russland ein Preventivkrieg war.

Egal das es dutzende russische Militärhistoriker auch gibt die das sagen wir sind alle Faschisten weil UNI s wie Havard die Deutungshoheit in Geschichte haben udn jeder der nicht havardkonform ist ist dann ein Faschist oder Nazi.

Deshalb ist Toleranz und Demokratie wichtiger als Antifaschismus, denn alles was Anti ist wird meist von irgend wen missbraucht um seine Interessen durchzusetzen.

chezgarando
22
28.9.2011, 02:37
so viel blödsinn

braucht so wenig platz?

Para Dox
01
27.9.2011, 23:09

Hört sich nach einem ziemlichen Schwachsinn an. V.a. wenn man bedenkt wie vollkommen erfolglos die UDSSR anfangs agiert hat und wie groß die Unterlegenheit anfangs war.

Pierre d´Aubusson
20
28.9.2011, 21:45
Unterlegen? Könnten Sie sich mit dem Gedanken anfreunden,

daß Stalin einen deutschen Angriff vorausahnte und sich, damit man ihm nicht in die Karten sehen sollte, schon anno 36 aus Spanien zurückzog?

Könnten Sie sich mit dem Gedanken anfreunden, daß die Taktik der Überdehnung der deutschen Versorgungslinien nur funktioniert, wenn man den Feind auch ins Land läßt? (no na!)

Könnten Sie sich mit dem Gedanken anfreunden, daß der Winter 41/42 und die folgenden nicht erst durch Unterstützung der USA zustande kam?

Könnten Sie sich damit anfreunden, daß die Entwicklung des T34, der die PAK zum "Heeresanklopfgerät" degradierte nicht erst 1941 begann?

Dieser Krieg war von Anfang an verloren, ein siegreiches Rußland hätte allerdings keine Verbündeten gehabt...

Schreck
12
27.9.2011, 11:57

Es ist revisionistisch. Das reicht.

jayjay_one
16
27.9.2011, 09:15
lieber harvard statt baumschule

irgendein poster
 
86
27.9.2011, 00:18
geh bitte

das ist 70 jahre her. wenn immer gefragt wird wer woher ist und nachher ein verbrecher geworden ist, dann....

hugocajetan
01
26.9.2011, 23:59
Taufschein aus dem Jahr 1924?

Weiss eigentlich jemand, warum der Taufschein 1924 ausgestellt wurde (siehe unten 12. Dez. 1924)? Hatte irgend wann einmal Gerüchte von unehelicher Geburt gelesen, aber nie irgendeinen weiteren Hinweis gefunden

SterzinOz
03
27.9.2011, 02:55
Das ist natürlich nicht der originale Taufschein,

sondern eine Abschrift "aus dem Geburts- und Taufbuche der Stadt-Pfarre Braunau a/ Inn". Ich vermute, dass dieses Dokument im Zusammenhang mit der umstrittenen Staatsangehörigkeit Hitlers erstellt wurde. Nach Ansicht der Republik Österreich hatte dieser durch den Kriegsdienst in einer fremden (also der dt.) Armee seine öst. Staatsbürgerschaft verloren, weshalb er nach dem Hitlerputsch 1923 auch nicht einfach aus Deutschland abgeschoben werden konnte. 1925 ersuchte Hitler dann formell um Entlassung aus der öst. Staatsbürgerschaft, und seit diesem Jahr wurde versucht, ihm die dt. Staatsbürgerschaft zu verschaffen, was erst 1932 gelang, indem er als Braunschweigischer Regierungsrat verbeamtet wurde.

Karl Heiden1
00
27.9.2011, 09:51

"Verbeamtet" ist gut. Er hätte besser sollen gebeamt werden!

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