Der Kredit ist verspielt

Kommentar | Michael Völker, 27. September 2011, 19:04

Die österreichische Politik demoliert nachhaltig ihre eigene Reputation

Der Kollege aus Zürich findet das wunderbar: "Wo woar mei Leistung?" Walter Meischbergers zaghafter Versuch, für sein offenes Handerl eine Rechtfertigung zu finden, ist auch bei den Schweizern bereits ein geflügeltes Wort. So sind sie halt, die Österreicher: Gauner. Der Schweizer Agenturchef, den ein privates Treffen ins Weinviertel geführt hat, sieht ein paar Vorurteile bestätigt. Da steckt ja richtig kriminelle Energie in der österreichischen Politik.

Am Frühstückstisch der Pension liegt der Standard. Ein Kollege aus Berlin liest laut vor: "Birni", der Steuerberater des Kärntner ÖVP-Chefs, erhielt für seine Beratung beim Verkauf der Hypo Alpe Adria sechs Millionen Euro, gerechtfertigt wären maximal 200.000. Ursprünglich vorgesehen waren zwölf Millionen. "Birni" hätte es allerdings auch für zwei gemacht, "aber mich hat niemand gefragt". So sind sie halt, die Österreicher: Gauner. Den Wahl-Berliner, ein renommierter Journalist bei einem angesehenen Verlag, wundert nichts mehr. Er kommt aus Österreich.

"Und bei euch in Österreich können sich Politiker wirklich die Berichterstattung mit Inseraten erkaufen?", fragt ein anderer Kollege aus Deutschland nach. "Das macht auch der Kanzler so?" Der Kollege schüttelt den Kopf. Die Österreicher: Gauner.

Es gesellt sich die Wirtin dazu, eine gestandene Bäuerin. Man mag nicht einmal mehr Zeitung lesen, sagt sie. Lauter Gauner, diese Politiker. Und unfassbar, um welche Summen es da geht. Da kriegt man eine richtige Wut.

Ausländischen Kollegen derzeit die österreichische Politik zu erklären ist nicht einfach. Man gerät selbst leicht in die Situation, sich mit der Lächerlichkeit anzupatzen. Kann das denn alles wahr sein? Es kann.

Selbstverständlich sind die Österreicher keine Gauner, nicht einmal die Politiker. Nicht alle. Und selbstverständlich sind die Journalisten in Österreich nicht käuflich. Nicht alle.

Aber es hat sich in den vergangenen Jahren ein System eingebürgert, das alle plumpen Vorurteile gegen die Politik zu bestätigen scheint. Unter Schwarz-Blau haben hasardierende Glücksritter in die Politik Einzug gehalten, da sind die Sitten verlottert, da wurde der Anstand verscherbelt. Was danach kam, konnte den Ruf nicht mehr retten. Die Politik von Werner Faymann, die auf Geschäft und Gegengeschäft fußt, die bestenfalls den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht und oft genug auch diesen nicht findet, hat der Reputation der Regierung weiteren Schaden zugefügt. Diese große Koalition (und die davor unter Gusenbauer/Molterer) ist eine bittere Enttäuschung.

Die Politik hat ihren Kredit verspielt. Sie hat ihr eigenes Ansehen nachhaltig demoliert. Man glaubt und vertraut ihr nicht mehr. Und das ist äußerst gefährlich: Wer will denn noch Steuern zahlen, wenn "unser Geld" doch nur verludert wird? Was hat es für einen Wert, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, wenn andere sich unredlich einen Vorteil erschleichen und sich Benefits mit Geld erkaufen, das ihnen nicht gehört?

In Wien hat sich am Montag ein "letztes Aufgebot" präsentiert, eine Riege von Altpolitikern, die ein Demokratievolksbegehren starten will. Ihr Vertrauen in die aktuelle Politik: keines mehr. Daher wollen sie selbst Druck erzeugen - von unten. Das ist unterstützenswert. Man kann auch Politik machen, nicht nur kaufen. Und darüber wird berichtet werden. Ganz ohne Inserate als Gegengeschäft.(DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2011)

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F. T.
00
3.10.2011, 14:53
Niemals!

Weder Peter noch andere Nazis in der Kreisky-Regierung hätten es gewagt, solche Sprüche von Stapel zu lassen.

Da braucht man schon die ÖVP als Regierungspartner, damit man so richtig vom Leder ziehen kann wie Haider, Westenthaler & Co. Wobei die ÖVP auch ständig Vorlagen für die FPÖ bzw. H.C. Strache macht. Denn die Themen der ÖVP sind oft die gleichen. Nur die Tonart ein bisschen anders.

Und ÖVP Parlamentssprecher Kopf hat es im Fernsehen sowieso schon deutlich gesagt. Man werde sich von der SPÖ bzw. den Linken nicht die (H.C.Strach-) FPÖ als möglichen Koalitionspartner abspenstig machen lassen.

F. T.
00
3.10.2011, 14:50
Normalerweise müssten die Schwarzen, insbesondere die Schwarzen auf dem Lande, Kreisky auf den Knien für seine Reformen danken.

Zur Zeit der Alleinregierung der ÖVP unter BK Klaus gingen noch etliche Schüler vom Land oft kilometerweise in die Schule. Denn Schülerfreifahrten gab es unter der christlichen ÖVP natürlich nicht. Ebenso nicht kostenlose Schulbücher. Was zur Folge hatte, dass etliche Schulbücher so alt waren, z.B. in Geographie, Chemie u. dgl., dass ihr Inhalt längst nicht mehr dem aktuellen Stand entsprach. So gab es sogar Atlanten mit weißen Flecken und Landesgrenzen aus dem Jahre Schnee. Außerdem reichten die Schulbücher bei weitem nicht für alle Schüler.

Und dass das erforderliche Schulgeld unter der ÖVP-Alleinregierung jene begünstigte, Mittel- und Hochschulen zu besuchen, welche aus begüterten Elternhäusern stammten, sollte auch logisch sein.

Feuergeist
 
00
28.9.2011, 11:35
Witzig....

Hier reden immer Alle von den "geheimen" Konten in der Schweiz von denen offenbar eh jeder weiß. Ich denke das es sich dabei eher um Ablenkungskonten handelt. Ich empfehle Leuten die über die entsprechenden Kontakte verfügen doch einmal einen Blick auf die Kanalinseln....übrigens ein teil der EU
Für Interessenten empfehle ich den Film "Lets make money". Gibts ganz billig auf DVD zu haben.

slow motion
00
27.9.2011, 19:26
Kredit, den man nicht hat, kann man nicht verspielen ....

magda_b
00
27.9.2011, 19:07
Demokratiebegehren www.meinoe.at

Sehr geehrter Herr Völker,

es kann berichtet werden, dass 30 Stunden nach unserer Präsentation sich 4700 UnterstützerInnen des Demokratiebegehrens auf www.meinoe.at eingetragen haben. Die dort angefügten Kommentare stellen wir Herrn Cap gerne anonymisiert zur Verfügung, sozusagen jederzeit zur EINSICHT. Mit freundlichem Gruss, Christian Burtscher

Sebastian Pumschlögel
00
27.9.2011, 20:49

die Facebookgruppe https://www.facebook.com/pages/Dem... 19?sk=wall

finde ich persönlich viel Interessanter.

(rein vom Wettbewerb her - was meinst du Michael?)

Johannes St.
 
10
27.9.2011, 18:58
Man glaubt und vertraut ihr nicht mehr - und das nicht erst seit gestern

Ha Tschi
00
27.9.2011, 18:08
es ist eine gemeinheit

dass für politiker in staatlichen funktionen zuerst die partei kommt und dann erst das andere.
politiker, die eine staatliche funktion bekleiden haben ausschließlilch zum wohl des staates da zu sein.
es ist unglaublich, was da läuft. und es ist unglaublich, dass sich die menschen soetwas gefallen lasssen.

warp.faktor
00
27.9.2011, 18:07
Es stimmt zwar ...

... dass es in Ö. eine Vielzahl von Skandalen gibt, aber es wäre naiv zu behaupten, dass das in anderen Ländern oder gar in der EU anders wäre. Wenn auch nicht immer so plump wie bei Faymann oder den Landeshauptleuten.

Denken wir an den Medienunternehmer Berlusconi, die Urlaubsreisen von Sarkotzy oder die KanzlerInnenshows bei Anne Will oder Günther Jauch.

(0-_-0)
 
00
27.9.2011, 18:06
WANN KOMMT ENDLICH EINE ÖSTERREICHISCHE PIRATENPARTEI ?!?!?!

toFo
00
27.9.2011, 18:46

Nun, formal gibt es eine österreichische Piratenpartei, nur kann man die momentan nicht empfehlen.

Seltsam?? Aber so steht es geschrieben.
 
00
27.9.2011, 17:49
Vollkommene Offenlegung der Parteienfinanzierung?

die politiker - allen voran von SPÖ und ÖVP - werden einen teufel tun ein gesetz zu verabschieden dass es ermöglicht ihnen in die karten zu schauen.

Aung San Suu Tschi
 
04
27.9.2011, 17:04
Warum hat sich die "Riege von Altpolitikern" nicht beizeiten gemeldet?

Als Polit-Profis haben sie schon während der schwarz-blauen Periode gemerkt, was abläuft und NICHTS GESAGT ODER GETAN.

Bei den zahlreichen politischen Initiativen, die sich jetzt gebildet haben, sind viele ehemalige Journalisten, Uni-Professoren, Dritte-Welt-Bewegte, alle in sehr guter Pension. Die haben - wie Misik das in seinem 200ter Video so richtig bemerkt - ziemlich stromförmige Karrieren gemacht und jahrzehntelang den Mund gehalten.

Jetzt plötzlich werden sie aktiv. Naja, besser spät, als nie. Sehr glaubwürdig sind diese weißen Elefanten jedoch nicht.

Worum geht's denen? Wirklich um die Politik oder wieder nur um sich selbst?

Besserwisser
01
27.9.2011, 18:12
Hin und wieder ein bißchen Medienpräsenz

unterbricht das tägliche Einerlei der Polit-Pensionäre auf angenehme Art und Weise.
Dazu dürfen sie sogar den Medienraum des Parlaments benützen. Auch das ist ein angenehmes Vorrecht, das "normalen" Pensionären nicht zukommt.

Feuergeist
 
12
27.9.2011, 15:42
@Nichtwähler

Grundsetzlich gar keine schlechte Idee, aber....
1): wie werden Protestwähler berücksichtigt?
2): das Problem das ich sehe ist das es damit zu keiner Änderung kommt. Es stimmen im Parlament halt weniger Leute ab, aber das Ergebniss wird dadurch nicht beeinflusst. Nehmen wir an es dürfen also nur 92 Abgeordnete in den Nationalrat einziehen, dann ist die Verteilung immer noch gleich, es sind nur weniger Einzelpersonen. Der einzige Vorteil wäre eine Einsparung von ca.90000.- Euro im Monat an Gehältern für Nationalratsabgeordnete. Auch nicht schlecht.

Austrialix
03
27.9.2011, 15:49
Die Diäten der Abgeordneten im Nationalrat und im Bundesrat richten sich nach dem Österreichischen Bundesbezügegesetz (BBezG) und betragen 7.418,62 Euro im Monat (wobei 14 Monate pro Jahr gezahlt werden)

bei einer Wahlbeteiligung von 70% sind also 30% - sprich 55 Sitze je 7.418,62 euro bleiben leer = 408.024,10 Euro pro Monat und 5.712.337,40 Euro pro Jahr!

rispentomate
11
27.9.2011, 15:34
Das letzte Aufgebot ...

... ist eine wunderbare Aktion:

http://meinOE.at

Ein sehr guter neuer Anfang.

rispentomate
20
27.9.2011, 15:30
Das letzte Aufgebot ...

rispentomate
20
27.9.2011, 16:07

... ist eine wunderbare Aktion:

http://meinoe.at/

sturmy
00
27.9.2011, 15:25
WO IST EIGENDLICH DIE JUSTIZ IN MEINER HEIMAT??????????

nonDieu!
17
27.9.2011, 15:00
Alles von der Wirklichkeit bereits überholt!

Heute im Mittagsjournal: Statt die Parteienfinanzierung abzuschaffen und jegliche Staatsinserate bei Androhung der Bastonade zu verbieten, wurde der Vorschlag ventiliert - also sogut wie entschieden - dass eine - Haltet Euch an! - Kommission die Inserate überprüft! Es braucht nicht viel Phantasie, dass die Mitglieder dieser Kommission hochdotiert sind, da sie unbestechlich sein müssen, und wahrscheinlich einen Pensionsanspruch bis ins fünfte Glied haben. Früher, wenn eine Wegelagerei aufgedeckt wurde, hat man die Leute eingelocht, heute wird eine Kommission eingerichtet.
Bitte liebe Regierungsmitglieder! Nehmt zur Kenntnis, was in der Werbebrache international gilt: Good advertising kills a bad product even faster!

Austrialix
15
27.9.2011, 13:43
der einzige "kredit" den die österr. politik je gehabt hat

haben sich die parteibuch-johnnys schon selbst bewilligt. weil zurückzahlen will den schon kein einziger. die wahl zwischen "spö-övp-fpö" erinnert wahnsinnig an die bevorstehende wahl in russland. "putin oder medwedew" vs. "putin UND medwedew". Pest oder Cholera - oder doch lieber brauner sumpf? so lange die nichtwähler in den ergebnissen nicht proporzional berücksichtigt werden (50% wahlbeteiligung = 50% der Sitze, rest bleibt leer) entspricht die demokratur im lande eher jener in moskau, denn einem gelebten "volkswillen"...

(0-_-0)
 
00
27.9.2011, 18:04

in diesem Fall…"bad advertising but no consequences for the product"

rispentomate
14
27.9.2011, 15:16
Geniale Idee!

Der Anteil der Nichtwähler im Parlament bleibt leer!

Wieso machen wir das nicht?

Allein das entspräche der Wahrheit!

irgendein poster
 
00
27.9.2011, 18:46

dann stimmen am ende nur noch zwei leute ab :)

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