Polizisten und Polizistinnen haben aufgrund ihrer Tätigkeit mitunter Feinde
Keine Frage, der kritische Blick auf datenschutzrechtliche Bestimmungen ist nötig. Ebenso wie das Aufzeigen möglicher Konsequenzen von Gesetzen auf die Privatsphäre der Bürger - Stichworte Vorratsdatenspeicherung und erweiterte Gefahrenforschung auch bei Einzelpersonen. Und ein Schuss Aktionismus ist in diesem Feld auch in Ordnung: Schließlich kommt man damit leichter an die Öffentlichkeit.
Nicht in Ordnung ist es, wenn man potenziell Menschen damit gefährdet. Was die Gruppe Anonymous Austria nun gemacht hat. Denn Polizisten und Polizistinnen haben aufgrund ihrer Tätigkeit mitunter Feinde. Und sind daher vielfach auch nicht im Melderegister abrufbar. Wenn nun ein einfacher Knopfdruck im Internet genügt, um sowohl die Adresse des Behördenleiters wie jene des einfachen Kriminalbeamten abzurufen, ist das hochgradig bedenklich.
Um zu demonstrieren, wie leicht man zu Daten kommt und wie löchrig offenbar die Sicherheitsmaßnahmen im Umfeld der Polizei sind, hätte es schon genügt, wenn Anonymous nur die Namen der Exekutivvertreter veröffentlicht und das an die Öffentlichkeit trägt. Aber "Problem officers?" zu fragen und auf die Datenbank zu verlinken ist schon fast eine Aufforderung zur Abrechnung. Und dann noch süffisant "Es hat doch niemand was zu verbergen" zu schreiben, ist einfach gehässig. Wer sich gegen Big Brother einsetzt, darf nicht selbst zu einem werden. (DER STANDARD Printausgabe 27. September 2011)