Grazer SPÖ-Chef Müller zurückgetreten

26. September 2011, 20:04

Kulturstadtrat überraschend bei Vorstandssitzung zurückgetreten - Stadträtin Schröck übernimmt

Der Vorsitzende der Grazer SPÖ, Kulturstadtrat Edmund Müller, ist zurückgetreten. Mit einem Strategiekonzept wollte Müller die angeschlagene Stadtpartei überzeugen, das Konzept wurde Montagnachmittag in einer Vorstandssitzung präsentiert. Müller trat daraufhin überraschend sowohl als Stadtrat als auch als SPÖ-Graz-Vorsitzender zurück.

"Das gilt für alle Ämter", sagte Müller in einer Sitzungspause vor Journalisten. Müller war erst seit Jänner SPÖ-Graz-Chef, konnte jedoch nicht richtig Tritt fassen. Für Müller stand vorläufig noch kein Nachfolger fest. Müller dürfte zumindest bis zur nächsten Stadtsenatssitzung Kulturstadtrat bleiben. 

Schröck übernimmt

Die Grazer Stadträtin Martina Schröck wurde nur zwei Stunden nach dem Rücktritt von Müller vom Vorstand mit rund 96 Prozent zur geschäftsführenden Parteivorsitzenden gewählt. Offiziell gekürt werden muss Schröck auf einem Stadtparteitag, der in sechs bis acht Wochen einberufen werden soll. Schröck sieht ihre Aufgabe als nicht interimistisch: "Ich habe vor, länger zu bleiben", so die 34 Jahre alte Soziologin.

Schröck war als einzige Kandidatin vorgeschlagen worden. Die Frage, wer Müller in seiner Funktion als Stadtrat nachfolgen könnte, wurde laut SPÖ-Gemeinderatsklubchef Karl-Heinz Herper vorerst beiseitegelassen. Schröck erklärte weiters, sie habe wenig Zeit zum Überlegen gehabt, doch habe sie die Herausforderung angenommen. Zur Zukunft der Grazer SPÖ meinte sie: "Wir müssen aufhören, uns nur mit uns selbst zu beschäftigen, wir müssen uns ganz klar positionieren und Gegenentwürfe zur schwarz-grünen Koalition machen". Dabei gehe es um ein sozial gerechtes Graz, sozialdemokratische Werte, eine moderne Stadt, das sei in den nächsten Wochen zu erarbeiten. Müller habe sein Konzept, um das es eigentlich in den Spitzengremien hätte gehen sollen, dafür zur Verfügung gestellt.

Dies sei keine große Stunde der Sozialdemokratie gewesen, so Schröck, wir hatten zu viele Wechsel an der Parteispitze in den vergangenen eineinhalb Jahren. Vom Rücktritt Müllers sei sie überrascht worden, gab sie zu.

Schröck wurde am 1. August 1977 in Bruck/Mur geboren, nach dem Besuch der HAK Bruck/Mur und der Matura 1996 studierte sie von 1996 bis 2004 Soziologie in Graz und promovierte mit "Das Selbstbild von Menschen mit geistiger Behinderung". Nach einer Tätigkeit bei der Volkshilfe Steiermark war sie von 2005 bis 2010 Landtagsabgeordnete, seit Sommer 2010 ist sie Sozialstadträtin.

Müller erklärte in einer Stellungnahme in einer Sitzungspause, er habe die Aufgabe gerne übernommen, "aber ich habe mich nicht darum beworben", so der Quereinsteiger offenbar in Anspielung auf Landesrätin Bettina Vollath (die die Stadtpartei nach den heftigen Turbulenzen des Sommers 2010 interimistisch geführt hatte, Anm.) und Landesparteichef und LH Franz Voves, die Müller in die Politik geholt hatten.

Er vernetze gerne und entwickle Konzepte und er habe der Partei die Möglichkeit zur Umsetzung geben wollen, so Müller, aber die Ereignisse der letzten Tage und Wochen hätten ihn zu diesem Schritt bewogen. Müller, der eher als ruhiger und bedächtiger Typ gilt, hatte für den Geschmack einiger Gruppierungen in der Stadtpartei zu verhalten und ohne große Konzepte und Ambitionen agiert. Zudem war der 55-Jährige zuletzt immer mehr ins Visier medialer Berichterstattung gerückt. Im Parteihaus war am Montagabend durchaus auch Klage über "Heckenschützen" zu vernehmen, die aus "sicherer Deckung heraus" agierten.

Landesparteichef Franz Voves war am Montagabend in der zweiten der drei Bürgermeisterkonferenzen im obersteirischen Leoben engagiert und vorerst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. (APA/red, derStandard.at, 26.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
ai1
00
27.9.2011, 20:55
???

eine firmenpension ist teil des einkommens. warum soll irgend jemand darauf verzichten?

Andre Resestoiserl
00
27.9.2011, 15:03
F R A G E

Ist Graz eine unmoderne Stadt ?
Was brächte jetzt den Grazern eine "Sozialdemokratie" ?
Was soll dann "gleicher" werden ?
Vielleicht ein unbeschränkter Zugang zum Joanneum ?

einfacher Vater
11
27.9.2011, 12:59
10 kleine Negerlein ...

Das Spiel der Grazer SPÖ erinnert mich an ein altes Kinderlied, abgewandelt würde es so lauten: "10 kleine Sozilein ..." ... an Schröcks Sessel wird wahrscheinlich auch schon gesägt ....

Herzerzog Johann
00
27.9.2011, 17:19

Gerüchteweise hört man, daß die Grazer Sozi am Boden sitzen, wenn sie sich versammeln. Sicherheitshalber.

schwalbe
00
27.9.2011, 11:32

was steht denn im konzeptpapier??? wollen wir das dem mündigen wähler nicht zumuten? oder sollen wir es besser gleich gar nicht zu ohren bekommen?

aiuto
00
27.9.2011, 14:19
so wie ich das sehe,

ist das Konzeptpapier vom Herrn Müller schon jetzt Makulatur !?

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
27.9.2011, 13:32
"Heller Wien", "Nimm 2", u.ä.!

(C;

good news 08
00
27.9.2011, 08:57
Vienna Blackies Desease

Strafrechtlich relevantes Posting!
53
27.9.2011, 08:56
Schön, dass uns dieses Experiment rund...

1 Million € gekostet hat, die Hr. Müller dank seines Parteifreundes Franzi Voves als Pensionsanspruch aus seiner früheren "Tätigkeit" als Geschäftsführer von Joanneum Research erhält.

http://www.kleinezeitung.at/nachricht... sion.story

Aber Gerüchten zufolge braucht er auch weiterhin nicht darben, bei Energie Steiermark wird ja ein neuer Vorstand gesucht und auf so einen kompetenter Mann aus der "Wirtschaft" können wir nicht verzichten! Danke"

aiuto
00
27.9.2011, 14:21
das ist doch egal....

bezahlt ja eh das Volk....
es ist halt einmal leicht, fremdes Geld zu verbraten.

Shanajio
01
27.9.2011, 12:39

Die hätte er so oder so bekommen.

Sao Tomé
00
27.9.2011, 09:28
wer

tut sich soetwas überhaupt an?

maimai
415
26.9.2011, 22:17
die Unfähigkeit

dieser Partei ist kaum mehr zu übertreffen. Graz ist eine bürgerliche Stadt - aber mit Haufenweise Studierenden. Dass es ein Blender wie Nagl schafft, Bürgermeister und die VP stärkste Partei zu sein hat nur einen Grund: Die Schwäche der lokalen Sozialdemokratie.
Das unterscheidet die Sache auch von Wien. Für die Volkspartei war Wien immer schon ein schweres Pflaster. Für eine funktionsfähige Sozialdemokratie, die nicht völlig konzeptlos vergangene Zeiten betrauert sollte das Leichtgewicht Grazer Volkspartei eigentlich kein Auftrag sein.Eine Sozialdemokratie, deren Existenz man auch bemerkt, brächte wahrscheinlich 10% mehr Wahlbeteiligung und die zweite Rot-Grüne Stadtregierung Österreichs.

Stahl_____666
10
27.9.2011, 12:22
.

Danke - nie mehr Stingl & Co. für diese Stadt.

Es reicht, wenn man als Ortsunkundiger in den Parkanlagen den Rasen vor lauter Spritzen nicht sieht, wenn man in gewissen Bezirken drei Dutzend Menschen anreden muss, um in der hiesigen Amtssprache eine Wegauskunft zu bekommen.

Graz ist unter Nagl wieder sehens- und erlebenswert geworden und so soll es auch weitergehn.

maimai
00
27.9.2011, 21:10
???

Reden wir vom selben Ort? Du tust ja so als wärs ein Slum in Lagos. Und spritzen sind echt sowas von 90er. Wenn du die gesehen hast, dann wars sicherlich nicht was du glaubst.
Die Grazer sind sehr gebildete Menschen. Man kann von den Ortsunkundigen auch ein wenig Fremdsprachenkenntnis verlangen, zumindest mit Englisch kommt man überall zwischen Puntigam und Weinzödl durch und auch Deutsch, gebellt oder gesprochen, wird von den polyglotten Bewohnern der Stadt selbst in traditionellen Bezirken der neuen Grazer, zb Lend oder Gries, verstanden.
Im übrigen gab es in allen von dir angesprochenen Causen nicht den geringsten Bruch zwischen Stingl und Nagl.

Ben Hemmens
00
27.9.2011, 11:58
Der Sozialdemokratie geht's in Graz eher gut, danke.

Nur der SPÖ geht's schlecht.

Und außerdem hoffe ich, dass uns Wiener Verhältnisse (und damit meine ich vorranging eine absolute Mehrheit irgendeiner Partei, und ihre Folgen) lange erspart bleiben.

maimai
00
27.9.2011, 21:11
missverstanden?

Lokale Sozialdemokratie=Grazer SPÖ
Wo hab ich für Wiener Verhältnisse geschrieben?

einfacher Vater
00
27.9.2011, 13:02

da gehe ich absolut konform - verschiedene Meinungen ermöglichen Diskussionen und ergeben evt. ein besseres Ergebnis

Section Control
32
27.9.2011, 07:58
Der Scherbenhaufen von Stingl und Co läßt sich halt nur schwer wegräumen.

Graz war übrigens immer bekannt für die Wechselwähler. Mal rot bei National- und Gemeinderatswahlen, mal schwarz bei Landtagswahlen, und auch die FPÖ konnte dort unter der Ära Götz große Erfolge verzichten. Graz war eine der erste Städte, wo die Grünen mit gleich 4 Mandaten eingezogen sind. (Das BZÄ hat dort auch 3 Mandate), in Graz gabs auch wieder die ersten Erfolge der wiedererstarkten KPÖ. Graz ist anders und läßt sich nicht in ein von oben parteipolitisch erzwungenes Konzept einordnen. Nicht um sionst war auch Graz die "Stadt der Volkserhebung"...

Ben Hemmens
30
27.9.2011, 11:59
FPÖ konnte ... große Erfolge verzichten

möge sie das weiterhin dürfen!

maimai
00
27.9.2011, 21:14
eheh,

die werden nur mehr verzichten dürfen, in kaum einer österreichischen Stadt werden sie so nieder gemacht:
http://www.youtube.com/watch?v=Zb6d1rAVZt4

muppetbasher
32
26.9.2011, 20:57
Sensation: So ein Stadtrat kriegt eine fette Überschrift, weil er zurück tritt!

Man stelle sich das vor: Es tritt jemand ZURÜCK! In Österreich!!

Gobi Todic
02
27.9.2011, 08:40
und das

ganz ohne erstinstanzliches gerichtsurteil. einfach aus der "EHR"

Shanajio
01
27.9.2011, 12:40

Wenn jemand aus der eigenen Partei aus allen Richtungen geprügelt wird, wäre sogar der KHG zurückgetreten.

muppetbasher
01
27.9.2011, 08:57
"aus der EHR" find ich schön!

NachahmerInnen werden sehr selten bleiben!
Vielleicht sollten wir, die Leser, einen Preis für den bemerkenswertesten Rücktritt ausloben;)!!?

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