Ex-Premier Gyurcsany unter "Terrorverdacht"

26. September 2011, 15:13

Bericht: Ex-Regierungschef verantwortlich für "brutales Vorgehen" der Polizei im Jahr 2006

Budapest - Als "Terroraktionen" bezeichnet ein ungarischer Regierungsbericht das Vorgehen der Polizei gegen Anti-Regierungs-Demonstranten am 23. Oktober 2006 in der Budapester Innenstadt. Der am Montag auf der Homepage des Parlaments veröffentlichte Bericht des Ex-Justizministers Istvan Balsai sollte das "brutale Vorgehen" der Polizei untersuchen. Der Bericht vermutet, die Polizei habe auf "höchste politische Anweisung", das heißt "auf Befehl" des damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany gehandelt. Deswegen müsse die politische und rechtliche Verantwortung von Gyurcsany für die Ereignisse untersucht werden.

Bei seiner Untersuchung sei Balsai zu der Erkenntnis gelangt, dass die "groben Rechtsverletzungen" ein Zeichen gewesen seien für das "brutale und paranoide Machtbestreben" der Gyurcsany-Regierung, heißt es in dem Text. Während der Bericht keine konkreten Beweise nennt, dass Gyurcsany der Polizei Anweisungen gegeben hätte, sieht der Verfassungsrichter und frühere Abgeordnete der Regierungspartei Fidesz die "kontinuierlichen Telefonate" zwischen Gyurcsany und dem damaligen Budapester Polizeichef Peter Gergenyi als Belege an.

Die Anti-Regierungs-Ausschreitungen in Budapest hatten nach der Veröffentlichung der sogenannten "Lügenrede" von Gyurcsany im September 2006 begonnen. In einer parteiinternen Rede in der Ortschaft Balatonöszöd hatte Gyurcsany einige Wochen zuvor zugegeben, den Wählern während des Wahlkampfes im Frühjahr 2006 nicht die Wahrheit über die Lage im Land gesagt zu haben. Laut Bericht erreichten die Proteste ihren "Gipfel" am 23. Oktober, dem 50. Jahrestag der Revolution von 1956.

In dem Bericht wird die Verantwortung des Budapester Polizeipräsidenten Gergenyi und des Landespolizeipräsidenten Laszlo Bene betont, die bei der "Zerschlagung" der Massendemonstrationen bewusst gehandelt hätten. Dies habe nur auf "politischen Befehl von oben" erfolgen können. Balsai tritt deshalb dafür ein, die persönliche Verantwortung von Gyurcsany zu untersuchen. Im Falle des Ex-Premiers könne "selbst die Möglichkeit der Durchführung einer Terrorhandlung in Erwägung gezogen werden".

Premier Viktor Orban ersuchte in einem Begleitschreiben Parlamentspräsident Laszlo Köver, den Bericht den Parlamentsabgeordneten zuzustellen und zu ermöglichen, dass das Parlament und seine Ausschüsse den Inhalt behandeln können. Laut einer Aussendung von Peter Szijjarto, dem Sprecher des Ministerpräsidenten, sei dieser Schritt notwendig, da die "politisch motivierten brutalen Angriffe der Polizei gegen friedliche Demonstranten nicht ohne Folgen bleiben dürfen". Die Eile wird weiter damit erklärt, dass die möglichen Straftaten von 2006 nun nach fünf Jahren verjähren, wenn nicht zuvor Anklage erhoben wird, schreibt die Internetzeitung "Origo".

Ex-Premier Gyurcsany ist bereits beschuldigt, als Regierungschef im Zuge einer geplanten Großinvestition dem Staat einen Schaden in der Höhe von mehreren Milliarden Forint zugefügt und somit Amtsmissbrauch begangen zu haben. Nach der Aufhebung seiner parlamentarischen Immunität Mitte September wird er nun am 3. Oktober von der Staatsanwaltschaft befragt. Auf den Ex-Premier könnten nach dem Balsai-Bericht möglicherweise weitere gerichtliche Schritte warten.

Am 23. Oktober 2006 waren viele Menschen - großteils friedlich - in Budapest auf die Straße gezogen, um ihrem Unmut gegen den "Lügner" Gyurcsany Ausdruck zu verleihen. Die damalige Oppositionspartei Fidesz-MPSZ forderte den Rücktritt des Regierungschefs. Gegen Abend kam es am Rande der Proteste zu gewalttätigen Ausschreitungen mit brennenden Autos, Mülltonnen und Barrikaden, die bis spät in die Nacht andauerten. Die Polizei setzte unter anderem Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschoße ein. Ähnliche Ereignisse wiederholten sich in den darauffolgenden Jahren an nationalen Feiertagen mit sinkender Intensität.

Die rechtskonservative Opposition warf nach den Ereignissen vom Oktober 2006 der Gyurcsany-Regierung vor, friedliche Anti-Regierungs-Proteste "mit Gewalt niedergeknüppelt" zu haben, "um an der Macht mit allen Mitteln festzuhalten". Sie zog dabei auch bewusst eine Parallele zu den Ereignissen der Revolution 1956, als sich die Bevölkerung gegen das kommunistische Regime wandte. (APA)

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Hans Hansen
12
27.9.2011, 12:33

Früher hat man den Kopf geschüttelt, wenn jemand wie Meciar in der Slowakei an die Macht kam. Heutzutage wäre jegliche Regierung (ausser Ukraine) der Nachbarstaaten Ungarns besser als die Orbàn-Regierung. Fragt sich woher sich diese Massenpsychose der Extremisten (Fidesz & Jobbik) nährt? Wirtschaftlicher Niedergang, historische Reminiszenz, unglaubwürdige Sozialdemokraten etc.?

Avenarius Baumwax
00
27.9.2011, 11:49
das lustige ist...

dass die fideszler im parlamentsausschuss für innere sicherheit nach den protesten herumposaunt haben, daß sie mit scharfer munition in die menge hätten schießen lassen.

omar chamra
22
27.9.2011, 08:15
Der Journalist "Pusztaranger" berichtet über diesen Fall

http://pusztaranger.wordpress.com/2011/09/2... -juristen/

Bagolyvár
00
30.9.2011, 22:37
Weil globetrottel es vermisst hat, die Wiederolung:

Ja eben! Warum werden immer diese Rechtsextremen befragt?

Neben Pusztaranger hätten sie zur Wahrheitsfindung unbedingt die hochgeschätzte Philosophin Ágnes Heller einladen müssen:
http://www.youtube.com/watch?v=39JGGbGJhwQ

globetrottel
00
3.10.2011, 22:23

Hä ? Was hat das hier mit dem Thema zu tun ? Die Frage ist nicht, ob bei den Krawallen 2006 Leute (teilweise auch unschuldige) von der Polizei verletzt wurden. DIESE Frage ist längst beantwortet, es gab Verfahren dazu.

Die Frage ist, worauf die Rechte ihre permanente Behauptung stützt, dass MSZP / die soz.Regierung / Gyurcsány der Polizei den Befehl gegeben hätte, unschuldige Leute zu verletzen, mit Gummigeschossen auf Augenhöhe zu zielen, Leute beim Verhör zu foltern . DIESE Behauptung ist von einer solchen Absurdität, dass sie kein normaler Mensch ernst nehmen kann, ausser völlig verblendeten Rechtsauslegern, die gläubig ihrem Führer lauschen.

Sandor Kocsis
00
5.10.2011, 23:17

Ich frage: Warum hat die Regierung nichts dagegen unternommen?

Siehe meinen Vergleich mit 34er Kämpfern.

Bagolyvár
10
4.10.2011, 22:25
Nein,

Die Frage ist was Terror heißt: Auch für Sie:
"Der Terror (lat. terror „Schrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen. Das Ausüben von Terror zur Erreichung politischer, wirtschaftlicher oder religiöser Ziele nennt man Terrorismus."
Zur Illustration:
http://www.youtube.com/watch?v=T... re=related

Für den Terror ist nicht der Werkzeug (Polizist) verantwortlich!

globetrottel
00
30.9.2011, 09:26

Unsere Freunde Bagolyvár & Co antworten auf sowas natürlich nicht....

Bagolyvár
00
3.10.2011, 12:02
Na schau!

http://www.youtube.com/watch?v=39JGGbGJhwQ
globetrottel ist schmähstad samt Co.

K 3
11
27.9.2011, 02:15

Gyurcsany wirkte in seiner Kleidung und in seinem gutem Benehmen sehr irritierend, außerdem wirkten die festlichen Abendessen von Exxon in Budapest sehr irritierend, sodaß eine gründliche Untersuchung dieser Person veranlasst wurde.

Adam Markus
15
27.9.2011, 01:33

Na Hauptsache die tausenden rechtsextremen Idioten, die molotov-cocktails warfen, mit einem gestohlenen Panzer in die Pizeikolonnen fuhren, das staatliche Fernsehstudio verwüsteten und bei der Jagd auf Minderheiten eine mords-Stimmung entwickelten, sind alles arme unschuldige Opfer von Poizeibrutalität.

Bagolyvár
02
29.9.2011, 23:05
Eigenartig.

Abgesehen davon, dass Sie die Erreignisse bewußt vermischen, der Panzer fuhr nicht in die Polizeikolonne, er blieb vor der Kolonne stehen, der Fahrer stieg aus und ging unbehelligt davon. Wieso?
Hat man ihn belangt? Nein. Wieso?

Sandor Kocsis
01
28.9.2011, 12:17

auch, wenn Baumwax Sie warnt - Ihr Post trägt zur Ausgeglichenheit bei, ist aber auch von einägugiger Blindheit gezeichnet.
Fidesz und Sie zusammen, zeichnen vermutlich das wirkliche Bild

Avenarius Baumwax
00
27.9.2011, 11:55
seien sie vorsichtig!

jetzt werden sich gleich alle fidesz- und jobbik-kampfposter auf sie stürzen.

Titus Petronius
73
26.9.2011, 22:04
Das schöne an ehemaligen Ostblock-Ländern ist ja

dass die genau wissen, mit wem sie es zu tun haben. Vor allem, weil die meisten aktiven Politiker die Kommunisten ja noch in Aktion erleben durften.

Dass man Leuten, die den Kommunisten ärgerlich waren, sogar verboten hatte, ein Studium zu absolvieren, und sie zeitlebens schikanierte, was an der Tagesordnung war.

Gyurcsany hat damals die alten Gespenster kurz aufleben lassen. Das war ein gravierender Fehler von ihm.

globetrottel
10
30.9.2011, 09:30

Womit hat Gy. "die alten Gespenster wieder aufleben lassen" ? Mit Studienverboten und Schikanen ? Welchen ?

Bagolyvár
00
3.10.2011, 12:11
Nun, sehr einfach:

in dem er die Polizei zur Ausübung von Terror veranlasst hat: systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt (http://de.wikipedia.org/wiki/Terror)

http://www.youtube.com/watch?v=T... re=related

globetrottel
00
3.10.2011, 22:27

Ach Gottchen, wie oft noch ... Mann, verstehen Sie nicht den Unterschied zwischen Übertreibungen der Polizei bei der Bekämpfung von gewaltbetonten Krawallen einerseits und der unsinnigen Behauptung, die Übertreibungen seien der Polizei von Gy. oder der Regierung befohlen worden ? Es ist ermüdend...

Bagolyvár
00
4.10.2011, 22:32
Tja,

wenn ich meine Kampfhunde loslasse, bin ich auch nicht verantwortlich dafür was sie dann anrichten. Meinten Sie das so?

omar chamra
05
27.9.2011, 08:17
Das ist doch Unsinn, es gibt bei Fidesz und sogar

Jobbik ehemalige Kommunisten. Fast alle jungen Ungarn waren während der Kádárperiode im KISZ (kommunistischer Jugendverband)

Sandor Kocsis
01
28.9.2011, 12:22

fast alle? Und das gerechtfertigt, dass die die nicht waren, nicht studieren durften?

"Na wissen´s, do wor jo eh jeda dabei..." Das klingt mir aus Ö noch sehr vertraut.

Eben nicht alle - aber deren Meinung, die sehr emotional ist, zählt halt nicht. Denen hat die MSZP mit der Bestellung von Horn und Gy ins Gesicht gespuckt. Und auch darunter leidet das Land. Das hat den Graben nur vergrößert.

globetrottel
00
30.9.2011, 09:31

Ich glaube nicht, dass omar Studienverbote in seinem Post gerechtfertigt hat, oder ?

Sandor Kocsis
00
30.9.2011, 10:59

Ich habe es so aufgefasst, und er hat es bisher nicht richtig gestellt.

Er argumentiert zu oft mit: "Da waren ja alle dabei" - und da geht bei mir in Ö und in H das Geimpfte auf. Das solle ein "Killerargument" sein, mit dem tatsächlich begangene Verbrechen schön redet, indem man sie relativiert. Das Argument wird Hüben wie Drüben, von denen verwendet, die tatsächlich Dreck am Stecken haben.

Da schätzte ich Omar aber intelligenter ein, als in diese Kerbe zu schlagen

globetrottel
00
30.9.2011, 21:32

Moment. Dieses "es waren alle dabei" verwendet omar (und verwende auch ich) dann und nur dann, wenn jemand anderer einen Nicht-Rechten in irgendeiner Form als "böse" bezeichnet, ausschliesslich gestützt darauf, dass Selbiger früher mal "dabei war".

Sandor Kocsis
00
1.10.2011, 19:13

Dass Gy, die alten Geister aufleben ließ, ist auch Schmafu. Seine "Politik" war eine Fortsetzung der Unterstützung der Oligarchen.

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