Zapatero löst das Parlament auf

26. September 2011, 13:27

Premier beendet holprige "Krisen"-Legislaturperiode: Vorgezogene Wahlen am 20. November - Konservative können auf Absolute hoffen

Madrid - Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat am Montag das spanische Parlament aufgelöst. Damit wird nicht nur der Weg für die vorgezogenen spanischen Parlamentswahlen am 20. November frei, sondern endet auch die "Ära Zapatero".

Bereits im April hatte Zapatero kurz vor den landesweiten Kommunal- und Regionalwahlen Mitte Mai angekündigt, sich nicht erneut zur Wahl aufstellen zu lassen. Doch auch der neue sozialistische Spitzenkandidat Alfredo Perez Rubalcaba wird es schwer haben, ein erneutes Wahldebakel der Sozialisten wie im Mai zu verhindern. Alle Zeichen stehen in Spanien auf Regierungswechsel. Die Frage scheint nur noch zu sein, ob Oppositionsführer Mariano Rajoy von der Konservativen Volkspartei (PP) mit absoluter Mehrheit die kommenden Parlamentswahlen gewinnen wird oder nicht.

Der Grund: Zapateros zweite Amtszeit, die bereits als "Krisen-Legislaturperiode" bezeichnet wird, endet mit einem historischen Arbeitslosenrekord von über 21 Prozent, die Wirtschaft stagniert und die von Brüssel geforderte Begbrenzung des Budgetdefizit dürfte 2011 nur schwer einzuhalten sein.

Während Zapateros zweite Amtszeit ganz im Zeichen des wirtschaftlichen Verfalls Spaniens stand, war seine erste Legislaturperiode von Aufbruchsstimmung und einer Reihe fortschrittlicher Gesetze und Entscheidungen geprägt. Zapatero ließ 2004 als frisch gebackener Ministerpräsident als erstes die spanischen Truppen abziehen, die sein konservativer Vorgänger José Maria Aznar gegen den Wunsch der meisten Spanier auf Bitte des damaligen US-Präsidenten George W. Bush gegen Diktator Saddam Hussein in den Irak geschickt hatte.

Danach ging Zapatero wichtige soziale und politische Reformen an: Er liberalisierte das Abtreibungsgesetz, führte die Homo-Ehe ein und erließ ein Gesetz zur Aufarbeitung des Bürgerkrieges und der Franco-Diktatur. Er richtete ein neues Ministerium für die Gleichberechtigung der Frau ein, verschärfte das Nichtrauchergesetz und führte Babyschecks ein. Im Kampf gegen die baskische Terrororganisation ETA feierte er große Polizei-Erfolge, auch wenn die ETA den eingeschlagenen Friedensprozess wieder scheitern ließ.

Doch dann setzte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Sommer 2008 die internationale Finanzkrise ein. Die spanische Immobilienblase platzte. Die Baubranche, einer der wichtigsten spanischen Wirtschaftspfeiler, geriet in eine schwere Krise und riss andere Bereiche mit sich. Zapatero wurde plötzlich gezwungen, sich von seinen Sozialreformen zu verabschieden. Er reagierte jedoch zögerlich und spät. Bis 2009 weigerte sich der Sozialist sogar, überhaupt das Wort "Krise" zu benutzen.

Die späte Reaktion der Regierung auf die Wirtschaftskrise hatte Folgen. Zapatero konnte nicht mehr präventiv gegensteuern und verlor sich in einem unpopulären wirtschaftspolitischen Zickzack-Kurs. 2010 kürzte er massiv die Sozialausgaben und Beamtengehälter. Selbst der erst 2007 eingeführte Babyscheck und die Steuererleichterungen wurden wieder abgeschafft. Zapatero ließ das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 anheben und liberalisierte den Arbeitsmarkt. Selbst das sozialistische Tabu-Thema, die gesetzliche Erleichterung von Entlassungen, wurde angegangen und brachte den Sozialisten im September vergangenen Jahres den ersten Generalstreik ein.

Zapatero hatte kaum noch Spielraum. Die Überschüsse der vergangenen Jahre waren durch die einsetzende Wirtschaftskrise verpufft. Zahlreiche Wirtschaftsreformen wie die Förderung erneuerbarer Energiequellen wurden wieder auf Eis gelegt. Selbst im Gesundheitswesen und Bildungsbereich müssen staatliche Angestellte derzeit mit Massenentlassungen rechnen. Rentable Staatsunternehmen wie die Großflughäfen in Madrid und Barcelona sowie die spanische Staatslotterie mussten jüngst sogar teilprivatisiert werden. Danach führten die Sozialisten erneut für die kommenden zwei Jahre die Reichensteuer wieder ein, die sie erst vor drei Jahren abgeschafft hatten.

Das war zu offensichtlich eine wahlstrategische Entscheidung und untermauerte bei der großen Mehrheit der Bevölkerung den Eindruck einer fehlenden wirtschaftspolitischen Strategie. Die meisten Spanier sehen in den Maßnahmen der Regierung nur noch hilflose Gegenaktionen statt einer weitblickende Wirtschaftspolitik zur langfristigen Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Das ließen die Wähler die Sozialisten bereits bei den Kommunalwahlen im vergangenen Mai mit einem historischen Wahldebakel spüren, welches der konservativen Opposition in elf der insgesamt 17 spanischen Autonomien die Machtübernahme ermöglichte. Am 20. November dürfte die Sozialisten deshalb ein ähnliches Panorama erwarten. Laut einer Umfrage der Zeitung "El Periódico de Catalunya" vom Montag dürfte die konservative Volkspartei bei den vorgezogenen Parlamentswahlen mit 46,1 Prozent der Stimme eine absolute Mehrheit erreichen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 40
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gemeinsames europa
00
1.10.2011, 21:44
Welch ein Verdienst...

Während Zapateros zweite Amtszeit ganz im Zeichen des wirtschaftlichen Verfalls Spaniens stand, war seine erste Legislaturperiode von Aufbruchsstimmung und einer Reihe fortschrittlicher Gesetze und Entscheidungen geprägt.

15 jährige können abtreiben wie es IHM gefällt, eines seiner hauptaufgabengebiete das von der natur vorgesehene schwulenleben zu perfektionieren, totaler sittenverfall und zerstörung der familieneinheit, u.s.w.

Bauernbua
00
27.9.2011, 17:51

Glaube kaum, daß die Einhaltsamen die absolute Majorität der Sitze bekommen.

MARTIN FREUKES
 
03
27.9.2011, 09:59
Nie wieder ZAPATERO, Gott sei Dank

Nie in der Demokratischen Etape Spaniens hat es einen schlechteren und verlogeneren Presidenten gegeben als Zapatero.

Er hat sich viele der alten Minister der Ära Gonzalez in das erste Kabinett gehohlt, um mit den politischen Gegnern ( PP ) offene Rechnungen zu begleichen.

Anstatt die ganze Energie auf das Regieren zu konzentrieren hat Er und seine "Freunde" alle nur mögliche getan um sich und seinen Freunden die Taschen zu füllen.

Viele der Basis der Sozialisten sehen Heute das Sie hintergangen worden sind und werden nicht zur Wahl gehen oder Rosa Diez UPyD wählen. Bitte nicht vergessen das die Abspaltung von UPyD ist in der ersten Amtszeit von Zapatero geschehen, somit hat Zapatero auch der eigenen Partei geschadet.

Alfred Fux
00
27.9.2011, 10:46
Sie denken aber nicht im Ernst, dass Zapatero eine Ausnahme ist.

Zapatero macht genau das was alle tun. Alle vor ihm und alle die nach ihm kommen werden. Zapatero ist ein Abziehbild wie jeder Politiker. Ihr Argument ist in dieser Hinsicht ein Gleitmittel für all die Leute, die Politiker mit Systemen verwechseln möchten, dabei aber zuviel innere Reibung empfinden.

Joder
 
00
27.9.2011, 10:21
das ist in Spanien so üblich. einige Beispiele von Korrupten:

Aznar (PP), Aguirres (PP), Roca, Marcos (PSOE), Gil (ex-PP), Munoz (PP)

Joder
 
00
27.9.2011, 10:40
Oliver Schmid
 
10
27.9.2011, 02:58
Absolute Mehrheit ...

Dafür reichen in Spanien 46,1 Prozent? Was ist denn das für ein Wahlrecht bzw. System? Kenn mich da nicht ganz aus ...

h 90
01
27.9.2011, 09:40

ich kann das spanische Wahlrecht nicht, aber mit Mehrheitswahlrecht kann man auch mit 10 % die Absolute bekommen, wenn nur genügend Parteien antreten und die relative Mehrheit ueberall geschafft wird. Rechnerisch bei einem reinen Mehrheitswahlrecht gibts keine Grenze nach unten. Wenn 100 Parteien antreten koennte man auch mit 1.1% 100% der Abgeordnete bekommen.
So krass ist es meist nicht aber 46 % ist auch nicht so krass.

lagrangian
01
27.9.2011, 08:30

die dürften das wahlrecht von wien abgeschrieben haben... ;-)

Die Stimme
21
27.9.2011, 02:20

Und was bleibt von dem ganzen Trauerspiel übrig? Ein verschärftes Antirauchergesetz und ein paar hunderttausend Arbeitslose, die sich dran halten müssen.
Na bravo, den Zapatero hätten sie sich sparen können.

gemeinsames europa
00
1.10.2011, 21:47
besser kanns gar nicht mehr gehen

ein paar millionen arbeitslose

h 90
10
27.9.2011, 09:41

Sein Vorgaenger war nicht besser oder sogar schlechter.
Also zwar nichts gewonnen aber auch nichts verloren.

Alf von Melmak
 
00
27.9.2011, 09:07
den Zapatero hätten sie sich sparen können

'
Na, da können wir ja schon gespannt sein, wie souverän die Rechte die Wirtschaftskrise meistern wird...

Alfred Fux
00
27.9.2011, 10:49
Wie souverän die Rechte Finanzprobleme löst, dafür gibts ein sehr bekanntes Beispiel.

Robert Fien
41
26.9.2011, 23:02
Zapateros Bilanz ist positiv. Diese Krise fegt in allen betroffenen Staaten Südeuropas die Regierungen hinweg, egal welche politische Ausrichtung sie haben. Zapatero war der beste Premier Spaniens seit jahrzehnten, und einer der besten in Europa!!

Eigentlich schade dass Zapatero so abtreten muss. Er hat viel für Spanien geleistet. Im Artikel nicht erwähnt wird, dass er auch die Privilegien der Kirche sowohl steuerlich als auch im Schulsystem massiv beschnitten hat. Das war sehr mutig, denn die Gegenwehr war heftig und nur durch seine gelassene Art konnte er das durchziehen!

Seine Strategie die Krise kleinzureden finde ich übrigens durchaus nachvollziehbar, er wollte eben eine positive Stimmung erhalten, den Psychologie ist alles in so einer Situation. Die Immobilienblase in Spanien stammt aus der Zeit Aznars. Die hohe Verschuldung wurde auch durch die sinnlose Beteiligung am Irakkrieg mitverschuldet.

Bleibt zu hoffen, dass die PP nicht einige wichtige Reformen rückgängig macht!!

p c2
00
27.9.2011, 08:58
Seine Strategie die Krise kleinzureden finde ich übrigens durchaus nachvollziehbar, er wollte eben eine positive Stimmung erhalten, den Psychologie ist alles in so einer Situation.

ganz wie der alte adolf....propaganda bis zum bitteren ende.

nachvollziehbar, ja?

p c2
00
27.9.2011, 14:07

ich vergleiche zapatero nicht mit hitler sondern seine (und die seiner kollegen in ganz westeuropa) propaganda methodik.

und die ist nun mal die gleiche.

weshalb das bei einem gut sein soll und beim anderen nicht verstehe ich nicht ganz.

ps: intelligenz könnte man auch so definieren, dass man das was man liest auch versteht

Robert Fien
00
28.9.2011, 10:12

Ok. Sie vergleichen die Propagandamethoden. Leider haben sie aber auch hierbei vollkommen unrecht, denn die Propagandamethoden der Nazis waren grundverschieden von jenen die heutzutage angewendet werden.

p c2
00
28.9.2011, 12:07

inwiefern sind sie denn unterschiedlich?

Robert Fien
00
29.9.2011, 11:35
Sind Sie wirklich so naiv oder wollen Sie nur provozieren?

Also entschuldigen Sie bitte, aber es ist ein Unterschied ob eine Regierung versucht eine Wirtschaftskrise kleinzureden oder ob ein Regime versucht mit allen Mitteln (Durchdringung der gesamten Gesellschaft durch NS-Massenorganisationen, Gleichschaltung von Massenmedien, öffentlichen Einrichtungen, Justiz, etc.; massive Gewalt bis hin zum kalkulierten Massenmord gegen reale oder vermeindliche Gegner sowie gegen ausgegrenzte Gruppen) die gesamte Gesellschaft auf Linie zu bringen.

Ihr Vergleich ist ungefähr so nachvollziehbar wie wenn jemand eine Kassiererin die 1€ aus der Kassa nimmt mit Bernard Madoff gleichsetzen würde...

Robert Fien
00
27.9.2011, 11:20

Sie vergleichen also Zapatero mit Hitler. Sehr intelligent von Ihnen..

flotter denker
21
27.9.2011, 08:09
Zapatero mag gesellschaftspolitisch was weitergebracht haben

Aber wirtschaftspolitisch ist er, wie im Uebrigen fast alle Sozialisten, ein Totalversager!

Trapos Volando
10
26.9.2011, 21:29

viel spaß mit aznar und co....

sitting bull
12
26.9.2011, 19:45
schade, dass zapatero geht.

für mich war er einer der wenigen, bei denen ich den eindruck hatte, dass er die vision einer sozialen gesellschaftlich hatte. bei allen anderen habe ich andauernd den eindruck, dass sie die vision einer großindustrie- und bankengesellschaft haben. ich bin aber sicher, dass der tag kommen wird, an dem zapateros einstige visionen europaweit treibende kraft werden. wenn das nicht der fall wird, befürchte ich, dass wir europaweit neo-francos installiert bekommen.

kasandro
22
26.9.2011, 18:33

das ist das Problem der Parteien mit 'sozial' im Namen ganz Europa. Sie lassen sich vor sich hertreiben und kochen mit den selben Rezepten auf wie die konservativen Partein. Die haben selbst Angst davor, daß Sie irgendwer links nennen könnte. Angst vor der eigenen Courage. Das mögen die Leute nicht. Wer wählt schon gerne Lulus? So ist es nur gut, daß sie mal für länger in die Oposition gehen und mit sich selbst beschäftigen.

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