Alpha-Strahler gegen Knochenmetastasen

  •  Im Vergleich zu anderen Behandlungsmöglichkeiten - zum Beispiel 
Chemotherapie - scheint die sehr zielgenaue Radium-223-Therapie Vorteile
 und vor allem weniger Nebeneffekte zu haben.
    foto: apa/a3399 arne dedert

    Im Vergleich zu anderen Behandlungsmöglichkeiten - zum Beispiel Chemotherapie - scheint die sehr zielgenaue Radium-223-Therapie Vorteile und vor allem weniger Nebeneffekte zu haben.

Eine neue Therapie bringt Überlebensvorteile für Männer mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom

Stockholm - Bessere Chancen im Kampf gegen eine der häufigsten Krebserkrankungen: Eine neue Therapie, die gegen Knochenmetastasen bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom gerichtet ist, erhöht die Überlebenschancen deutlich. Gleichzeitig gibt es Ansätze für genauere Vorsorgeuntersuchungen bei Gesunden, stellten Fachleute beim Europäischen Krebskongress EMCC, von 23. bis 27. September in Stockholm fest.

Schwere Schmerzen und Frakturen

Das traurige Schicksal der meisten Männer mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom, so Chris Parker vom Royal Marsden Hospital in London: "90 Prozent entwickeln Knochenmetastasen mit schweren Schmerzen und Frakturen." Diese Komplikationen stellen für die Betroffenen oft quälendste Symptome dar. Bisher gab es hier nur beschränkte Behandlungsmöglichkeiten.

Neue Strahlenbehandlung

Eine neue Strahlenbehandlung soll eine deutliche Verbesserung der Therapie bringen. Der britische Experte: "Wir haben den Alpha-Strahler Radium-223 untersucht. Radium imitiert das Kalzium, das für den Knochenaufbau notwendig ist. Es wird daher speziell in Knochenmetastasen eingebaut. Der Alpha-Strahler ist stark, hat aber nur eine Reichweite vom Durchmesser weniger Zellen."

541 Patienten mit einem Prostatakarzinom, das auf die übliche antihormonelle Behandlung nicht mehr ansprach und bei dem es bereits zu Knochenmetastasen gekommen war (bei 40 Prozent mehr als 20 Tochtergeschwülste) bekamen im Abstand von jeweils vier Wochen sechs Dosen des Strahlentherapeutikums, 268 ein Placebo. Die Studie wurde wegen der Hinweise auf statistisch signifikante Ergebnisse vorzeitig abgebrochen.

Sterberisiko sinkt um 31 Prozent

Die Resultate waren ausgesprochen gut. Parker: "Das Sterberisiko sank um 31 Prozent. Die durchschnittliche Überlebenszeit erhöhte sich von 11,2 auf 14 Monate. Das war statistisch hoch signifikant." Auch das Risiko, zusätzliche Komplikationen zu erleiden, sank um 39 Prozent, was ebenfalls statisch hoch signifikant war.

Der Wissenschafter: "Die Meldungen über mögliche Nebenwirkungen waren in in der Placebo-Gruppe häufiger als in der Gruppe der wirklich Behandelten." Im Vergleich zu anderen Behandlungsmöglichkeiten - zum Beispiel Chemotherapie - scheint die sehr zielgenaue Radium-223-Therapie Vorteile und vor allem weniger Nebeneffekte zu haben. Im Endstadium von Prostatakarzinomen mit Metastasen sind die Patienten zumeist auf schwerste und hoch dosierte Opiate zur Schmerzlinderung angewiesen.

Problematische Früherkennung

Ein Problem der Medizin stellt nach wie vor die Früherkennung von Prostatakarzinomen dar. Einzelne PSA-Blutuntersuchungen (prostata-spezifisches Antigen) sind beim Screening von Gesunden nur beschränkt aussagekräftig. Deshalb versucht man, den Kreis der Getesten enger zu machen, um die Genauigkeit zu erhöhen.

Hier gibt es zwei mögliche Fortschritte: David Orsted von der Kopenhagener Universitätsklinik stellte die Resultate einer Studie mit einem Analysezeitraum von 27 Jahren und drei Millionen dänischen Männern vor. Demnach ist eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) mit einem zwei- bis achtfach höherem Prostatakrebs-Risiko bzw. der Gefahr, daran zu sterben, verbunden. Bei diesen Patienten sollte also besonders genau und regelmäßig untersucht werden.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

Verdacht sollte aber auch geschöpft werden, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg die PSA-Werte im Blut steigen. In einer Studie mit 4.383 Männern im Alter zwischen 20 und 94 Jahren zeigte sich - so Orsted -, dass eine solche Entwicklung mit einem drei- bis 44-fachen Erkrankungsrisiko für ein Prostatakarzinom und einer zwei bis zwölffachen Mortalität einher geht. Das spricht für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. (APA)

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