Außenminister Choquehuanca zum Mitmarschieren gezwungen - Protest gegen Schnellstraße
Yucumo - Die bolivianische Polizei hat am Sonntag
(Ortszeit) einen Protestmarsch von Ureinwohnern gegen eine geplante
Schnellstraße durch ihre Gebiete gewaltsam aufgelöst. Die Polizisten
gingen mit Tränengas gegen etwa tausend Amazonas-Indianer - unter
ihnen Frauen und Kinder - vor, die nahe der Ortschaft Yucumo, 320
Kilometer nordöstlich des Regierungssitzes La Paz kampierten. Bei der
Auflösung des Camps gab es mehrere Verletzte, wie ein AFP-Reporter
berichtete. Die Ureinwohner, die seit einem Monat nach La Paz
unterwegs sind, wurden in Bussen in die 50 Kilometer entfernte Stadt
San Borja gebracht. Die bekannte 70-jährige Menschenrechtsaktivistin
María Amparo Carvajal sprach von "extremer Gewalt" seitens der
Polizei.
Außenminister musste mitmarschieren
Zuvor hatten Indigene den bolivianischen Außenminister David Choquehuanca als eine Art
Schutzschild benutzt und so eine Polizeisperre in Chaparina passiert. Mehrere an dem Marsch beteiligte Frauen nahmen den Minister in ihre Mitte und
zwangen ihn, acht Kilometer mitzumarschieren. In der Nähe von Yucumo, 320
Kilometer nordöstlich von La Paz, ließen sie ihn wieder frei.
Die Demonstranten kampierten am Samstagabend außerhalb von Yucumo, nur einige
hundert Meter von etwa 200 Gegendemonstranten entfernt, die den Marsch aufhalten
wollten. Zwischen den beiden Gruppen waren mehrere dutzend Polizisten postiert.
Die Polizei ging in der Nähe des Camps auch gegen etwa 200
Gegendemonstranten vor, die den Marsch aufhalten wollten. Dabei
handelte es sich überwiegend um indianische Kokabauern, Verbündete
der linksgerichteten Regierung von Präsident Evo Morales. Dieser
hatte vor dem Polizeieinsatz einer Abordnung der Protestmarschierer
angeboten, im Präsidentenpalast von La Paz mit ihm zu sprechen. Er
kündigte außerdem an, dass es in den Departamentos Beni und
Cochabamba, durch welche die geplante Schnellstraße führen soll, ein
Referendum über das umstrittene Projekt geben solle.
Morales ist der erste indianische Präsident Boliviens und versteht
sich als Verteidiger der Rechte der Ureinwohner. Sein Eintreten für
die Schnellstraße hat ihm jedoch neue Gegner zugeführt. Sein
ehemaliger Minister Alejandro Almaraz, der den Protestmarsch
unterstützt, sagte am Abend im Radiosender Erbol, viele Marschierer
seien der Polizei entkommen und würden La Paz nun über die Berge
erreichen.
Die Ureinwohner hatten ihren Protestmarsch von Trinidad im Zentrum
des Landes bis zum 600 Kilometer entfernten La Paz am 15. August
begonnen. Die von der Regierung geplante Nord-Süd-Straße von Villa
Tunari nach San Ignacio de Moxos ist gut 300 Kilometer lang und soll
die Anbindung Boliviens ans benachbarte Brasilien verbessern. Sie
soll unter anderem durch den eine Million Hektar großen Nationalpark
Isiboro Secure gehen, in dem etwa 50.000 Moxenos-, Yurakarés- und
Chimanes-Indianer leben. (APA)