Papst gegen Modernisierung: Kirche darf sich nicht der Gegenwart anpassen
Freiburg - Papst Benedikt XVI. hat sich gegen eine Modernisierung
der katholischen Kirche ausgesprochen. Die Kirche dürfe sich nicht der Gegenwart
anpassen, sondern müsse mehr auf Distanz zur Gesellschaft gehen, forderte der
84-Jährige am Sonntag im Freiburger Konzerthaus. Bei seiner Rede beklagte er
eine "zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom
kirchlichen Leben" und betonte: "Umso mehr ist es wieder an der Zeit, die wahre
Entweltlichung zu finden, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen."
Das Oberhaupt der katholischen Kirche stellte klar, dass ein Wegfall
staatlicher Privilegien für die Kirche auch eine Chance sei: "Die von
materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich
besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich
weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum
Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben."
Zum sexuellen Missbrauch vieler Minderjähriger durch Geistliche sagte der
Papst: "Gefährlich wird es, wenn diese Skandale an die Stelle des primären
Skandalon des Kreuzes treten und ihn dadurch unzugänglich machen, also den
eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit ihrer Boten
verdecken."
Der Papst machte seine Skepsis gegenüber dem innerkirchlichen Dialogprozess
deutlich. Diesen hatte die Deutsche Bischofskonferenz als Reaktion auf den
Missbrauchskandal gestartet. In vielen Gesprächsrunden mit den Gläubigen an der
Basis geht es dabei um mögliche Reformen, unter anderem um Fragen wie: Sollen
künftig auch Laien Gemeinden leiten können? Können Frauen mehr Rechte in der
Kirche bekommen? Welche Reformen sind nötig, um den Mitgliederschwund zu
stoppen? (APA)