An die Grazer Häuptlinge

Kommentar | Walter Müller
25. September 2011, 18:07

Die Wähler demonstrierten, dass sie ihrem in Misskredit geratenen langjährigen Ortschef mehr trauten als den Oberlehrern in Graz

Eine Ernüchterung für die steirischen Landesregierer von SPÖ und ÖVP: Die Bewohner der obersteirischen Pleitegemeinde Fohnsdorf stellten sich bei den Neuwahlen am Sonntag - wenn auch nicht euphorisch, so zumindest mehrheitlich - hinter ihren von der Landesregierung unter politische Quarantäne gestellten ehemaligen SPÖ-Bürgermeister Johann Straner. Sie demonstrierten damit, dass sie ihrem in Misskredit geratenen langjährigen Ortschef mehr trauten als den Oberlehrern in Graz.

Das darf niemanden verwundern. Straner ist kein Leichter, wie er selbst zugibt. Er hatte in der ehemals erzroten Kerngemeinde Fohnsdorf wie ein Alleinherrscher regiert, sich bisweilen über den Gemeinderat hinweggesetzt, ein Firmengeflecht zur Verschleierung der Schulden errichtet und den Bau einer Therme durchgedrückt, die sich die Gemeinde niemals hätte leisten dürfen. Aber: Er konnte vielen Bewohnern das Gefühl vermitteln, dass er sich für sie die Sohlen heißläuft.

Es ist SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves und seinem ÖVP-Vize Hermann Schützenhöfer ganz offensichtlich nicht gelungen, zu erklären, warum Straner nicht wählbar ist. Kein Wunder: Beide hatten jahrelang dem Fohnsdorfer Treiben zugesehen, nichts gegen die Finanzjonglierübungen des Bürgermeisters, mit denen dieser die Therme zu finanzieren suchte, unternommen. Die Landespolitik hatte die Therme sogar als "Leitprojekt" der Industrieregion hochgelobt und mit Subventionsmillionen bedacht. Viel zu lange hatte man aus parteitaktischen Gründen, um nicht das rot-schwarze Gefüge im Land zu gefährden, Straner in der roten Gemeinde agieren lassen - bis es nicht mehr ging.

So gesehen geht die Finanzmisere in Fohnsdorf auch zu einem Gutteil auf die Kappe der Landespolitik - was die Fohnsdorfer den Grazer Häuptlingen mit der Wahl am Sonntag auch deutlich ausgerichtet haben. (DER STANDARD; Printausgabe, 26.9.2011)

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Net auf die Fohnsdorfer schimpfen. Die Wiener wählen aus unerklärlichen Gründen ja auch noch immer den Häupl. Vermutlich weil er so viel vom Wein versteht.

Der Häupl wird gewählt weil hier so viele Ausländer wählen, die keine Ahnung haben worauf sie sich da einlassen.

...und die Fohnsdorfer haben ihn wiedergewählt. Die vielen Steirerwitze sind also gerechtfertigt.

Einen Bürgermeister der die Gemeinde...

...an die Wand fährt, wiederzuwählen, ist schon eine enorme Leistung von mündigen Bürgern !!!

Simple (Kärntner) Logik...

Der Bürgermeister hat ihnen ein tolles Schwimmbad verschafft für das jetzt andere die Zeche zahlen dürfen...

Klar, dass die Fohnsdorfer ihren "Räuberhauptmann" nicht absägen... Gleiches passierte (und passiert immer noch) ja auch in Kärnten...

Solang die Betroffenen ihren Schuldenstand nicht selber spüren werden sie auch keinen Grund sehen Politiker die sich soetwas zu schulden haben kommen lassen abzuwählen...

Bernard Lawrence „Bernie“ Madoff

hat sich offensichtlich das falsche land für sein tätigkeitsfeld ausgesucht

Ich komme aus der Gegend, und die Leute haben Hans deswegen gewählt, weil er etwas für die Gemeinde erreicht hat.

Dass er das Land hineingelegt hat, trägt ihm hier niemand nach. Das Land hat die Region, wie die Obersteiermark insgesamt, jahrzehntelang ausgehungert. Unter der ÖVP-Totalherrschaft sind hunderte Millionen in den Bauerndörfern der Ost- und Weststeiermark versickert, jedes Kaff hat dort eine Therme, die sich nie rentiert!

Hans Straner hat dazu einen kleinen Ausgleich geschaffen, und fast niemand im Murtal nimmt ihm das übel.

solange er für die offensichtlichen finanz-betrügerein - "über den Gemeinderat hinweggesetzt, ein Firmengeflecht zur Verschleierung der Schulden errichtet" - vor den kadi kommt, ist es MIR egal.

wurde nicht auch der burgenländische övp(?)-bürgermeister wiedergewählt, dem man wahlmanipulation vorgeworfen hat?

der bgm ist sicher auch ein gaaaaaanz supersympathischer, einfach ein klasser bursch, so wie einst "einfach ehrlich, einfach jörg" ...

gut wirtschaften ist kein wahlentscheidentes kriterium (wer braucht den blödsinn?), fesch muss er (!) sein, sympathisch, "auf die menschen zugehen können" ... uswusf.

~nur die dümmsten kälber wählen ihre schlächter selber~

grazer mafia!

;-)

Wahlen sind auch ein Barometer

für den Druchschnitts-IQ der Bevölkerung.
Bürgermeister und Wahlvolk passen in Fohnsdorf
offenbar bestens zusammen.
Also sollten beide unter Kuratel bestellt werden und vor allem für die Schulden selbst aufkommen.

Wen haben sie jetzt gewählt?

Den Gemeinderat oder den Bürgermeister?

Oder ist diese Differenzierung einem schlichten steirischen Gemüt gar nicht zuzumuten?

War es nicht der Gemeinderat, den der Bürgermeister hintergangen hat? Und bei der Wahl ist alles wieder dasselbe?

genau. und bei nationalratswahlen wählt man die zusammensetzung des parlaments, und sonst nichts.

not.

obersteirischen Pleitegemeinde Fohnsdorf

weder obersteirisch - noch Pleite

lol

Sorry - nicht mein Tag - habe Fohnsdorf gelesen und Frohnleiten gemeint ....

Brauch dringend einen Kaffee und etwas Urlaub ...

sind wir nicht alle ein bisschen müde..

Niemand regt sich darüber auf, dass die Steuermilliarden über die Verhältnisse hinaus, in die jeweiligen Landeshauptstädte und vor allem in den Wiener Wasserkopf investiert werden.

In diesen Zentren gibt es Bundes- und Landeseinrichtungen, die es in den Regionen nicht gibt.

Seitdem der Kohlebergbau in Fohnsdorf geschlossen worden ist, versucht man dort Arbeitsplätze zu schaffen. Mit mehr oder weniger gutem Erfolg. Die einzigen Arbeitsplätze die dort von Seite des Bundes geschaffen worden sind, sind die Eurofighter, die die Gegend zulärmen. Hingegen wurde der Vollausbau des Österreichringes vom Bund verhindert.

Stranner ist einer, der sich nun einfach nimmt, was andere sowieso bekommen. In diesem Fall Hilfe vom Land Steiermark. Sollte er deswegen abgewählt werden?

welche bunds- und landeseinrichtungen

würden sie denn in fohnsdorf ansiedeln?

Es geht doch darum, dass die Gelder in die Zentralräume gepumpt werden, was die Landflucht als Folge hat. Die Folge davon ist dann wieder, dass noch mehr in die Infrastruktur der Ballungsräume gebuttert werdeen muss und die Spirale dreht sich weiter. Eine Umkehr von diesem nicht wirklich wünschenswerten Umstand wäre nur zu erreichen, wenn der Geldhahn für die Zentralräume zugedreht werden würde und mehr in die Infrastruktur auf dem Land fließen würde.

finanzministerium

die kennen sich beim schulden machen bestens aus.

Verantwortung übernehmen

Wenn die fohnsdorfer merheitlich so blöd sind, sollen sie auch die durch diesen politkriminellen entstandenen verschuldungen selbst abstottern, und nicht andere dafür bezahlen lassen.

fohnsdorf hat einen regierungskommisär

und nach der wahl, jeder fohnsdorfer einen sachwalter.

Besonderes lustig wirds in ein paar Jahren,

wenn die Red Bull - Airpower - Blase platzt, weil Red Bull den Ring schließt und die Flugshow nach China verlegt...

Man wird also bis zu Straners strafrechtlicher Verurteilung ...

... diese Truppe ertragen müssen.
Es gilt die Vermutung.

Fohnsdorf das Griechenland der Steiermark, wie Kärnten das GRE Österreichs ist

also ganz einfach: die bürger sollen dort über höhere vorschreibungen für gemeindeleistungen selbst die zeche zahlen!

der straner gehört sowieso vor ein ordentliches gericht!

und auch die gemeindeaufsicht von rot und schwarz hat ihren gehörigen anteil an dem debakel: ist übrigens nicht das erste - wie auch trieben zeigt.

Auch für den Fohnsdorfer Wähler gilt die Unschuldsvermutung.

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