Der Papst als Grüner: Eine Zumutung für Merkel

Kolumne | 25. September 2011, 17:44

Um wieder mehr Wertbewusstsein in die Köpfe zu bringen, müsste sich vor allem die Kirche selbst verändern

Erinnern Sie sich? Im Februar 2009 hatte die Protestantin Angela Merkel während einer Pressekonferenz mit dem kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew Papst Benedikt XVI. attackiert. Die kurz davor durch den Vatikan erfolgte Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft kritisierte sie mit den Worten: "Es entsteht der Eindruck, dass man den Holocaust leugnen kann." Der Holocaust-Leugner Richard Williamson war unter den vier Pardonierten.

Bis heute ist der Papst der Forderung Merkels nach einer Klarstellung nicht nachgekommen. In seiner Rede vor dem deutschen Bundestag ist er auf diese fundamentale Katastrophe in der deutschen Geschichte mit keinem Wort eingegangen. Er hat vielmehr eine tiefe Wunde von Merkels Partei, der CDU, berührt. Nach ihrer Wahlniederlage in Baden-Württemberg regiert in Stuttgart der katholische Grüne Wilfried Kretschmann. Mit ihm hat Benedikt länger geredet als mit anderen Ministerpräsidenten, bemerkten die Journalisten.

Indem er sagte, er wolle mit seinen Worten keine Partei unterstützen, hat er es erst recht getan: Sein Lob für die Ökologiebewegung, diese als deutsche Erfindung darzustellen und damit die Grünen mit dem Segen des Vatikan auszustatten, kann man ohne Frage auch als Hieb gegen Merkel verstehen. Die sind eigentlich die neuen Christen, gab er zu verstehen. Nicht mehr nur die mit dem "C" in ihrem Namen.

Er hat vor dem Bundestag eine rechtsphilosophische Rede gehalten - auf hohem Niveau, wurde dem Papst allgemein attestiert. Und er habe, angesichts des Orts seines Vortrags, auf das Missionieren verzichtet. Das mag stimmen. Aber warum hat er just im Bundestag unter dem Vorwand, weder eine religiöse noch eine politische Rede zu halten, eine bestimmte politische Richtung hervorgehoben? Wer sagt, das sei kein Kalkül gewesen, unterschätzt ihn.

Andererseits hat er nämlich auch die Grünen selbst in Schwierigkeiten gebracht. Bisher ist es ihnen ganz gut gelungen, die Unterschiede zwischen christlichen und antiklerikalen Kräften zu überdecken. Das wird sich ändern.

Benedikt XVI. hat in der Hauptstadt seiner Heimat eine polarisierende Botschaft hinterlassen, ohne neben seiner missverständlichen Position gegenüber den Leugnern des Holocaust auch noch einen anderen Widerspruch aufzulösen: jenen zwischen dem Rechtswesen des liberalen Staats und dem in der Zeit vor der Aufklärung begründeten Kirchenrecht.

Der Papst bekannte sich zum Grundgesetz (der deutschen Verfassung), meinte aber nur jenen Teil, der sich ausdrücklich auf Gott bezieht. Würde er die ganze Verfassung im Blick gehabt haben, dann müsste er ihre Demokratie-Inhalte zumindest teilweise auch innerkirchlich umsetzen.

Um wieder mehr Wertbewusstsein (das auch andere als nur christliche Quellen hat) in die Köpfe zu bringen, müsste sich vor allem die Kirche selbst verändern. Ohne konkrete Schritte ist das Bekenntnis zum Grundgesetz bloße Rhetorik - und jenes zur Ökologie eine Anbiederung. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2011)

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Posting 1 bis 25 von 63
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siliconvalley
10
27.9.2011, 00:05
"warum hat er just im Bundestag unter dem Vorwand, weder eine religiöse noch eine politische Rede zu halten, eine bestimmte politische Richtung hervorgehoben?"

wer dachte, dass sich die Kirche um die Trennung von Kirche und Staat auch nur einen Deut schert, hat sich geirrt.
Natürlich gab und gibt es immer noch politische Einflussnahme. Manchmal eben weniger subtil als sonst.

Jürgen Rembremerding
02
27.9.2011, 08:37
"Natürlich gab und gibt es immer noch politische Einflussnahme. Manchmal eben weniger subtil als sonst."

Man nennt diese Regierungsform "Demokratie". Jeder darf sich politisch äußern und Einfluss nehmen!

living reef
00
26.9.2011, 18:32
war sein abschiedsbesuch in seiner heimat

nun ist er nach rom geflogen wo er letzlich auch endgültig bleiben wird...

Jürgen Rembremerding
02
26.9.2011, 18:20
"In seiner Rede vor dem deutschen Bundestag ist er auf diese fundamentale Katastrophe in der deutschen Geschichte mit keinem Wort eingegangen"

Ist das neuerdings Pflicht?

arcmichl
21
26.9.2011, 16:15
die kirche ist eine theokratie, keine demokratie. no-na-ned.

.
wer also nicht weiß, dass es Gott gibt ...

wer nicht weiß, das Jesus Gott ist ...

wer nicht weiß, dass die katholische kirche Seine kirche ist ...

und die katholische lehre die wahre lehre ...

und wer nicht konsequent den willen Gottes erkennen und erfüllen will ...

der kann und soll da besser nicht mitreden.

ok?

denise-a. langner-urso
 
00
26.9.2011, 14:52
nicht zumutung-kalkuliert...

das war genau so und nicht anders gewollt- Papsthilfe in der „Räuberhöhle“ der Politik – psychologisch korrekt…
das war wählertäuschung und rückgewinnung!Papsthilfe in der „Räuberhöhle“ der Politik – psychologisch korrekt…http://menschenzeitung.de/?p=9931

Rosa Stahl
00
26.9.2011, 14:07

Der Herr Sperl und der Herr Ratzinger.

Wer weiß in 100 Jahren noch, wer der Herr Sperl ist? Und obs den Standard dann überhaupt noch gibt....

Kurt Mendl
 
20
26.9.2011, 13:42
Der katholische Räuberhauptmann

60000 Leute im Berliner Olympiastadion beeindrucken mich nicht besonders. Der Comedian Mario Bart schafft das auch und bei dem müssen die Leute auch noch Eintritt bezahlen. Wie viele Leute waren wohl dabei, die einfach ein kostenloses Spektakel zur Unterhaltung nutzen und den lustigen "Zauberer ohne sichtbare Kunststücke" einmal sehen wollten, ohne seinem bizarren Allmachtsanspruch zuzustimmen.

Eine Schande übrigens auf die lobbydemokratischen deutschen Medien, die von den fast 10000 Gegendemonstranten in Berlin kaum etwas gezeigt haben. Die wirklich lustigen und treffenden Argumente waren dort zu sehen und nicht in der Papstrede des Dogmatikers, der sich selbst und seine eigene Räuberbande nie im Spiegel erkennt.

Mister Magister
 
00
26.9.2011, 13:18

Vorschlag an Merkel: Wenn sie dem Papst eins reinwürgen wollen, benennen sie doch einfach die Partei um.

BUD: Bürgerunion Deutschlands

Wetten da ärgert er sich schwarz der kleine Benedikt. (pun intended)

Hossam Hassan
00
25.10.2011, 12:23
Die Partei müsste heißen

Bürgerunion Deutschlands der Evangelischen und Rechtgläubigen Nationen (abgekürzt: BUDERN).

Karma Thrinley
03
26.9.2011, 13:06

Wos, der Papst ist Rapidler???

Na danke, den brauch' ma net :-P

exile in mainstream
00
26.9.2011, 11:42

gegendert müsste die headline im sinne irgendeiner stimmigkeit schon sein

Floaschkas
00
26.9.2011, 12:26

wieso? Der Papst, der Grüne, die Zumutung, die Merkel
! ? ! ?

Stahl_____666
42
26.9.2011, 11:22
.

Da hat jemand aber einiges an der Papst-Rede nicht verstanden.

Benedikt hat nicht die Grünen gelobt, sondern sie als Beispiel dafür genannt das Leben zu achten und in den Mittelpunkt zu stellen - eine Anspielung auf die Abtreibungsstatistik in D.

Benedikt hat das Grundgesetz als Beispiel dafür gebracht, daß Recht nicht auf Basis von Mehrheitsbeschlüssen und Abstimmungen definiert werden kann, sondern dass dem Recht allgemeingültige Werte zugrundeliegen müssen.

Welchen Grund hätte Benedikt gehabt, vor dem deutschen Bundestag über Piusbruderschaft oder Holocaust zu referieren?

Ersteres ist ein Problem der Kirche und Letzteres im Rahmen einer Gedenkveranstaltung angemessen.

Aber Hauptsache in linker Manier den Papst besudeln.

Igor Gassner
13
26.9.2011, 10:54
Kirche ist Kirche und nicht Staat

was der herr in der Kolumne vorschreibt ist nichts weiter als dass die Kirche der Steigbügelhalter des Staates un der Gesellschaft werden soll, also in jenem geistig beschränkten Bereich agieren soll, an dem sich die linke hedonistische Unkultur täglich erfreut.

Das "Gotts sei Dank" wird es nicht geben.

Diese neo-Kultur wird mit Hilfe einer Fehlinterpredation dessen aufrecht erhält was Demokratie und die Rechte von Menschen bedeutet. Über beiden steht die Würde des Menschen aus der sich gebote und Verbote ableiten. Wie du sollst nicht töten usw

Land der Frauen
12
26.9.2011, 10:12
Kirche = Patriarchat | Patriarchat = Kirche

Und das sollte schön langsam zu unserer Geschichte werden.
Sind es BEIDE noch nicht. Sonst hätte der säuerliche Grinser nicht soviel Aufmerksamkeit...

Im Übrigen betreibt das päpstlich patriarchale Lob für die Grünen deren Spaltung und Schwächung. Er lobt die Grünen, die brav in der kapitalistischen Hierarchie bleiben, die die überkommenen gesellschaftl Strukturen wieder fixieren wollen, sprich die grünen Bürgerlichen.. der Papst als Emanzipator!? Zum Lachen! Da müßte der HERR schon freundlicher Lachen können. KANN er aber nicht. Wie auch!

De omnibus dubitandum
13
26.9.2011, 09:56

Sehr lustig wenn man für kritische Postings rote Stricherln vergeben kann.

Das die Kirche ein Relikt von vorgestern ist hat sie nur selbst noch nicht eingesehen. Da hilft keine Reform mehr, Neugründung vielleicht.

PS: Es geht nur um Europa

Toni Gruber
01
26.9.2011, 09:42

Das Problem können nur Merkel und Sperl für sich selbst lösen, Williamson war für diese Äußerungen nicht exkommuniziert, und sie wurden wegen dieser nicht aufgehoben, wen der Papst exkommuniziert und ent- exkommuniziert das geht Merkel kurzerhand nichts an und ist ausschließlich seine Sache.

pago1
36
26.9.2011, 09:32
eine schwer gestörte figur der mann

und hunderttausende jubeln sowas auch noch zu

/b/
00
26.9.2011, 17:09

neidisch? :P

sociovation
00
26.9.2011, 09:21
Verstehe ich nicht

Es ist doch tief im kollektiven Unbewussten verankert, dass die Grünen im Grunde gottlose Kommunisten sind.
Wie kann der Pabst es wagen, der Volksmeinung derart zu widersprechen?

El Chó
39
26.9.2011, 06:24

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie glücklich die Grünen über diese öffentlichkeitswirksamen Annäherungsversuche dieses reaktionären, vovorgestrigen Spinners sind, der sich für den Vertreter eines unsichtbaren Mannes hält, der allmächtig und allwissend sein soll aber leider nicht wirklich mit Geld umgehen kann...

Komposti
59
26.9.2011, 02:19
Der Papst ein Grüner? Ökologie-Bilanz

Der Papst hat die Ökologiebewegung gelobt. Da stellt sich die Frage, ob die Öko-Bewegung angesichts des enormen Aufwands im Zusammenhang mit der Deutschlandreise auch den Papst loben könnte.

1 Flugzeug, begleitet von 3 Abfangjägern, 60 Limousinen, 14 Hubschrauber, dutzende Motorräder, usw. hinterlassen sicher keinen guten ökologischen Fußabdruck.
Ich verlange ja nicht, dass bei dieser PR-Show die Eisenbahn/Öffis benutzt werden. Aber ein wenig Demut und Bescheidenheit hätten die Glaubwürdigkeit um einiges vergrößert. Zumal diese Reise 10x mehr gekostet hat, als beim Aktionstag "Nachbar in Not (Afrika)" gespendet wurde.

Neben dem CO2-Ausstoss hat der Papst vor allem durch seine Reden (heiße Luft) viel zur Klimaerwärmung beigetragen.

pago1
12
26.9.2011, 10:05
was willst du von einem größenwahnsinnigen narzissten anderes erwarten

Section Control
71
26.9.2011, 08:04
Bla bla bla

Und unsere Grünen fuhren zur Klubklausur nach Brüssel hoffentlich alle mit dem Fahrrad.

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