Wahlen in Fohnsdorf

Mit Schrammen zurück ins Bürgermeisteramt

25. September 2011, 18:01
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    foto: apa/expa/zangrando

    Guter Dinge verließ Johann Straner am Sonntag sein Wahllokal. Es wurde zwar nicht der erhoffte Triumph, es reichte aber für eine satte Mehrheit für den ehemaligen SPÖ-"Pleite" -Bürgermeister.

Wahlen in Pleitegemeinde Fohnsdorf: Der geschasste Ex-SPÖ-Bürgermeister ist wieder Ortschef

Fohnsdorf/Graz - Die wegen des Finanzdebakels in ihrer Gemeinde zu Neuwahlen aufgerufenen Bewohner der obersteirischen Stadt Fohnsdorf holten sich am Sonntag ihren - von den Landespolitikern, der Staatsanwaltschaft und dem Rechnungshof schwer unter Druck gesetzten - ehemaligen Bürgermeister Johann Straner zurück. Der wegen diverser Malversationen seines Amtes enthobene Bürgermeister verfügt im Gemeinderat mit seiner neuen "Liste Hans" in Zukunft über 15 von 25 Mandaten, er erhielt 55,34 Prozent der Stimmen. Von einem von ihm erhofften Triumph kann aber keine Rede sein, der umstrittene ehemalige SPÖ-Bürgermeister musste vier Mandate abgeben.

Gewinner der Wahl sind die ÖVP, die den Finanzskandal rund um den Bau der örtlichen Therme aufgedeckt hatte, und die Grünen, die wieder in die Fohnsdorfer Gemeindestube einziehen. Die ÖVP hält nun bei sechs Mandaten, die Grünen bei zwei. Wenig profitiert von den Turbulenzen in der Gemeinde haben die KPÖ und die FPÖ, die auf ihrem jeweils einen Mandat sitzenblieben.

Johann Straner war im Zuge des Finanzskandals als Bürgermeister abgesetzt, der Gemeinderat aufgelöst worden. Das Land entsandte einen Regierungskommissär, der die Geschäfte übernahm, die Sanierung des Ortsbudgets einleitete und Neuwahlen vorbereitete.

Da Straner als "Pleite-Bürgermeister" durch die harte Kritik des Bundesrechnungshofes dermaßen in Misskredit geriet, distanzierte sich die Landes-SPÖ von ihrem ehemaligen Vorzeigebürgermeister. Parteivorsitzender Franz Voves untersagte dem ehemaligen Ortskaiser, noch einmal für die SPÖ zu kandidieren. Erstmals seit 1945 trat die SPÖ hier im roten Kerngebiet also nicht an. Straner gründete umgehend eine eigene "Liste Hans" , mit ihm schwenkte die gesamte rote Ortspartei um und unterstützte - sehr zum Missfallen der Landespartei - Straner mit dem Slogan: "Wo Hans draufsteht ist SPÖ drinnen" .

Etwa bitter reagierte daher die Landes-SPÖ jetzt auf die Wahl: "Auch wenn es nicht im Sinne der steirischen SPÖ ist, dass Johann Straner sich der Bürgermeisterwahl gestellt hat, müssen wir die Entscheidung der Fohnsdorferinnen und Fohnsdorfer akzeptieren" , sagte SPÖ-Landesgeschäftsführer Toni Vukan.

Wenn auch etliche in der Landes-SPÖ spekulieren, dass Straner - wenn sich die Wogen geglättet haben - bald wieder in den Schoß der Partei zurückkehren wird, hat er dies zumindest für diese Periode ausgeschlossen. Straner zum Standard: "Wir bleiben mit Sicherheit als Liste Hans im Gemeinderat tätig." Die ÖVP musste mit einem Notprogramm in diese Wahl, nachdem sich deren ehemalige VP-Vizebürgermeisterin Ingrid Felfer, die die Finanzspiele Straners aufgedeckt hatte, desillusioniert zurückgezogen hatte.

Sie habe nicht den Eindruck dass sich etwas verändern werde, zumal die gleichen Politiker wieder tätig seien, es werde wohl gleich gewirtschaftet wie zuvor, und daran wolle sie nicht mitschuldig werden.

Dennoch konnte ihre Partei zwei Mandate zulegen. Die Kritik am Ortskaisertum Straners hatte offenbar doch Wirkung gezeigt. (Walter Müller, DER STANDARD; Printausgabe, 26.9.2011)

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Posting 1 bis 25 von 124
1 2 3
rrrn
 
00
28.9.2011, 07:01
Was lerne ich draus

Die Leute sollen nicht immer nur ueber die Politiker schimpfen - es gibt auch so viele dumme Waehler.

Gimli
01
26.9.2011, 15:40
Fondsdorf

Habens hoffentlich auch gleich zugestimmt, dass sie die Schulden als Gemeinde rückzahlen. Aus dem Steuertopg sollte nichts kommen für diese Partie.

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
26.9.2011, 14:57
Die Fohnsdorfer haben Stra...CHE nicht lesen können!

(C;

rasenmähermann
06
26.9.2011, 14:50

Also diesen Wählern ist einfach nicht zu helfen. Die sollen den Schuldenberg bitte schön selber zahlen.

guzo
30
26.9.2011, 15:34
Wieso?

Die FohnsdorferInnen haben weder die rechtsextremen Dummköpfe der FPÖ, noch die korrupten Waffenschieber-Freunderl der ÖVP mehrheitlich gewählt.

Freilich, auch mich erschüttert, dass die Konservativen sowohl in ihrer schwarzen, als auch in ihrer grünen Gestalt gewonnen haben. Aber gut. Das Ausmaß sollte die Fohnsdorfer Zukunft nicht allzu sehr behindern.

.::.wanderfalke.::.
 
10
26.9.2011, 20:42
Die GRÜNEN sind in der Steiermark ...

eher bürgerlich als fortschrittlich ökologisch. Das stimmt. GRÜNE sind aber unserer Demokratie verpflichtet, was man von den dumben EFFEN nicht sagen kann.

Hartmut Rücker
02
26.9.2011, 15:56

Dass es aber ein Roter war, der die Gemeinde in die Pleite geführt hat, ist Ihnen anscheinend entgangen.

WernaeI Spindelmann
00
26.9.2011, 14:49
Fohnsdorf - das Griechenland der Steiermark!

Dieses Wahlergebnis zeigt die Dummheit der Wahlbürger und sollte auch Konsequenzen nach sich ziehen: das Land Steiermark sollte sich gänzlich aus der gemeinde zurückziehen und sie einfach Pleite gehen lassen! Die Wähler haben ja immer recht, und nur durch diesen lerneffekt kann man so etwas wie Verantwortungsbewusstsein in die Köpfe bringen.

Lu Lou
04
26.9.2011, 14:39

Was kann man in einer Demokratie machen, wenn sich die Bevölkerung als letzte Kontrollinstanz der Politik hartnäckig dieser Pflicht entzieht? Entmündigen?

Zumindest die Landes- und Bundeshaftung für die Gemeindeschulden aufheben. Dann werden die Banken Fohnsdorf regieren - mit demokratischer Legitimation. Wäre ein interessantes Experiment.

.::.wanderfalke.::.
 
00
26.9.2011, 20:57
Beim Sonderfall Kärnten haftet der Bund sogar

für die Schulden einer Bank. Das Land Kärnten wäre auf Jahrzehnte finanziell auf das Existenzminimum begrenzt, würden die Milliarden der Ausfallhaftung schlagend werden.

opryde
00
26.9.2011, 17:21

einfahren lassen, ganz einfach.

Lu Lou
00
26.9.2011, 14:39

Was kann man in einer Demokratie machen, wenn sich die Bevölkerung als letzte Kontrollinstanz der Politik hartnäckig dieser Pflicht entzieht? Entmündigen?

Zumindest die Landes- und Bundeshaftung für die Gemeindeschulden aufheben. Dann werden die Banken Fohnsdorf regieren - mit demokratischer Legitimation. Wäre ein interessantes Experiment.

Lu Lou
00
26.9.2011, 14:39

Was kann man in einer Demokratie machen, wenn sich die Bevölkerung als letzte Kontrollinstanz der Politik hartnäckig dieser Pflicht entzieht? Entmündigen?

Zumindest die Landes- und Bundeshaftung für die Gemeindeschulden aufheben. Dann werden die Banken Fohnsdorf regieren - mit demokratischer Legitimation. Wäre ein interessantes Experiment.

zkk
 
00
26.9.2011, 14:24
nur als warnung für die övp:

"Die ÖVP musste mit einem Notprogramm in diese Wahl, nachdem sich deren ehemalige VP-Vizebürgermeisterin Ingrid Felfer, die die Finanzspiele Straners aufgedeckt hatte, desillusioniert zurückgezogen hatte.

Sie habe nicht den Eindruck dass sich etwas verändern werde, zumal die gleichen Politiker wieder tätig seien, es werde wohl gleich gewirtschaftet wie zuvor, und daran wolle sie nicht mitschuldig werden."

gut wirtschaften war noch nie für den typischen spö-wähler ein kriterium fürs kreuzerl, siehe schuldenbruno und seine roten nachfolger ... ^^

.::.wanderfalke.::.
 
00
26.9.2011, 20:49
Die "Aufdeckerin" ist aus der Verantwortung geflüchtet ...

und stellte sich nicht zur Wiederwahl. In Fohnsdorf gab es auch von der ÖVP ein intensives Lobbying für den Bau der Therme. Und die ÖVP-Bürgermeister des Zirbenlandes hätten die Therme am liebsten in Obdach gebaut und wollten Fohnsdorf austricksen. Hirschmann wollte das aber nicht.

Mr. Smart
04
26.9.2011, 12:55

dieser vorgang spiegelt halt die meinung vieler leute in österreich wieder: "er" hat halt was getan, die schulden sind uns blunzn weil die bezahlt ja wer anderer und deswegen wählen wir ihn wieder, weil er is so ein netter.

Trustme78
11
26.9.2011, 12:32

Die Fohnsdorfer haben halt lieber ein paar Mio mehr Schulden als ein paar Arbeitslose mehr.

Ich kann mir nicht erklären, wo sie das her haben, aber es scheint ihnen irgendwer vorzuleben.

Section Control
00
26.9.2011, 13:02
Naja

Ich erinnere daran, daß dortens einst eine Steinkohlegrube in den Siebziger Jahren geschlossen wurde. Als Ersatz wurde eine Niederlassung der EUMIG gegründet. (Auch, ja die Bauknecht gabs auch noch oben). Befohlen von dieser Person, dessen Aussage sie sinngemäß zitiert hatten. Also da wurden schon früher Millionen oben vergraben.

die dunkle seite der nacht
00
26.9.2011, 11:29
es wäre hier auch sicher ganz interessant zu lesen..

..was die Fohnsdorfer veranlasst hat den Herrn Straner wieder zu wählen.
War das Trotz?
Was erwartet man sich jetzt von ihm?

Keyser
12
26.9.2011, 12:06

Nein, die Leute waren sehr zufrieden mit ihm, dass ist der Grund. Selbst als die Pleite kam, und danach eine Befragung stattfand, meinten viele das sie Ihn ohne zu zögern wieder wählen würden. Was sie dann ja auch Schlußendlich mehrheitlich gemacht haben ...

So Ren
00
26.9.2011, 13:56
Die Gründe...

...hab ich hinreichend unten erklärt. Und es ist nicht alles in Fohnsdorf so besch..eiden wie suggeriert wird. Für das Thermendesaster wird er noch zur Verantwortung gezogen aber da zieren sich Schützenhöfer und Voves weil sie das Projekt selbst hofiert haben (ohne genau zu kontrollieren ;) ) Er hat die Gier der Landespolitiker nach Aufmerksamkeit und Vorzeigeprojekten eiskalt ausgenutzt. :D

Keyser
00
26.9.2011, 16:51

Natürlich haben Sie recht. Ja, die beiden haben genauso eine Verantwortung, der eine mit Fohnsdorf, der andere in Mariazell mit einem gewissen Kongreßzentrum.

tnt
23
26.9.2011, 10:59
Kärnten is halt doch überall...

cannery row
00
26.9.2011, 14:25
ja, uiuiui..

gleich alle bundesländer abgeben, schäm, man kann gar nicht so viel fressen wie man.. etcetcetcetc..

tramezzino
13
26.9.2011, 10:15
ergo

die fohnsdorfer sind auch nicht gscheiter als die griechen. kann man aber auf alle städte und bundesländer umlegen. "schuld" sind immer die, die mißstände aufzeigen und sie versuchen zu beseitigen, nie die verursacher...

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