Remax-Gründer Liniger

"Bei sechs Millionen Häusern ist der Spuk vorbei"

Interview | 25. September 2011, 12:33
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    foto: remax

    Dave Liniger: "Wir hatten fünf Rezessionen in unserer Firmengeschichte. Aber diese ist die erste, bei der der Wohnungsmarkt als Teilverursacher gilt und sie nicht mehr alleine beenden kann."

Remax-Gründer Dave Liniger geht davon aus, dass der US-Häusermarkt in den nächsten beiden Jahren kräftig wächst

Der US-Wohnungsmarkt muss sich zuerst normalisieren, dann gibt es wieder Platz für neue Shoppingcenter, sagt der Remax-Gründer Dave Liniger. Mit Sascha Aumüller sprach er über Wal Mart, heiße Luft und Miami. 

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STANDARD: Transportiert Ihr Firmenlogo, der Heißluftballon, nicht die falsche Botschaft in der Krise? Es gibt doch jetzt bestimmt mehr Leute, die sagen: "Im Immobilien-Geschäft steckt zu viel heiße Luft."

Liniger: Diese Assoziation haben wir früher schon oft gehört, als wir gewachsen sind - hauptsächlich von Mitbewerbern. Unser Erfolg hat aber nichts mit heißer Luft zu tun. Das ist nachweisbar.

STANDARD: Und es ist nachweisbar, dass Sie Ihr Unternehmen mitten in einer Rezession gegründet haben - 1973 in der Ölkrise. Prägt das?

Liniger: Es gibt einen alten Spruch: "Du kannst das Geschäft von heute nicht mit Methoden von gestern machen." Man muss also auf Veränderungen reagieren, wie sie passieren. Bestes Beispiel sind die USA mit dem Problem massenhafter Zwangsversteigerungen von Privatimmobilien. Unsere Makler mussten dieses Segment anfangs gar nicht bearbeiten, aber bald gab es immer mehr solcher Objekte. Also haben wir uns entschlossen, innerhalb des Remax-Systems jeden mit den veränderten Marktbedingungen vertraut zu machen.

STANDARD: "Veränderte Marktbedingungen" - das klingt fast zu nett.

Liniger: Wir hatten fünf Rezessionen in unserer Firmengeschichte. Aber diese ist die erste, bei der der Wohnungsmarkt als Teilverursacher gilt und sie nicht mehr alleine beenden kann. Unsere Regierung hatte die wahnwitzige Vorstellung, dass Immobilienpreise immer nur steigen. Warum also prüfen, ob sich jemand eine Hypothek überhaupt leisten kann? Man kann sie ja auch an die Europäer oder Chinesen weiterverkaufen - und jeder gewinnt dabei. Dann begannen die Versteigerungen.

STANDARD: Zum Höhepunkt der Krise haben Sie sich deshalb für Gesetzesänderungen in den USA stark gemacht. Mit welchem Erfolg?

Liniger: Es gab nur kleinere Evolutionen. Zudem wurden Zwangsversteigerungen von den Banken zu rasch und schlampig abgewickelt. Erst kürzlich ist die Staatsanwaltschaft eingeschritten und hat gesagt: "Stoppt diesen Prozess und macht es richtig!" Das hat uns mindestens fünf Jahre gekostet. Und es hat dazu geführt, dass es sich Bauunternehmen kaum leisten können, neue Wohnhäuser zu errichten, obwohl bereits enormer Bedarf besteht.

STANDARD: Wie sieht es mit diesen "verlorenen Jahren" bei amerikanischen Gewerbeimmobilien aus?

Liniger: Die Probleme am Wohnungsmarkt waren dafür nur ein Katalysator. In Wirklichkeit gab es schon vor der Krise zu viele Geschäftsgebäude - jedenfalls zu viele Wal Marts, wenn Sie so wollen. In den USA werden zurzeit praktisch keine neuen Supermärkte oder Shoppingcenter aus dem Boden gestampft. Freiflächen werden nicht mehr, sondern weniger. In Miami gibt es immer noch viele Skelette von Wohnanlagen, die bestimmt zuerst fertiggestellt werden. Aber es arbeiten auch immer mehr Menschen von zu Hause. Das wird in Zukunft Auswirkungen darauf haben, was man überhaupt als Geschäftsfläche definiert.

STANDARD: Wird der Wohnblock zur modernen Gewerbeimmobilie?

Liniger: Neue Apartmentanlagen sind zumindest der erste Lichtblick für den Markt. Es gibt ja Millionen von Menschen, die gerade ihre Häuser verloren haben. Diese Leute ziehen jetzt in Wohnungen.

STANDARD: Diesen Lichtblick formulierten Sie im August 2009 so: "In zwei Jahren ist alles vorbei. Dann gibt es einen neuen Wohnungsboom, der die nächsten zehn Jahre hält." Jetzt haben wir September 2011.

Liniger: Ich war aber auch derjenige, der davor noch aus vollen Lungen geschrien hat: "Es gibt eine Blase. Hört auf mit dem Mist!" Neue Prognose: In den USA werden jetzt fünf Millionen Häuser pro Jahr verkauft. Unser Geschäft steigt nächstes Jahr um zehn Prozent und übernächstes um weitere zehn Prozent. Bei sechs Millionen Häusern ist der Spuk mit den Zwangsversteigerungen vorbei - und die Preise steigen wieder. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.9.2011)

DAVE LINIGER (66) gründete Remax 1973 mit seiner Frau Gail in Denver, Colorado. Davor arbeitete er für die U.S. Air Force um 99 Dollar im Monat.

Wissen: Zuerst privat

Privatimmobilien sind Dave Linigers Kerngeschäft. Seit 2009 versucht der Immobilienmakler den US-amerikanischen Gesetzgeber davon zu überzeugen, dass Hauskäufer als die wichtigsten Steuerzahler entlastet werden müssen. Anstelle einer von ihm vorgeschlagenen Erhöhung der Steuerrückvergütung in der Höhe von umgerechnet rund 6000 Euro für Hauskäufer wurde dieser Bonus nun aber ausgesetzt.

Mit der wachsenden Anzahl an privaten Immobilien, die durch Zwangsversteigerungen zum Verkauf standen, ließ Liniger 7500 Makler für die veränderten Marktbedingungen gezielt schulen. Er geht davon aus, dass erst die Probleme im privaten Sektor bereinigt werden müssen, bevor sich der Gewerbeimmobilienmarkt wieder entwickeln kann.

Das Remax-Franchising-System umfasst heute mehr als 89.000 assoziierte Makler und 6000 Immobilienbüros in 88 Ländern. 1994 brachte es der gebürtige Grazer Frank Polzler gemeinsam mit dem Kanadier Walter Schneider nach Europa, wo rund ein Viertel aller Remax-Büros angesiedelt ist. Seit 1997 beansprucht Remax für sich, weltweit am meisten Immobilien zu verkaufen. (saum)

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11 Postings
...10
00
27.9.2011, 21:51
heisse luft und remax

..ja das passt perfekt zusammen....

KammerlExperte
00
26.9.2011, 13:42
Verschleierte Anzeige?

Damit Remax- FrenchaisenehmEr durchatmen können?

Eigentum rutscht doch immer mehr in die roten Zahlen
und wer rechnen kann ist immer öfters mit Miete
besser beraten. Die meisten heutigen Käufer sind
Anleger die auf bessere Zeiten hoffen. Die Auswahl
war nich größer wie heute.

Eigentum wird langfristig den Stellenwert wie
eigenes Auto erlangen. Es geht um Lebensqualität
und nicht um Raffquantität.

Auch die eingebürgerten Mangelkulturen werden
diesen Wahnsinn bald durchschauen.

Gobi Todic
312
25.9.2011, 16:05
unnötige branche, kommt gleich nach den kreditvermittlern

leistung: null

zulangen: kräftig.

Big Papa
00
27.9.2011, 10:52
Bevor Sie über die Immobilienmakler schimpfen

sollten Sie zuerst einmal ein paar Monate als Makler tätig sein.
Alle Personen, die das einmal versucht haben, bekommen ein gänzlich anderes Bild vom Maklerdasein. Wenn man qualitative Dienstleistung liefert, dann kann man auch zufriedene Kunden aufweisen, die das schätzen.
Siehe auch: http://rolandstrejcek.wordpress.com/referenzen/

KammerlExperte
00
26.9.2011, 13:45
Nur das hier der Heissluft- Ballon

gleich am Anzug Revers getragen wird und die
Krawatte (Neuzeitmetapher für "den Strick nehmen")
nicht fehlen darf.

franz der freie
 
01
25.9.2011, 12:51
also mit "bewährtem" weitermachen ?

einen immoboom wirds nur geben, wenn die ninjas wieder kredit bekommen. warum soll man ein haus zu vollkosten bauen, wenn man es zu 30% bekommt ? der gute mann hat sein vermögen in trockenen tüchern und seine meinung ist nicht ganz vorurteilsfrei und marktneutral, wie ich anmerken möchte

Viel Platz zwischen blau und grün!!
00
26.9.2011, 10:38
Das ist der europäische Blick,...

...bei dem man die miese US-Bauqualität vergisst.
In den USA stehen keine Euro-Häuslbauer-Bunker, die noch nach 100 Jahren stehen. Das sind Holzrahmen-Häuser mit minderwertigen Dächern!

Deshalb kauft in den USA keiner ein altes, billiges Haus, weil es spätestens nach einer Generation ein Fall für den Bagger ist.
Steht ein Holzrahmen-Haus mit billigem Dach und billigen Fenstern ein Jahr lang leer, beginnt es ohnehin schon zu verfaulen und zu schimmeln und fällt bald von allein zusammen.

KammerlExperte
00
26.9.2011, 13:48
Leider hält diese miese Qualität

auch bei uns immer mehr Einzug.

Siehe gewisse Neuanlagen in Wien, da braucht man
nichts mehr vererben.

C R3
00
26.9.2011, 11:09
Full ACK!

Ich habe als Kind/Jugendlicher immer den Kopf geschüttelt, wenn die Filmhelden schnell mal Türen eingetreten haben und so Zeug.

Nach meinem USA Aufenthalt habe ich mir dann gedacht: Warum sind sie nicht gleich durch die Mauer gelaufen?

Die europäische(öst.?) Mentalität, dass man "für immer" in einem Haus wohnt, gibt es drüben nicht, das sind meist Wegwerfbuden. Erst in der gehobenen Preisklasse schaut es anders aus.

Europäische Handwerker sind drüben übrigens sehr angesehen.

Keyser
16
25.9.2011, 14:23

In den USA verfallen ganze Städte, weil sie aufgegeben wurden, es stehen zighunderttausend Häuser zum Verkauf, und der faselt etwas von neuen bauen? Respekt.

Joe Dalton1
01
26.9.2011, 13:38

Vielleicht stehen diese Häuser halt nicht dort, wo sie gebraucht werden?

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