Abschiedsmesse in Freiburg

Papst lobt Agnostiker

25. September 2011, 12:26

Kritik an "kirchlichen Routiniers" - Aufruf zur Einheit in der katholischen Kirche Deutschlands

Freiburg - Papst Benedikt XVI. hat an religiöser Routine in der Kirche Kritik geübt. "Nicht auf das Reden, sondern auf das Tun kommt es an, auf die Taten der Umkehr und des Glaubens", sagte Benedikt Sonntag früh bei einer Messe vor Zehntausenden von Gläubigen auf dem Freiburger Flugplatzgelände. Er kritisierte vor allem "kirchliche Routiniers", die in der Kirche nur noch den Apparat sähen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre.

"Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers, die in ihr nur noch den Apparat sehen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre", erklärte das Oberhaupt der Katholiken. Das bedeute aber nicht, dass alle, die in der Kirche lebten und für sie arbeiteten, als fern von Gott einzustufen wären. "Ganz und gar nicht", fügte der Papst in der letzten Messe seines Deutschlandbesuchs an.

Er rief die katholischen Gläubigen in Deutschland zur Einheit auf, insbesondere mit dem Papst und den Bischöfen. "Die Kirche in Deutschland wird für die weltweite katholische Gemeinschaft weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt, die Zusammenarbeit mit den Missionsländern in vielfältiger Weise pflegt und sich dabei auch von der Glaubensfreude der jungen Kirchen anstecken lässt." Deswegen sei es aber besonders wichtig, demütig zu sein, unterstrich er: "Demütige Menschen stehen mit beiden Beinen auf der Erde. Vor allem aber hören sie auf Christus, auf Gottes Wort, das die Kirche und jedes Glied in ihr unaufhörlich erneuert."

Benedikt XVI. betonte zu Beginn eine von Gott gegebene Freiheit des Menschen, zwischen Gut und Böse zu wählen. Gott habe seiner Macht selbst eine Grenze gesetzt, "indem er die Freiheit seiner Geschöpfe anerkennt", sagte er. "Gott achtet unsere Freiheit. Er zwingt uns nicht", so der Papst in der Predigt.

"Angesichts alles Schrecklichen, was in der Welt geschieht, gibt es heute Theologen, die sagen, Gott könne nicht allmächtig sein", sagte er. Der Schöpfer des Himmels und der Erde sei aber allmächtig; er übe seine Macht nur anders aus, "als wir Menschen es zu tun pflegen". Immer, vor allem in Zeiten der Not und des Umbruchs, sei er dabei den Menschen nahe.

Papst fordert Romtreue

Benedikt XVI. hat die katholische Kirche in Deutschland zudem zur Umkehr und Erneuerung aufgerufen. "Christliches Leben muss stets neu an Christus Maß nehmen", sagte Benedikt am Sonntag in seiner Predigt vor 100.000 Gläubigen bei einem Gottesdienst unter strahlend blauem Himmel in Freiburg. Die Erneuerung der Kirche könne letztlich nur durch einen erneuerten Glauben kommen und durch Demut. Zugleich mahnte der 84 Jahre alte Papst eine weiterhin "treue" Verbundenheit mit Rom an. Nach Berlin und Thüringen war Freiburg die letzte Station des viertägigen Staatsbesuches Benedikts in Deutschland. Am Abend war die Rückreise nach Rom geplant.

(APA)

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sirnicha
00
26.9.2011, 12:57
"Nicht auf das Reden, sondern auf das Tun kommt es an, auf die Taten der Umkehr und des Glaubens"

ich würde ihm eine schubumkehr wünschen...

prinzessinbumbsti
01
26.9.2011, 03:11

"..maß an christus nehmen". warum zieht er dann seine roten schuhe nicht aus und geht bloßfüßig?

in einem job der von worthülsen lebt ist der sympathiefaktor unendlich wichtig. ratzinger kann da, v.a. nach JP II nicht punkten. mag zwar die kirche nicht, aber wünsche mir wenn schon, nach ihm wieder einen sympathischen papst :-)

Cuca Racha
 
11
26.9.2011, 18:21
"warum zieht er dann seine roten schuhe nicht aus und geht bloßfüßig? "

Christus ging nicht blossfüssig, sondern, wie alle religionshistorisch Gebildeten wissen, In Flipflops. (*)

Dies ist aber heute nicht akzeptabel, wie die St-Lifestyle-Redaktion bestätigen wird.

------------
(*) Quelle:
Aus dem Protoevangelium Sancti Matthei Minoris, Kap. 11, v. 4f.

(4) Dominus autem crepidatus speciei flipflopii, ne planipes inambularit, (5) voce surrecta incipiente, inquit igitur: (....)

Wolkengedanken
32
25.9.2011, 22:29

"UNSERE SÜNDE" ? Oho, ich kann mich aber echt nicht erinnern irgendwann gemeinsam mit Hrn Ratzinger eine Sünde begangen zu haben. Das wüsste ich aber doch sicher noch ....

x x3
42
25.9.2011, 20:38
Ich will aber nicht

vom vatikanischen König gelobt werden.

Und als Agnostiker werde ich sicher *nicht* von der Frage nach Gott umgetrieben.

Der ist mir nämlich ziemlich wurscht.

Nämlich so wurscht, dass er mir auch nicht die Mühe wert ist, ihn oder den Glauben an ihn in irgend einer Weise zu bekämpfen.

Cuca Racha
 
16
25.9.2011, 21:04
wurscht

immerhin nicht wurscht genug, um in einem posting gegen die Vermutung anzustrampeln, dass es Ihnen eben nicht wurscht sei.

An der Vermutung dürfte somit was dran sein.

x x3
00
26.9.2011, 08:34
Gott ist mir wurscht, Ratzinger nicht so ganz.

Keine Sorge, ich verwechsle Ratzinger schon nicht mit Gott.

Cuca Racha
 
13
26.9.2011, 20:10
"ich verwechsle Ratzinger schon nicht mit Gott"

noja, wenn Sie das so in aller Deutlichkeit feststellen zu müssen glauben, auch wenn es Ihnen gar niemand unterstellt hat...

jaja, so sind sie halt, die Agnostiker. Fast so katholisch wie die Atheisten.

wiesengarten
22
25.9.2011, 20:35
Mummenschanz

Diese ganzen Papstmessen sind ein widerlicher Mummenschanz ohne Inhalt, diese farbig abgestimmten Kleidchen der Priester, das ist einfach nur lächerlich. Glücklicherweise bin ich nicht katholisch und muss das nur gelegentlich wahrnehmen, wenn es nicht zu vermeiden ist.
Sehr interessant dazu das Gespräch mit Hans Küng im Spiegel der letzten Woche.

untere obere Mittelschicht
40
25.9.2011, 19:12
Naja....

ganz ehrlich: es muss ja niemand !!

Wenn mir die Statuten eines Vereins nicht zu Gesicht stehen, dann werd ich einfach nicht beitreten, such mir einen anderen oder gründe selber einen besseren mit meinen Regeln.

Aber drüber sudern, dass der Verein doch bitte seine Regeln ändern möge... wenns niemandem mehr taugt, dann richtet die Zeit über den Verein.

raibavorstand
03
25.9.2011, 19:30

Ihr verein sei Ihnen unbelassen.

aber die röm.-kath. kirche ist nicht einfach ein verein. abgesehen von der macht und dem reichtum wird in jeder volksschule vieler länder die röm.-kath. heilslehre unterrichtet.

tignosa
13
25.9.2011, 19:29
meistens werden Sie beigetreten

was nicht so das Problem wäre, wenn der Verein den Austritt akzeptierte- was die rkK im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen nicht tut.

Knieriem
00
25.9.2011, 23:59

Wenn ich recht informiert bin, akzeptiert (auch) der Islam keinen Austrittt.
Es soll, habe ich gehört, da ganz überzeugende Methoden geben, mit Konvertiten umzugehen.

x x3
01
25.9.2011, 20:47
Tarat mich jetzt auch interessieren.

Wie begründest du, dass die rkK keine Austritte akzeptieren würde?

Was die rkK sagt, ist, dass die Taufe nicht rückgängig gemacht werden kann.

Aber wenn du nicht fähig bist, selbst ein "Enttaufungsritual" zu zelebrieren (z.B. mit ein, zwei Flaschen Rotwein ;-) ), ist das dein Problem.

Oder hängst du noch immer so sehr an der rkK, dass deren Aussage "einmal getauft, immer getauft" für dich tatsächlich noch relevant ist.

ramol vent
00
25.9.2011, 19:52
Wie

meinen Sie das mit dem Austritt?
>>was die rkK im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen nicht tut.<< ??

Inwiefern akzeptiert die rkK einen Austritt nicht?

adal1
03
25.9.2011, 22:29
Indem man als

Atheist gezwungen wird, eine katholisch theologische Fakultät zu finanzieren.

Also in einer staatlich finanzierten Universität auf öffentlichem Grund eine Sekte agiert, die auf einem 2000 Jahre alten, frauen- und schwulenfeindlichen Text beruht, der von einem hohen Anteil an Päderasten böswillig interpretiert wird.

Ich sag kein böses Wort mehr über die Sekte, wenn sie:

1. aufhört, ihre Pfaffen vor staatlicher Verfolgung zu schützen, wenns wiedermal Kinder vergewaltigt haben,
2. kein öffentliches Geld bekommt und
3. nicht zu jedem Thema (Abtreibung, Ladenschluss) öffentlichen Raum bekommt.

Privaten Glauben respektiere, die katholische Kirche bekämpfe ich.

x x3
01
26.9.2011, 09:33
Wusste gar nicht, dass ich Zwangsmitglied bei einem Fußballverein bin,

obwohl ich deren Sportstadien mit finanziere.

Und warum bekommen Leute wie ein Prohaska (der vom Fußball) oder ein Holender (der von Staatsoper) öffentlichen Raum, wenn sie für ihre Interessen eintreten.
Ist doch auch alles privat.

Mit privat meinst du nämlich nicht privat, sondern die totalte Verbannung aus dem öffentlichen Raum.

Nur hat eben jeder das Recht, seine Meinung und Ansichten - egal wie privat sie nun sind - auch im öffentlichen Raum zu verteten.

Oder willst du z.B. auch die Standard-Foren verbieten, weil hier private Meinungen verbreitet werden?

Tonkun
03
25.9.2011, 19:28

"ganz ehrlich: es muss ja niemand !! "

lassen sich wirklich alle Menschen freiwillig taufen?

und ein Verein hat eben Mitglieder die über die Regeln bestimmen. Die Kirche ist einfach sehr undemokratisch und das kann und darf man ändern wollen und zwar innerhalb der Kirche.

x x3
01
25.9.2011, 20:57
Natürlich ist die Kirche undemokratisch.

Du kannst Religion genauso wenig demokratisieren wie die Physik (versuch mal, das Schwerkraft-Gesetz im Parlament aufheben zu lassen).

Und wenn du an einen Gott glaubst, der mächtiger ist als die von ihm erschaffenen Wesen (nämlich all-mächtig) und einen Stellvertreter auf Erden eingesetzt hat, der aber seinen Sohn vertritt, was wiederum das Gleiche ist, dann ist das so. Darüber brauchst nimma abstimmen.

Was dich aber nicht daran hindert, dass Ganze nicht mehr zu glauben und z.B. eine Religion zu erfinden, in der es auch einen Gott gibt, der sich aber immer dem Mehrheitsentscheid seiner Gläubigen beugen muss.

Nur hat das dann eben nichts mehr der Katholizismus zu tun.

Tonkun
00
25.9.2011, 23:21

"Du kannst Religion genauso wenig demokratisieren wie die Physik"
wenn sie Religion mit diktatorischen Herrschaftsystem gleichsetzen ist der Vergleich ok.

"Nur hat das dann eben nichts mehr der Katholizismus zu tun."

Ähnliches haben wohl die Kirchenoberen auch vor ein paar Jahrzehnten gesagt wenns z.B. um die Liturgie gegangen ist.

Die katholische Kirche entwickelt sich weiter und man muss nicht den Kirchenoberen "kampflos" das Feld überlassen (wenn es jemanden wichtig ist). Also anstatt den erzkonservativen argumentativ den Rücken zu stärken "wenn ihr was ändern wollt dann gehts halt zu einem anderen Verein" sollte man doch die progressiveren Kräften unterstützen, mM nach.

x x3
00
26.9.2011, 11:00
Religion mit einem allmächtigen Gott an der Spitze

ist per Definition ein diktatorischen Herrschaftsystem.
(auch wenn ein Gläubiger das anders formulieren würde).

Was letztendlich zählt, ist der Wille dieses obersten Wesens.

Aber du hast natürlich Recht.
Nachdem dieser Glaube - so meine Meinung - schlußendlich wieder Menschenwerk ist, können Menschen diesen Glauben auch ändern. Und sie haben auch das Recht - innerhalb ihrer Organisation - den "Willen Gottes" neu zu definieren.

Nur - wenn du bereit bist, die Möglichkeit der Neu-Definition des Glaubens (oder des Willen Gottes) durch Menschen einzuräumen, musst du auch - wiederum meine Meinung - akzeptieren, dass hinter diesem "Willen Gottes" kein real existierenden Gott stehen kann.

Mathias1337
00
25.9.2011, 18:57
Ich glaubs´ einfach nicht.

Tonkun
11
25.9.2011, 18:29

Gott habe seiner Macht selbst eine Grenze gesetzt, "indem er die Freiheit seiner Geschöpfe anerkennt", sagte er. "Gott achtet unsere Freiheit. Er zwingt uns nicht", so der Papst in der Predigt.

Woher weiß er das? oder ist es wirklich nur eine Frage des Glaubens?

die Großmutter
00
25.9.2011, 20:58

Ist eine Frage des Glaubens. Ob er´s selber auch glaubt oder als Hirte nur seinen Schafen erzählt ?

celesto
01
25.9.2011, 18:26

die kirche, eine institution, die in der vergangeheit feststeckt...

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