IWF-Lenkungsausschuss tagte - Schäuble schließt früheren ESM-Start nicht aus
Washington - Die globalen Top-Wirtschaftsmächte wollen
sich mit gemeinsamen und entschlossenen Schritten gegen die Krisen
beiderseits des Atlantiks stemmen. "Wir werden gemeinsam handeln, um
Vertrauen und Finanzstabilität wiederherzustellen und das weltweite
Wachstum wieder aufleben zu lassen", teilte der Lenkungsausschuss des
Internationalen Währungsfonds (IMFC) nach einer Sitzung am Samstag in
Washington mit. Dem Gremium gehören 24 Länder mit Sitz im Exekutivrat
des Fonds angehören, darunter Deutschland, die USA und China.
Die neue Chefin des Fonds, Christine Lagarde, sah sich unterdessen
vom bisher Erreichten im Kampf gegen die Finanzturbulenzen ermutigt.
"Die Weltwirtschaft hat die Hälfte der Arbeit, die erledigt werden
muss, hinter sich", sagte sie.
Mit Blick auf den Abbau von Schulden sei bereits vieles
angeschoben worden, bei der verbesserten Kapitalausstattung der
Banken oder Finanzreform sei schon einiges erreicht worden. "Wir sind
an einer kritischen Gabelung", sagte Lagarde. "Jetzt geht es darum,
sich zu bemühen, auf der anderen Seite anzukommen."
Die Strategie sei, die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen
und zugleich die Wirtschaftserholung sicherzustellen, hieß es im
Kommuniqué des IMFC. Die Länder der Euro-Zone "werden alles
Notwendige unternehmen", um die Schuldenkrise zu lösen und die
Stabilität des Finanzsystem im Bereich der Gemeinschaftswährung zu
sichern. Dazu gehöre auch die Umsetzung der Beschlüsse des
Krisengipfels in Brüssel im Juli. Dabei gehe es auch darum, die
Wirksamkeit des Rettungsschirms EFSF zu maximieren.
Die Industrienationen sollen eine konjunkturbelebende Geldpolitik
beibehalten, solange die Inflation im Griff bleibt und auch die
Folgen für andere Länder im Auge behalten werden. Die reichen Länder
müssten zudem sicherstellen, dass die Banken sehr gut mit Kapital
ausgestattet sind und Zugang zu Mitteln haben.
Vor allem mit Blick auf China hieß es in der Erklärung des IMFC,
Überschussländer sollen durch Reformen ihre Binnennachfrage ankurbeln
und sich weiter um größere Flexibilität beim Wechselkurs bemühen.
Schwellen- und Entwicklungsländer seien ein "Schlüssel einer
wirkungsvollen globalen Antwort" auf die gegenwärtigen Krisen.
Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss
unterdessen einen früheren Start des dauerhaften Euro-Rettungsschirms
ESM nicht mehr aus. Zugleich hält er eine stärkere Beteiligung
privater Banken und Versicherer an einem zweiten Rettungspakt für
Griechenland für denkbar.
"Wenn der ESM früher in Kraft gesetzt werden kann, dann hätten wir
nichts dagegen", sagte Schäuble am Samstag in Washington am Rande der
Jahrestagung des IWF. "Wenn es möglich ist - ja."
Der ESM soll eigentlich erst Mitte 2013 starten und den aktuellen
Rettungsfonds EFSF ablösen. Bis dahin soll der EFSF mit neuen
Instrumenten ausgestattet und finanziell gestärkt werden. (APA)