Ludwig

Ein Videospiel als Physik-Lehrer

24. September 2011, 12:35
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    foto: hersteller

    Ludwig macht Physikunterricht zum Spiel

Die Pragmatik des Spiels: Wissensweitergabe im Zeitalter virtueller Welten

Die Integration neuer Informationstechnologien ist eine der gegenwärtigen Hürden des Schulsystems, das durch die rasante Evolution neuer technikbasierter Wissens- und Informationsströme und ihre Rückkoppelung auf Lerninhalte und -methoden, auch angesichts eines sich gezwungenermaßen ständig erneuernden Generationenkonflikts an den Schulen, vor kaum zu unterschätzende Herausforderungen gestellt wird. Und Österreich ist nicht gerade für seine Vorreiterschaft in der Umsetzung neuer Errungenschaften in Sachen Bildung und Pädagogik bekannt.

Insofern sind in solchen Zusammenhängen kleine Initiativen wie ein neues Lernspiel, das mit universitärer Unterstützung auf Basis eines aktuellen Forschungsstandes entstanden ist, willkommene Experimente: Ludwig, ein Physikspiel, will Schulstoff mithilfe von Mechanismen virtueller Welten lehren.

Spiele sind Grundkonstante geworden

"Spiele", im weitesten Sinn, das Befolgen von Regeln, das eine Belohnung oder eine Entdeckung nach sich zieht, sind in Zeiten von Internet und Virtualität zur Universalie, zur Grundkonstante geworden: Spiele verlangen ein Verstehen und Bewerten von Zusammenhängen und ein Anwenden des Verstandenen. Sie generieren begrenzte, dafür berechenbare Erfahrung. Die Anwendung von Spielmechanismen auf Zielsetzungen außerhalb des Spiels, auf Marketingziele, auf Bewusstseinsbildung, auf Lerninhalte entspricht einem Trend, der gerade erst begonnen hat, Fuß zu fassen, und dessen künftige Ausmaße kaum abzuschätzen sind. Inhaltsvermittlung im Informationszeitalter ist tendenziell abstrakt, deskriptiv und theoretisch. Schlagworte wie Serious Games oder Gamification des virtuellen Raums versprechen ein zusätzliches Aufnehmen von Inhalten, das auf Erfahrung beruht.

Physik verstehen

Der Titel Ludwig, den die Wiener Entwickler Ovos in Zusammenarbeit mit der Donau-Uni Krems gestaltet haben, erklärt grundlegende physikalische Vorgänge. Mit einem comichaften, außerirdischen Roboter sollen Schüler ab elf Jahren im ersten Kapitel etwa das Phänomen Verbrennung untersuchen und systematisieren. Das Erkennen des Bekannten mit anderen Augen mag dem Lernen dienlich sein, die detaillierte 3-D-Spielewelt, die Story, die an gewohnte TV- und Spielarchetypen anschließt, und Charaktere, die Witz und Selbstironie aufbringen, ebenso. Ob das Setting und nicht per Sprachausgabe vorgelesene Dialoge den Kids cool genug sind, wird sich im ersten Jahr des Gebrauchs zeigen. Ludwig soll durch Lizenzsponsoring vorerst ca. 10.000 Schülern zugänglich gemacht werden. (Alois Pumhösel, DER STANDARD/Printausgabe, 24.9.2011)

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Ludwig

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12 Postings
M P P way
00
29.9.2011, 15:16
Habe es gerade angespielt...

...ist sehr nett gemacht, aber ohne ein Umkehren der y-Achse und mit dem ständigen Halten der rechten Maustaste wird das Spiel leider unspielbar.
Aber sonst sehr bemüht gemacht...

Werner Stangl
 
00
28.9.2011, 16:21
Aus einem Interview zu Computerspielen im Unterricht

Computerspiele machen auf Grund des höheren Aufwandes nur dann Sinn, wenn sie didaktisch anderen Medien zumindest gleichwertig sind, d.h., es gilt wie bei allen anderen Medien auch immer abzuwägen, ob die Unterrichtsziele damit erreichbar sind. Ein Computerspiel ist ein Medium wie andere auch, wobei Medien an sich im Unterricht immer nur einen Teilaspekt darstellen und in einen Medienmix eingebettet sind. Es ist eine Illusion zu glauben, dass ein Medium allein so attraktiv sein kann, um schlechten Unterricht zu kompensieren. Nicht zuletzt muss auch die Kompetenz und Persönlichkeit des Unterrichtenden zum Medium „passen“. Im Detail dazu http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LEHREN/Co... icht.shtml

alexpfeiffervienna
00
26.9.2011, 09:46
Keynote über Ludwig auf Game Based Learning Tagung

Prof. Wagner wird auf der (kostenfreien) Veranstaltung "Game Based Learning Tagung 2011" - www.gbl-tagung.at - eine Keynote über Ludwig halten (am 28.11.). Ich darf alle an diesem Lernspiel interessierten LeserInnen herzlich dazu einladen. (über den Anmeldelink auf der oben erwähnten Website)

socram
05
25.9.2011, 08:33

physikunterricht mit einem ohne sichtbaren antrieb fliegenden roboter, dessen gliedmassen nicht mit dem körper verbunden sind. gratuliere.

kipfal
11
25.9.2011, 00:31

ja, ich habe nur die überschrift gelesen :)

physik habe ich schon vor 10 jahren mit computerspielen gelernt: colin mcrae rally, grand prix 3, gran turismo :)

ANNOnymus
00
24.3.2012, 19:00

die waren ja auch ech ultrarealistisch !

( Hinweis das war Sarkasmus )

thafritz
33
24.9.2011, 13:51

"das mit universitärer Unterstützung auf Basis eines aktuellen Forschungsstandes entstanden ist"

"mit der Donau-Uni Krems"

naja, nicht gerade die renomierteste unserer universitäten

an und für sich sind solche spiele ja zu begrüßen, und hoffentlich wecken sie interesse an den MINT fächern

die frage ist aber, ob man da die richtigen motiviert, ob kinder, die sich nur über spiele für die naturwissenschaften begeistern können, auch den langen atem haben, sich das wissen dann wirklich anzueignen

wir versuchen immer stärker alles in kaugerechten happen zu servieren, und dann wundern wir uns wenn keiner mehr mit messer und gabel umgehen kann

le loquee
01
24.9.2011, 22:49
Kinder ab 11 als Zielgruppe

als bei uns im Gym gabs in der Unterstufe einen guten Anteil an Schülern, deren Motivation für Physik und Co eher begrenzt war.
War aber kein Problem, Prüfungen und Wiederholungen waren ja kalkulierbare Faktoren, die man mit etwas Schummeln und kurzzeitigem Überfliegen des Stoffes vor der Stunde ganz gut überleben konnte.
Irgendwann mit 17 wurde es mir dann auf die harte Tour über Jahresprüfungen und Nachprüfungen ins Langzeitgedächtnis gepresst. Dann haben mir Naturwissenschaften zu taugen angefangen. Aber es war immer ein Kampf, der nicht nötig gewesen wäre. Wenns mich nur etwas mehr interessiert hätt.
Natürlich kann man Software (vorerst) nicht als kompletten Ersatz verwenden, aber wenns gut gemacht ist ist es eine wertvolle Ergänzung.

Truth is a Troll
00
26.9.2011, 12:51

Physik war eigentlich schon spannend..
Formeln und listen lernen nur meist fad und auch unnötig (die stehn eh wo wenn mans braucht)
Durch versuche und erklären von zusammenhängenden Kräften und wie sie wirken lernt man eindeutig mehr von Physik (bzw. das ist ja Physik eigentlich und vor allem ist dass das Physikalische Grundwissen und verständnis das unter allgemeinbildung fällt und vermittelt werden sollte)

joerg hofstaetter
00
25.9.2011, 13:44
kurze Anmerkung der Spielentwickler.

Genau das ist Intention und Ziel unseres Projekts. Ein Appetitanreger zum Thema Physik für Schulen in einem zeitgemässen Medium.

loundy
 
00
25.9.2011, 17:52
ausprobieren hab ich's nicht können aber ich hab's mir mal auf eurer website angesehen...

und ich weiss von einem anonymen poster bedeutet das vielleicht nicht viel, aber gute arbeit.

loundy
 
01
24.9.2011, 19:16
kaugerechte happen sind schlecht...?

genauso könnten wir dann auch sagen dass 50 minuten unterricht und dann pause falsch ist, wir sollten unseren kindern lieber einprügeln dass sie 4h am stück lernen können sollen.

wenn wissen besser durch ein spiel hineingeht, dann ist das doch gut, die sachen, für die man sitzfleisch braucht bleiben ohnehin noch übrig.

ich bin sogar dafür dass noch auszuweiten, wie wärs mit adventures, die historische begebenheiten nachstellen oder in denen die rätsel in latein sind...?

für die ganz kleinen gibt es auch wunderbare montessori-apps, die einiges können und sehr effektiv sind.

der weg ist nicht das ziel, das ist nur ein spruch aus der werbung, das ziel ist das ziel.

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