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In der Marina-City in Chicago, erbaut von Bertrand Goldberg, einem Schüler von Ludwig Mies van der Rohe, war das Auto ein essenzieller Bestandteil der Architektur. Das war 1964. Heute ergeben sich in Europa ganz andere Möglichkeiten - zumindest theoretisch.
Mit einem Anteil von rund 30 Prozent ist der Verkehr - allen voran der Autoverkehr - in Österreich immer noch der größte Verursacher klimaverändernder Treibhausgase. Während Sparten wie etwa Industrie, produzierendes Gewerbe oder Landwirtschaft inzwischen rückläufige Werte zeigen, nehmen Österreichs Emissionen im Verkehrssektor nach wie vor zu - seit Beschluss der völkerrechtlich verbindlichen UN-Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro 1992 um ganze 50 Prozent.
Trotz wortreicher Beteuerungen (wie zuletzt am Internationalen Autofreien Tag am 22. September) scheuen sich die heimischen Entscheidungsträger jedoch, die dringend notwendigen und von Fachleuten empfohlenen Schritte zu einer klimaverträglicheren Verkehrspolitik endlich in Angriff zu nehmen.
Diese wären: Eine sukzessive Herstellung der Kostenwahrheit im Verkehr durch Anhebung der Treibstoffkosten oder ein flächendeckendes Road-Pricing, Etablierung von City-Maut-Modellen zur Entlastung der Städte, Einführung marktwirtschaftlicher Kosten für das Parken, Einfrieren des verkehrsfördernden Autobahn- und Schnellstraßenausbauprogramms bei gleichzeitiger Investitionsoffensive im öffentlichen Verkehr, und so weiter.
Noch schlechter steht es um die überfällige Verknüpfung von Verkehrs- und Siedlungspolitik, die in Österreich - im Unterschied zu Deutschland, zur Schweiz und zu den Niederlanden beispielsweise - traditionell getrennt voneinander betrachtet werden. Und während der Bund seine verkehrspolitische Verantwortung zunehmend auf die - aller öffentlichen Aufgaben enthobenen - ÖBB, auf die Asfinag und die Bundesländer abwälzt, fühlt er sich für die Siedlungsentwicklung gar nicht erst zuständig. Das ist fatal, denn auf den Betrieb des Gebäudebestands entfällt ein weiteres Drittel des heimischen CO2-Ausstoßes. Eine tiefgreifende Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens ist nur dann möglich, wenn Architektur und Städtebau vom Auto unabhängig sind.
Raumplanerische Kriterien
Nach Berechnungen des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) könnten durch heute ergriffene raumordnungspolitische Maßnahmen bereits nach drei Jahren rund 2,7 Milliarden Pkw-Kilometer beziehungsweise 580.000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart werden.
In hohem Maß wirksam wäre auch eine deutlich stärkere Ausrichtung der Wohnbauförderung nach raumplanerischen Kriterien - etwa nach der Nähe zu bestehender Infrastruktur und zu öffentlichen Verkehrsmitteln sowie nach Bebauungsform und Bodenverbrauch. In ihrer jetzigen Form wird diese Subvention auch in einer vom Lebensministerium finanzierten Studie als "umweltkontraproduktiv" klassifiziert, zumal sie kaum Anreize zur Vermeidung der Zersiedlung setze und somit zu weiterem Autoverkehr führe.
Erste Schritte zu einer standortbezogenen Gewichtung der Wohnbauförderung in manchen Bundesländern sind eindeutig zu wenig, um eine relevante Lenkungswirkung zu erzielen, da allein die niedrigeren Grundstückskosten an peripheren, schlecht erschlossenen Standorten das Weniger an Wohnbauförderung mehr als kompensieren.
Durch die flächenintensive Besiedlung Österreichs nimmt nicht nur der Autoverkehr zu. Auch die Versiegelung der nichtvermehrbaren Ressource Boden schreitet voran: Die Summe aller Straßen, Gassen, Wege und Parkplätze enstpricht heute bereits der Fläche Vorarlbergs. Gelänge es, die durchschnittliche Siedlungsdichte in ganz Österreich auf jene des dichtestbesiedelten Flächenbundeslandes, nämlich Vorarlbergs anzuheben, wäre der CO2-Ausstoß des Straßenverkehrs um zwölf Prozent geringer.
Noch eklatanter zeigt sich die Wechselwirkung von Siedlungsstruktur und Motorisierung an folgenden Zahlen: Kommen in den Stadtzentren Österreichs 170 Pkws auf 1000 Einwohner, so sind es in peripheren Siedlungsgebieten 810 Pkws. Das ist fast der fünffache Wert.
Eine höhere Bebauungsdichte bedeutet auch kürzere Wege - was dazu beiträgt, dass das Ländle auch im Radverkehr Spitzenreiter ist. Würde das gesamte Bundesgebiet den Vorarlberger Radverkehrsanteil von 13 Prozent aufweisen (zum Vergleich: Wien hält bei optimistischen sechs Prozent), könnten jährlich knapp 87.000 Tonnen Treibstoff eingespart beziehungsweise rund 273.000 Tonnen CO2 vermieden werden. Dazu bedürfte es allerdings nicht nur deutlich kompakterer Wohnbauformen, auch die alltäglichen Ziele - insbesondere die Arbeits- und Handelsstätten - müssten wieder in die Zentren zurückkehren beziehungsweise stärker mit der Wohnfunktion durchmischt werden.
Die Realität sieht allerdings anders aus: Die Entwicklung der Einzelhandelflächen in den letzten drei Jahrzehnten steht - genehmigt und gefördert durch die Politik - in klarem Widerspruch dazu. Trotz einer im EU-Vergleich rekordverdächtigen Dichte an peripheren Shoppingmalls werden in Österreich nach wie vor 51 Prozent der neu geschaffenen EKZ-Flächen außerhalb des bestehenden Wohngebiets angesiedelt: auf Gewerbeflächen sowie bei Autobahnanschlussstellen.
Dem VCÖ zufolge werden in der Alpenrepublik jährlich 5,4 Milliarden Pkw-Kilometer zu Einkaufszentren, Fachmärkten und Supermärkten zurückgelegt, was nicht weniger als 350 Erdumrundungen pro Tag und einem jährlichen CO2-Ausstoß von 865.000 Tonnen entspricht. Immerhin warten dort auf über vier Millionen Autos, die Herr und Frau Österreicher besitzen, ganze 2,8 Millionen Stellplätze - allein zum Einkaufen mit dem Kofferraum statt mit dem Einkaufskorb. Und solange die Handelsketten weder etwas für die eigens geschaffenen Autobahnabfahrten und Aufschließungsstraßen zahlen müssen noch eine Stellplatzabgabe zu entrichten haben, wird sich daran kaum etwas ändern.
Nicht nur an der Peripherie, auch in den dichtverbauten Kernstädten wird der Autoverkehr durch die heutigen Bebauungsstrukturen zunehmend gefördert. Die inneren Stadtentwicklungsgebiete werden von großmaßstäblichen Neubauten bestimmt, die sich benachbarten Gebäuden gegenüber ebenso verschließen wie dem öffentlichen Raum. Diese Komplexe dienen meist nur einer spezifischen Funktion - Wohnen oder Arbeiten oder Bildung - und werden daher von nur einer spezifischen Gruppe an Nutzern zu einer spezifischen Tageszeit betreten und wieder verlassen - oftmals via Tiefgarage.
Auf diese Weise wird die Entfaltung städtischen Lebens mit der entsprechenden funktionalen Vielfalt und kleinteiligen Durchmischung ein für alle Mal verunmöglicht. Genauso wenig sind diese Quartiere besonders einladend, um hier zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein oder gar darin zu verweilen.
Dieser antiurbane Städtebau, der dem Prinzip US-amerikanischer Stadtplanung entspricht, folgt wohlgemerkt nicht nur der Rationalität der Investoren, sondern auch gesetzlichen Bestimmungen. So verpflichten die heimischen Bauordnungen - sei es bei Handelseinrichtungen, sei es bei Büro- oder Wohnbauten - zur Errichtung einer (großzügig bemessenen) Mindestzahl von Pkw-Stellplätzen.
Im Gegensatz dazu sind Stellplatzhöchstzahlen in den einzelnen Garagenverordnungen der Länder ebenso wenig zu entdecken wie eine Differenzierung der erforderlichen Parkraumgröße, abhängig von der Zentralität des Standorts oder der Erschließungsqualität durch den öffentlichen Verkehr. Darüber hinaus führt die Stellplatzverpflichtung zu einer Quersubventionierung von Autofahrern, zumal sie beispielsweise Wohnbaufördermittel bindet: Allein in Wien werden jedes Jahr mehr als 36 Millionen Euro aus der Wohnbauförderung für die Errichtung neuer Garagen aufgewandt.
Angesichts der Komplexität und Tiefe der Problematik verlieren die punktuellen und oft rein aktionistischen Maßnahmen jegliche Glaubwürdigkeit. Selbst mit einem "Autofreien Tag", wie er alljährlich am 22. September medial befeiert wird, sind hier keinerlei bewusstseinsbildende Effekte zu erkennen. Viel mehr erscheinen diese Maßnahmen als Teil jenes Polittheaters, mit dem man hierzulande von anderen Fehlentwicklungen abzulenken versucht. (Reinhard Seiß/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25. September 2011)
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Es dürfte hier ein ähnliches Problem geben, wie jenes, das viele Menschen nach den Religionen greifen lässt: Sie können selber sich nicht organisieren. Da ist es in der Tat besser, der Chef ruft sie jeden Tag in die Firma und schafft an, was zu tun ist. Ähnlich wie die Religionen ganz genaue Vorschriften geben, was zu tun ist.
Wirklich selbständige Menschen brauchen so etwas nicht, ich gebe aber zu, dass ich selber lange gebraucht habe, um mir mein Leben selber einzuteilen. Jetzt möchte ich nicht mehr zurück.
Auch für Sie ein Beispiel:
Der werte Autor deutet an, dass der Verkehr als einziges schwarzes Schaf neben Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft seine Emissionen nicht senken konnte.
Liegt vielleicht daran, dass sich Verkehr nicht outsourchen lässt, und dass unsere Mobilität und Flexibilität das einzige sind, was unsere Wirtschaftsleistung noch nicht entsprechend der ausgelagerten Wertschöpfung abstürzen lässt.
Na fangen wir mal mit dem Vergleich der Flächennutzung in Vorarlberg mit der der restlichen Bundesländer an.
Da könnt ich auch die Skiliftdichte in Tirol mit der im Burgenland vergleichen um irgendetwas zum Potential im Wintertourismus zu untermauern.
Ich weiß es nicht.
Klar ist aber, dass V aus topographischen Gründen nicht so zersiedelt sein kann wie z.B das landwirtschaftlich intensiv genutzte Niederösterreich. Da gibts das Rheintal und den Bodensee, und der Rest ist hochalpin.
Wie kann man als denkender Mensch solche oberflächlichen Vergleiche aufstellen, wenn man nicht bewusst die Menschen für dumm verkaufen will?
Ich höre seit fast 30 Jahren die ökobewegten "Auto raus" schreien, es wäre also schön langsam mal an der Zeit, die Realität anzuerkennen.
Das Auto bleibt. Punkt.
Wir können es also nur umweltfreundlich machen - Hybrid als Zwischenschritt zu vollwertigen Elektroautos. Und die notwendige Elektrizität kann gerade in Österreich großteils ökologisch erzeugt werden.
Wahre Worte.
Ein großer Teil der technischen Innovationen im Laufe der menschlichen Geschichte ist auf Bequemlichkeit zurückzuführen.
Wenn der Wunsch nach Bequemlichkeit (i.e., Autofahren) zu einer technologischen Entwicklung weg von Pkws, die durch nicht-erneuerbare Energieträger angetrieben werden, hin zur Elektroautos führt, so ist das nur begrüßenswert.
Vielen "Autogegnern" geht es allerdings in Wahrheit nicht um die Umwelt - es ist vielmehr oft der Ärger über den per Auto(marke) zur Schau gestellten Status. Nur würde das natürlich niemand zugeben.
Ich selbst bewege mich in Wien ausschliesslich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fort, auch wenn ich manch anderen Fahrgast bzw. das Gedränge zu den Stosszeiten oft widerlich finde.
Die Realität ist, dass in Österreich die Politik lediglich zu feig ist, gewisse Maßnahmen, die in anderen Ländern zur Reduzierung des Autoverkehrs geführt haben, umzusetzen.
Warum das Auto im jetzigen Ausmaß bleiben soll, ist rational nicht argumentieren. Da geht's ausschließlich um die Faulheit und Bequemlichkeit vieler (!! - nicht aller; manche sind tatsächlich darauf angewiesen) Autofahrer.
City Maut, Mineralölsteuer auf das Niveau der Nachbarländer, etc.
Natürlich sind das Zwangsmaßnahmen, aber wenn jeder machen kann was er will, dann würde ich gerne dein Auto demolieren. Schließlich verpestest du meine Umwelt und verbrauchst öffentlichen Raum in der Stadt. Wenn du mir schadest, würde ich auch gerne dir schaden.
dann bitte ich um genaue Auflistung der Höhe des Schadens, den ich Ihnen mit meinem Auto zufüge. Ich fahre im Jahr etwa 25.000 Kilometer, vorwiegend in österreich und Deutschland.
Bitte um genaue Zahlen, ich werde dann davon die Steuer, die ich bei der Benutzung des Autos zahle, abziehen und wenn dann noch was übrig bleibt, bitte gerne.
Aber ich denke, wenn Sie mir mein Auto demolieren, sind höchstwahrscheinlich Sie derjenige, der zahlen muss.
City-Maut, o.k. Wenn es nötig ist. Das Geplärre der Innenstadt-Geschäftsleute höre ich mir gerne an. Das haben wir hier in Salzburg schon, dabei ist das eher eine Museum-Stadt und vor allem eine, in die man mit dem Auto eh nicht fahren sollte, weil es hier umweltfreundliche elektrische Busse gibt.
Wenns ein wenig nachdenken würden, könntens feststellen, dass ein erheblicher Teil der Infrastrukturkosten denen Sie den Autofahrern gerne zu 100% umhängen würden als "Fixkosten" zu betrachten sind.
Es sei denn, Sie befürworten das Auflassen von land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen, touristischen Einrichtungen, Passstraßen, ganze Alpentalsiedlungen usw.
Stimmt Sie wahrscheinlich traurig, aber der Zahlenhaufen den Sie da verlinkt haben, sagt bei genauerer Betr. genau GAR NICHTS aus, was irgendeine Lenkungsmaßnahme rechtfertigen würde.
Nennens eine Quelle, welche sich traut zumindest die Infrastrukturkosten in Alterung/Verwitterung, PKWkm und LKWkm aufzuteilen, dann reden wir weiter.
LOL: "Unfall- und Umweltkosten"
Die Belästigung mit unerträglichem Lärm, Abgasen und kompletter Inanspruchnahme des öffentlichen Raums, die von einer militanten Minderheit ausgeht, muss endlich gestoppt werden.
wie kommen sie denn auf diese Zahl? Laut Statistik Austria haben in Wien fast 40% der "Einwohner" einen PKW.
394 PKW pro 1000 Einwohner. Einwohner wohlgemerkt. Wenn sie da noch diejenigen abziehen die zu jung oder alt für einen eigenen PKW sind, dann sollten sie besser nicht so auf den Busch klopfen und "die" große Masse Autoloser ideologisch für sich vereinnahmen.
das kann ich auch umdrehen, wie lang muß ich noch die Inanspruchnahme von öffentlichem Raum durch den Proletenschlauch in kauf nehmen? ;P
Ich hätte gerne mal wirklich fundierte Fakten bezüglich Kostenwahrheit beim Induividualverkehr und bei den Öffis gesehen? Gibts eigentlich was höher steuersubventioniertes als ÖBB und Konsorten? Außerdem möchte ich nicht wissen wieviele der Standard-ökoapostel zwar gegen das Auto wettern, dann aber ein-, zweimal im Jahr ins Flugzeug steigen um als Tourist megaumweltverpestend die halbe Erdkugel zu umrunden.
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