Minderheitenrechte im Parlament

Boykottieren statt partizipieren

Kommentar | Saskia Jungnikl, 23. September 2011, 18:32

Es ist ein demokratiepolitischer Unsinn, dass die Mehrheit den Untersuchungsgegenstand allein bestimmen kann

Mit ÖBB-Inseratenaffäre oder ohne? Den Buwog-Verkauf auch oder nur die Telekom-Missstände? Das Gefeilsche um die Inhalte für den bevorstehenden Untersuchungsausschuss über Korruption in staatsnahen Betrieben zeigt deutlich, wie dringend dieses Kontrollinstrument reformiert gehört. Es ist ein demokratiepolitischer Unsinn, dass die Mehrheit den Untersuchungsgegenstand allein bestimmen kann.

Dabei hatten SPÖ und ÖVP noch 2009 den Oppositionsparteien generös ernsthafte Kontrollmöglichkeiten in Aussicht gestellt. Nicht nur die Regierungs- oder eine der Koalitionsparteien sollte bestimmen, was untersucht wird und was nicht, auch die Oppositionsparteien allein sollten die Möglichkeit haben, eigenständig U-Ausschüsse einsetzen zu können. Umgesetzt wurde die damals getroffene schriftliche Vereinbarung jedoch nicht. Schuld daran ist die SPÖ. Sie boykottiert einen Kompromiss aus Angst, der eher schwarz besetzte Verfassungsgerichtshof könnte als Schiedsrichter in härteren Fällen das Schlusswort haben.

Daher setzen die Roten auf parteipolitisches Hickhack. Doch solange die Mehrheit nur dann kontrollierbar ist, wenn ihr das genehm ist, mangelt es dem Land an demokratischer Hygiene. Zusätzlich sorgt das Gezerre in der Öffentlichkeit um die Ausschuss-Themen für einen weiteren Vertrauensverlust der Bürger in die Politik - und stärkt so jenen Eindruck, gegen den alle Parteien ankämpfen sollten. (DER STANDARD; Printausgbe, 24./25.9.2011)

slow motion
00
1.10.2011, 13:55
In Österreichs Politik ist fast alles Unsinn.

Auch die große Koalition ist Unsinn, ein viel größerer als das vergleichsweise geringe (Folge-?)Detail, daß nur die zu Kontrollierenden Kontrollausschüsse einsetzen können.

Jochen Mars
03
24.9.2011, 15:24

Die einfachste Lösung wäre das die Opositionsparteien nicht mehr an Sitzungen des Parlaments teilnehmen. Das Medienecho (national & international) wäre wohl gewaltig

Johannes99
00
25.9.2011, 18:14
... mangelt es dem Land an demokratischer Hygiene.

Der Satz ist gut. Wenn's so einfach wär, würde ich sofort eine Unterschriftenaktion starten. Nur glaub ich nicht an eine Besserung durch Minderheiten-Untersuchungsauschüsse. Der Pilz würde jede Woche einen neuen starten, am End kennt sich keiner mehr aus. Mit wär wohler, wenn wir eine Justiz hätten, die unsere zahllosen Graubereiche ins grelles Licht rücken dürfte.

slow motion
00
1.10.2011, 13:56
Der Mangel an demokratischer Hygiene wurde und wird

in Österreich vielfach als weltweit interessanter Sobnderweg der "Insel der Seligen" gepriesen ....

Herzerzog Johann
00
25.9.2011, 10:32
Es würde nicht weiter auffallen.

Das Medienecho würde sich in Grenzen halten. Im Ausland sowieso. Auch wenn es sich die Österreicher anders einbilden: Wir sind nicht der Mittelpunkt der Welt.

frank franki
01
24.9.2011, 14:45

Das Problem ist letztlich die fehlende Gewaltenteilung.
Solange das Parlament von der Regierungsbank kontrolliert werden kann, sind parlamentarische Untersuchungsausschüsse für die Würst...

Selbständiger
00
24.9.2011, 05:55
Vertrauensverlust der Bürger in die Politik - und stärkt so jenen Eindruck, gegen den alle Parteien ankämpfen sollten

Warum sollten die Parteien dagegen ankämpfen?

Das Wahlsystem ist so falsch aufgebaut, dass alles gleich weitergeht, wenn nur mehr jene wählen, die von den korrupten Politikern profitieren. Diese vier Kasten (Politiker, Beamte, Bauern und Funktionäre von Zwangsmitgliedsorganisationen) sichern ihnen die Macht. Sie wählen diese Verbrecher ( lassen sich kaufen) gegen Beteiligung mit Privilegien, bevorzugten Pensionsregelungen, Förderungen und Pauschalierungen.

Da das System keine Abwahl vorsieht, brauchen die korrpten Politikerverbrecher ihre Verbrechen auch nicht einstellen. Dieses asoziale, Verbrecher wählende Nehmergesindel hält es weiter an der Macht. Der nicht geschützte Bereich kamn nur vor Wut die Fäuste ballen und zahlen.

tiger4wien
05
23.9.2011, 20:14
Überall herumschmufteln

die Verhinderung der Minderheitenrechte gehört genauso in die Kategorie, wie Verhinderung der Transparenz von Parteispenden, Aushungerung der Justiz, um Korruptionsfälle nicht effektiv bearbeiten zu können --> Machterhalt um jeden Preis

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