Causa Hypo

Birnbachers Honorar dreißigmal zu hoch

Renate Graber, 23. September 2011, 17:30
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    foto: apa/eggenberger

    Dietrich "Birni" Birnbacher "wollte nicht lügen".

Statt sechs Millionen hätten 200.000 Euro gereicht, schreibt Gerichtsgutachter Frank A. Schäfer. Birnbacher packt nun aus

Wien - Erdbeben in der Causa Birnbacher. Der Kärntner Steuerberater Dietrich Birnbacher bekam im Zuge des Verkaufs der Hypo Alpe Adria an die BayernLB sechs Millionen Euro Honorar - 30 Mal zu viel, attestiert Gerichtsgutachter Frank A. Schäfer. Die Justiz ermittelt wegen Untreueverdachts.

Rückblick: 2007 beauftragten Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) und Landesrat Josef Martinz (Kärntner ÖVP-Chef) dessen Freund Birnbacher mit der Begleitung des Landes beim Hypo-Verkauf. Die Sache lief geheim, das Honorar wurde dem einer Investmentbank angepasst: 100.000 Euro plus 1,5 Prozent des Verkaufserlöses. 2008 legte Birnbacher Rechnung über zwölf Mio. Euro, die Sache flog auf, er verzichtete auf die Hälfte ("Patriotenrabatt" ).

Beschuldigt sind Birnbacher, Martinz sowie Hans-Jörg Megymorez und Gert Xander, die Chefs der Kärntner Landesholding KLH. Sie erfuhr erst 2008 von Birnbachers Auftrag und zahlte das Honorar, dessen Angemessenheit nun bezweifelt wird. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Zweiter Anlauf

Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelt zum zweiten Mal (beim ersten Mal wurde sang- und klanglos eingestellt), diesmal gab sie sogar ein Gutachten in Auftrag. Nun liegt die 22-seitige Expertise des Düsseldorfer Anwalts und Kapitalmarktexperten Schäfer vor - und sie fällt vernichtend aus. "Die Tätigkeiten von Dr. Birnbacher entsprachen nicht den typischen Tätigkeiten einer Investmentbank" , schreibt er, deswegen könne sein Honorar auch nicht "mit dem einer Investmentbank verglichen werden". Und: "Ein Honoraranspruch von Birnbacher wäre bis zur Höhe von 200.000 Euro (netto) als angemessen anzusehen."

Gutachter Schäfer hat Birnbachers Job analysiert und stützte sich auf Dreierlei: den "Gegenbrief von April 2007", in dem Birnbacher seinen Arbeitsauftrag festhielt (was Haider und Martinz unterfertigten); Birnbachers Tätigkeitsbericht an die KLH sowie diverser Aussagen.

Nur Interessen gewahrt

Des Sachverständigen Fazit: "Ob, und wenn ja welche Tätigkeiten von Dr. Birnbacher mit Blick auf den ursprünglich vereinbarten Leistungsumfang erbracht wurden, lässt sich auf Grund der Mündlichkeit der Leistungserbringung nicht beurteilen. Anhaltspunkte dafür, dass überhaupt derartige Leistungen erbracht wurden, sind den Akten nicht zu entnehmen. Wenn solche Leistungen erbracht wurden, sind sie jedenfalls als eher investmentbankuntypisch zu bezeichnen." Birnbacher, der nicht mit verhandelt hat, habe den Job eines "professionellen Interessenwahrers (Anwalt, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer)" gehabt, "angemessen ... wäre eine Honorierung wie die eines Rechtsanwalts oder Wirtschaftsprüfers von 100.000 bis 200.000 Euro" .

Zudem hinterfragt Schäfer von der KLH beauftragte und blitzartig erstellte Gutachten von Deloitte, Rudolf Siart und Gerhard Altenberger (auch WU-Professor Christian Nowotny und Strafrechtler Wolfgang Brandstetter begutachteten). Sie bescheinigten, dass das Honorar angemessen gewesen sei bzw. von Nichtauftraggeberin KLH bezahlt werden durfte.

Laut Einvernahmeprotokoll hat Schäfers "schlüssiges und nachvollziehbares Gutachten" Birnbacher animiert, erstmals auszusagen. Bisher sei er "davon ausgegangen, dass jenes Honorar, das mir angeboten wurde, angemessen ist" . Die von der KLH bestellten Gutachten seien ihm "mündlich zur Kenntnis gebracht worden" , so der 70-Jährige am 20. Juli vor dem Staatsanwalt, die Schäfer-Expertise "lässt mich an der Qualität dieser Gutachten ... erheblich zweifeln" .

Sprengstoff birgt der zweite Grund für Birnbachers langes Schweigen: "Ich wollte nicht lügen." Denn der "Gegenbrief von April 2007 wurde tatsächlich am 9.2.2008 in meiner Kanzlei geschrieben". An jenem Samstag sei KLH-Chef Megymorez in seine Kanzlei gekommen, "er hatte ein vorbereitetes Schreiben mit ..., das ... auf meinem Briefpapier über Diktat von Dr. Megymorez aufgrund seiner schriftlichen Vorlage neu geschrieben wurde" . Damals sei das für ihn, Birnbacher, "unbedenklich" gewesen, weil ja nur ein "mündlicher Auftrag durch Dr. Haider in Schriftform festgehalten wurde" . Aber: "Aus heutiger Sicht macht die Rückdatierung insofern Sinn, als diese ein Baustein für die Honorarüberwälzung an die KLH darstellt" . Starker Tobak, den Megymorez auf Anfrage kontert: "Ich habe in dieser nicht üblichen Situation Unterlagen benötigt, um den Sachverhalt rund um Birnbachers Honorarforderung zu erheben. Auf das Datum des Gegenbriefs habe ich nicht geachtet, das war für mich unerheblich."

Bildhaft schilderte Birnbacher den 11. März 2008, an dem sein Honorar halbiert wurde. "Dr. Haider hat mich gefragt: ‚Birni, wir können dir die zwölf Millionen nicht zahlen. Bist du mit sechs auch zufrieden?‘ Ich habe gesagt: Ja." Er hätte es übrigens auch billiger gegeben. Auf die Frage, ob er auch mit einem niedrigeren Honorar, etwa zwei Mio. zufrieden gewesen wäre: "Ja, aber mich hat niemand gefragt." (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 24.9.2011)

Kommentar posten
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WoHo
00
26.9.2011, 21:24
"angemessen"

WoHo
01
26.9.2011, 21:33
..Fortsetzung ( ja ja die Returntaste)

100 000 - 200 000 für ein paar Seiten Gutachten

Für 200 000 Euro müssen die meisten Leute jahrelang arbeiten.

DAS stellt niemand hier in Frage..
30 fach überzahlt - ich lach mir einen Ast.

Ingrid Goeschl
00
26.9.2011, 13:44
Erst am Wochenende habe jemanden sagen hören, Haider wäre ein "Idealist" gewesen.

Die Leute sind einfach unbelehrbar.

ÖVP-Rohlinge
07
25.9.2011, 09:51
Die damalge Einstellung aller Verfahren durch die österreichische Justiz ist ein Justizskandal der Sonderklasse!!

Das muss man sich vorstellen!! Martinz beauftragt (Landesholding) selbst die Gutachter (die gefälligst im seinem Sinne urteilten) die dann die ach so unabhängige Justiz (weisungsgebundene Staatsanwaltschaft) anerkannte......Ob die damalige Justizministerin Bandion-Ortner selbst die Finger schmutzig machte, müsste ein Untersuchungsausschuss heraus finden!! Diesen (korrupten?) Richtern und Staatsanwälten gehört endlich das Handwerk gelegt!!!

Voll in die Kaldaunen!
00
25.9.2011, 00:40
Statt sechs Millionen hätten 200.000 Euro gereicht...

Könnte es sein. dass uns Birni (siehe Bild!) die Zunge zeigt? Ätschibätsch ...

Ingrid Goeschl
00
26.9.2011, 13:42

maximal (!) 200.000,00!

Die üblichen Sätze liegen darunter.

laughing-man
00
24.9.2011, 23:51

"Dr. Haider hat mich gefragt: ‚Birni, wir können dir die zwölf Millionen nicht zahlen. Ganz vergessen - 6 davon müss ma an steuer zahlen.....Bist du mit sechs auch zufrieden?

6 mille brutto oder netto? wie viel steuer?

tapsel
 
00
24.9.2011, 22:27
Es wird Zeit für einen Steuerboykott!

roterbruder1
02
24.9.2011, 22:02

in oberösterreich wurde dieser tage ein mutmaßlicher betrüger wegen einer schadenssumme von 3.500,- euro in u-haft genommen.

vor dem gesetz sind alle gleich....bruhahahahahaha.

Und sie bewegt sich doch
 
01
24.9.2011, 20:45
Birnbacher träller: Tausendmal betrogen, tausendmal ist nix passiert Tausend und eine Jacht, und es hat ZOOM gemacht!!

Chocoholic
00
24.9.2011, 20:36
Ehrlich? Ich hab nur die headline gelesen.

Weiter will ich gar nicht lesen.

Gedacht hab ich mir: "ah, eh nur!" ironie off.

kater bruno
00
24.9.2011, 20:30

Unsereiner ruachelt und muß jeden Euro dreimal umdrehen und diese Typen bereichern sich ungeniert und arbeiten in die eigene Tasche. Die sind eine Schande für Österreich.

G. Lavant
08
24.9.2011, 19:15
Wie lange haben sich die sechs Millionen auf Birnbachers Konto befunden?

Honigschleuder
03
24.9.2011, 19:34
Nicht lange.

Er hat seine Steuer bezahlt und eine Schenkung gemacht. Und weg war's.

Markus Freyberg
04
24.9.2011, 18:42
Einfach unglaublich.

.........1
07
24.9.2011, 18:35
In kaernten wird Steuergeld versenkt.......DEINE Steuern

Stopp der Geldverschwendung in Kaernten!
Hoppala, ich glaube ich höre Strache.....

Milchleber
010
24.9.2011, 19:23

unser Geld für unsre Leut!

.........1
00
26.9.2011, 10:29
aber net für die kärntner

Bergdolm
09
24.9.2011, 18:23
Wieso werden diese Finanz+Politverbrecher nicht eingesperrt?

.
Haben wir zuwenige Gefängnisse?
Oder wartet man solange, bis es dem Volk zu blöd wird, und aufgebrachte Bürger selber zu richten beginnen?

Untersuchungshaft, zügige Verfahren, Schuldsprüche, Gefängnis (wie beim Herrn Elsner), vollständige Schadenwiedergutmachung kann man im Umgang mit mutmaßlichen Verbrechern in einem Rechtsstaat wohl verlangen.

Oder sind wir am Ende kein Rechtsstaat?
Warum pickt man sich immer nur die "Unschuldsvermutung" heraus?

Im Dunstkreis der ÖVP und dem BZÖ gibt es haufenweise solche Verbrecher!

Faymann - der Werner braucht noch ein paar Millionen - und Ostermayer sind gar nicht so weit vom Scheuch - Part of the Game - (Haft-Urteil noch nicht rechtskräftig) entfernt.

Alle gehören sie eingesperrt!

pago1
01
24.9.2011, 18:19
das ist erfolgreiche politik

aller schüssel und der fpövp

Fandango
10
24.9.2011, 20:34

Und was hat Schüssel damit zu tun?

johannes mayer1
03
24.9.2011, 17:45
Nicht nur die Griechen sollen pleite gehen, auch diese verschissene Kärntner Hypo Bank!!!

rough_rider
02
24.9.2011, 19:36

die Griechen sollen bitte NICHT pleite gehen!

henri blake
03
24.9.2011, 17:40
warum sollte sich etwas aendern ?

z.b. gerade einen standart bericht von aug. 2010(!!) gelesen - *Hypo ringt mit BZÖ-Mann um Yachthafen* - die kommentare ueber *joergls peitscherlbuben truppe* waren die gleichen wie heute hier... wir werden auch im naechsten jahr lesen - kommentieren - aergern und die buben weiter abkassieren, lachen und uns via orf-interviews verar....

locken
02
24.9.2011, 17:22
Alle sofort in den Knast,das Volk geschädigt !

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