Das südburgenländische Oberschützen sucht seit zwei Jahren eine gymnasiale Leitung
Oberschützen (Felsõlövõ) - Eigentlich ein Klassiker: Das Gymnasium Oberschützen sucht seit zwei Jahren eine neue Leitung, und herausgekommen ist eine Schlammschlacht, deren vorläufiger Höhepunkt eine fünfseitige Stellungnahme des Personalvertreter-Zentralausschusses (ZA) an Claudia Schmied ist. Darin wird die Unterrichtsministerin ermahnt, jetzt ja nicht die vom Landesschulrat (LSR) und den - ja: nachgeschalteten Stellen des Ministeriums ins Auge gefasste Dame zu bestellen. Sondern statt dessen jenen Herrn, den alle aus belegbaren Qualifikationsgründen für den logischen Kandidaten hielten.
Der Umstand, dass die Dame rot, der Herr schwarz zuzuordnen wäre, ist vielleicht ein von weit außen zu konstatierender Umstand, über welchen zwar geredet, in der ZA-Abhandlung aber klarerweise kein Wort verloren wird. Und der darin angegriffene Präsident des burgenländischen Landesschulrats, Gerhard Resch, meint bloß, er hoffe, dass eine solche Zuordnung "keine Rolle gespielt hat" - bei der Abfassung der ZA-Stellungnahme. Denn bei der LSR-Reihung im "Objektivierungsverfahren" dürfe er solches ausschließen. Auch wenn dieses gewichtungsmäßig hauptsächlich aus einem "Hearing" bestand, in welchem quasi das Gegenteil der bis dahin zutage getretenen Qualifikationen festgestellt wurde.
Das evangelische Oberschützen ist die traditionsreichste Bildungsstätte des Burgenlandes. Schon im frühen 19. Jahrhundert wurde hier vom revolutionären Pfarrer Gottlieb August Wimmer eine höhere Schule gegründet. 1921, als das Burgenland zu Österreich kam, stand hier die einzige Maturaschule des Landes.
Resch nimmt die Sache mit der Direktorenbestellung recht gelassen. Das Ministerium lasse sich halt Zeit, wenn es mehr Kandidaten gebe. Bei ihm selber - in der Hak in Neusiedl - habe es auch zwei Jahre gedauert.
Ein mit der Sache vertrauter Anonymus - in jenem Milieu, in dem die Kinder zu aufrechten, mutigen Demokraten heranwachsen sollen, sind alle Anonymi und Anonymae - gab dem Standard allerdings zu bedenken: "Wie soll jemand die Kollegenschaft motivieren können nach so einer Schlammschlacht? Da gibt es in den nächsten Jahren doch nur mehr Gegner. " (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD; Printausgabe, 24./25.2011)