Insider berichtet von deutlicher Werbebudgetsteigerung
Wien - Dass die Bahn Werbung macht, ist ja noch verständlich. Schließlich müssen die Menschen nicht auf den Gleisen reisen, sondern können auch Autofahren. Warum der Autobahnbetreiber Asfinag Millionen für Werbung ausgibt, ist schon weniger schlüssig. Insider berichten nun von seltsamen Vorgängen bei der Informationsvermittlung der Asfinag seit der Verkehrsministerschaft von Werner Faymann (SPÖ), heute Bundeskanzler.
So soll das Budget ab 2007 deutlich erhöht worden sein. Inserate seien plötzlich auch kaum mehr von der Holdinggesellschaft, sondern den einzelnen Tochtergesellschaften geschaltet worden. Neubauprojekte wurden etwa von der Bautochter BMG beworben, sagt der Insider.
Deren damaliger Geschäftsführer Alois Schedl wurde im Oktober 2007 dann zu einem der beiden Vorstände der Asfinag selbst.
Der Darstellung, dass Werbung plötzlich von der Zentrale in die Töchter verlagert wurde, widerspricht Pressesprecherin Klaudia Niedermühlbichler. „Genau das Gegenteil ist richtig. Seit Oktober 2007 ist die Bündelung der Mediaplanung in Angriff genommen worden." Wie viel von 2005 bis 2007 für Werbung ausgegeben wurde, weiß sie nicht, seither sind es 1,5 bis zwei Millionen Euro.
Was sich heuer drastisch ändert. Ab November wird zweieinhalb Monate lang eine Kampagne zur Einführung der „Rettungsgasse" durchgeführt, Kostenpunkt drei Millionen Euro. Warum eigentlich ein Autobahnbetreiber für Gesetzesänderungen werben müsse? „Weil das der Auftrag an die Asfinag aus dem Ministerrat ist", erklärt Niedermühlbichler.
In Deutschland denken Politiker scheinbar anders: Im dortigen Verkehrsministerium heißt es, man gebe derzeit kein Geld für Werbung und Information über Autobahnen oder Gesetze aus. (Michael Möseneder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 24.9.2011)