Mit dem Latein am Ende

"Jungen wird Falsches in den Kopf gesetzt"

23. September 2011, 16:51
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    foto: ap/matthias rietschel

    Es gebe eine Müdigkeit in Bezug auf Beratung, und die Begeisterung für Moden wie Tools oder Optimierung laufe aus, sagt Berater und Bestsellerautor Niels Pfläging

Warum Manager mit ihrem Latein am Ende und Management-Tools wie Balanced Score-Cards "Mist" seien, spricht Berater und Bestsellerautor Niels Pfläging

STANDARD: Die erste Frage geht nicht an den Berater, sondern den Bestsellerautor Pfläging. Braucht die Menschheit denn noch mehr Managementliteratur?

Pfläging: Nein, sie braucht eine Alternative dazu. Managementliteratur gibt es seit 100 Jahren, und davon haben wir genug. Was wir brauchen, ist Businessliteratur - da geht es um Dinge, die Unternehmen brauchen, und nicht um jene, die sie schon haben.

STANDARD: Haben Sie sich mit Ihrer These, dass Management verzichtbar sei, viele Feinde gemacht?

Pfläging: Nein, das finde ich nicht. Ich rege Menschen mit dieser These zum Denken an. Viele sind unschlüssig, was genau sie damit machen sollen, ob sie das überhaupt können oder schaffen können. Die Grundthese, dass es sich bei diesem unbedingt notwendigen Management um einen gloriosen Trugschluss handelt, ist schon einleuchtend, wenn man sich darauf einlassen möchte. Dennoch sickert diese Erkenntnis nur langsam durch.

STANDARD: Viele fühlen sich aber in diesem "Gebäude", das Sie "Technologie zur Leistungserzeugung" nennen, aber wohl ...

Pfläging: Sie fühlen sich auch deshalb wohl darin, weil ihnen noch nicht klar ist, dass es etwas anderes gibt, womit man sich wohler fühlen kann. Ich vergleiche das immer mit dem Bild Schreibmaschine und Computer - mit beiden können Sie schreiben und mit dem Computer noch viel mehr machen als das. Letzteres fällt für mich in den Rahmen, den ich den BetaCodex nenne.

STANDARD: Wie ist der gestaltet?

Pfläging: Also Beta steht im Gegensatz zu Alpha, wofür zum Beispiel die Großvorderen des Managements aus dem Industriezeitalter stehen. Bei Alpha etwa ist es wichtig zu planen. Für Beta ist das verzichtbar, sogar schädlich. Oder haben Sie schon mal einen Sportler erlebt, der einen Wettbewerb plant? Er trainiert dafür - es geht also bei Unternehmen um Fitness, um den Gewinn an Flexibilität, eine Steuerung von innen nach außen und nicht von oben nach unten. Dazu gehört auch anzuerkennen, dass der Markt an der Macht ist und nicht das Management.

STANDARD: Was sehen Sie, wenn Sie einen Blick auf die Bildungslandschaft werfen?

Pfläging: Ich sehe, dass 90 Prozent dessen, was an Hochschulen in Sachen Betriebswirtschaftslehre läuft, Alpha forciert. Das ist Teil des Problems. Jungen Menschen wird was Falsches in den Kopf gesetzt.

STANDARD: Haben Sie studiert?

Pfläging: Ja, BWL. Das gab ein böses Erwachen. Und heute gehe ich an Unis und Fachhochschulen und sehe, es hat sich noch immer nicht sehr viel verändert ...

STANDARD: Was halten Sie von postgradualen Ausbildungen wie einem Master of Business Administration (MBA)?

Pfläging: Der derzeitige MBA, so wie er angeboten wird, gehört abgeschafft. Nicht nur ist er von der Methodik her veraltet, er ist analytisch überfrachtet und total praxisfremd. Da wird Menschen Spezialwissen vermittelt und ihnen eingeredet, sie könnten damit etwas verändern. Für mich sind MBAs fast ein Verbrechen gegen die Menschheit, da braucht es eine grundlegende Reform.

STANDARD: Und was ist mit dem vielzitierten lebenslangen Lernen?

Pfläging: Es wird wenig praktiziert. Und alles, was dazu angeboten wird, halte ich für eine Lüge, das ist maximal ein lebenslanger Seminarbesuch. Lernen ist etwas anderes.

STANDARD: Sie werden am 6. Oktober im Executive Club der Universität Wien das dritte Colloquium abhalten. Ihre Gegenüber werden Top-Manager sein. Was haben Sie sich vorgenommen?

Pfläging: Ich werde den Beweis antreten, warum Management Quatsch ist. Manager sind ja nicht das Problem, das Management-Denken ist es.

STANDARD: Rechnen Sie mit Widerstand?

Pfläging: Das ist immer unterschiedlich. Ich glaube aber, dass die Sehnsucht Management zu überwinden, sehr verbreitet ist, viele aber nicht wissen, welches Denken man dafür braucht. Dieses Bewusstsein ist heute noch etwas unterentwickelt.

STANDARD: Ist es nicht auch eine Frage des Alters, inwieweit man für Veränderung bereit ist?

Pfläging: Nein. Das Alter ist nicht das Problem. Es ist vielmehr eine Typenfrage. Es gibt einige, die sagen: "Meine Erfahrung lehrt mich, dass das, was Sie sagen, nicht gehen kann." Und dann gibt es andere, die sagen: "Das ist das, wonach ich in den letzten 20 Jahren gesucht habe und das ich mir nicht zusammenreimen konnte." Es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht. Manche machen eben auch die Erfahrung, mit ihrem Managerlatein am Ende zu sein. Es ist spannend, eine Organisation ohne Management zu sein.

STANDARD: Für viele klingt das sicher bedrohlich. Auch für jene, die geführt werden wollen ...

Pfläging: Wir fragen die Menschen regelmäßig: "Wollt ihr andere Leute managen?" Und dann lautet die Antwort meist Ja. Wenn ich sie aber frage, "Wollen Sie gemanagt werden?", lautet die Antwort meist Nein. Weil Mitarbeiterbefragungen Mist sind, durchgeplant zu werden Mist ist, weil Zielvorgaben nur zu politischen Spielereien führen. Ich versuche einfach auch den Managern eine Last von den Schultern zu nehmen.

STANDARD: Klingt anarchisch ...

Pfläging: ... ist aber das Gegenteil. Eine Regel wird befolgt und erntet letzlich Bürokratie und Erstarrung. Organisationen sollten sich stattdessen starke Prinzipien verordnen, andere sagen Werte dazu. In jedem Fall etwas kulturförderndes, nicht kulturzerstörendes.

NIELS PFLÄGING ist Berater, Business-Speaker und Buchautor zum Thema Unternehmensführung. Am 6. Oktober spricht er im Executive Club der Universität Wien zum Thema "Radikal dezentralisierte Führung - Die Verzichtbarkeit von Management".

Link

www.postgraduatecenter.at

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Posting 1 bis 25 von 38
1 2
ichbinderderichbin
00
2.12.2011, 10:26
huhu haha

da werdens stöhnen wenn ihnen die scheinlegitimation abhanden kommt

"was will ich werden" für die die schon seit der geburt per ahnengalerie "das schönste und beste sind" wird da ja vollkommen konterkariert ..

Bobby W
00
22.10.2011, 11:48
Was zeichnet einen guten Manager(in) aus?

Sicher keine Tools, sondern viel Wissen, Erfahrung, Weitsicht, Disziplin und nicht vergessen, GANZ WICHTIG: MUT neues zu tun, UAktivitäten) auch wenn herkömmliche Tools dagegen sprechen, die eigene Überzeugung und Motivation der anderen ist wichtig NEIN UNABDINGLICH und bringt den Erfolg.

Habe bereits in meinen Leben 4 Firmen gegründet und 2 wieder geschlossen ohne in den Konkurs zu gehen, Probieren ist immer besser wie studieren!!
(Hab aber 2 abgeschlossen Studien, WU und Uni-Phil), das erleichtert einiges aber nicht alles

Management Quatscher
00
26.9.2011, 20:07

Immer diese Manager mit ihren Flausen.
Solche schlimmen Kinder.

samba cat
00
26.9.2011, 10:24
wo in dem ganzen interview

wird die balanced scorecard erwaehnt, die angeblich mist ist? ich kenn sowas nur als leistungs eststellung zwischen kunden und lieferanten.

luxustier
02
26.9.2011, 09:20

und vor allem ist er buchautor. konkrete praxisbeispiele bzw. umsetzungen braucht er nicht, nur die Sehnsucht der mittleren Unternehmensebene nach weniger Management. Verkauft sich sicher gut.
Wirkt's? Wüsste nicht, wo.

powerpack
00
26.9.2011, 09:08

dass das gesamte management- bzw. wirtschaftssystem in dieser form nicht mehr funktioniert zeigt die derzeitige wirtschaftskrise. und früher oder später - der frage des zeitpunkts liegt daran wie lange sich das alte system noch künstlich aufrechterhalten lässt - wird das ganze zusammenbrechen.

eigentlich ist das ganze nur dafür gemacht worden ein paar leute reich zu machen und die anderen auszupressen.

Shanajio
00
26.9.2011, 08:19
@Sportler

Nein, ich habe noch nie einen Sportler gesehen, der für einen Wettkampf plant ... ehrlich nicht.

(So ein Schwachsinn)

Nee-Chee
01
26.9.2011, 07:43
Versteh ich das richtig

weniger Häuptlinge?
Ja aber wie soll man denn dann die Indianer locken, wenn man ihnen nicht ein Häuptlingsdasein als Karotte in die Zielvereinarung schreiben kann?

1x1
00
26.9.2011, 09:36

Ich kenne Unternehmen, die begriffen haben, dass z.B. ein sehr guter Informatiker nicht unbedingt ein guter Teamleiter sein muss. Wenn er jetzt mehr verdienen wollte, müsste er zu einem schlechten Teamleiter "aufsteigen" oder z.B. zu einem Beratungsunternehmen gehen, wo er für die gleiche Arbeit mehr bekommt. Deshalb bieten Unternehmen Fachkarrieren an.

Der altmodische Schlag Unternehmen - ohne Personalverantwortung, keine Karriere - ist aber noch weit verbreitet. Fachkräfte müssen die Firma wechseln. Die Firmen beklagen sich dann, dass es zuwenige Fachkräfte gibt.

Nee-Chee
00
26.9.2011, 10:28
Ja, das sieht man oft,

dass Leute, die fachlich super sind, katastrophale Teamleiter werden. Aber leider gibt es auch genug Mitarbeiter, die meckern, dass ihr Chef von ihrer Arbeit ja keine Ahnung habe. IMO muss er das aber nicht unbedingt.

Shanajio
00
26.9.2011, 08:17

Man könnte einfach sagen, wenn du ein guter Indianer bist, bekommst mehr Geld. Weil vielen Leuten macht auch das Indianerdasein Spaß, wenn man sie dementsprechend entlohnt und respektiert.

Nee-Chee
00
26.9.2011, 09:12
ich versteh das durchaus

aber ich kenn kein Unternehmen, das so arbeitet. Karriereplanung ist meist das um und auf.

Shanajio
00
26.9.2011, 09:18

IBM arbeitet so. Da kann man sich fachlich weiterentwickeln (und wird dann sozusagen der Guru für sein Spezialgebiet) oder sich organisatorisch weiterentwickeln.

Nee-Chee
00
26.9.2011, 10:27
Ich seh schon

ich muss mein Fachgebiet wechseln :-)

werwolfi
02
25.9.2011, 21:47

besonders pervers: Mitarbeiterbewertungen die exakte Zielvorgaben haben - es muss soundsoviele spitzenleister geben, aber auf keinen Fall mehr oder weniger, soundsoviele der nächstniedrigeren Leistungsstufe, usw.... dass das mit den tatsächlichen Gegebenheiten wenig zu tun hat, überrascht nicht wirklich.
WAS überrascht ist, dass das obere Management diesen hingeschnitzten Unsinn offenbar glaubt...

Snieftaps
10
25.9.2011, 19:39
das ist wohl die

verwirrendste und aussageloseste headline die ich je gelesen hab

ravenna
10
25.9.2011, 19:07

Und hat er selbst schon mal ein Unternehmen geführt oder redet er nur darüber?

okami
00
25.9.2011, 17:51
Eines ist klar:

Methoden ohne Inhalte sind heisse Luft.

Hat man die Inhalte, dann können Methoden hilfreich sein (müssen aber nicht!)

monothematisch
26
24.9.2011, 23:41
Auch ein Talent

Mit hohlen inhaltslosen Phrasen sich seinen Lebensunterhalt verdienen. Wer das nicht kann, muss mitunter einer richtigen Arbeit nachgehen.

pago1
01
24.9.2011, 18:28
was wir vor allem brauchen

ist mehr menschlichkeit

woody999
05
24.9.2011, 18:02
was will dieser herr eigentlich?

ich muss gestehen, ich habs nicht herauslesen können aus dem artikel.

oder weiß er nur, dass so wie jetzt nicht geht und er hat (auch) keine bessere alternative?

Jolify
01
24.9.2011, 11:07
Ganz richtig

Alle Unternehmen wurschteln sich durch, dass ist die Lektion nach meinen ersten beiden Jahren im Beruf (und 3 verschiedenen Unternehmen).
Und wisst Ihr was, es funktioniert! Im BWL Studium wurde mir beigebracht alles zu planen und zu kontrollieren, draussen am Markt muss man meist reagieren und sich vor allem um das nächste Problem kümmern. Es fühlt sich zuerst Chaotisch an, aber mit der Zeit sieht man den Sinn darin. Die Software Branche verabschiedet sich mit SCRUM inzwischen komplett vom "Planungsgedanken" und versucht vor allem den Mitarbeitern Freiheiten zu lassen um den Kunden zufrieden zu stellen. Das ist doch mal was gutes :-)

HKLE
00
25.9.2011, 22:00
aber irgendwann ...

... muss man auch Richtungsentscheidungen treffen. Wenn man Kunden fragt, bleiben wir am besten ewig beim Gleichen. Das verkauft sich nämlich grad gut ....

Die Planungstools sind im besten Fall nur ein Indikator, wenns schief läuft oder die Trends das Bauchgefühl bestätigen ... ich kenn auch niemanden in meinem Umfeld, der oder die erfolgreich zB Scorecard einsetzt, aber das mag an einem branchentypisch zu engen Blick liegen ...

Kommerzialratte
02
24.9.2011, 11:00

STANDARD: Und was ist mit dem vielzitierten lebenslangen Lernen?

Pfläging: Es wird wenig praktiziert. Und alles, was dazu angeboten wird, halte ich für eine Lüge, das ist maximal ein lebenslanger Seminarbesuch. Lernen ist etwas anderes.

-------
Exakt auf den Punkt gebracht (ich sitze gerade in einer Vorledung einer post graduate Ausbildung). Was wir momentan betreiben, ist reine Ressourcenvergeudung. Dabei drängt die Teit.

her wig
00
24.9.2011, 09:00
"dass der Markt an der Macht ist und nicht das Management"

Erinnert mich an die typischen Managementquatsch-Zielsetzungen der Art, den Gewinn um x % steigern zu wollen. Indem man die Kunden zwingt mehr zu zahlen, oder wie? Sowas ist kein Management-Ziel, sondern eine Werbeaussage gegenüber Investoren. Wobei, vllt. haben die Managementquatscher doch auch verstanden dass der Markt an der Macht ist - allerdings jener für die Fremdfinanzierung.

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