Embryonale Stammzellen erstmalig in Europa im Einsatz

Ärzteteam hofft Erblindung einer Augenerkrankung damit zu verhindern

London - Zum ersten Mal darf eine Klinik außerhalb der USA embryonale Stammzellen in Menschen einsetzen. Ärzte an einem Londoner Augenhospital wollen diese Zellen in die Augen von zwölf Patienten schleusen, die an der bisher unheilbaren Krankheit Morbus Stargardt leiden, teilten das US-Biotechnologieunternehmens Advanced Cell Technology (ACT) und das Londoner Moorfields Eye Hospital mit. Es solle zunächst geprüft werden, ob die Verwendung von solchen Ersatzzellen für die Netzhaut sicher sei. Die britischen Behörden hatten ihre Zustimmung zu dem in Europa bisher nicht dagewesenen Test gegeben.

Bisher wurde ein ähnlicher Versuch an den Augen nur in den USA durchgeführt, sagte Robert Lanza von ACT laut Mitteilung. "Zum ersten Mal ist ein Test mit embryonalen Stammzellen irgendwo anders in der Welt erlaubt worden."

Prozess stoppen

Das Ärzteteam in London hofft, mit Hilfe der Zellen einen Prozess im Auge der an Morbus Stargardt Erkrankten zu verlangsamen, zu stoppen, oder sogar rückgängig zu machen, der langfristig zur Erblindung führt. Es handelt sich dabei um einen genetischen Defekt, bei dem langsam bestimmte Zellen in den Netzhaut absterben. Von der Diagnose sind vor allem junge Menschen betroffen, der Prozess wird häufig zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr festgestellt.

Bei den Tests, die in den kommenden Monaten beginnen sollen, geht es aber zunächst um die generelle Verträglichkeit und Sicherheit der Therapie, betonte das Hospital. Zugelassen werden sollen nur Teilnehmer in einem schweren Krankheitsstadium, die bereits fast vollständig erblindet sind.

Die Zellen würden in einer etwa einstündigen Operation mit einer dünnen Nadel eingespritzt, hieß es. Es gebe großes Potenzial, dass auch Menschen, die an altersbedingter Abnutzung litten, in Zukunft geholfen werden könne, sagte Professor James Bainbridge, der die Tests durchführen wird. Die Herstellung von Netzhautzellen aus Stammzellen im Labor sei ein großer Fortschritt gewesen und habe Hoffnung gemacht, die Technik in Therapien für Patienten zu übertragen.

Nach Angaben von ACT wurde im Juli in Los Angeles ein ähnlicher Versuch durchgeführt. Dabei sei nur ein Patient behandelt worden. Die Ergebnisse seien aber bisher "sehr positiv".

Kranke Zellen ersetzen

Embryonale Stammzellen können sich noch in jede Art von Gewebe entwickeln und sollen einmal kranke Zellen ersetzen. Wissenschafter versprechen sich von ihrem Einsatz eine Heilungschance für viele bisher kaum behandelbare Krankheiten. Kritiker erheben ethisch motivierte Einwände, weil zur Gewinnung von embryonalen Stammzellen menschliche Embryonen - in einem sehr frühen Stadium - zerstört werden.

Inzwischen ist es Forschern gelungen, Körperzellen in eine Art Embryonalzustand zurückzusetzen. Die Arbeit mit den sogenannten iPS-Zellen steckt aber noch weitgehend in der Grundlagenforschung. (APA)

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