Gedenkstätte

Bregenz soll Denkmal für Deserteure der NS-Zeit erhalten

23. September 2011, 15:48

Grüne und Johann-August-Malin-Gesellschaft wollen Diskussion anstoßen

Bregenz - Der Vorarlberger Geschichtsverein "Johann-August-Malin-Gesellschaft" und die Bregenzer Grünen plädieren für die Errichtung eines eigenen Denkmals für die Vorarlberger Deserteure und Wehrdienstverweigerer der NS-Zeit. Einen Vorschlag zur Umsetzung präsentierten Werner Bundschuh, Obmann der Johann-August-Malin-Gesellschaft, und der Bregenzer Vizebürgermeister Gernot Kiermayr am Freitag in Bregenz. Laut Kiermayr hat der Bregenzer Koalitionspartner ÖVP bereits seine Zustimmung zu einer Gedenkstätte signalisiert.

In jeder der 96 Vorarlberger Gemeinden gebe es ein Kriegerdenkmal, das teils mit problematischen Texten an die Gefallenen der Weltkriege erinnere, so Bundschuh. Bis auf Wien, wo für 2013 ein solches Denkmal geplant sei, gebe es bisher nirgends eine eigene Gedenkstätte für die Wehrmachtsdeserteure. Zwar seien die Deserteure rechtlich seit 2009 durch einen Nationalratsbeschluss rehabilitiert, ins Bewusstsein der Bevölkerung sei dies vielfach aber noch nicht gedrungen. Die Deserteure wurden nicht nur von der NS-Justiz verfolgt und zu Gefängnis, "Frontbewährung" oder gar zum Tod verurteilt, sondern auch noch in der Nachkriegszeit als "Kameradenschweine" und "Vaterlandsverräter" beschimpft.

Denkmal für die Bewusstseinsbildung

Die Diskussion über ein Denkmal werde die Sensibilität für das Thema fördern und zur Bewusstseinsbildung beitragen, hoffte Bundschuh. Anlass zu der Forderung sei der "Tag des Denkmals 2011" am 25. September und die Seligsprechung des NS-Opfers Provikar Carl Lampert am 13. November 2011 - "ein günstiger Zeitpunkt", so der Historiker. Die in Vorarlberg betroffenen Personen ließen sich wegen Definitionsfragen und der unterschiedlichen, von der NS-Justiz angeklagten Delikte nur schwer fassen, so Bundschuh.

Er nannte etwa den Wehrdienstverweigerer Ernst Volkmann, der mit dem Leben bezahlte, Hermann Sinz, der wegen Wehrkraftzersetzung hingerichtet wurde, oder Ernst Weiss, der zwar überlebte, aber stets unter Anfeindungen litt. Einen Impuls für die Diskussion erhoffte sich Bundschuh auch durch die am 30. September startende Ausstellung "Was damals Recht war ..." (bis 30. Oktober 2011) im Kulturhaus Dornbirn.

Vizebürgermeister Kiermayr stellte Überlegungen zum Standort der Gedenkstätte vor: "Das könnte der Platz an der Seestraße zwischen Post und Kunsthaus sein, an dem das Anton-Schneider-Denkmal steht." Zu Anton Schneider, der den Vorarlberger Aufstand gegen die napoleonischen Truppen anführte, gebe es immerhin in punkto ziviler Ungehorsam eine thematische Anknüpfung, so Kiermayr. Bregenz' Kulturstadträtin Judith Reichart von der ÖVP habe die Idee eines Denkmals "sehr begrüßt". Gestaltung, Finanzierung und Kommunikation seien aber noch völlig offen. Der Prozess auf dem Weg zu einem Denkmal werde sehr spannend. Gerade auf Gemeindeebene gebe es in Österreich noch erhebliches Potenzial, was die Aufarbeitung des Nationalsozialismus angehe, so Kiermayr. (red/APA)

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Posting 1 bis 25 von 26
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johann steiner
00
3.10.2011, 14:05
Oskar Werner

war so ein Deserteur, bis Anfang 1945 als fast "Gottbegnadeter " vom Wehrdienst freigestellt, dersertierte er nach Einziehung zur Wehrmacht sehr bald, ich nehme an weil er das Leben im Felde überhaupt nicht gewöhnt war.

johann steiner
00
3.10.2011, 14:03

nur weil jemand dem sinnlosen Krieg davongelaufen ist, braucht er noch kein Denkmal, hätte ich auch gemacht wenn sich eine Möglichkeit geboten hätte...

Der Waehlerwille
 
24
24.9.2011, 16:18
Ich wäre dafür alle Kriegerdenkmäler aus WKII zu entfernen,

und sie (wenn schon) durch Denkmäler für die Widerstandskämpfer sowie für Deserteure zu ersetzen.

Menschen die für die N-zi-Wehrmacht gefallen sind, sind keineswegs "automatisch" Verbrecher. Aber es gibt keinen Grund ihnen mit Eichenlaub/Deutschem Kreuz/ und Texten wie "fürs Vaterland gefallen" zu gedenken. Und schon gar nicht in jedem Dorf Österreichs.

Allen österreichischen Na-i-Wehrmachtssoldaten dürfte "wenn" dann nur an zentraler Stelle gedacht werden mit dem klaren Zusatz dass sie (ob freiwillig oder nicht) für ein Verbrecherregime in einem brutalen Angriffskrieg gefallen sind, abgesehn davon für ein fremdes Land, und keineswegs für Österreich.

Igor Gassner
12
27.9.2011, 10:04
Leber Freund unter umständen würde ich

da etwas dagegen haben und auch noch andere organisieren etwas dagegen zu haben. Denkmäler für Tote sind keine MC Donalds Filiale die man auf udn wieder zu machen kann. Viele Städte haben mittlerweile Zusatz Tafel für Wiederstandskämpfer oder zivile Bombenopfer.

Quintus Beckloeffel
154
23.9.2011, 16:19
Ein Denkmal kann man wohl aufstellen, so wie man auch für die gefallenen Soldaten Denkmäler aufstellt.

Problematisch wird das ganze dann, wenn damit der Anspruch verknüpft wird, bei den Deserteuren handle es sich eo ipso(!) durchwegs um ehrenwerte Persönlichkeiten. Denn Desertion kann aus allen möglichen Motiven und mit allen möglichen Mitteln erfolgt sein, von denen keineswegs alle ehrenwert waren. Der Prototyp des ideologischen Nazigegners, der sich unter Schonung Unschuldiger in der Frühphase des Krieges heldenhaft zu den gegnerischen Truppen durchgeschlagen hat, passt nicht auf alle Deserteure.

Nur der Umstand, dass die Nazis nicht mit einer Handlung einverstanden waren, genügt nicht zur Apotheose des Handelnden. Sonst müsste man auch für alle in der NS-Zeit eingesperrten Vergewaltiger Denkmäler errichten.

Der Waehlerwille
 
13
24.9.2011, 13:20
Da ist er schon wieder

derjenige der behauptet dass Deutschnationale nichts mit Na-i Sympathien zu tun haben.

Sie schiessen sich wirklich bei jedem neuen Posting selbst ins Knie.

Jeder Deserteur aus Dieser! Armee ist zu ehren. Es sei denn sie beharren darauf dass die Wehrmacht in der Nazizeit einen gerechten Krieg geführt hätte ... ich unterstelle dass sie das niemals tun würden, womit ihre obige Argumentation ad absurdum geführt wäre.

Siehe ganz speziell auch die Ermordung von Deserteuren in der sgn. Endphase als ganze Einheiten sich aufzulösen begannen. Es gab nicht Ansatzweise einen Grund diese Menschen noch auszulöschen.
Also muss man ganz speziell die Deserteure aus der Nazi-Wehrmacht ehren.

Der, der es besser weiß
20
29.9.2011, 01:03

Diese Deserteure waren Verräter! Diese Republik ist es eigentlich ja auch Verrat.

Quintus Beckloeffel
32
24.9.2011, 17:37

Kleiner Tipp: Mein Argument lesen, verarbeiten und dann posten. Aber bitte Schritt zwei nicht überspringen!

Der Waehlerwille
 
10
25.9.2011, 18:59
Keine Panik.

Ihre Untertöne werden schon Verstanden .. bemühen Sie sich nicht.

grumbleduke
 
13
24.9.2011, 18:55
Schritt 2 muss aber leider entfallen

weil das Gepostete bereits geistiger Abfall ist und nicht weiter verarbeitet werden kann. Der kompostiert halt so dahin in den Köpfen einiger weniger.

Ach ja .. nur weil man einen Standpunkt möglichst gespreizt und mit einer ordentlichen Prise "big werdz" versieht, heißt das noch lange nicht, dass man richtig liegt.

Quintus Beckloeffel
30
24.9.2011, 21:06
"nicht weiter verarbeitet werden kann"

Daran habe ich in Ihrem Fall keinen Zweifel.

agotsgrusiggächeganda
01
24.9.2011, 01:49

... im umkehrschluß handelte es sich also bei den mittels kriegerdenkmal geehrten personen also nicht nur durchwegs sondern in allen fällen um besonders ehrenwerte persönlichkeiten ? ...

... & wurde der name jeden kriegsverbrechers vom marmor des lokalen kriegerdenkmals gekratzt? ...

sei m'r ned bös aber a so an u:sgmachta schmarra wia der dienige isch m`r scho lang nümma unterko:

ps: beckmesser wär passender

Quintus Beckloeffel
50
24.9.2011, 09:06
"Umkehrschluss"

Logik ist nicht Ihre Stärke, gell?

Quintus Beckloeffel
50
24.9.2011, 02:22
Logik ist nicht Ihre Stärke, gell?

Bei dem, was Sie da formulieren, handelt es sich weder um einen Umkehrschluss noch folgt es sonst irgendwie aus dem, was ich geschrieben habe.

Ferner habe ich nicht verlangt, irgendwelche Namen aus Deserteurdenkmälern zu kratzen, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass es problematisch sei, mit solchen Denkmälern den Anspruch der generellen Wertschätzung zu verbinden.

Denkmäler können ja auch (wie der Name schon andeutet) einfach Denkanstöße vermitteln ohne der unkritischen Heldenverehrung zu dienen. Das gilt für Kriegerdenkmäler genauso wie für Deserteursdenkmäler. Aber leider werden Denkmäler von den Errichtern in der Regel als ideologische Kampfmittel instrumentalisiert.

khaleb
12
23.9.2011, 23:33
nö, die haben sich eben nicht zu den gegnerischen Truppen durchgeschlagen

sondern sich der Zwangsrekrutierung zu den gegnerischen Truppen entzogen.
Man sollte alle Kriegerdenkmäler für WK II niederreissen, haben doch die meisten nicht heldenhaft ihre Heimat verteidigen wollen sondern sind aus Angst vor der Strafe für Deserteure in den Angriffskrieg zu Errichtung der Nazi-Weltherrschaft gezogen.

badat
13
23.9.2011, 23:22

Jeder Deserteuer - egal aus welchem Grund - hat einen kleinen Teil zur Schwächung der Wehrmacht und damit zur Niederlage des dritten Reiches beigetragen. Da diese Niederlage die Voraussetzung für die Wiederherstellung der Republik Österreich war, sollte das Land eigentlich voll von Deserteursdenkmälern sein. Ist es aber nicht, was ein bezeichnendes Licht auf das nationale Selbstverständnis Österreichs wirft - ein Land in dem man für weite Kreise noch immer als Verräter gilt, wenn man sich nicht von der deutschen Besatzungsarmee zwangsrekrutieren hat lassen.

Der, der es besser weiß
00
29.9.2011, 01:07

Die Deutschen waren eben keine Besatzungsarmee. Sie wurden im März 1938 von der Bevölkerung begeistert empfangen und auch Karl Renner hat zum Anschluss aufgerufen.

Diese Armee war regulär und rechtmäßig "unsere" Armee.

badat
00
29.9.2011, 21:45
Falsch!

Die Wehrmacht war definitiv NICHT die Armee der Republik Österreich. Bloß weil ein großer Teil der Bürger de jure Verrat begangen haben, besteht weder für einen Patrioten die Pflicht, die Invasoren als "seine" zu akzeptieren und zu unterstützen, noch für die Republik die Pflicht, nach ihrer Wiederherstellung Wehrmachtsdesserteure als Verräter darzustellen. Zur Info: Desertion gilt im österreichischen Militärstrafgesetz explizit nur dann als Verbrechen, wenn es sich um Desertion aus dem Bundesheer handelt (§9 Militärstrafgesetz).

Der, der es besser weiß
10
29.9.2011, 21:59
Ein Großteil des Volkes kann nicht Verrat begehen, weil die Mehrheit des Volkes der Gesetzgeber ist. Deshalb ist das definitiv ausgeschlossen.

Was Sie nicht verstehen können ist offensichtlich, dass nicht ein Staat besteht und die Bürger sich dem zu fügen haben, sondern die Bürger einen Staat.

Der Staat schafft nicht die Bürger, die Bürger schaffen den Staat.

Damals war die absolute Mehrheit für den Anschluss und wäre Österreich Demokratie gewesen, was es ja nicht war, hätte man den Anschluss höchstwahrscheinlich demokratisch beschossen.

Und ein Staat, der zweimal von Feindmächten nur geschaffen wurde, um einen anderen, also Deutschland, zu schwächen, ist auch antidemokratisch entstanden und abzulehnen.

badat
00
29.9.2011, 22:32
Woher wollen Sie wissen,

dass die absolute Mehrheit für den Anschluss an das dritte Reich gab? Auch wenn wahrscheinlich die Mehrheit für ein gemeinsames Deutschalnd war, heisst das noch lange nicht, dass die Mehrheit auch zu DIESEM Deutschland gewollt hat. Es gab keine Volksabstimmung die auch nur die Mindestkriterien für einen korrekten und freien Ablauf erfüllte, ihre Aussage entbehrt jeglicher empirischer Grundlage. Abgesehen davon geht es mir heute darum, wie die Republik Österreich zu den Wehrmachtsdeserteuren stehen soll und dafür ist es blunzn, wie die Mehrheit damals vielleicht dachte.

monoton
11
23.9.2011, 22:37

da gibt es schon genug denkmäler für gefallene soldaten. aber wenigstens habt ihr braunen dann wieder etwas mehr um zu schänden und zu zerstören, das gefällt euch doch so gut

Bastardl
00
23.9.2011, 20:39
grauslicher Vergleich - gibt es denn auch ehrenwerte Vergewaltiger

und alleine dass einer erkannt hat dass es sich nicht lohnt fürs dritte Reich zu sterben hat für mich zumindest ein bisschen was ehrenwertes!

Quintus Beckloeffel
52
23.9.2011, 21:11
Die ehrenwerten Vergewaltiger muss es gar nicht geben um die Logik meines Argumentes abzusichern.

Solange die Begründung ist "Die haben was getan, was die Nazis störte", sind die Vergewaltiger ein hinreichendes Beispiel für die Unzulänglichkeit einer derartigen Begründung.

Die Einsicht, dass es sich nicht lohnt, für das dritte Reich zu sterben hat per se nichts ehrenwertes, sondern ist Ausdruck reinen Nutzenkalküls. Wenn sich ein Killer von der Mafia abwendet, weil der Mafiaboss nicht genug bezahlt (es sich also nicht lohnt) und deshalb lieber auf eigene Rechnung weitermordet, hat ja auch nicht "ein bisschen was Ehrenwertes".

Sie sehen: es kommt ganz auf die Umstände im Einzelfall an, ob eine Desertion löblich, moralisch neutral oder gar verwerflich ist.

irata
31
24.9.2011, 12:48

Desertion oder Fahnenflucht gibt es überall, und es ist eigentlich immer unter Strafe gestellt.
Wobei ich noch niemals von ehrenhaften Motiven oder gar Denkmälern gehört hätte.
Nur wenn es um die "Nazis" geht, ist alles anders.

Quintus Beckloeffel
11
25.9.2011, 07:40
O sancta simplicitas!

Was gibt es für eine schönere Illustration für die von mir oben diagnostizierte Ausschaltung jeglicher intellektueller Verarbeitung im Reflexbogen von Postername lesen/Posting bewerten als eine Rotstrichernte für ein Deserteurlob?!

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