Im Kampf mit dem HP Support-Bot

Daniel AJ Sokolov, 25. September 2011, 15:48

Die speziellen Belange des HP Business Support kosten den Kunden mehr in Zeit, als ein neuer, billiger Laptop in Geld

Journalisten arbeiten mit Computern. Und reisen viel. Also ergibt ein verlässlicher Business Laptop mit weltweitem (!) Support Sinn. Warum also nicht HP? Ganz einfach: Die speziellen Belange des HP Business Support kosten den Kunden mehr in Zeit, als ein neuer, billiger Laptop in Geld.

Chronologie

24. September 2010: Journalist kauft günstiges HP Business Notebook mit 1 Jahr weltweiter HP Garantie.

Anfang Jänner 2011: Die Festplatte des Notebook produziert nach nicht einmal vier Monaten einen kapitalen Headcrash. Click-Click-Click - die Daten sind nicht zu retten. Der Kunde ist sauer, doch von HP kommt schon am nächsten Morgen eine neue Festplatte an den in Neuschottland, Kanada aufhältigen Kunde. Dieser ist beeindruckt und denkt sich: "Ich würde wieder HP kaufen."

Im Sommer 2011 beginnt die neue Festplatte zeitweilig zu clicken. Sie kündigt wohl ihren nahenden Tod an.

Ende August 2011: Ein neuer Desktop PC soll angeschafft werden. Ein überkandidelter Six-Core-CPU-8-GB-RAM- Bolide von HP ist Favorit. Während der Online-Recherche schmiert das HP Business Notebook ab und will nicht mehr booten. Ein Test des RAM ergibt Schreib/Lesefehler.

Anruf beim HP Support

Kunde muss sich durch mehrere Spracherkennungssysteme von HP Total Care quälen, die das Notebook-Modell nicht kennen. Schließlich erbarmt sich der Computer und vermittelt zu einem Inder, der erst alle Daten abfragt und dann zu erkennen gibt, dass er nur für Consumer zuständig ist. Er verbindet zum Business Support. Dort verrät eine Inderin: "Ihre Garantie ist Ende Juli abgelaufen, weil Sie unseren Daten zu Folge das Gerät im Juli 2010 gekauft haben." Stimmt aber nicht. "Suchen Sie die Rechnung heraus und rufen Sie uns wieder an", verlangt das HP-Fräulein, "Nein, per E-Mail oder Fax können Sie die nicht schicken."

Neuer Anruf beim HP Support

Nach über 1 Stunde Warteschleife ist der Handy-Akku leer. Doch das Tonband hatte den Online-Chat-Support empfohlen. Also auf zur HP Website - mit einem winzigen Reservergerät von JVC, das nach sieben Jahren langsam, aber noch immer klaglos arbeitet. Der HP-Chat-Bot will zuerst die HP-Seriennummer wissen - und verweigert dann den Dienst, weil die Garantie abgelaufen sei. Er verweist auf den E-Mail-Support.

Der "E-Mail-Support" ist wieder ein Online-Formular, das ebenfalls den Dienst verweigert. Die Garantie ... Sie wissen schon. Doch Hilfe naht: Es gibt ein Warranty Dispute Form!

Dazu muss die Rechnung erst in ein PDF verwandelt werden, was mangels Scanner ausscheidet. Doch es gibt ein E-Mail mit Bestellbestätigung. Für die Umwandlung in ein PDF wird am Reservergerät entsprechende Software installiert. Dann wird der Fall bei HP online eingereicht.

Am nächsten Tag, dem 2. September, kommt die Antwort von Nagaratna von "HP Total Care": "Wir können Ihren Fall nicht bearbeiten, weil wir für Consumer zuständig sind. Sie sind aber Business Kunde. Bitte faxen Sie ihre Unterlagen an..." Das Ersuchen, die Unterlagen doch bitte intern weiterzuleiten oder zu faxen wird HP Total Ignored.

Mangels Faxgerät muss der wenig erbaute HP-Kunde unverrichteter Dinge seine nächste Reise antreten.

Nach der Rückkehr funktioniert das HP Notebook wieder. Doch angesichts der zeitweilig auftretenden Festplatten-Geräusche und der bekannten RAM-Fehler ist das wohl nur temporär. Also wird wieder der HP Support angerufen. Dank der erworbenen Übung wird das HP Spracherkennungssystem schon schneller überwunden. Ein weiterer Inder ruft schließlich das Kundenkonto auf, vom Festplattentausch im Jänner sind ja schon alle Daten vorhanden. Er vergibt eine neue Vorgangsnummer und verspricht die Zusendung eines E-Mails, auf das der Business Kunde doch mit einer Kopie der Rechnung als Attachment zum Bereis der Garantie antworten solle. Nach 26 Minuten ist das Gespräch beendet.

Das E-Mail kommt nicht

Ich habe mich übrigens für einen Desktop PC Marke Eigenbau entschieden. Statt sechs CPU Kernen mit 8 GByte langweilen sich dort nur vier Kerne mit 4 GByte RAM. Zum halben Preis und weitaus nervenschonender. Wenn ich von der nächsten Reise zurück bin, ist die HP Garantie abgelaufen. Garantiert. Dann ist nämlich Oktober. Und Neuschottland erstrahlt im Indian Summer. Das ist wahrlich eine Reise wert.

Meinen HP Laptop lasse ich übrigens hinkünftig zu Hause. Als böse Überraschung für etwaige Einbrecher. Ich nenne das HP Total Scare. (Daniel AJ Sokolov/ derStandard.at, 25. September 2011)

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Kann ich nicht nachvollziehen.

Kaufe schon seit Jahren HP Business Notebooks der Compaqbaureihe.
Die haben normalereweise 3 Jahre weltweite Garantie.
(ohne nextday) Bis auf einen Ausnahmefall wurden die Geräte innert 5 Arbeitstagen repariert, bei "Selbstreperatur" ging es auch schneller.

Etwas Information braucht man allerdings schon. HP ist der grösste Hardware Hersteller. Ein Home Notebook hat absolut nichts mit einem Business Notebook zu tun.
(ist etwa wie ein B-klasse Mercedes und ein SMART)
Die richtige Hotline muss man schon selber heraussuchen.
Mit zusätzlichem CarePaq funktionierts normalerweise moch einfacher.
http://www8.hp.com/at/de/con... ssist.html
bzw. vier Buchstaben ändern
http://www8.hp.com/us/en/con... ssist.html

Was man nicht alles muss...

Sehr gut geschrieben. Message für mich klar und gut verpackt.

Ich habe einen Lenovo Thinkpad T60 seit Februar 2007.
Am Tag zwischen 6 und 12 Stunden in Betrieb.
Probleme bisher: Keines.
Ja, doch: Ich hab noch a uraltes Gentoo neben Windows XP drauf, und werd mir wegen Ubuntu und Windows 7 doch einen neuen kaufen.

Hier schrieb jemand:
Eingeschalteter Laptop ist Standgerät.
Ich seh das nicht so.
Die Lenovos parken den Festplattenarm bei Erschütterungen außerhalb der Spindel, und machen erst wieder I/O, wenn der Sensor Ruhe anzeigt.
Mir ist er runtergefallen vom Schreibtisch: Ladekabelstolperer, blöd gewesen.
Ich dachte, er sei hin, aber der gerade laufende Download stockte nur kurz und lief dann einfach weiter.

Einmal Lenovo, immer Lenovo, arbeite seit 2002 damit.
Der nächste kriegt aber eine SSD.

Das ist nichts besonderes mehr.... machen die HP Notebooks auch schon seit Jahren. Bei den Business Geräten heißts 3D Drive Guard und bei den Pavillions gibts das auch, nur mit anderen Namen.

ein Journalist ohne Scanner ist wie ein Milchbauer ohne Heugabel

Noch dazu, wo heutzutage jedes handy ein Scanner-ausstechendes Foto des Dokuments machen könnte :-) Ohne installation von Zusatzsoftware um ein pdf aus einem e-mail zu machen (?!?).

systematisches sich-aus-der-verantwortung-stehlen

haben die grossen ganz gross drauf.

Interessante Geschichte, aber: Kann es sein, dass Journalist nicht weiss, wie man mit einer eingeschalteten Festplatte umgeht?
Die vielen Headcrashs lassen es vermuten.
Tipp: Ein Laptop mit Festplatte ist in eingeschaltetem Zustand ein STANDGERÄT. Bewegen darf man ihn nur wenn die Festplatte geparkt (also der Computer ausgeschaltet) ist. (Oder man verwendet eine SSD statt der HD.)

Das stimmt nicht. Die Headcrashes von mobilen Platten haben nichts damit zu tun, ob der Benutzer das Gerät gerade bewegt oder nicht. Im Gegenteil: Sie können jederzeit auftreten - das ist mit einer der Gründe, warum Backups unerlässlich sind, unabhängig vom Alter oder Gebrauch der Platte.

Naja, stimmt nicht. Nicht bei Notebook Festplatten mit entsprechenden Management. HP nennt es Smart 3D Guard (o.ä.) Festplatten Lamperl geht bei Erschütterungen auf Gelb und setzt Zugriffe aus.

Danke, das weiß ich. :-) Es ist auch nicht mein erster Laptop - aber der erste, bei dem Platte kaputt gegangen ist.

Ich habe sehr gute erfahrungen mit MSI gemacht. Laptop gekauft nach 1woche ging die Graka shorten, nur noch grüner bildschirm usw. ..

Über Redcon, wo ich den Laptop gekauft habe, eingeschickt. 1 woche später komplett neues gerät bekommen. top support.

genauso mit meinem lg handy: handy funktionierte nur wenn es unter 10°C hatte, sonst bildschirm schwarz, hatte zwar keine garantie mehr probierte es trotzdem ^^ .. 1 woche später komplett neues handy obwohl ich keine garantie mehr hatte :DD

Kann einem auch bei anderen teuren Laptops passieren, .....

ich habe mir einen über 1.500 € teuren Multimedialaptop der Firma Acer gekauft ....... nie wieder!

teilweise mehrfach integrierte Boxen kaputt, BlueRay Laufwerk war von Anfang an Defekt (war extrem laut und vibrierte sehr stark), BlueRay Filme laufen erst seit Win7 (selbst gekauft) und Grafikkartentreiberupdate flüssig, Laptopbeleuchtung fällt mehrfach aus bis Heute (damals Kabeltausch, jetzt scheint der Inverter zu spinnen), Wackelkontakt Netzstecker (inzwischen selbst behoben, da keine Garantie mehr)..... usw....

Von Acer kauft man keine Laptops. Und Begriffe wie "Multimedialaptop" sind nur für Grossmütter gedacht, die denken, dass man mit einem Laptop sonst keine Videos abspielen kann, wenn nicht Multimedia draufsteht.

- "teilweise mehrfach ... Boxen kaputt" - was bedeutet teilweise mehrfach?
- es heisst BluRay - nicht BluE

Mein altes HP-Business-Laptop schaffte es, noch innerhalb der Garantiezeit von 1 Jahr 4x zu krepieren: 1: Festplattencrash. 2:Mainboardfehler. 3: Netzteil kaputt. 4: Lüfter lief nicht mehr.

Den Support habe ich nicht kennengelernt, habe das Gerät direkt an einen Vertragspartner von HP geschickt. Aber ich hatte den Eindruck, daß sich das Gerät mehr in Reparatur befand, als damit gearbeitet wurde.

Nun besitze ich seit 1,5 Jahren ein Thinkpad. Ein tolles Gerät, wenn auch damals wesentlich teurer als ein HP. Nach Ablauf der Garantie kann man es, wenn man will, selber reparieren, Das Handbuch dafür kann man sich runterladen.

Netzteil - damit habe ich bei HP auch eine interessante Erfahrung gemacht. Das HP-Netzteil ist das einzige Gerät, das nicht mit der unabhängigen Stromversorgung kooperiert. Fällt der Netzstrom aus, nimmt das Netzteil den Strom der USV einfach nicht an.

Yep, solche Netzteile soll es geben. Liegt angeblich an der stufenförmigen Sinuswelle, die die USV produziert. Manche Teile spinnen da. Danke für die Warnung.

Kleiner HP-Beitrag meinerseits: bei meinem Consumer-NB BJ 2005 oder 6, mit WinXP, aber bereits "Prepared for Vista" (laut Pickerl), ging der Ton nicht mehr, wenn man Vista draufgetan hat. HP Support: Garantie leider abgelaufen, kann man nichts machen!

"24. September 2010: Journalist kauft günstiges HP Business Notebook mit 1 Jahr weltweiter HP Garantie"

Damit fängt der Fehler schon einmal an! Wenn ich Journalist bin bzw. jemand der viel unterwegs ist, kaufe ich mir einen ordentlichen Laptop - schätzungsweise ab € 1.000,00 mit 3 VOS - und nicht einen Einsteiger-Business Laptop!

Und als nächstes lesen wir hier wahrscheinlich, wie der Journalist sich einen Apple Macbook zugelegt hat und wie toll nicht der Apple Support ist - oder???

Das 3-Jahre-VOS gilt nur in EMEA = uninteressant. Aber ich würde jetzt auch kein Garantiepaket von HP mehr kaufen, denn genau die Garantieabwicklung wird ja mit Ausreden und unüberwindbarer Bürokratie verunmöglicht. Leider gibt es bei Notebooks ohne Windows oder MacOS nicht viel Auswahl. Wenn man ein Linux-Notebook mit Dual-Core CPU, mattem Schirm mit mindestens 1366er-Auflösung, mind 3 GB RAM und <2,5 kg möchte, kann man laut Geizhals zwischen Acer und HP wählen. Acer.at bietet keine Infos über Linux-Produkte. Mit FreeDOS bzw. nackt gibts einige Lenovo-Modelle, die werde ich mir mal näher anschauen. Da ist halt unsicher, ob es Linux-Treiber gibt.

"nackt gibts einige Lenovo-Modelle, die werde ich mir mal näher anschauen. Da ist halt unsicher, ob es Linux-Treiber gibt."

Ist es nicht.

Aber als Journalist sollte man sich Linux, rein emotionell gesehen, schon überlegen:

<zitat>The first question to Linus, as we sat in the backseat, was a throwaway. “Are your folks in technology?” I asked while fiddling with my tape recorder.
“No, they’re all basically journalists,” he replied, adding: “So I know what scum you are.”</zitat>

War aber vermutlich nicht ganz ernst gemeint.

Sorry aber wie oft noch, die Aussage, dass HP keinen vor Ort Service außerhalb EMEA's anbietet ist einfach falsch.
Es gibt für alle Business Books sogenannte Travel Carepacks, die geben einem vor Ort Garantie weltweit.

Von der Existenz von "Travel Care Packs" wusste ich bis vor kurzem nichts. Ich hatte mich mit dem HP Vor-dem-Kauf-Support beraten (online via Chat), die haben das nicht angeboten. Auch der Händler hat es mir nicht offeriert. Die Sache ist aber die, dass ich gar keinen "Travel Care Pack" gebraucht hätte. Einfach die ganz normale, weltweite Garantie. Wenn sie schon die verunmöglichen, warum soll dann ein "Travel Care Pack" so viel besser sein?

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