"Wiener Wiesn"

Je später der Abend, desto voller das Bierzelt

23. September 2011, 18:20
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    foto: apa/herbert neubauer

    Essen, Trinken und Trachten: Wiesn-Idyll jetzt auch im Prater.

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    foto: der standard/andy urban

    Ein Zwilling kommt selten allein, schon gar nicht zur Wiesn, egal ob die jetzt in Wien oder München stattfindet. Die Marketenderinnen Edith und Ernestine animieren zur Blasmusik.

Von so viel Platz wie auf der Wiener Wiesn, die am Freitag Premiere feierte, können die Besucher in München nur träumen

Wien - Während sich beim Münchner Original die Besucher schon im Morgengrauen vor den noch geschlossenen Zelten drängen, geht es bei der Premiere der kleinen Schwester in Wien gemächlicher zu.

Am Freitagvormittag eröffnete die erste "Wiener Wiesn" im Prater. Schon von weitem dröhnt dumpfes Humptata aus den drei Zelten, die auf der Kaiserwiese vor dem Riesenrad aufgestellt wurden. Nur langsam füllen sich die Reihen, ist ja auch erst Freitagmittag und die vorherrschende Farbpalette erstreckt sich von Hellbeige über zartes Vanillegelb bis hin zu Graubraun. Die Pensionisten, bis zu diesem Zeitpunkt eindeutig in der Überzahl, haben es nicht so mit der Tracht. "Unsere Kinder haben schon so was, aber die fahren auch lieber nach München" , erzählt ein älteres Wiener Ehepaar, die mit strahlenden Augen vor ihrem Krügerl und einem Wiener Schnitzel sitzen.

Schweinsbraten gibt es auch, ganz wie in München. Und Gulasch, Wiener Suppentopf, Sacherwürstel. Weil sie "schon schlecht hören" , sei das auch mit dem stetig ansteigenden Geräuschpegel im Zelt kein Problem. Auf der richtigen Wiesn waren sie zwar noch nie, gestehen sie, aber dafür schon auf Volksfesten am Land. Volkstümlichkeit jetzt direkt vor der Haustür - das freut die beiden Stadtbewohner.

Entgegen der Annahme, dass nur eingefleischte München-Fans in den Prater pilgern, um endlich das Theresienwiesn-Feeling in Kopie zelebrieren zu können, finden sich nur wenige, die das Original kennen. Selbst der Geschäftsführer der Wiener Wiesn war nur einmal bei den Nachbarn, und das auch nur, um sich mal anzuschauen, wie die das so machen, die Bayern. Er mag Feste, sagt Johann Leitner, der die Idee vor zwei Jahren im Freundeskreis geboren hat. Aus der Überlegung, sich nicht in den Zug setzen zu wollen wird ein 18-monatiges Projekt, um in den kommenden Jahren nur mehr die U-Bahn nehmen zu müssen. Man sieht ihm den Stress an, wie den meisten aus dem Organisationsteam. Schließlich muss das flutschen mit dem Debüt. Der Platz für nächstes Jahr sei schon reserviert. Ziel sind 100.000 Zeltgäste, die in den zehn Tagen kommen sollen.

20.000 Liter Bier, bitte

Das Bier kann ihnen nicht ausgehen, versichert der Chef des Wiesbauerzeltes. 20.000 Mass, also Liter, will er verkaufen. Masskrüge sieht man um diese Zeit noch wenige auf den Tischen, da wird noch zaghaft verschämt ein Krügerl um 3,90 Euro bestellt. Aber am Abend, so die Hoffnung, wird der Gerstensaft nur so fließen. Das hoffen auch die Kellner hinter dem Ausschank.

Am Ende der zehn Tage voller Blasmusik und Blasen an den Füßen wartet ein kleiner Topf mit Gold auf die Wiesn-Arbeiter. Wie viel sie genau verdienen wird, weiß Manuela, 20, noch nicht. "Aber 2000 Euro lege ich aufs Sparbuch, mit dem Rest geh ich shoppen" , freut sich die Dirndl-Trägerin. Auch sie war noch nicht in München, ebenso wenig die schmucken Marketenderinnen Edith und Ernestine, die sich in niederösterreichischen Zwirn geworfen haben. Noch schieben sie sich allein über die kleine Tanzfläche, später werden wohl auch andere mitschwingen, glauben sie.

Bier soll ja bekanntlich helfen, die urbanen Hemmungen über Bord zu werfen. Aber besser in Maßen, wie das im Nebenzelt deutlich wird. Dort schlägt schon der erste Gast sichtlich unrhythmisch mit dem Ellbogen zu den Klängen der dortigen Blasmusikkapelle auf den Tisch.

Sorge vor zahlreichen Bierleichen, wie das auch in München zum Wiesn-Bild gehört, haben die Betreiber in Wien allerdings nicht: Die Kellner und Security-Leute wären alle auf solche Szenarien vorbereitet und haben die Anweisung, ab einem gewissen Punkt kein Bier mehr auszuschenken.

Ausnüchtern kann sich Mann oder Frau dann nebenan im Wurstelprater, der den Wiener das ganze Jahr zur Verfügung steht. Im Gegensatz zu den Bayern. (Julia Herrnböck/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25. September 2011)

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Posting 1 bis 25 von 191
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um-schul- vermutung
00
2.10.2011, 20:52

hab kurz hingeschaut
fesche madln und burschn bis hin zu peinlich-schrägen trachtenträgern (aber auch gut so..!)
zelteintritt= abzocke daher bin ich nicht rein
leider im prater unter lauter proleten

EuroExpert
00
28.9.2011, 14:42
Feedback

Ich hab leider keine Gelegenheit die Wiener Wiens zu besuchen hätte aber gerne infos ! Wer war dort ? Wie ist das Feedback ? Ist die Wiener Wiesn Topp oder Flopp ???? Danke

Kantinenessen
00
27.9.2011, 12:21
Wird schon werden.

Momentan sicher ganz gemütlich, in einigen Jahren nicht auszuhalten (siehe Donauinsel-Fest).

Kann mir aber eh wurscht sein, weil ich weder ein Dirndl besitze, noch Bier trinke.

Miguel Rodrigez
01
27.9.2011, 09:03

Die Stimmung war ausgezeichnet. Der einzige Wermutstropfen ist das Gösser Bier, da hätte man eine andere Brauerei verpflichten sollen. Es hätte aber auch schlimmer kommen können --> Goldfassl z.B. dann wäre ich sicher nicht hingegangen

au contraire
00
28.9.2011, 16:05

Denke ich auch. Auf der WIENER Wies'n steirisches Bier zu kredenzen ist eigentlich ein Sakrileg. Dass man sich da nicht für Ottakringer entschieden hat, versteh ich nicht.

Eigentlich MAG ich ja das Gösser, aber in diesem Fall ist es eben fehl am Platz. Man stelle sich vor, am Münchener Oktoberfest würde Kölsch ausg'schenkt...

gsuffa samma
42
25.9.2011, 13:20
ich weiß, das darf man nicht sagen...

weil die leut schon so hinüber sind, merkens garnicht, wie sie über den tisch gezogen werden: in wien ist immer noch die dickste kohle mit alk zu machen! "mündige" menschen treffen sich zur volksverblödung. geistige nockapatzln.

Mathias Steinlaus
 
00
26.9.2011, 12:33
wo ist disbezüglich der große Unterschied ...

... zum Bermudadreieck und diversen Discotheken?

Marlon62
00
25.9.2011, 10:12
Je später der Abend, desto voller das Bierzelt

Oder: Je später der Abend, umso voller die Gäste, was auch erklärt, warum die späten Gäste schöner sind; die wurden schöngesoffen.

nussknacker8
52
26.9.2011, 11:52

unglaublich dass die wiener beamten wieder die augen zumachen und das rauchen erlauben...! Gesundheitsschutz scheint für den wr bürgermeister ein fremwort zu sein.

Modjo
02
27.9.2011, 10:48
Wo machen die Behörden die Augen zu?

Das österreichische Gesetz erlaubt in Bierzelten das uneingeschränkte Rauchen.

Die grundsätzlich auch für Veranstaltungen geltenden
Nichtraucherschutzbestimmungen des Tabakgesetzes kommen nur dann nicht zur Anwendung, wenn die Veranstaltungen nicht in Räumen im Sinne des Tabakgesetzes stattfinden. Unter einem Raum versteht das Tabakgesetz ortsfeste umschlossene Baulichkeiten. Aufgestellte Zelte erfüllen diese Anforderungen in der Regel nicht.

Marlon62
02
26.9.2011, 16:24
Genau,

weil fetter Schweinsbraten und Alkohol in Unmengen bei ohrenbetäubender Musik sind ja so wahnsinnig gesund.

Inconnu
14
25.9.2011, 10:04
Mir hats Spaß gemacht

Klar, Literatenfest darf man sich keines erwarten - aber mit der richtigen Gesellschaft und ab einem gewissen Alkoholspiegel, wars eigentlich ziemlich lustig

Presumption of Innosence
13
25.9.2011, 00:33
Vor den Zelten kann man auch Bier trinken,

die Musik ist gedämpfter, ABER bei diesem Keiserwetter sieht man all die zünftigen Lederhosen und hübschen Dirndlträgerinnen.
Mal was anderes und - es wird sich durchsetzen.

Das Münchner Fest ist viel schlimmer, mit 1000en Angeheiterten. Wien ist OK!

gsuffa samma
11
25.9.2011, 13:23
ah, in wien ist keiner angsoffen gwesn?

das haben sie dank ihres alkoholspiegels nur nicht mitbekommen!

immer schön freundlich
19
24.9.2011, 22:55

warum soll ich ich für die wiesn 25 eur für einen tischplatz zahlen wenn ich die authentische wiesn im schweizerhaus ohne tisch-gebühr bekomme?

texteundtee
01
24.9.2011, 22:03

Eine ins Praterdome mit dem ganzen **** und frei is die Kaiserwiesn wieder fürs Filmschauen.

Warum wurden die Filme verboten, weil angeblich die Wiese geschont werden müsse?!!!

FerdlGriesgram
00
25.9.2011, 15:29

angeblich, weil beim umtata schunkeln die füße weiter in der höh' sind als beim filmeschauen. oder so, und überhaupt.

Achtung Ironie !
16
24.9.2011, 14:37
Toll - besoffene Menschen in einem Zelt...

...fehlt nur noch die Kiff- und Kokswiesn.

Frau Trude
31
24.9.2011, 14:23

die christlich abendländische kultur zeigt sich von ihrer "besten" seite.

Brennessel und Rasierklinge
44
24.9.2011, 21:38
Fehlt nur mehr noch der HC...

mitsamt seinem weissen Ku-Klux-Klan-Kreuz, um uns zu zeigen, Was christliche Kultur ist..,

.

Bastardl
22
24.9.2011, 14:17
ne Chance für "Wien ist anders" verpasst

Ohne Schunkelmusik und kitschige Trachten, dafür anspruchsvollere, vom Jazz beeinflusste "Volksmusik" und eine Priorität auf kleine private Brauereien...

Statt dessen laufens jetzt auch in der Stadt mitn Dirndl herum und man bekommt das Gefühl das die Provinzialität und das Biedermeier in der "Weltstadt" Wien fröhliche Urständ feiern!

riddler2008
 
11
25.9.2011, 05:26
Gut dass

Weltstadt unter Anführungzeichen steht...

Christoph ************
11
24.9.2011, 20:04

Dirndl und Tracht sind kein Zeichen von Provinzialität, die findet man auch regelmäßig zur Ballzeit in Wien. Etwas anderes ist natuerlich der Alpenballermann im Festzelt...

John Denver
14
24.9.2011, 12:39
Bin ich froh, dass die kein Ottakringer ausschenken!

Der Tourist
11
24.9.2011, 12:36
1 Liter Bier != 1 Maß Bier

2000 Liter Bier entsprechen am Oktoberfest ca. 24000 Maß Bier, da der Wirt auf seine Kosten kommen will. Wird wenigstens im Prater das einschenken kontrolliert?

Bilder vom so geselligem Oktoberfest findet man bei www.muenchenkotzt.de .

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