Facebook macht User zu Stars ihrer eigenen Reality Show

23. September 2011, 11:50
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    Die Timeline ersetzt die Pinnwand der User-Profile

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    Über Open Graph-Apps sollen Nutzer noch differenzierter mitteilen können, was sie gerade machen - welchen Song sie hören, welche Filme sie sehen oder welche Artikel sie lesen

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    Datenschutzbedenken will Facebook mit weiteren Einstellungsmöglichkeiten aus dem Weg räumen

Open Graph-Apps sollen das Netzwerk aber auch die Werbung persönlicher gestalten

Es ist wohl eine der größten Neuerungen von Facebook seit dem Start des sozialen Netzwerks. Auf der Entwicklerkonferenz f8 hat das Unternehmen Änderungen angekündigt, die die Nutzung der Plattform zu einer vollkommen neuen Erfahrung machen sollen. Facebook will nun automatisiert die Biografien der Nutzer schreiben, indem sie über neue Apps teilen, welche Musik sie hören, welche Artikel sie lesen, welche Filme sie sehen oder wie lange sie Joggen waren. "So erzählt man die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite", erklärte Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf der f8.

Wie ein langes Gespräch in einer Bar

Facebook neu soll die User - so die Vision von Zuckerberg - enger aneinander und freilich auch enger an die Plattform binden. Das aktuelle Profil eines Facebook-Users anzusehen, sei wie ein Fünf-Minuten-Gespräch mit einem Fremden, in dem man die wichtigsten Dinge wie Wohnort, Beruf und Familienstand erfährt, meint Facebooks Vice President of Product, Chris Cox, gegenüber Wired. Mehr stecke jedoch nicht dahinter. Die neuen User-Profile wären hingegen eher mit einer stundenlangen Unterhaltung in einer Bar zu vergleichen - man soll mehr über seine Freunde erfahren als je zuvor.

Lebens-Chronik

Statt der bisherigen Pinnwand werden User-Profile in Zukunft in einer Timeline (in deutscher Version Chronik genannt) organisiert. Dabei werden Aktivitäten automatisch chronologisch sortiert - das Layout soll einem Magazin ähneln. CEO Zuckerberg ist davon überzeugt, dass man so nicht nur die Vorlieben und Unternehmungen seiner Freunde besser kennenlernen kann, sondern auch mehr Zeit mit dem eigenen Profil verbringen wird, um sich an vergangenen Ereignisse zu erinnern. User können die Beta-Version auch schon jetzt aktivieren - eine Anleitung findet man hier.

Relevantere Informationen

Der Newsfeed soll dabei für die User relevantere Informationen zeigen. Durch die Überarbeitung der Freundeslisten nach dem Vorbild der Kreise von Google+ soll es einfacher sein, bestimmte Aktivitäten nur gezielt einer Gruppe - etwa den engsten Freunden oder Arbeitskollegen - mitzuteilen. Unwichtigere Dinge - etwa xyz ist nun mit abc befreundet - werden im neuen Ticker am Seitenrand dargestellt.

The Open Graph

Die User Experience von Facebook wirklich erneuern soll das Konzept des " Open Graph". Damit bietet das Unternehmen Entwicklern und Unternehmen die Möglichkeit ihre Dienste und Services über eine neue Art von Apps wesentlich tiefer in die Plattform zu integrieren. Gleichzeitig sollen die Apps für User weniger lästig werden als die aktuellen Facebook-Anwendungen. Bisher war das primäre Ziel der Apps die Nutzer dazu zu bringen, sich anzumelden. Die Mini-Programme laufen jedoch in separaten Fenstern und posten bestimmte Informationen an die Pinnwand der angemeldeten Nutzer. Dabei wuchsen sich so manche Apps zu wahren Spam-Schleudern aus.

Neue Generation von Apps

Zu den ersten, neuen Apps zählen Musik- und Film-Dienste sowie News. Mit an Bord sind Unternehmen wie Spotify, Rhapsody, MOG, Radio, Netflix und die Washington Post. Bei Nutzung der Apps stimmen User zu, dass in ihrer Timeline veröffentlicht wird, welche Songs sie hören, welche Filme sie sehen und welche Artikel sie lesen. Andere User können die Inhalte anklicken und ebenfalls anhören oder ansehen. Bei der neuen Generation von Facebook-Apps soll der "Graph Rank" erkennen, was für die User interessant und was unwichtig sein könnte. Lesen beispielsweise mehrere Freunde denselben Artikel, wird er im Newsfeed prominenter dargestellt.

Werbung

Zu wissen, welche Songs die Freunde gerade hören, soll nicht nur für die User eine intensivere Erfahrung bedeuten. Auch Werbetreibende werden davon profitieren, da sie so ein noch differenzierteres Bild der Nutzer erhalten und Anzeigen stärker personalisieren können. Denn darüber sollten sich Nutzer keine Illusionen machen: das Milliarden-Unternehmen Facebook wird über Werbung finanziert. Zuckerberg mag die Vision haben, die Internet-Bewohner enger zusammenrücken zu lassen, doch nicht dabei aus den Augen zu verlieren, wie man daraus Profit schlagen kann.

Lizenzrechtliches

Vor allem bei Inhalten wie Musik und Filmen könnte es jedoch für eine weltumspannende Plattform wie Facebook ein ernsthaftes Problem geben. Denn nicht alle Dienste werden in allen Ländern angeboten. Grund dafür sind unterschiedliche Lizenzierungen durch die Rechteverwerter. So ist der Musik-Dienst Spotify derzeit nur in den USA, Großbritannien, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Schweden verfügbar. Aber auch an anderen Gesetzen könnten Facebooks Ambitionen scheitern. Der Film-Dienst Netflix kann nur in den USA, Kanada und Lateinamerika genutzt werden. Paradoxer Weise ist die Netflix-App in den USA jedoch verboten, da dort aufgrund des Privacy Protection Acts von 1998 nicht veröffentlicht werden darf, welche Filmtitel eine Person in einer Videothek ausleiht. Darunter fällt auch Netflix. Facebook hofft jedoch, dass das bald geändert wird, da sich die Nutzungsgewohnheiten seit Ende der 90er stark verändert haben und viele User mittlerweile aktiv mitteilen wollen, welche Filme sie gesehen haben.

Datenschutz

Wie bei allen Änderungen, die das soziale Netzwerk betreffen, gibt es auch im Vorfeld der aktuellen Neuerungen Datenschutzbedenken. So werden die Open Graph-Apps von Haus aus die Einstellungen aufweisen, dass alle Inhalte mit allen Freunden geteilt werden. Doch ist es nachvollziehbar, dass Facebook-Nutzer genau das nicht wollen, dass alle Songs und Filme in ihrer Timeline auftauchen. Facebook betont zwar, dass man sehr präzise einstellen kann, welche Inhalte man mit welchem Freundeskreis teilen will, doch gilt es auch als Tatsache, dass derartige Standard-Einstellungen oft beibehalten werden. Wer das nicht will, wird sich eingehender mit den Privatsphäre-Einstellungen beschäftigen müssen und das kostet Zeit. Etwas, das Facebook eigentlich nicht in Anspruch nehmen will, denn die User sollen nicht Stunden in den Einstellungen, sondern auf ihren Profilen und denen ihrer Freunde zubringen. (br)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 157
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Frodo Der Hobbit
00
26.9.2011, 22:46
mobbokratie und herdenmaschine

wenn jeder alles von jedem weiss (woraus sich dann eine "matrix" definiert, weil alle anderen sind marginalisiert oder gehören zu den führenden wenigen), dann gibt es auch enormen gruppendruck, und wenn man die fähigkeiten der werbeindustrie und propaganda einbezieht, zu einer gängelung und ausbeutung dieser masse.

Daniela Me
00
24.9.2011, 13:33

Meiner Meinung nach kann man schon genug von sich preisgeben durch FB. Da sind diese Erneuerungen völlig unnötig..

derunbestechliche
00
24.9.2011, 12:31
Offenbar hat Google+ die 50 Mio. Marke überschritten.

Google+ Approaching 50 Million Users: Paul Allen
http://goo.gl/3VpKh
[eweek.com]

Cayenne69
00
24.9.2011, 11:41

das wars wohl mit fb

Beiddenker
00
24.9.2011, 11:38
Jeder wie er will, aber was ich mich Frage, wie kann ...

... so etwas Milliarden "wert" sein???

Stephan T.
 
00
25.9.2011, 20:18

Marketing. Werbung.
Zig Millionen User die einen Dienst täglich nutzen. Was glaubst was da an ad revenue zusammenkommt?

Gegenflieger
00
24.9.2011, 11:35

Ich glaube ich gehöre langsam zu einer aussterbenden
Species,nämlich der,die in keinem Socialnetwork angemeldet ist und es egal ist.
Fehlt nicht mehr viel und man wird deswegen irgendwann schief angeschaut.

Werner Masslos
12
24.9.2011, 10:52
nun,

es führt doch kein Weg dran vorbei, daß man für sich selbst abschätzt, wieviel die Welt von mir über mich erfahren soll.

Einige machen das ganz sorg- und zwanglos: Sie posten ALLES. Vom Zehennägelschneiden über die Flugbahn des gerade abgezwickten Zehennagels bis hin zum täglichen Stuhlgang inkl. Foto und Video - einfach alles.

Wer so etwas macht - noch dazu öffentlich - ist selber schuld. Bedenklich wirds, finde ich, wenn "Minderjährige" so sorg- und zwanglos mit dem Medium umgehen und keine Ahnung haben, was das später für sie bedeuten kann. Ich wills mit meiner Paranoia nicht übertreiben, aber wenigstens ein bisserl Nachdenken vor dem Posten wäre gut. Ein bisserl reicht ja.

Ich selbst bin kein FB-User. Bin nur bei Google+. Gefällt mir

grmblhmpft
01
24.9.2011, 13:05

Ich popel grad in der Nase.

Like.

thomas1231
01
24.9.2011, 10:44

das einzige, dass mich daran interessiert ist, wie man es wieder abdrehen kann,
und wann endlich dispora am markt is

mitchfizzl
00
24.9.2011, 13:34

gibt´s schon länger: https://joindiaspora.com/

thomas1231
00
24.9.2011, 15:56

ich bin seit über einem jahr regestriert und bekomme nur hin und wieder eine mail das es ab ende oktober losgehen soll mit den invites (für mich) .... is da schon mehr los?

je9ra
01
24.9.2011, 10:33
Ähm!

Und das war die große Sensation die vor Tagen angekündigt wurde?

Noch mehr Möglichkeiten dem Fuckerberg Daten zu spendieren.

playdude
00
24.9.2011, 10:25

was macht der zuckerberg wenns regnet ?! ;)
na im ernst was machen die user wenn es fb plötzlich nicht mehr geben sollte?! die können keine normalen beziehungen mehr aufbauen wenn da kein like button ist

mitchfizzl
00
24.9.2011, 13:35

darum kommt jetzt der +button

Mr.Blue
01
24.9.2011, 10:16

die visionen von zuckerberg führen die menschheit in eine dystopie. wenn alle so leben wollen würden, wie er das will (nämlich im stalkbook), ist die menschheit am ar***

dachte immer, man kämpft dagegen, die "computer"-generation weg vom pc, in die freiheit und va in die bewegung (gegen fettleibigkeit, HK-Probleme, whatever) zu bekommen. er macht das gegenteil. 24/7 vorm drecks pc und vorm noch dreckigeren stalkbook

iGrammophon
05
24.9.2011, 10:12
Facebook's next update: allowing you to check other people's private messages

macabre89
01
24.9.2011, 07:35

ich hab schon relativ viel auf facebook gepostet, zwar meistens unnötiges zeugs ala come on roger federer.

auch der mögliche missbrauch von daten verursacht mir keine schlaflosen nächte.

aber - ich wollte nie und will auch net, dass die leute so viel über mich wissen. ein wenig blabla - ok. aber der sinn von facebook ist sicher für den großteil der user nicht, öffentlich tagebuch zu führen.

eher sich geheimnisvoll darzustellen, die verpackung ist doch das schönste, nech. :P

also das 5 minuten gespräch war super, das 5 stunden gespräch soll dann doch wirklcih in der bar stattfinden.

Fliesen
00
24.9.2011, 08:53

das einzige, das Facebook aus ihren BISHERIGEN Daten selbst in die Timeline einträgt ist halt ihr Geburtstag und die Geburstage ihrer Nachfahren (Kinder / Enkel)

ansonsten ändert sich nichts, außer dass die Timeline die Daten halt aggregiert.
(ist 2010 mit 53 Personen Freund geworden, hat im Juli 2011 'all-diese' Fotos hochgeladen)

mehr preiszugeben, zwingt sie ja zum glück keiner ;)

derJungemitdemhut
00
24.9.2011, 06:45
"Wie ein langes Gespräch in einer Bar"

Na toll. Beim letzten Gespräch in einer Bar, erzählte mir ein alter besoffener, übel stinkender Penner wie beschissen sein leben ist. Dank an Facebook, dass ich mir nun diesen Scheiss im Internet reinziehen darf und dafür nicht mehr für das Bier zahlen muss.

aculus populus
 
00
24.9.2011, 03:13
facebook macht nicht zum star

sondern zum looser...wer an facebook glaubt ist auch nur ein norr...

aceFruchtsaft
01
24.9.2011, 09:24

[ ] Du weißt, dass "looser" der Komparativ von "loose" ist und wenig mit Verlierern zu tun hat, außer diese sind locker-flockig entspannt oder so. :)

also ich find mich super
00
24.9.2011, 00:24
was facebook so alles mit meinen privaten daten macht ...

... ich bin zwar wahnsinnig wichtig, aber sowas ..... in der bim hört ja auch keiner zu, wenn ich telefoniere

Johannes Meinart
 
00
24.9.2011, 01:10
nun ja...

es liest ja auch nicht jeder mit wenn du auf facebook etwas postest, sondern im normalfall nur deine freunde (es sei denn du hast alles public eingestellt).
das ganze hört sich vielleicht etwas erschreckend an, allerdings zwingt einen facebook nicht bei facebook dabei zu sein. ferner zwingt facebook niemanden etwas zu liken, fotos upzuloaden, persönliche daten preis zu geben usw...
die timeline ist erst mal auch nur für freunde sichtbar, und ausserdem vollständig bearbeitbar.

ich finds eine super sache, ich habs schon ausprobiert und bin begeistert. allerdings weiss ich auch halbwegs was ich posten sollte und was da nichts verloren hat. das ist eher das hauptproblem der user...

Mr. Bubbles
02
24.9.2011, 00:06

facebook und co ist ja ansich eh harmlos - solange man sich bewusst ist, dass alles, was man dort postet einem zweck dient: geld, geld und nochmals geld für die betreiber.

mit ein bisschen hirn, was man denn da so preisgibt gibts wenig risiko. aber hirn scheint dem 0815 user zu fehlen. conclusio: selber schuld. ned nachher beschwehren. vorher informieren und gut ists.

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