Secure Boot

Microsoft: "Wir booten Linux nicht aus"

Eva Zelechowski, 23. September 2011, 11:14

Secure Boot als Schutzmaßnahme, nicht als Waffe gegen Open Source gedacht

Einen großen Aufschrei der Linux-Entwickler hatte die neueste Veröffentlichung von Microsoft zu Windows 8 zur Folge. Im Speziellen die Sicherheitsmaßnahme Secure Boot der UEFI-Firmware sorgt für Kopfschmerzen. Neben Lizenz-Problemen und Signierungsaufwand beim Linux-Kernel kritisieren Linux-Entwickler, dass das Sicherheits-Features die Installation von Linux oder anderer alternativer Betriebssysteme verhindere - der WebStandard berichtete.

Signaturschlüssel

Die im April veröffentlichte UEFI-Spezifikation 2.3.1 sieht vor, dass die UEFI-Firmware nur noch signierte Betriebssysteme startet. Für einen reibungslosen Start von Linux auf dem Rechner müssen Bootloader und Linux-Kernel signiert sein. Ihre Signaturschlüssel hinterlegt der Mainboard- oder UEFI-Hersteller. Die Schlüssel großer Distributoren wie Oracle, Red Hat und Suse werden wohl aufgenommen. Die Frage ist allerdings, ob Microsoft dies auch den vielen Linux-Distributoren, unter anderem Fedora und Debian, erlaubt. Für einen Bootvorgang muss ein Angreifer schließlich nur auf einen Signaturschlüssel zugreifen können.

"Kompromissloser Schutz"

Microsoft entschied sich nun, die - wie es heißt - Missverständnisse zu Secure Boot zu beseitigen. "Wir stellen Möglichkeiten bereit, die einen kompromisslosen Schutz für Nutzer gewährleisten", wies Windows-Chef Steven Sinofsky die Vorwürfe in einem Blogeintrag zurück. Microsoft nutze lediglich die Vorteile neuer Technologien, um die Sicherheit von Windows zu maximieren.

Nachfolger von BIOS

Unified Extensible Firmware Interface, kurz UEFI, wird vom UEFI Forum verwaltet - eine Reihe von Chip-, Hardware-, System-, Firmware- und OS-Anbieter. Darin werden Spezifikationen und Test Tools, die in vielen UEFI-PCs genutzt werden, verwaltet. Unter UEFI ist die nächste Generation der Firmware Oberfläche für den PC zu verstehen. "BIOS hat seit PC-Beginn die Rechner-Ökosysteme definiert, aber Umwälzungen in der Computer-Landschaft haben den Weg für eine 'moderne Firmware' in der nächsten Generation der Tablets und anderer Geräte geebnet", so Sinofsky.

Ziel von UEFI

Das Ziel von UEFI ist, einen standardisierten Weg für Betriebssysteme zu finden, um mit der Plattform Firmware während des Boot-Vorgangs zu kommunizieren. Die Performance von modernen PCs ist schneller und effizienter, und während I/O lediglich auf Software-Unterbrechungen beschränkt war, unterstützt UEFI das Konzept von Event-basierter, Architektur-neutraler Coding-Standards.
Zusammenfassend kann man sagen: UEFI erlaubt Firmware eine Sicherheits-Policy zu implementieren, Secure Boot ist ein UEFI Protokoll, und kein Windows Feature. UEFI Secure Boot ist Teil der Windows 8 Secure Boot Architektur und W8 nutzt es, um den Schutz des pre-OS Environments zu gewährleisten. Noch wichtiger, Secure Boot schließt OS-Loader nicht aus, es ist eine Methode, die der Firmware erlaubt, ein Authentifizierungsverfahren ihrer Komponenten durchzuführen. Erstausrüster haben die Möglichkeit, ihre Firmware an die Bedürfnisse ihrer Nutzer anzupassen. Microsoft betont, dass man keine Verfügung über die Settings der PC Firmware, die für einen sicheren Boot eines Betriebssystems verantwortlich sind, habe - außer bei Windows. 

Unsignierte Software

Laut der UEFI-Spezifikation ist allerdings auch der Start einer nicht signierten Software möglich. Dabei muss ein Passwort festgelegt werden, nach dem der Nutzer gefragt wird, falls die UEFI-Firmware ein unsigniertes Programm bemerkt. So kann ungewünschter Bootvorgang verhindert werden, ohne dass autorisierte Nutzer bei der Software eingeschränkt werden.

Sicherheitsrisiko durch Grub

Linux-Distributoren müssten aber nichtsdestotrotz, um nicht jedes Mal die Passwort-Abfrage durchzugehen, Kernel wie Bootloader signieren. Der Signaturschlüssel wird dabei mit einer UEFI-Anwendung in der Mainboard-Datenbank hinterlegt. Dies führt weniger zu einer technisch als rechtlich problematischen Situation: Der Standard-Bootloader Grub 2 wird heute unter der GPLv3-Lizenz veröffentlicht, die besagt, dass Signaturschlüssel auch offengelegt werden müssen. Ein Sicherheitsrisiko durch Linux und Grub besteht also, denn durch die Grub-Installation wird auch der Zugang für Angreifer erleichtert, da sie sich damit in den Boot-Vorgang jedes installierten Betriebssystems einklinken können. (ez, derStandard.at, 23.09.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 129
1 2 3 4
halil halal
01
27.9.2011, 10:00
Wir...

"...wir booten Linux nicht aus" --> was für ein geiles Wortspiel

McDaniels
00
26.9.2011, 11:51
Also

Zitat: ". Die Frage ist allerdings, ob Microsoft dies auch den vielen Linux-Distributoren, unter anderem Fedora und Debian, erlaubt".

Jetzt sagt mir MS auch schon was ich installieren darf? Sollte das der Fall sein, hab ich die längste Zeit einen PC gehabt...

Ich denke jedoch, dass das ganze einfach im Moment viel Staub aufwirbelt und zum Schluss alles halb so wild sein wird...

[citation needed]
00
26.9.2011, 14:16

der zitierte satz ergibt nicht wirklich viel sinn.

McDaniels
00
26.9.2011, 14:57

...wenn man den Beitrag gelesen hat, schon... ;). Es geht darum, dass -wenn man dem Artikel glauben darf - Microsoft entscheidet, was man darf und was nicht.

Wenns mal soweit sein sollte, dann hat sich das Thema PC wohl erledigt. (zumindest für mich)

[citation needed]
00
29.9.2011, 10:59

sowas wäre halt allenfalls zu begründen. denn dass die linux-distributoren per se keine erlaubnis von MS brauchen ist erst mal hoffentlich klar.

gustl
 
10
25.9.2011, 20:59
Unterstellung:

Um einem Betriebssystem "unsichere" Startbedingungen unterzujubeln, muss der Angreifer derzeit Schreibrechte auf eine der folgenden Bereiche erlangen:

1) Bootsektor der Festplatte
2) Oder EPROM des BIOS

Ich behaupte jetzt einmal, dass ein Key der auf dem Mainboard hinterlegt wird, damit nur "sichere" (sprich: unveränderte) Betriebssystemkerne gestartet werden innerhalb weniger Tage ausgelesen, und sämtliche zur Generierung valider Keys notwendige Algorithmen nachvollzogen werden.

Weiters bin ich sicher, dass jede bessere Live-CD diesen Hack beherrschen wird (müssen), und somit die Verbreitung dieser Hacks lawinenartig sein wird.

Fazit:
- Sicherheitsgewinn = 0%
- Benutzerverärgerung = 100%

Danke, Microsoft!!!

lemming0815
00
26.9.2011, 12:43
UEFI

diese signierung kommt von der UEFI und ist der selbe blödsinn wie DRM.

allerdings ist bei beidem nicht microsoft der antragsteller für den standard

Parkschwein
02
26.9.2011, 11:16

"Ich behaupte jetzt einmal, dass ein Key der auf dem Mainboard hinterlegt wird, damit nur "sichere" (sprich: unveränderte) Betriebssystemkerne gestartet werden innerhalb weniger Tage ausgelesen, und sämtliche zur Generierung valider Keys notwendige Algorithmen nachvollzogen werden"

das zeigt bloß dass du keinen blassen dunst von assymetrischen verschlüsselungsverfahren hast.

Lawk
00
24.9.2011, 23:24
Pirat

Funktioniert dann der DAZloader nicht mehr? :(

woifee 0.0
00
24.9.2011, 22:44

Ahaaah, im Titel ein Wortspiel!

mlau
04
24.9.2011, 13:37
Update von Matthew Garrett

http://mjg59.dreamwidth.org/5850.html

mike meyers
01
25.9.2011, 06:13
Danke!

Endlich einer der sagt, was Sache ist:
"The truth is that UEFI secure boot is a valuable and worthwhile feature that Microsoft are misusing to gain tighter control over the market. And the truth is that Microsoft haven't even attempted to argue otherwise."

[citation needed]
00
26.9.2011, 14:20
microsoft tut eigentlich nicht besonders viel

sie regeln ihre eigenen angelegenheiten, und wenn die linux-distributoren das mit den hw-herstellern nicht geregelt bekommen wird es sie nicht weiter stören. sie nehmen halt keine besondere rücksicht (sie könnten etwa als logo-kriterium aufnehmen, dass das ding abschaltbar ist, und klarstellen dass windows trotzdem startet).

jetzt wird den linuxern nichts anderes übrig bleiben als sich zusammenzuschließen und gemeinsam mit den hw-herstellern einen mechanismus auszuarbeiten, der auch für kleinere player funktioniert.

mlau
00
26.9.2011, 14:54

Das wird nicht funktionieren. MS hat die HW Hersteller fest in der Hand, mit den Preisen für die Windows-Lizenz sorgen
sie schon dafür dass ein Hersteller der nicht mehr MS-Only ist am Markt schlechter als die restl. MS-Treuen dasteht.

Das ist auch das hinterlistige daran: natürlich überlässt es MS den HW herstellern, SecureBoot optional zu machen, nur diejenigen die das Wagen werden dann wohl mit etwas teureren Lizenzen wieder auf Linie gebracht (geringere Marge pro Stück). MS kann dann
ganz natürlich die HW hersteller als die Schurken hinstellen Dieses System hat vor Jahren schon BeOS
effektiv davon abgehalten vorinstalliert zu werden
(siehe http://bit.ly/qv4QIz)

[citation needed]
00
26.9.2011, 15:00
glaub ich nicht

diese dinge sind ein paar milliardenstrafen und sonstige verfahren her, man möchte MS da schon unterstellen aus purem eigennutzen etwas dazugelernt zu haben. früher oder später taucht dann doch ein mail auf...

mlau
00
26.9.2011, 15:12

Hahaha, diese naivität ist sensationell.

klagen dauern JAHRE, und sollte es zu einer verurteilung
kommen dann ist das system schon längst etabliert, MS
kriegt halt wieder eine geldstrafe (die sie wie alle anderen aus der portokasse zahlen können) aber in der zwischenzeit ist die konkurrenz eliminiert worden. mission erfüllt.

[citation needed]
00
26.9.2011, 17:12
die rechnung geht nicht auf

weil MS am desktop-markt kaum konkurrenz hat. sie wären selten dämlich, hier was linkes zu probieren. die meisten hersteller scheren sich eh nicht um die paar linuxer, da braucht MS nur zusehen.

mlau
00
27.9.2011, 08:52

lies den Text (Link) den ich weiter oben gepostet habe.
(Network effect, no cracks in the wall, ...)

Die zu erwatende Strafzahlung ist keine Strafe sondern eine
Investition in einen Zukunft ohne jegliche Konkurrenz,
sei sie nun Gratis oder nicht.

[citation needed]
00
27.9.2011, 14:28
klar

ich les mir gerne über 10 jahre alte links durch, weil du nicht mitbekommen hast was sich seither geändert hat.

mlau
01
27.9.2011, 15:42

bei MS hat sich nichts geändert.

ChilliPalmer
00
25.9.2011, 15:10
Macht alles Sinn, was der Mann sagt, nur erbringt er keinen einzigen Beweis, dass Microsoft tatsächlich seine Position missbraucht.

Denn MS ist auch nur Teil der UEFI "Komitees" und bis jetzt gibt es keinen Beweis, dass MS die anderen Unternehmen dazu zwingt Linux auszusperren. Alles andere wäre nicht nur legal, sondern nicht mal verwerflich…

Cyborg78sbg
01
26.9.2011, 10:34

Ach komm schon, MS hat bisher immer seine Position missbraucht.

Machst du mal wieder auf unwissend? Nichts mitbekommen die letzten 15 Jahre? Und nein, ich such dir jetzt keine links hier raus, denn Google ist dein Freund. Such mal nach "Halloween Documents".
Und jeder weiß, dass MS immer wieder seine Machtposition ausgenutzt hat. Gibt genügend weitere Artikel und sogar Gerichtsurteile darüber.

Bei dir frag ich mich immer wieder, wie kann man nur so fanatisch einem Konzern gegenüber ergeben sein? Wie ein Sekten jünger, echt.

<Sarkasmus> Du würdest es vermutlich sogar abstreiten, wenn MS neben dir irgendwelche dunklen Rituale mit Menschenopfer durchführt. <Sarkasmus>

ChilliPalmer
00
26.9.2011, 11:35
Und du bist wiedermal leicht paranoid?

"Du würdest es vermutlich sogar abstreiten, wenn MS neben dir irgendwelche dunklen Rituale mit Menschenopfer durchführt." wenn Sie ohne Beweise daherkommen, ja.

Mittlerweile wissen das viele Leute nicht mehr, aber es gilt hierzulande (offiziell) noch die Unschuldsvermutung. D.h. solange es keinen einzigen Beweis gibt, das MS irgendwas macht sind sie unschuldig.

Aber bei dir ist jeder sofort schuldig, oder? Wahrscheinlich glaubst du wirklich an die Menschenopfer von MS. Was verbricht denn MS sonst noch so, von dem die Allgemeinheit nichts weiß, erleuchte mich. Challanger Katastrophe, JFK, 9/11 – war das auch alles MS? Immerhin waren die ja schon mal vor Gericht!

Funk1
111
24.9.2011, 12:02
wenn die linux community nicht bald ein

tablet linux auf die beine stellt, ist linux sowieso ausgebootet.
wie win8 zeigt sind klassische betriebssysteme über kurz oder lang schnee von gestern.

Kelvan
04
24.9.2011, 18:10

Du meinst sowas wie Android 3.x, Megoo oder webos?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 129
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.