Hop on, hop off

Leserkommentar
23. September 2011, 08:19

Wenn es um die Semestertickets der Studenten über 24 geht, scheint das grüne Mobilitätsbekenntnis und allgemein der positive Geist der "Alt-Studentenvertreter" verpufft

Für viele Studenten in Wien gehört das Pendeln zum Uni-Alltag: Institute, Hörsäle und Seminarräume sind teilweise in ganz Wien verteilt und die Benutzung der "Öffis" ist für viele Studenten wichtig, um pünktlich zu der jeweiligen Lehrveranstaltung zu kommen. Für Studenten, die über 24 Jahre alt sind, ist das nun nicht mehr so leicht, weil nicht mehr so billig.

Appell an die ehemaligen Studentenvertreter

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, den Wiener Bürgermeister, Michael Häupl, und seine Vize, Maria Vassilakou, näher zu betrachten. Nicht nur als Verantwortliche der Stadt Wien, sondern vor allem als ehemalige Studentenvertreter.

Beide waren vor einigen Jahren prominente Vertreter des VSSTÖ. Beide haben für studentische Rechte gekämpft. Nun aber, in der Welt der etwas größeren Politik angekommen, haben Sie offenbar ihre Haltung überdacht, beispielsweise im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs.

Seit kurzem wird die Familienbeihilfe nur noch bis zum vollendeten 24. Lebensjahr ausbezahlt. Aufgrund der derzeitigen Studienbedingungen ist für die meisten Studentinnen und Studenten ein Abschluss bis 24 aber nicht möglich. Wie die Verantwortlichen wissen, sind die Preise für Semestertickets an die Familienbeihilfe gekoppelt.

Koppelung an die Familienbeihilfe

Im Endergebnis zahlen nun Studenten für Semestertickets und obligatorische Monatskarten (Semesterticket umfasst ja nicht das ganze Semester) € 375,-/Jahr. Auch jene, deren Einkommen unter der Armutsgrenze liegt. Im Vergleich dazu: Tarif für Pensionisten: € 224,-. Auch für jene mit über € 2.000,- Pension.

Generationengerechtigkeit?

Da taucht doch mit dem Stichwort "Generationengerechtigkeit" die Frage auf: Warum lassen zwei Ex-Studentenvertreter das zu? Wo ist Ihr Kampfgeist für soziale Gerechtigkeit und studentische, umweltfreundliche Mobilität geblieben? Auf Wahlplakaten war davon einiges zu lesen. Man erinnere sich an grüne Forderungen nach dem € 100,- Jahresticket. Die Rhetorik stimmt also. Doch die immer wieder gestellte Frage in der Politik taucht auch hier auf: Ist vor der Wahl nach der Wahl? Oder wird hier wieder nur umgefallen?

Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass das grüne Mobilitätsbekenntnis und das Herz der Studentenvertreter die Unterzeichnung eines Koalitionsabkommens überlebt. (Leser-Kommentar, Martin Brenner, derStandard.at, 23.9.2011)

Martin Brenner, Bundesobmann AktionsGemeinschaft Österreich

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9 Postings
in linz beginnts

nicht so in linz, bis 26 erhält das Semesterticket!

falscher ort für kritik

die hat nämlich die övp verdient, und die regierung weil die haben schließlich die famlienbehilfe für alle ab 24 gestrichen!!!

Wäre spannend zu erfahren, was Martin Brenners Mutterpartei ÖVP zum Thema zu sagen hat...

Die eigentliche Schweinerei ist ja...

... dass die Familienbeihilfe nur mehr bis 24 ausgezahlt wird. Schließlich hängen eine Menge Vergünstigungen an der FB, nicht nur das billige Semesterticket.

Aber seltsamerweise regt sich Brenner darüber nicht auf - vielleicht, weil diese Verschlechterung von der ÖVP beschlossen worden ist?

Interessante Information, danke !

Danke an Martin Brenner für diese Information !

Oft sind es ja die scheinbar "kleinen" Dinge, die zeigen, was Menschen in arrivierteren Positionen so alles "vergessen" können, bzw. Worthülsen absondern, statt ihren Worten von zuvor auch Taten folgen zu lassen.
Vielleicht führt eine sanfte "Erinnerung" ja bei Herrn Häupl und Frau Vassilakou zu einer Änderung ihrer Haltung ....

Wenn ich mal

vom dummen Schlagwort Generationengerechtigkeit absehe, hat ausnahmsweise auch mal ein AGler recht.

Studiengebühren einführen
Semesterkarten verbilligen

.... die AG ist schon ein toller Haufen mit lustigen Forderungen

Die Aktionsgemeinschaft. Lustig.

aber...

...er hat recht, oder? ^^

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