"Herr Messner hat mir einen Brief geschrieben"

Thomas Hirner, 22. September 2011, 20:28
  • Gerlinde Kaltenbrunner zu Gast in Wien.

  • Artikelbild
    foto: apa/ hochmuth

    Als Geschenk gab es für die erfolgreiche Gipfelstürmerin einen Bergkristall.

Gerlinde Kaltenbrunner ist längst vom K2 zurückgekehrt - Sie erzählt von ihrem großen Abenteuer und von Unverfrorenheiten

"Einmal haben wir für 30 Meter drei Stunden gebraucht. Der Schnee war wie Zucker. Keiner hat irgendetwas gesagt, wir haben uns angeschaut und gewusst, das wäre jetzt unsere Chance. Eigentlich war es Zentimeter-Arbeit und die Zeit ist uns regelrecht davongelaufen", so beschrieb Gerlinde Kaltenbrunner, die als erste Frau alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Flaschensauerstoff bezwungen und damit Geschichte geschrieben hat, anlässlich des Presseempfangs von Sponsor OMV am Donnerstag in Wien die Lage unmittelbar vor dem heiklen K2-Gipfelsturm.

"Man sitzt zu viert in Daunenanzügen auf engstem Raum im kleinen Biwakzelt nebeneinander, die Beine angewinkelt, die Schuhe hat man an und man hofft, dass die Stunden schnell vergehen, damit man endlich losstarten kann. Es war sehr viel Schnee, meist hüfttief. Wir haben uns Meter um Meter hinaufgearbeitet. Jeder hat 50 Schritte gespurt, dann wurde gewechselt", so Kaltenbrunner über die entscheidende Phase weit oben auf dem berühmt-berüchtigten Berg im Karakorum.

Eiseskälte

Auf 8.250 Metern Höhe, wo man außerplanmäßig biwakierte, musste man lange ausharren, bis es die frostigen Temperaturen zuließen, weiter aufzusteigen. Den ersten Versuch, den man mitten in der Nacht um etwa 1:00 Uhr startete, musste man bereits nach etwa 50 Metern abbrechen, weil "wir die Finger und Zehen nicht mehr gespürt haben". Den nächsten Versuch wagte die Gruppe erst um 7:30 in der Früh und damit sehr spät. Mühsam wühlte man sich durch die Schneemassen den Berg hinauf.

"Ganz, ganz großes Geschenk"

Schlussendlich aber erreichte die Expedition in den Abendstunden das anvisierte Ziel. "Die letzten Meter zum Gipfel sind für mich jetzt noch schwer zu beschreiben, das war schlicht ein ergreifender Moment nach so vielen Rückschlägen. Es war beinahe windstill, keine Wolke am Himmel, es hat 360 Grad Fernsicht im Abendlicht gegeben. Es hätte schöner nicht sein können und ich habe es als ganz, ganz großes Geschenk empfunden, da oben stehen zu dürfen. Es war großartig für mich", beschrieb Kaltenbrunner dieses außergewöhnliche Erlebnis.

No-go Südflanke

Nach dem tragischen Unfall im vergangenen Jahr, als ihr schwedischer Begleiter, Frederik Ericsson, im "Flaschenhals", einer gefährlichen Passage unterhalb des Gipfels, tödlich verunglückte, war für Kaltenbrunner klar, dass sie nicht wieder zur Unglücksstelle an der Südflanke des K2 zurückkehren möchte. Aber als ihr Mann sagte, wenn sie zum Nordpfeiler gehen würde, dann wäre er mit dabei, war für die Extrembergsteigerin klar, "da gehen wir hin". 

Über die wesentlich anspruchsvollere Nordseite versuchen sich höchstens alle paar Jahre Expeditionen. "Vielleicht alle fünf, sechs Jahre", sagt Kaltenbrunner. "Wir waren völlig allein am Berg. Wir haben fast drei Monate keine andere Menschenseele gesehen außer uns sechs und unseren uigurischen Koch".

Die Besteigung war nur unter der Voraussetzung perfekter Teamarbeit möglich. "Bei einer solch schwierigen Expedition ist es sehr wichtig, dass man sich schon länger kennt. Sowohl über die Stärken als auch die Schwächen der anderen Bescheid weiß. Es braucht große Toleranz und Verständnis untereinander", so Kaltenbrunner.

Kräfte und Reserven

Die Kraft sei ihr während der anstrengenden Tour "zum Glück nie ganz ausgegangen, es war immer eine gewisse Reserve da und es ist auch sehr wichtig, dass man das im Auge behält. Man darf nicht total ans Limit gehen, weil man ja den Abstieg auch noch miteinkalkulieren muss."

Luxus Zahnbürste

Spurlos sind die Strapazen natürlich nicht an Kaltenbrunner, die auch am Berg im Gegensatz zu den meisten Männern nicht auf den "Luxus Zahnbürste" verzichtet, vorbeigegangen. "Ich bin mit drei Kilo mehr weggefahren, als ich normalerweise habe. Insgesamt waren es acht Kilo, dich ich verloren habe. Drei habe ich aber schon wieder zugenommen".

Vorbereitung

Dass sie derart außergewöhnliche Anstrengungen überhaupt bewältigen kann, liege zum einen an ihrer mentalen Stärke, andererseits investiere sie auch sehr viel Zeit in die Vorbereitung. "Ich trainiere wirklich sehr, sehr viel, ich starte körperlich topfit. Ich vertrage die Höhe sicher besonders gut und ich glaube auch, dass es auch daran liegt, dass ich enorm viel trinke. Ich habe das auch diesmal wieder beobachtet, ich höre nicht auf, Schnee zu schmelzen, bevor ich nicht meine fünf Liter Flüssigkeit zu mir genommen habe. Bei anderen sind oft schon drei Liter das Maximum.

Auch der Kopf spiele eine bedeutende Rolle. "Ich glaube, man muss es von innen heraus mit Begeisterung wollen, dann kann man es auch schaffen. Wenn es aufgezwungen ist, funktioniert es nicht."

Pläne

Dass sie nach der erfolgreichen Besteigung aller 14 Achttausender keine innere Leere verspürt, liegt vermutlich daran, dass sie nun einige Vorträge abhält und auch schon über neue Herausforderungen nachgedacht hat. "Erstmals ist etwas Ruhe angesagt, aber wir haben natürlich schon wieder neue Ziele im Kopf. Wir möchten im Frühling auf einen hohen 7.000er, von dem wir schon lange sprechen aber auch ins Karakorum zum Gasherbrum IV. Es gibt noch unzählige Ziele, die wir noch vor haben und hoffen, dass wir dazu in den nächsten Jahren Gelegenheit haben".

Respektlosigkeiten

Verärgert zeigte sich die Gipfelstürmerin über teils fehlende Anerkennung und Unterstellungen von älteren Bergsteigerkollegen, die behaupten, "dass ich Kasachen mitgehabt habe, die mir die Spur getreten und Fixseile angebracht haben. Das trifft mich dann schon, weil es bei Gott nicht der Fall war."

Herr Messner und ein Brief

Reinhold Messner, der als erster Mann alle 14 Achttausender bestiegen hat und Kaltenbrunner den gebührenden Respekt teilweise verweigert, weil es ja nur um die Frage gegangen sein soll, "wer am schnellsten diese 14 Achttausender abhaken kann", hat ihr übrigens einen Brief geschrieben. Den Inhalt verriet Kaltenbrunner, die dieses Wettrennen auf die höchsten Berge der Welt immer vehement bestritt, nicht. "Der ist persönlich." (derStandard.at, 22. September 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 126
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1000 Kopfläuse können nicht irren
13
16.3.2012, 19:56
Mir hat er auch einen Brief geschrieben!

"Sehr geehrter Herr S..,
zu meinem Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihre Besteigung des Leopoldsberges in Wien am 13.6.2011 ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff im Alpinstil KEINE Erstbegehung darstellt. Wenn Sie verhindern, dass die Gerlinde Kaltenbrunner meine restlichen Rekorde auch noch erreicht und auch noch den Yeti sichtet, dann lade ich Sie in mein Museum herzlichst ein. Bis dahin gebe ich den Leuten noch den grantelnden Messner.
Ihr Reinhold Messner"

TOMORROW
15
25.9.2011, 18:58
GRATULATION GERLINDE !!! Der größte Sieg ist aber gesund zu Hause dieses Interview geben zu können...!

Schmalzfiedler
11
25.9.2011, 11:29
Nach Norden gehen find ich

noch cooler: http://www.youtube.com/watch?v=Aml4-hJxNBs

monoton
253
24.9.2011, 10:13

gratulation für diese wirklich unglaubliche leistung,

jedoch stellt sich nun die frage mit welchen egotrip sie nun die allgemeinheit nerven möchte

Chris Quast
010
25.9.2011, 19:05

schau, du nervst mit einem einfachen post die allgemeinheit.

da ist es mir schon lieber es macht jemand mit einer leistung.

Kein Heute ohne Morgen
110
24.9.2011, 13:36
Sie sind echt witzig.

Es nervt Sie (vorgeblich).

Trotzdem lesen Sie einen Bericht uber die Frau UND fragen auch noch was als nächstes (nervendes) von ihr so kommen möge.

Konsequenz sieht anders aus ;-)

monoton
23
24.9.2011, 15:15

soweit ich weiß gibt es noch keine methode den user dazu zu zwingen den text vor dem posten auch zu lesen

Kein Heute ohne Morgen
21
24.9.2011, 19:15
Aha,

sie haben also BLIND und damit auch rein zufällig auf einen Artikel über die Kaltenbrunner geklickt.

Und jetzt wo Sie schon mal hier sind müssen Sie sich natürlich über sie beschweren - bei denen, die halt NICHT rein zufällig hier gelandet sind UND den Artikel daher auch gelesen haben. Was hätten Sie nicht alles (sinnvolles) tun können, wenn Ihnen das gar nicht erst passiert wäre.
;-)

alexanderletten
 
00
24.9.2011, 10:55

Nun, es wäre jetzt wissenswert, ob die OMV die Presse eingeladen hat oder die Presse wusste, dass K. bei der OMV diesen Auftritt hatte.
Es ist jedoch in jedem Fall ersichtlich, dass K. den Wünschen ihres Sponsors folgt(folgen muss), also dürfte man dann der OMV K.s Präsenz vorwerfen.

mostbirn
19
24.9.2011, 08:58
Ich mag sie

Ich verstehe die vielen Gehässigkeiten gegenüber Gerlinde Kaltenbrunner noch immer nicht. Sie ist so eine Liabe und a fesches Dirndl. Eine natürliche Schönheit, kommt total natürlich uns sympathisch rüber.
Ich meine, ich verstehe, dass einem bei den üblichen Unschuldsvermuteten in diesem Bananenstaat die Galle überläuft, aber bei ihr?

Illusionist
181
23.9.2011, 23:13

sie soll oben bleiben !

HumpDump
116
23.9.2011, 21:16

Ich freue mich schon auf die Zahnpaste-Werbespots mit Frau Kaltenbrunner: "Am K2 fühl i mi wohl, oba nur mit meina Meridol" oder "Am K2 brauch i kan Sex, mir is da scho lieba mei Elmex"

Ansonsten schätze ich diese Frau ganz, ganz außerordentlich und wünsche Ihr noch ganz, ganz viele tolle Geschenke.

1000 Kopfläuse können nicht irren
01
16.3.2012, 11:10
"Wenn's mich am Bergl stresst, nehm ich Dr. Best"

Brücke
01
24.9.2011, 10:47

Freilich ist das traurig ,
wenn Sportler nicht ohne Webepickerl
( bei der Fr. Kaltenbrunner OMV)
in der Öffentlichkeit auftreten können

Die Sportler sind gekauft ,
die beworbenen Produkte
haben mit der Leistung dieser Menschen nichts zu tun

Reinhard Kober
12
25.9.2011, 00:38
und wie ...

... stellen sie sich vor, sollte das eine ungesponserte bergsteigerin finanzieren können? im normalfall doch wohl kaum aus eigener tasche.

parzenbua
323
23.9.2011, 18:34
die leistung von gerlinde kaltenbrunner

ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. sie ist eine alpinistische glanztat, nicht nur das letztendliche erreichten aller 14 achttausender, also erste ohne zusätzlichen sauerstoff, noch mehr imponiert mir die innere stäre, zuvor 6 (!?!?) mal kurz vor dem ziel umzukehren, bei all dem druck der auf einem lastet. sie ist eine leistung für die geschichtbücher, und wenn man stolz sein sollte auf österreich, dann in diesem fall.
allen trollen wünsche ich, aus ihren höhlen herauszukriechen und wenigstens einmal einen 3tausender zu versuchen. wer in dieser höhe blut schmeckt, wird ansatzweise erahnen können, was es bedeutet wochenlang auf 7-8tausend metern seehöhe auszuharren, um am ende stundenlang hüfttief durch schnee zu waten. guten abend

strangerinastrangeland
 
146
23.9.2011, 22:22

Sicher ist das eine körperliche und mentale Spitzenleistung, aber wer sich ohne Not in diese Art von Lebensgefahr begibt, kann nur schwer gestört sein.

Ich sehe keinen Anlaß für eine Verherrlichung, auf den Achtausendern liegen neben anderem Müll schon genug Leichen herum.

Chris Quast
02
25.9.2011, 19:18

i wo. da sind die millionen, lebenstzeitverkürzer die größeren trotteln. (rauchen, saufen, mit dem "coachsessel verwachsen"). da macht so ein abenteuer, dass auch stellvertretend für das für menschen machbare, geleistet wird, viel mehr sinn.

man hätte sich auch begnügen können, auf sicherem boden zu bleiben, 1500 meter sind genug !!

vorige woche in ö1, war ne sendung über das 125jahr jubileum des sonnblickobservatoriums . dazumal (in den 1880er) wurde in der (fach)presse häftig gestritten ob es überhaupt möglich wäre in solch gigantischen höhen (3100), ein solches observatorium rund um die uhr zu betreiben.

also ich möchte in keiner welt leben wo niemand neues wagt.

monoton
01
24.9.2011, 10:15

aber warum sollte nicht jeder selbst enscheiden könne auf welche art und weise er sich um die ecke bringen möchte?
es wäre schlimm die freiheit des menschens zu zu beschneiden

strangerinastrangeland
 
54
24.9.2011, 12:37

Sollen sie, aber Deppen sind sie trotzdem.

1000 Kopfläuse können nicht irren
01
16.3.2012, 11:12
Ha, der ist gut! *g*

Und was ist mit den Alkoholgeschädigten, den Nikotinjunkies, Adipositas-Patienten, usw.?
Müssen sich die auch von Ihnen beleidigen lassen, damit Ihre Welt wieder in Ordnung ist?

rough_rider
06
24.9.2011, 00:10

bitte zu differenzieren: es gibt Menschen, die mehr oder weniger unvorbereitet so einen Berg besteigen wollen - das ist töricht. Es gibt auch viele Menschen, welche etwaige Gefahren realistisch einschätzen und damit minimieren können (siehe: sechsmal umgekehrt!).

Betreffend "sich in Lebensgefahr begeben"... wofür lebt man? Für Geld, Ruhm oder schlicht für die Fortpflanzung? Mitnehmen kann man nichts und wenn man LEBEN will und das mit Extrembergsteigen zu tun hat, dann soll man es doch bitte einfach machen ;-)

strangerinastrangeland
 
22
24.9.2011, 12:37

Ich habe keinen Ehrgeiz, jemanden davon abzuhalten, ich habe mich gegen die Verherrlichung ausgesprochen.

Was die Vorbereitung betrifft, so ist zu sagen das praktisch niemand unvorbereitet geht, aber auf den Achtausendern inzwischen hunderte (keine Übertreibung!) Leichen herumliegen, die nicht geborgen werden können.

Ich keine keine sportliche oder sonstige Aktivität, die ähnlich viele Opfer fordert.

Chris Quast
10
25.9.2011, 19:23

und waos war dei leistung ?!?! nix, ja eben, darum wirst du auch nicht in die verlegenheit kommen, verherrlicht zu werden.

ist halt bei gerlinde k. anders. sorry.

rauch 5 packeln tschik während du einen marathon unter 3 stunden läufst, dann sag ich auch, wow. auch ne leistung.

ad) frühzeitig sterben, da hätte ich schon eine aktivität die von 100e mio ausgeführt wird. siehe oben ;-)

strangerinastrangeland
 
00
26.9.2011, 22:57

Wissen Sie, die Sprüche kenne ich alle, weil ich früher ähnliche geklopft haben.

Aber wenn man dann zum ersten Mal einen toten Freund ins Tal gebracht hat, fängt man an, sich zu fragen, ob es die Sache wirklich wert war und beim zweiten oder dritten ist dann die Antwort ein klares Nein.

Ich bin immer noch bereit, mein Leben für eine wichtige Sache zu riskieren, aber für einen deppaten Berg sicher nicht mehr.

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