Enzyme können Schimmelpilzgifte unschädlich machen

24. September 2011, 16:33
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Mit neuem, am Wiener ACIB entwickelten Hefestamm soll Verfahren kostengünstiger werden

Graz - Getreide als Futtermittel in der Landwirtschaft wird oft von giftigen Schimmelpilzen befallen. Österreichischen Ingenieuren ist es nun gelungen, Enzyme herzustellen, die die gefährlichen Giftstoffe abbauen, und nach Angaben des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB) deutlich effizienter und kostengünstiger als bisher zu produzieren.

Gelungen ist die Entwicklung einer ACIB-Forschergruppe um Diethard Mattanovich vom Vienna Institute of BioTechnology (VIBT) an der BOKU Wien. Er erklärte die Bedeutung des Verfahrens: Natürliche, häufig vorkommenden Giftstoffe in Getreidesorten wie Mais, Roggen, Weizen oder Gerste würden nicht nur bei Hühnern, Rindern und Schweinen, die solcherart verseuchtes Getreide fressen, Schaden anrichten. Über Milch, Fleisch oder Eier könnten bestimmte Arten dieser Gifte auch an die Konsumenten weitergegeben werden. Durch die vorsorgliche Behandlung von Tierfutter mit Enzymen (Proteine) will man dieses Risiken vermeiden. Die Proteine sollen die vorkommenden Pilzgifte abbauen, sodass sie ihre Wirkung nicht mehr entfalten können.

Maßgeschneiderte Enzyme

Die Enzyme wiederum werden mit Hilfe von Hefen produziert. Durch molekular- und gentechnologische Methoden können diese gezielt so verändert werden, dass sie die gewünschten Produkte - in diesem Fall also die Giftstoff-abbauenden Enzyme - herstellen. Deren Produktion war bisher mit hohen Kosten verbunden. Die Optimierung des Herstellungsprozesses und die Senkung der Produktionskosten war daher wesentliches Ziel der Kooperation mit Biomin, einem niederösterreichischen Unternehmen, das sich auf die Erzeugung von Futtermittelzusätzen spezialisiert hat.

Das neue Verfahren fokussiert auf einen besonders toxischen und karzinogenen Typ der Giftstoffe. Das Team um Mattanovich hat einen Hefestamm entwickelt, der ein entsprechendes Giftstoffe-abbauendes Enzym rasch und in großen Mengen günstig herstellen kann. Nun werde an der Übertragung des Verfahrens in die Produktion und der Markteinführung gearbeitet. "Wir rechnen damit, dass wir den neuen Futtermittelzusatz schon bald als Prototyp produzieren können", sagte Dieter Moll, Forschungsgruppenleiter bei Biomin. (red/APA)

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