Mit neuem, am Wiener ACIB entwickelten Hefestamm soll Verfahren kostengünstiger werden
Graz - Getreide als Futtermittel in der Landwirtschaft wird oft von
giftigen Schimmelpilzen befallen. Österreichischen Ingenieuren ist es nun
gelungen, Enzyme herzustellen, die die gefährlichen Giftstoffe abbauen, und nach Angaben des Austrian Centre of Industrial Biotechnology
(ACIB) deutlich effizienter und kostengünstiger als bisher zu
produzieren.
Gelungen ist die Entwicklung einer ACIB-Forschergruppe um Diethard
Mattanovich vom Vienna Institute of BioTechnology (VIBT) an der BOKU Wien. Er
erklärte die Bedeutung des Verfahrens: Natürliche, häufig vorkommenden
Giftstoffe in Getreidesorten wie Mais, Roggen, Weizen oder Gerste würden nicht
nur bei Hühnern, Rindern und Schweinen, die solcherart verseuchtes Getreide
fressen, Schaden anrichten. Über Milch, Fleisch oder Eier könnten bestimmte
Arten dieser Gifte auch an die Konsumenten weitergegeben werden. Durch die
vorsorgliche Behandlung von Tierfutter mit Enzymen (Proteine) will man dieses
Risiken vermeiden. Die Proteine sollen die vorkommenden Pilzgifte abbauen,
sodass sie ihre Wirkung nicht mehr entfalten können.
Maßgeschneiderte Enzyme
Die Enzyme wiederum werden mit Hilfe von Hefen produziert. Durch molekular-
und gentechnologische Methoden können diese gezielt so verändert werden, dass
sie die gewünschten Produkte - in diesem Fall also die Giftstoff-abbauenden
Enzyme - herstellen. Deren Produktion war bisher mit hohen Kosten verbunden. Die
Optimierung des Herstellungsprozesses und die Senkung der Produktionskosten war
daher wesentliches Ziel der Kooperation mit Biomin, einem niederösterreichischen
Unternehmen, das sich auf die Erzeugung von Futtermittelzusätzen spezialisiert
hat.
Das neue Verfahren fokussiert auf einen besonders toxischen und karzinogenen
Typ der Giftstoffe. Das Team um Mattanovich hat einen Hefestamm entwickelt, der
ein entsprechendes Giftstoffe-abbauendes Enzym rasch und in großen Mengen
günstig herstellen kann. Nun werde an der Übertragung des Verfahrens in die
Produktion und der Markteinführung gearbeitet. "Wir rechnen damit, dass wir den
neuen Futtermittelzusatz schon bald als Prototyp produzieren können", sagte
Dieter Moll, Forschungsgruppenleiter bei Biomin. (red/APA)