Gesucht: Männlich, ledig, gläubig

22. September 2011, 18:59

Jeden Sonntag im Dienst, oft mehrere Arbeitsplätze gleichzeitig - Und als Dank für den unermüdlichen Einsatz im Namen des Herrn erntet man zunehmend Bedauern und Unverständnis - Das Berufsbild Priester hat ein gravierendes Imageproblem

Jeden Sonntag im Dienst, oft mehrere Arbeitsplätze gleichzeitig. Und als Dank für den unermüdlichen Einsatz im Namen des Herrn erntet man zunehmend Bedauern und Unverständnis. Das Berufsbild Priester hat ein gravierendes Imageproblem. Einen Blick hinter den Altar wagten Peter Mayr und Markus Rohrhofer.

Klaus Dopler wird in seinem Umfeld gerne bedauert. Mit gewohnter Regelmäßigkeit trifft der Pfarrer von Gallneukirchen (Oberösterreich) auf Menschen, die ihm dann wohlmeinend auf die Schulter klopfen und ein tröstendes "Wie halt's das eigentlich aus?" spenden.

Was im Mühlviertel einen Priester trifft, widerspiegelt ein generelles Problem: das Image des Berufs ist im Keller. Und das nicht erst seit den jüngsten Krisen wie dem Missbrauchsskandal. Dem gegenüber steht aber eine stabile Zahl an Theologiestudenten. Das Interesse an der Materie an sich scheint also ungebrochen, geht es aber um Job hinter dem Altar, wird die Personaldecke dünn. Viele bevorzugen die zweite Reihe und gehen etwa in der Rolle des Pastoralassistenten auf - oder werden Religionslehrer. Beispiel Uni Wien: Im vergangenen Jahr gab es 65 Erstsemestrige, im Jahr davor 97. An der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz studierten im vergangenen Sommersemester 215 Personen Theologie - die meisten von ihnen sind Laien.

Mehr ständige Diakone

Das schlägt sich auch bei der Gesamtzahl der katholischen Priester, die in Österreich wirken, nieder, sie sinkt stetig: Gab es 2009 noch 4144 Priester, waren es (2000 noch: 4470). Zum Vergleich: Die Zahl der ständigen Diakone, die nicht dem Zölibat unterworfen sind, ist hingegen gestiegen: 607 zu 422. In der Diözese Linz waren mit 1. 1. 2011 379 Priester in der Pfarren tätig, der Altersdurchschnitt liegt in Oberösterreich bei 63,7 Jahren. In den letzten zehn Jahren wurden pro Jahr zwischen zwei und sechs Priester (Welt- und Ordenspriester) geweiht. Im Priesterseminar in Linz bereiten sich zurzeit zehn Männer auf die Weihe vor.

Dem gegenüber steht eine stetig steigende Zahl an Laienmitarbeitern in der Seelsorge. 319 theologisch qualifizierte Laien sind in der Seelsorge in der Diözese Linz hauptamtlich tätig. In Wien gibt es derzeit 422 angestellte Pastoralassistenten und -assistentinnen.

Die Kirche hat längst reagiert, reagieren müssen: Pfarren werden zusammengefasst, Ausländer übernehmen vakante Stellen - und auch die Priesterausbildungsstellen wird umstrukturiert. Weil der Andrang zu gering ist, arbeiten die Diözesen bei der Priesteramts-Ausbildung künftig verstärkt zusammen. Ein Teil des Studiums in Linz erfolgt ab Herbst in Innsbruck, wo auch Anwärter aus der Diözese Feldkirch studieren. Wien, St. Pölten und Eisenstadt sowie Graz und Klagenfurt wollen ihre Priester ebenfalls gemeinsam ausbilden. Nur Salzburg behält vorerst ein eigenständiges Priesterseminar.

"Die Zeiten, in denen ein Pfarrer kraft seiner Rolle Autorität hatte, ist sicher vorbei. Ich hab heute Autorität aufgrund meiner Ausstrahlung, meiner Authentizität, meiner Überzeugungskraft", ist Pfarrer Dopler überzeugt.

Priester hätte "bis vor einiger Zeit Status, Macht und Ansehen besessen", sagt Rainer Bucher, Pastoraltheologe an der Uni Graz, heute sei die Berufsrolle aber in ein "strukturelles und wenig attraktives Anerkennungsdefizit gerutscht: Die alten Formen tragen nicht mehr und neue, gegenwartskompatible entwickeln sich erst langsam". Natürlich trägt der Zölibat dazu bei, dass viele Männer andere berufliche Wege nach dem Theologiestudium gehen. Bucher: "Die Berufschancen sind gut, nicht nur für Priesteramtskandidaten."

"Bin ein Trotzdem-Blüher"

Klaus Dopler mag seinen Job: "Man ist bei den Leuten - von der Wiege bis zur Bahre. Mit allen Freuden, Sorgen, Hoffnungen und Ängsten der Menschen." Bis es so weit ist, zitiert Pfarrer Dopler Bischof Stecher, wenn er sagt: "Ich bin ein Trotzdem-Blüher - wie der Gletscher-Hahnfuß. Die Planze wächst und gedeiht auf mehr als 3000 Metern - im Kleinklima ist ein Überleben möglich, trotz rauen Großklimas." (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2011)

Kirche in Zahlen

4144 Priester

49.892 Taufen

12.188 Trauungen

59.431 Firmungen

53.016 Begräbnisse

5,45 Millionen Katholiken in Österreich

ca. 87.400 Austritte alleine 2010

3081 Pfarren

Weiterlesen: Pastoralassistentinnen in den Pfarren unentbehrlich

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 84
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misfits74
 
00
21.10.2011, 16:31
Das Berufsbild Priester hat ein gravierendes Imageproblem

gut.

ein pfaff ist einer, der auf einer echten uni eine lächerliche rethorikausbildung macht.

Steak vom Milchlamm
00
27.9.2011, 17:10

Darf man budern?

Mike LTSA
00
27.9.2011, 18:36

logo!

ta tü
00
5.10.2011, 21:54

unter der kutte sieht ja niemand was. da haben sogar mehrere platz.

litswd
00
26.9.2011, 15:22

stimmt scho, die kirche schöpft ihre "kernmitarbeiter" aus männlichen, religiös motivierten, zeitlich und örtlich flexiblen, (angehenden) akademiker-singles. der pool is schon verdammt klein...

DerAufgeher
00
25.9.2011, 15:19

Für mich erklärt sich "das Scheitern" der Kirche, eben aus einem Zustand vergangener Zeiten, der bis zur Gegenwart noch nicht ausgemerzt wurde. Nämlich, der Reformierungsunwille. Was muss noch geschehen, um den Kardinälen, die Augen zu öffnen und sie aus dieser Scheinwelt (Vatikan, Anm. d. Schreibers) zu bewegen. Überallsonst nehmen die Dinge ihren Lauf. Anscheinend nur nicht in der schönen alten Welt. Mitunter bedroht das Beharren auf Zöllibat, noch die Existenz der katholischen Kirche. Es gilt für sie zu erkennen, dass die Menschen aus ihren Mündern nicht mehr das reine und geltende Wort aufnehmen. Ansonsten vermag es selbst Gott nicht, seine treuesten Lämmer zu retten.

GehAuf

DerAufgeher
31
25.9.2011, 15:18

Werte Mitleserschaft!

Für die Wenigsten unter uns wird es eine Neuigkeit sein, dass das Priesteramt an Ansehen, in den letzten Jahren, eingebußt hat. Viele hatten den Untergang der instutionellen Religion schon lange vorprophezeit. Aber ist es schon so weit gekommen? Um es mit frommen Wörtern zu formulieren: "Hat der Teufel letztlich doch gewonnen?" Seine Auswahl an Werkzeugen ist mannigfaltig: Es reicht von der durch Habgier geprägten Bevorteilung der westlichen Welt, bis hin zur durch und durch sexualisierten Gegenwart der Dinge. Ausnahmelos scheint alles Leben befleckt zu sein. Aber handelt es sich hierum von etwas Neuem? Nein, auch nicht. Heutzutage wird die Sünde nur unbewusster vollführt.

chi
 
00
13.10.2011, 20:20

sie haben schon recht nur vielleicht selbst noch nicht ganz verstanden. sie brauchen nur aus ihrem text instutionelle religion und das wirken des teufel näher zusammenbringen und schon wird auch für sie erstaunliches sichtbar.

ta tü
00
5.10.2011, 21:57

ja, ja.
die ärgsten sünder sitzen als kirchenfürsten in bester position und leben vom angehäuften vermögen und davon, dass laien selbstlos für sie hackeln und spenden. dann schicken die noch ihre kinder zu den seltsamen herren...
unfassbar.

Mike LTSA
21
27.9.2011, 18:37

na und? wen juckts.

sink positiv
10
24.9.2011, 11:47

Sg Alle! Ich habe genauso meine Vorbhalte, Bedenken und Kritik an der katholischen Kirche. Eines jedoch darf man nicht übersehen bei all dem negativen. Dass Kirche im Idealfall Moralinstanz in unserer Gesellschaft sein kann. Das sagte Gregor Gysi, seines Zeichens Atheist. Denn Hand aufs Herz: Welche Institution ist Ihrer Meineung nach in der Lage, Moralinstanz einer Gesellschaft zu sein? Und ich glaube wir brauchen solch eine Moralinstanz mehr denn ja wo herkömmliche Strukturen und Verbände zusehends de facto fast nicht mehr vorhanden sind. Der oberste Auswuchs einer immer mehr wert- und moralloseren Gesellschaft ist unser Wirtschaftssystem mit all den negativen Folgen. Und Geld sollte nicht oberste Moralinstanz sein.

Mister Magister
 
00
22.10.2011, 15:21

sorry, aber einen scheiss ist sie eine moralinstanz.

Wie sieht denn die Moralvorstellung der Kirche aus? Auf was begründet sie sich? Auf Angst. "Sei brav, oder du kommst in die Hölle"

Das ist keine Moral, das ist die sprichwörtlich vorgehaltene Pistole, auf einer Drohung eine moralische Institution begründen ist schlichtweg Schwachsinnig.

Und Gegenbeweis: Auch Atheisten handeln moralisch. Ich glaube nicht an Gott, und bin weder ein Dieb, noch ein Vergewaltiger. Also kann es nicht der Glaube sein der uns zu moralischem Handeln bringt, oder?

Gegenbeweis Zwei: Kirchenmänner vergewaltigen und foltern Kinder. Wie verträgt sich das mit dem Glauben als Moralischer Leitstern?

Lesen sie Richard Dawkins.

ta tü
01
5.10.2011, 22:00

jetzt reicht´s aber! ein verein, der opfer produziert und die täter in den eigenen reihen deckt, schützt und sogar noch in ihrem tun fördert (kindesmissbrauch), der menschen diskriminiert (frauen, homosexuelle, geschiedene), der schutz vor aids verbietet, der von der allgemeinheit lebt und sich vom staat sponsern lässt, auf einem riesigen erschnorrten vermögen sitzt, eine blutige vergangenheit hat...

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02
23.9.2011, 17:31
das bild...

erst dachte ich, da gehts um was anderes xD

Doktor Jörg Haider
00
23.9.2011, 17:00
So hoch kann die arbeitslosigkeit nicht steigen, dass

sich genug Leute als Pfarrer oder Lehrer verdingen ....

hcl3
00
28.9.2011, 11:35

holen wir uns die pädophilen und sadisten, die man in irland grad nicht mehr brauchen kann
damit der ethikunterricht wie ihn der molterer vorgeschlagen hat - und andere fächer endlich von guten pasttreuen gehorsamen gottesfürchtigen katholiken gehalten werden kann

ta tü
00
5.10.2011, 22:01

und dann noch riesenkreuze in den klassenzimmern aufhängen mit möglichst schmerzverzerrten und blutigen, aufgenagelten toten, damit die kinder was superes sehen jeden tag.

Mister Magister
 
00
22.10.2011, 15:23

Ich find es ja schon super toll, dass das Symbolbild einer Institution, die von sich behauptet für Liebe, Gerechtigkeit und Frohsinn zu stehen, ein barbarisches Folterinstrument ist...vorzugsweise im Akt der Anwendung begriffen.

Schizophrenie ist schon was böses, und die Kirche ein terminaler Patient.

saint just
24
23.9.2011, 11:49

das bild auf der hp zu diesem beitrag ist der hammer

;-)))

Avterandum
02
23.9.2011, 11:35
Papst vor Dt. Bundestag...

... also, wenn der lieber Herr Gottvater so weiter redet und wirklich glaubt, was er denket, werden bald wieder viele vakante STellen besetzt...
Eine starke, sehr, sehr starke Rede! Unbedingt ansehen!

Karl Labruni
00
23.9.2011, 11:23
Was bezahlen die so?

Vermutlich krisensicherer Job!

Salz Burger
01
23.9.2011, 13:14

nicht mehr. Die Gläubigen laufen in Scharen davon, da muss auch die Kirche bei den Arbeitsplätzen abstocken.

Nik M
411
23.9.2011, 10:59
Das ist ja furchtbar

Wenn man sich diese Zahlen vor Augen haelt:

Plus Katholiken/Jahr: 49T
Minus Katholiken/Jahr: 53T + 87T = 140T
Katholiken Bilanz: ca -90T/Jahr

Dh, bei 5450T Katholiken wird es noch mind. 50 Jahre dauern, bis Oesterreich endlich eine fortschrittliche Nation wird.

Mike LTSA
00
23.9.2011, 15:34

dann kommen wir ja bald ins Minus und schulden womöglich noch welche von denen.... na servas.

hoba goas
03
23.9.2011, 13:08
Vergessen Sie´s!

Sie müssen denken, dass der Sonntagsgottesdienst mit ca. 600.000 Besuchern (durchschnittlich) bei weitem die größte Veranstaltung Österreich ist! Die Kirche hat schon schlimmere Zeiten erlebt...

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