Jeden Sonntag im Dienst, oft mehrere Arbeitsplätze gleichzeitig - Und als Dank für den unermüdlichen Einsatz im Namen des Herrn erntet man zunehmend Bedauern und Unverständnis - Das Berufsbild Priester hat ein gravierendes Imageproblem
Jeden Sonntag im Dienst, oft mehrere Arbeitsplätze gleichzeitig. Und als Dank für den unermüdlichen Einsatz im Namen des Herrn erntet man zunehmend Bedauern und Unverständnis. Das Berufsbild Priester hat ein gravierendes Imageproblem. Einen Blick hinter den Altar wagten Peter Mayr und Markus Rohrhofer.
Klaus Dopler wird in seinem Umfeld gerne bedauert. Mit gewohnter Regelmäßigkeit trifft der Pfarrer von Gallneukirchen (Oberösterreich) auf Menschen, die ihm dann wohlmeinend auf die Schulter klopfen und ein tröstendes "Wie halt's das eigentlich aus?" spenden.
Was im Mühlviertel einen Priester trifft, widerspiegelt ein generelles Problem: das Image des Berufs ist im Keller. Und das nicht erst seit den jüngsten Krisen wie dem Missbrauchsskandal. Dem gegenüber steht aber eine stabile Zahl an Theologiestudenten. Das Interesse an der Materie an sich scheint also ungebrochen, geht es aber um Job hinter dem Altar, wird die Personaldecke dünn. Viele bevorzugen die zweite Reihe und gehen etwa in der Rolle des Pastoralassistenten auf - oder werden Religionslehrer. Beispiel Uni Wien: Im vergangenen Jahr gab es 65 Erstsemestrige, im Jahr davor 97. An der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz studierten im vergangenen Sommersemester 215 Personen Theologie - die meisten von ihnen sind Laien.
Mehr ständige Diakone
Das schlägt sich auch bei der Gesamtzahl der katholischen Priester, die in Österreich wirken, nieder, sie sinkt stetig: Gab es 2009 noch 4144 Priester, waren es (2000 noch: 4470). Zum Vergleich: Die Zahl der ständigen Diakone, die nicht dem Zölibat unterworfen sind, ist hingegen gestiegen: 607 zu 422. In der Diözese Linz waren mit 1. 1. 2011 379 Priester in der Pfarren tätig, der Altersdurchschnitt liegt in Oberösterreich bei 63,7 Jahren. In den letzten zehn Jahren wurden pro Jahr zwischen zwei und sechs Priester (Welt- und Ordenspriester) geweiht. Im Priesterseminar in Linz bereiten sich zurzeit zehn Männer auf die Weihe vor.
Dem gegenüber steht eine stetig steigende Zahl an Laienmitarbeitern in der Seelsorge. 319 theologisch qualifizierte Laien sind in der Seelsorge in der Diözese Linz hauptamtlich tätig. In Wien gibt es derzeit 422 angestellte Pastoralassistenten und -assistentinnen.
Die Kirche hat längst reagiert, reagieren müssen: Pfarren werden zusammengefasst, Ausländer übernehmen vakante Stellen - und auch die Priesterausbildungsstellen wird umstrukturiert. Weil der Andrang zu gering ist, arbeiten die Diözesen bei der Priesteramts-Ausbildung künftig verstärkt zusammen. Ein Teil des Studiums in Linz erfolgt ab Herbst in Innsbruck, wo auch Anwärter aus der Diözese Feldkirch studieren. Wien, St. Pölten und Eisenstadt sowie Graz und Klagenfurt wollen ihre Priester ebenfalls gemeinsam ausbilden. Nur Salzburg behält vorerst ein eigenständiges Priesterseminar.
"Die Zeiten, in denen ein Pfarrer kraft seiner Rolle Autorität hatte, ist sicher vorbei. Ich hab heute Autorität aufgrund meiner Ausstrahlung, meiner Authentizität, meiner Überzeugungskraft", ist Pfarrer Dopler überzeugt.
Priester hätte "bis vor einiger Zeit Status, Macht und Ansehen besessen", sagt Rainer Bucher, Pastoraltheologe an der Uni Graz, heute sei die Berufsrolle aber in ein "strukturelles und wenig attraktives Anerkennungsdefizit gerutscht: Die alten Formen tragen nicht mehr und neue, gegenwartskompatible entwickeln sich erst langsam". Natürlich trägt der Zölibat dazu bei, dass viele Männer andere berufliche Wege nach dem Theologiestudium gehen. Bucher: "Die Berufschancen sind gut, nicht nur für Priesteramtskandidaten."
"Bin ein Trotzdem-Blüher"
Klaus Dopler mag seinen Job: "Man ist bei den Leuten - von der Wiege bis zur Bahre. Mit allen Freuden, Sorgen, Hoffnungen und Ängsten der Menschen." Bis es so weit ist, zitiert Pfarrer Dopler Bischof Stecher, wenn er sagt: "Ich bin ein Trotzdem-Blüher - wie der Gletscher-Hahnfuß. Die Planze wächst und gedeiht auf mehr als 3000 Metern - im Kleinklima ist ein Überleben möglich, trotz rauen Großklimas." (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2011)