Neue OMV-Strategie

"Ohne mehr Vision"

Kommentar | Günther Strobl, 22. September 2011, 19:30

Die Österreichische Mineralölverwaltung ÖMV ist Geschichte. "Österreicher mit Verantwortung" - auch das ist passé. Seit dem Switch von ÖMV zu OMV steht Österreichs größter Industriekonzern für nichts mehr. OMV ist ein Kunstbegriff - war das zumindest bisher. Seit Vorliegen der Strategie 2021, die unter dem neuen Konzernchef Gerhard Roiss ausgearbeitet wurde, lässt sich auch dieses Kürzel deuten: OMV - "Ohne mehr Vision".

Die OMV kehrt zu ihren Wurzeln zurück und lässt den Anspruch, ein Energiekonzern zu sein, der auch Erneuerbare im Portfolio hat, sausen. Im Fokus steht mehr denn je Öl, vor allem aber Gas. Nabucco als Verbindung zwischen dem kaspischen Raum und Mitteleuropa ist der zentrale Pfeiler dabei. Kommt die Pipeline nicht, weil sich Russen das Gas krallen, kracht auch die Strategie der OMV. Diese möchte selbst Gas in der Region fördern und dorthin bringen, wo der größte Reibach zu machen ist: nach Europa.

Ganz auf Erneuerbare verzichtet die OMV freilich nicht. Geothermie sei ein Thema, auch biogene Treibstoffe und Wasserstoff. Das liegt für die OMV aber weit weg. Lieber setzt man auf Gas und verkauft das als Beitrag zur Energiewende. Schließlich könnten Wind- und Solarparks nur expandieren, wenn genügend Gaskraftwerke Ausfälle abfederten. Dass sich gerade in Sachen Energiespeicherung weltweit zurzeit Enormes tut, lässt die Strategie unberücksichtigt. Visionen sehen anders aus. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.9.2011)

walschmied
00
24.9.2011, 17:56
Eine Vision ist noch keine Strategie

Es geht hier doch nicht um schicke, political-correctness Visionen, sondern um Strategien. Die Renewables sind wichtig, aberals Ersatz für das notwendige Zurückfahren von Kohle und Atom reichen sie noch lange nicht, auch wenn wir und unsere Kinder doppelt soviel Steuergeld reinpumpen (das wir nicht mehr haben). Für Österreich ist die OMV dann interessant, wenn sie in Europa ein starker Player mit Zubringerfunktion in den Sektoren bleibt, die für die Energiesicherung der nächsten Jahrzehnte unverzichtbar sind. Mir ist auch lieber, es bohrt und fördert eine OMV mit Staatsbeteiligung, als halbschwache US-Firmen, denen alles egal ist, ausser das schnelle Geld. Das ist mir wichtiger als bei welcher Tankstelle ich tanke oder wer Windräder baut.

Mary Nosch
10
23.9.2011, 10:31
NAIV

wäre es, von der OMV eine - auch nur zarte - Energiewendestrategie zu erwarten. Die OMV ist einer der zahllosen mit der Poltitik aufs engste verhaberter Totengräber a la Gasprom, Exxon, BP, Shell, Petrobras uva. für Klima und Umwelt.
Dividende über alles, bis zur Kollision mit dem Eisberg!

stefan1981
42
23.9.2011, 09:53

solange die omv erfolgreich ist kann die strategie nicht so falsch sein.

Mary Nosch
00
23.9.2011, 10:36
Adolf H.

hätte man mit dieser Art der "Argumentation" 1937 ausschließlich zujubeln müssen. Erfolghaben und Richtigliegen haben a priori noch nichts miteinander gemein; insofern passt hier OMV allerbestens zu Hitler.

fanta
10
23.9.2011, 15:22

selten dämlicher Vergleich!

nobunaga
01
22.9.2011, 20:29
Keine Vision

Danke für den Kommentar, Herr Strobl. Sie haben die "Strategie" der OMV in wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Die OMV steht leider für nichts mehr. Geothermie und Wasserstoff sind eine Alibihandlung zur Beruhigung der Medien, das scheint aber schon am ersten Tag zum Rohrkreperer zu werden.

Doc Steel
00
23.9.2011, 18:43
die omv steht für gewinnoptimierung.

wie in der privatwirtschaft so üblich.

der staat freut sich über dividenden.

Uniquin
 
22
22.9.2011, 20:11

visionen zahlt der verbraucher, zum dividenden zahlen brauchts realitäten.
.. in Sachen Energiespeicherung weltweit zurzeit Enormes tut: was soll das sein? druckluftspeicher für 3 stunden, pumpspeicher für ein paar mehr stunden? alles genial hilfreich bei 10 tagen dauerflaute wenn man auf wind setzt. oder doch gasspeicher für 3 Monate?

VölligDurchgeknallteStimmeDerVernunft
31
23.9.2011, 09:36
Bitte verlangenS' nicht dass ein journalist sich mit NaWi oder Technik auseinandersetzt!

Das hat man schon früh gelernt dass Technik und NaWi entweder (kreuzen Sie so viele Optionen an wie's gefällt) a) böse, b) langweilig c) unnötig d) unverständlich e) mir wuascht f) braucht eh ka Mensch g) wir sind eine Dienstleistungsgesellschaft und schneiden uns alle gegenseitig die Haare und werden davon reich, die Zeiten der Technik sind vorbei! h) davon habe ich noch nie gehört! ist.

Zumindest deckt sich der durchschnittliche Journalist so mit ca. 70% der Allgemeinbevölkerung. Wir wollen genfreies Essen und atomfreien Strom, haben ein Ozonloch dass für die Klimaerwämrung verantwortlich ist und die steigenden Meeresspiegel sind keine Volummsdilatation (Vorsicht böses Wort!) des Wassers, sondern schmelzende Eisbären.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.