Der ehemalige Fohnsdorfer SPÖ-Bürgermeister bringt seine Landspartei in Probleme
Fohnsdorf/Graz - Es herrscht Ruhe im Steirerland, seit sich SPÖ- Landeschef Franz Voves und sein ÖVP-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer zusammengerauft, zu Reformpolitikern gewandelt und ihre Parteien nach den Jahren des Streites zum Friedensschluss vergattert haben. Beinah eine rot-schwarze Idylle, wenn da nicht Fohnsdorf wäre. Die alte SPÖ-Hochburg muss nach dem Finanzskandal und der Bestellung eines Regierungskommissärs am Sonntag neu wählen. Für beide Landesparteien eine höchst unangenehme Sache. Die SPÖ wird erstmals seit 1945 nicht antreten, die ÖVP nur mit einem Notprogramm, nachdem die ehemalige VP-Vizebürgermeisterin Ingrid Felfer, die die Finanzmalaise im Ort aufgedeckt hatte, aus Frust über die Zustände in Fohnsdorf abgesprungen ist.
Besonders heikel ist diese Wahl aber für die SPÖ, denn Landeschef Voves hatte es dem roten Ex-Bürgermeister Johann Straner praktisch verboten, nochmals anzutreten, weil dieser das Finanzdebakel - ausgelöst durch den Bau einer Therme - zu verantworten habe. Straner ignorierte den Ukas und kandidiert nun als "Liste Hans". Für Voves bitter: Er verliert die gesamte Ortspartei. Sie folgte Straner, tritt aber offiziell als SPÖ Fohnsdorf auf. Auf deren Homepage heißt es: "Wo Hans d'raufsteht ist SPÖ d'rinnen." "Ich weiß nicht, ob dass zu Konsequenzen seitens der Landespartei führen wird", sagt Straner, der überzeugt ist, die 71 Prozent vom letzten Mal halten zu können.
Dass er mit seinen Finanzjonglerien und dem Thermenprojekt vom Rechnungshof zerpfückt und nun bei der Staatsanwaltschaft auf der Agenda - Stichwort Amtsmissbrauch - steht, wurmt Straner. Die Landesparteien von SPÖ und ÖVP seien stets informiert gewesen, hätten die Therme gar als "Leitprojekt" gelobt. Straner: "Wir haben die Therme ja nicht gebaut, weil der Straner so lustig ist. Jetzt tut jeder so, als ob er von nichts gewusst hätte. Ich war zigmal in Graz bei Gesprächen." Er wolle nicht allein der Sündenbock sein, obwohl er zugeben müsse: "Ich bin kein Leichter, aber das ist halt so." (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2011)