Heiliges Land

Kruzifix-Streit in Tiroler Dorf: Schuldirektor unter Beschuss

Interview | Sebastian Pumberger, 23. September 2011, 10:20
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    foto: epa/silvi

    Um 1,5 Meter hohe Kruzifixe ist in einem Tiroler Dorf ein Streit entbrannt.

Schulleiter ließ eineinhalb Meter hohe Kruzifixe durch kleinere Holzkreuze ersetzen

In dem 2000-Seelen-Dorf Nassereith im Tiroler Oberland hat der örtliche, neu angetretene Volksschuldirektor in den Klassenzimmern die alten Kruzifixe entfernen lassen, laut einem Bericht der Kronen Zeitung macht sich Unmut beim Bürgermeister und der Ortsbevölkerung breit. Was in der Diskussion untergeht: Anstelle der sechs alten Kruzifixe wurden acht neue, moderne Holzkreuze angebracht - und am Gang hängt nach wie vor ein gut drei Meter großes Kruzifix. "Ich wollte damit ein Zeichen setzen, das wir eine offene Schule sind", sagt Direktor Thomas Köhle. Im Interview mit derStandard.at erklärt Köhle seine Beweggründe und die Hintergründe der Causa.

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derStandard.at: Sie haben in ihrer Volksschule alte, große Kruzifixe gegen moderne, kleinere Holzkreuze ausgetauscht - was zur Aufregung mancher geführt hat. Warum haben Sie das gemacht?

Köhle: Mich haben die riesigen Kruzifixe an meine eigene Schulzeit hier in dieser Schule erinnert. Das war in den 70er-Jahren, einer Zeit, in der ein Schuldirektor und ein Pfarrer über die Leute im Dorf uneingeschränkt bestimmen konnten. Ich wollte mit dem Austausch ein Zeichen setzen, dass wir nun eine offene und kindgemäße Schule sind. Ich bin nicht gegen religiöse Symbole in der Klasse und in der Schule.

derStandard.at: Wie sehen die SchülerInnen und LehrerInnen das?

Köhle: Eigentlich steckt dahinter ein pädagogisch durchdachtes Konzept, das ich gemeinsam mit der Religionslehrerin gestartet habe. Wir haben uns überlegt, wie wir die Kinder als Klassengemeinschaft einbinden können. Die Holzkreuze, die angefertigt wurden, haben viele kleine Nägel und jedes Kind hängt sein Namensemblem ans Kreuz. So haben alle Kinder einen Bezug zum Kreuz an ihrer Klassenwand .

derStandard.at: Der Bürgermeister ihrer Gemeinde will ja nun den Gemeinderat mit der Causa bemühen. Haben Sie mit so einem Sturm der Entrüstung gerechnet?

Köhle: Nein, in keinster Weise. Ich habe jetzt im Herbst hier als Schulleiter neu gestartet und sehe meine Hauptaufgabe natürlich in der Arbeit mit den Kindern. Doch zur Zeit bin ich nur mit dieser Causa beschäftigt, die eigentlich keine aufsehenerregendes Thema sein sollte. "Gottseidank" erfahre ich mittlerweile so viel Unterstützung - im Dorf wie im ganzen Land. Das bestärkt mich, weil es offensichtlich ist, dass es nur eine verschwindende Minderheit in unserem Dorf ist, die lautstark Stimmung macht. Der Großteil der Leute steht hinter mir und sieht, dass ein Austausch von Kreuzen im Jahr 2011 auch in Nassereith nichts Verwerfliches ist. Ich habe ja keine Kreuze entfernt!

derStandard.at: Der Bürgermeister will, dass die alten Kruzifixe in der Schule hängen. Wie sehen Sie das?

Köhle: Nein, sicher nicht. Das wäre nicht meine Schule. Wir haben sechs 1,5 Meter hohe Kruzifixe in relativ kleinen Klassenräumen angebracht gehabt. Noch dazu befindet sich am Gang zusätzlich ein weiteres überdimensionales Kruzifix mit drei Metern Höhe. Ich glaube nicht, dass sich sonst noch wo eine Schule findet, die eine derartige Omnipräsenz von Kruzifixen aufweisen kann. Mir geht es um eine gute Entwicklung der Kinder. Da muss es auch ohne großes Geschrei möglich sein, dass man so etwas macht. Das ist ja nichts Verwerfliches. Eine gewisse Klientel sieht da plötzlich einen Angriff auf das Christentum, da wird plötzlich der Islam, die Ausländer und Weiß-Gott-noch-was ins Spiel gebracht. Aus einer bestimmten Ecke wird bewusst polemisiert und Stimmung gemacht.

derStandard.at: Haben sich auch Bürger direkt bei Ihnen gemeldet?

Köhle: Das ist das Ungute dabei. Es wurde wissentlich die Unwahrheit verbreitet und kolportiert, dass der Direktor einfach die Kruzifixe rausgeworfen habe. Niemand hat gesagt, dass bloß Kreuze ausgetauscht worden sind. Noch dazu haben wir jetzt statt sechs Kruzifixen sogar acht neue Kreuze, weil zwei Klassen dazugekommen sind.

derStandard.at: Warum war das ein bewusstes Missverstehen?

Köhle: Wie in jedem Dorf gibt es halt auch bei uns eine Handvoll Leute, die in jeder Veränderung eine Bedrohung sehen. Schlimm ist, wenn sie anonym Wirbel machen und ihnen zuviel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es hat auch niemand versucht, sich bei mir in der Schule ein Bild zu machen. Anscheinend trauen sich die, die im Hintergrund agitieren, nicht auf eine persönliche Konfrontation.

derStandard.at: Für Sie ist der Fall erledigt?

Köhle: Ja, es ist alles gesagt, es sind kindgemäße Kreuze in den Klassen. Jeder der daran etwas Schlimmes sieht, der führt eigentlich nichts Gutes im Schilde.

derStandard.at: Sind Kreuze in Schulen prinzipiell zeitgemäß?

Köhle: Ich möchte nicht zur Sinnhaftigkeit religiöser Symbole Stellung nehmen. Wir haben das Konkordat. Wenn sich mehr als die Hälfte der Schule zum christlichen Glauben bekennen, dann ist ein Holzkreuz anzubringen. Dem haben wir mehr als Genüge getan. Wir haben pädagogisch gehandelt, unsere neuen Kreuze finden Gefallen bei Kindern und Eltern - mittlerweile haben wir sogar Anfragen aus Deutschland, wo es unsere Kreuze zu beziehen gibt.
(Sebastian Pumberger, derStandard.at, 23.9.2011)

Kommentar posten
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Freddy alien merkury
00
30.10.2011, 07:28
Verantwortungslos: Wenn so ein Riesenkreuz runterfällt ist ein Kind tot.

Hofzwerg
01
5.10.2011, 13:46
ich bin für trennung von staat und kirche

jeder sollte glaube was er will, aber er sollte den anderen mit respekt begegnen.
kreuze in schulklassen sind keinen trennung von staat und kirche.
ich bin ein anhänger von FSM , und könnte jetzt fordern, dass dieses in allen klassenzimmern aufgehängt wird.
was täten unsere christlichen glaubensbrüder sagen?
RAmen

Feuergeist
 
02
27.9.2011, 14:56
Religionsfreiheit

Im 21. Jahrhundert sollte man annehmen das für alle Menschen die Religionsfreiheit gilt. Ich haben einen Sohn, ein zweiter ist auf dem Weg und ein drittes Kind in Folge geplant. Keines unserer Kinder wird getauft. Wir (meine Frau und ich) haben nichts gegen Religionsunterricht, sofrn er alle religionen abdeckt damit sich unsere Kinder, wenn sie Erwachsen sind, frei für eine oder auch keine Religion entscheiden können. Das Symbol einer Religion in Klassenzimmern entstammt ja wohl dem tiefsten Mittelalter!!! Oder werden in Zukunft auch kleine Buddastatuen oder Gebetsteppiche in den Klassenzimmern zu finden sein? Denn ich verbinde meine Staatszugehörigkeit (Österreich, immer schon, für die ewig Gestrigen) in keiner Weise mit meiner Religion!

Prolo1
40
30.9.2011, 13:53
ich hab noch kein Kind, aber meine fuffzig geplanten werden alle nicht getauft. Extring zfleiß!

Bist'n ester Koffer ... macht sich wichtig mit Kindern die er noch gar nicht hat ...

Feuergeist
 
02
5.10.2011, 12:45
Kannst du lesen?

Ich HABE einen Sohn. Der zweite kommt im Dezember, is also auch nimmer lang. Entschuldige bitte das meine frau nur ein Kind auf einmal austrägt.
Und zum Unterschied von anderen Leuten versuche ich nicht meine Religion dem Rest der Menschheit aufs Aug zu drücken. Die gehört nach Hause oder in die entsprechenden Tempel. Nicht in die Schule.

Volltrottel
42
30.9.2011, 11:17
... und wir haben unsere drei Kinder nackt aufgezogen

- wenn sie erwachsen sind, können sie sich immer noch entscheiden, ob und wie sie sich anziehen wollen.
Mit der Religion ist es das Gleiche.
Gesellschaftliches Ziel - illustriert in kleiner Szene(gefunden im Internet):
"Mama, wieso ist diese Mc Donalds-Filiale so hoch?"
"Das war früher eine Kirche, Aische, der so genannte Stephansdom. Und das an der Spitze oben ist ein Kreuz!"
"Kirche? Kreuz? Dom? Was ist das Mama?"
"Kirche ist eine Art Moschee der ausgestorbenen Ureinwohner – du hast sicher in der Schule gehört von ihnen.“
Mit„Die ausgestorben sind, weil sie keine Kinder mehr wollten, weil ihre Frauen verlangt haben, dass mindestens die Hälfte der Schwangerschaften von Männern ausgetragen werden muss?“
„Du sagst es, genau die!“

Feuergeist
 
02
5.10.2011, 12:45
Gratulation

zum dümmsten Vergleich des Monats

Jim Knatterpeng
11
3.10.2011, 14:21
Lieber nackt rumlaufen als mit völlig nutzlosen Kleidungsstücken

Ihr Beitrag klingt nach Panikmache eines islamophoben Ewiggestrigen, und ihr Vergleich ist dämlich.
Möchte Sie daran erinnern, dass Religion eine freiwillige Privatsache ist. Niemand braucht einen Gott, und wem trotzdem danach ist, der kann sich ja einen besorgen. Zu Ihrem Kleidervergleich: So komisch kann das Wetter gar nie werden, dass ich ein völlig nutzloses Kleidungsstück anziehen würde. Dann schon lieber nackt bleiben.

Victoria Karl
 
01
27.9.2011, 15:21
und als seine Frau sag ich

sowohl er als auch ich sind getauft,.. gegen unseren willen, aber wer fragt schon ;)

The_new_number_2
19
26.9.2011, 16:37

Ein Vater ist sehr besorgt über die schlechten Mathematiknoten seines Sohnes. Er beschließt, ihn in ein katholisches Internat zu stecken. Nach dem ersten Semester kommt der Sohn mit einer Eins in Mathematik nach Hause.
Der Vater ist sehr erfreut, möchte aber wissen: "Wie kommt es, dass deine Mathematiknote jetzt so gut ist?"
"Weißt du", erklärt der Sohn, "als ich am ersten Tag ins Klassenzimmer kam, sah ich so einen Kerl an der Wand, der an einem Pluszeichen festgenagelt war. Da war mir sofort klar, dass die hier keinen Spaß verstehen."

Der Geist der Ahnung
 
04
26.9.2011, 09:23
So reaktionär und unverständlich die Reaktion des Bgm ist, so berechenbar und pauschalierend ist die eines großen Teils der Postergemeinde.

Zitat <'Gottseidank' erfahre ich […] viel Unterstützung – im Dorf wie im ganzen Land. Das bestärkt mich, weil es offensichtlich ist, dass es nur eine verschwindende Minderheit in unserem Dorf ist, die lautstark Stimmung macht. Der Großteil der Leute steht hinter mir […] unsere neuen Kreuze finden Gefallen bei Kindern und Eltern […].> Den 'Sturm der Entrüstung' (Standard) gibts offenbar nur bei Bgm samt kleiner Clique.
Wenn das Tirolbild, das hier beschworen wird, stimmen würde, hätte dieser komische Christenmensch bei der letzten BP-Wahl in T nicht bloß 6,18% der Stimmen bekommen (bundesweit 5,43%) und bei der NR-Wahl wären wohl 'Die Christen' Nr 1 (tatsächlich 0,87% in T).
Zum Glück ist das alles auch in T nur noch Minderheitenprogramm.

ulenspygel
14
26.9.2011, 00:50
Kruzifix?

Ist das nicht die implizite Affirmation einer Todesstrafe, die nicht mal in Saudi-Arabien und mittlerweile schon gar nicht mehr in den USA in dieser Form Anwendung findet?

Volltrottel
20
30.9.2011, 11:56
Es ist und war der erste Protest gegen die Todesstrafe.

sf303
18
25.9.2011, 23:34

1,5m große kreuze mit dem geschundenen körper in einer öffentlichen volksschule. und wenn die kleinen dann nachts alpträume haben, holen die dann den exorzisten, oder was? und die alternative ist, namenskärtchen der kinder auf das frühzeitliche folterinstrument zu nageln? ja gehts noch?

werwolfi
08
25.9.2011, 23:04
Trennung von Kirche und Staat! Konkordat abschaffen! Religion muss endlich reine Privatsache werden!

es ist ja wirklich lächerlich, was da ein paar verbohrte, ewiggestrige Kampfkatholen aufführen... ich gratuliere jedenfalls dem Schulleiter zu seiner Haltung.

Jabberwock
26
25.9.2011, 22:48
ich würde ja

die kruzifixe durch scheißbürsten ersetzen, als zeichen gegen religiöse borniertheit

tuxi72
61
26.9.2011, 10:27
Scheißbürste für dein Wohnzimmer

Wenn Scheiße deinen Glauben wiederspiegelt, häng dir doch eine entsprechende Bürste in dein Wohnzimmer. Deine Sache.

Ansonsten würde ich zumindest um etwas mehr Respekt denen gegenüber erbitten, denen dieses Symbol sehr wohl etwas bedeutet.

clara77
02
26.9.2011, 11:34

Die Meldung von Jabberwock ist etwas doof. Aber eine Frage ist schon berechtigt: warum geht es immer darum, dass man die Gefühle der Gläubigen nicht verletzen darf? Sind diese Gefühle denn so ungefestigt? Und warum stellt sich keiner die Frage, ob die Gefühle der Nichtgläubigen durch Anbringen religiöser Symbole beeinträchtigt werden?

tuxi72
00
26.9.2011, 14:19
Nicht das OB, sondern das Wie

Ob man Kreuze in der Schule aufhängt oder nicht ist eine Sache.
Eine andere ist es wie man das fordert. Nicht respektlos finde ich es zu fordern, dass die Kreuze aus den Klassen verschwinden (obwohl ich für deren Erhalt bin). Respektlos, geschmacklos und auch meinen Glauben beleidigend finde ich den Vorschlag die Kreuze durch Schißbesen zu erstzen. Diesbezüglich würde ich etwas mehr Respekt erwarten.

tuxi72
00
26.9.2011, 16:30
Sorry wegen der Mehrfachposts

Aus irgendeinem Grund hat es mehrere Stunden gedauert, bis mein Post angekommen ist, deshalb habe ich es dann noch ein paar mal probiert ;-)

clara77
00
26.9.2011, 19:24

Habs drei Mal auf die Mailbox erhalten :D

tuxi72
00
26.9.2011, 13:11
nicht das OB, sondern das WIE stört mich

Ob Kreuze in den Schulklassen aufzuhängen sind oder nicht, kann Diskutiert werden. Das ist keine Frage.
Die Art und Weise wie Jabberwock das getan hat, den Ersatz durch Scheißbürsten, finde ich als Katholik unter jeder Kritik. Es ist mein gutes Recht dieses Folterwerkzeug und den Gekreuzigten anzubeten. Ich bitte das zu respektieren und solche geschmacklosen Vergleiche zu unterlassen.

clara77
00
26.9.2011, 15:34

Sie haben Recht.

Erstversuch
00
26.9.2011, 13:08
Selbstverständlich darf man die Gefühle von Gläubigen verletzen

Aber jemanden zu verletzen ausschliesslich aus dem Grund sich zu belustigen ohne aufklärerischen Zweck ist halt fragwürdig.

clara77
00
26.9.2011, 13:11

Sehe ich auch so, ja.

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