Kulturzentrum wird von Grazer Architekten errichtet - Baubeginn 2012 geplant
Graz - Graz bekommt ein islamisches Kulturzentrum und seine erste Moschee. "Es gibt keine Diskussion darüber, dass eine staatlich anerkannte Religion, die von 18.000 Menschen in unserer Stadt ausgeübt wird, einen Ort braucht" , betonte Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) am Donnerstag bei der Präsentation des Projektes. Gerade in Graz begegne man "einander mit Respekt im interreligiösen Dialog" .
Noch ist das Grundstück nahe des Zentralfriedhofs eine "fast liebliche Aulandschaft" , sagt Architekt Alfred Bramberger von der Jury, die zahlreiche internationale Einreichungen prüfte. 2012 wird mit dem Bau begonnen. Das Modell des Grazer Architekten Gerhard Springer überzeugte im Wettbewerb, zu dem die "Muslimische Gemeinschaft Steiermark" geladen hatte, weil es die Verbindung von Offenheit für alle Grazer und Zurückgezogenheit für das Gebet, verbinde.
Minarett nur symbolisch
Diese Offenheit verlangten die Muslime, der Architekt übersetzte sie in ein Restaurant samt Gastgarten für alle. Der Sprecher der bosnischen Muslime, Mahdi Mekic erklärte, warum es nur ein symbolisches Minarett als nicht begehbare Skulptur geben werde: Es gebe "den ursprünglichen Zweck des Minaretts" heute nicht mehr. Sprich: Die Leute stellen sich heute selbst den Wecker, wenn sie zum Gebet wollen.
Zum Gebet soll dann ein Weg durch einen Park mit Bäumen und Lavendelbeeten aus dem Alltag hinein in einen stillen, "abgehobenen" Raum führen. Licht strömt durch bodennahe Fenster und bricht sich außen in einem Wassergraben. Der ganze Raum ist leicht erhöht. Das gesamte Bauvorhaben kostet acht Millionen Euro und wird von den Muslimen privat, über Spenden und Kredite finanziert. In mehreren Abschnitten sollen auch ein Kindergarten, eine Turnhalle, eine Mehrzweckhalle und Büros entstehen.
Die wegen Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren verurteilte FP-Politikerin Susanne Winter kam nicht zur Präsentation, warnte aber per Aussendung vor der Entstehung einer "Parallelgesellschaft" . Das, obwohl die Polizei, wie Nagl sagt, keine Bedenken gegen den Bau habe. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2011)