Klimawandel führt auch zu Wasserknappheit in Alpenregionen - EU-Projekt entwickelte regionale Frühwarnsysteme
Graz - Die Alpen mit ihren Gletschern, Seen und Quellen sind Europas
Süßwasserreservoir. Das könnte sich allerdings im Laufe der nächsten Jahrzehnte ändern: In manchen Regionen ist laut europäischer Wasserexperten eine Tendenz zur Verringerung der Wasserreserven bemerkbar und die
voranschreitende Gletscherschmelze könnte auf Zeit gesehen dem Kontinent den
Wasserhahn zudrehen - und das bei ständig steigendem Bedarf nach dem kostbaren
Nass. Der Einfluss des Klimawandels auf die alpinen Wasserressourcen und
Strategien gegen das Mangelrisiko wurden vergangene Woche in einer
internationalen Konferenz in Graz diskutiert.
Sinkende Grundwasserneubildung unbestritten
Beobachtungen der vergangenen 100 Jahre belegen in den österreichischen Alpen
steigende Temperaturen, eine Reduzierung der Niederschläge sowie ein
signifikantes Absinken der Grundwasserneubildung von rund 25 Prozent. Dies
schilderten die Projektverantwortlichen des EU-Projektes "Alp Water Scarce" am
Mittwoch im Umfeld der Abschlusskonferenz in Graz. Die Grundwasserspiegel
könnten - allein schon aufgrund des steigenden Wasserverbrauchs im Tourismus und
Landwirtschaft - weiter sinken.
Für den Alpenraum werden aber auch häufiger
auftretende Hitzewellen im Sommer vorhergesagt und für den jährlichen
Niederschlag erwarten die Experten ein Nord-Süd-Gefälle: leichter Anstieg im
Norden, deutlicher Rückgang im Süden. Aufgrund von Wasserknappheit können sich
vor allem Konflikte zwischen der Energieversorgern, Landwirtschaft und Tourismus
ergeben.
Strategien
gegen die Wasserknappheit
Ziel des dreijährigen EU-Projektes "Alp Water Scarce" war es, Strategien
gegen das Risiko der Wasserknappheit in den Alpen, das vor allem
Energieversorger, die europäische Landwirtschaft und den Tourismus treffen
könnte - zu etablieren. Das Institut de Montagne der Universität von Savoyen hat
das Projekt mit Partnern aus Österreich, Frankreich, Italien, Slowenien und der
Schweiz koordiniert. Dabei wurden 22 Untersuchungsgebiete in Österreich,
Frankreich, Italien, Slowenien und der Schweiz, die bereits jetzt punktuell mit
dem Problemen von Wasserengpässen konfrontiert sind, analysiert. Für Österreich
liegen sie vor allem in Kärnten und der Steiermark (Koralpe, die Karawanken,
Jauntal, Gurktal, Steirisches Becken, Steirisches Randgebirge - Wechsel).
Die Daten dienen dazu, nationale und transnationale Wassermanagement-Konzepte
für alpine Regionen mit möglicher zukünftiger Wasserknappheit zu erstellen.
Konkret wurden bereits vier Frühwarnsysteme für das Einzugsgebiet der Arly
(Hoch-Savoyen), das Einzugsgebiet des Piave, Kärnten und Slowenien entwickelt:
In Kärnten zielt das System darauf ab, die Trinkwasserversorgung nachhaltig zu
gewährleisten, in Slowenien soll es einen sparsamen Umgang mit Wasser in der
Landwirtschaft unterstützen, schilderte Eric Brunat von der Universität Savoyen.
Aus Sicht von Johann Wiedner, Leiter der steirischen Abteilung
Wasserwirtschaft und Abfallwirtschaft sei die österreichische und steirische
Wasserwirtschaft "vorbereitet für notwendige Anpassungsstrategien an den
Klimawandel". Vorrangig gelte es, die Beobachtungen des Wasserhaushaltes
abzustimmen und auch die Gewässertemperatur stärker zu berücksichtigen,
vorsorglichen Wasserressourcenschutz zu betreiben. (red/APA)