Einmalzahlungen als großer Knackpunkt

22. September 2011, 17:28

Die Arbeitgeber haben bereits im Vorfeld eine Lohnerhöhung um drei Prozent plus Einmalzahlung ange­boten, die Gewerkschaft will mehr

Wien - Die heurigen Metaller-Verhandlungen als Auftakt der Herbstlohnrunde spießen sich erwartungsgemäß an den Einmalzahlungen. Die Industrie möchte einen prozentuellen Zuwachs, der die Inflationsrate des vergangenen Jahres von 2,8 Prozent abdeckt, und darüber hinaus die Beschäftigten mit Einmalzahlungen an der guten Auftragslage teilhaben lassen. Das hätte für die Arbeitgeber den Vorteil, dass die Lohnverhandlungen im nächsten Jahr von einer niedrigeren Basis ausgehen würden.

Die Arbeitnehmer hingegen pochen auf eine nachhaltige Lohnerhöhung, also primär auf einen kräftigen prozentuellen Anstieg der Ist- und Mindestlöhne. Die Gewerkschaften erinnerten an die Entwicklung der Lohnstückkosten in Österreich im Jahr 2011 und an die prognostizierten Daten des Wifo für 2012. Im Vorjahr legte die Stundenproduktivität in der Sachgütererzeugung um 6,2 Prozent zu, die Lohnstückkosten gingen um 3,9 Prozent zurück. Für das kommende Jahr wird eine Erhöhung der Stundenproduktivität von 5,4 Prozent erwartet, die Lohnstückkosten sollen um 1,9 Prozent sinken.

Weiters rechneten sie vor, dass die Kapitalstruktur der Metallindustrie hervorragend sei - schließlich könnten von einer Eigenkapitalquote von 33,1 Prozent viele Betriebe nur träumen. Ganz zu schweigen von den Jahresüberschüssen, die 2010 gegenüber 2009 um 57 Prozent gestiegen sein sollen.

Verbesserte Rahmenbedingungen

Wie es aus Gewerkschaftskreisen am Donnerstag hieß, geht es den Arbeitnehmern nicht nur um eine saftige Lohnerhöhung, sie wollen auch Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen. So soll der 31. Dezember prinzipiell ein freier Tag bei voller Bezahlung sein. Weites soll eine Mindestvergütung bei Rufbereitschaft festgeschrieben werden und es zu einer Verbesserung der Abgeltung der Reisezeiten außerhalb der Normalarbeitszeit kommen.

Das erste Abtasten beider Seiten dauerte heute nur zweieinhalb Stunden, danach präsentierten sich beide Seiten entspannt - wenngleich die Stimmung im Verhandlungssaal durchaus angespannt gewesen sein soll, erfuhr die APA aus Verhandlungskreisen. Am 4. November wird planmäßig weiterverhandlet. Der Streit um die Sitzordnung, der im vergangenen Jahr zu einem Abbruch der Gespräche nach einer Minute führte, blieb heuer aus.

Vor Beginn der Übergabe des Forderungskataloges der Arbeitnehmer waren sich die beiden Verhandlungsseiten einig, dass von einer Jahresinflationsrate von 2,8 Prozent ausgegangen wird. Die Arbeitgeber-Chefverhandler Christoph Hinteregger und Alfred Hintringer betonten, dass die Wirtschaft in den vergangenen 16 Monaten sehr gut gelaufen sei, was natürlich auch ein Verdienst der Mitarbeiter sei, an denen man sie teilhaben lassen möchte. Aber nun stehe man krisenbedingt vor einer ganz schwierigen Ausgangssituation.

Die Chefverhandler auf Arbeitnehmerseite, Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Proyer (GPA), griffen die Diskussion über eigene Lohnrunden für Frauen auf und meinten, man werde die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen sicher thematisieren.

Bündel an Forderungen beim Metallgewerbe

Während die Metallindustrie heute mit überschaubaren Forderungen in die Verhandlungen gegangen ist, gab es im Metallgewerbe von der Arbeitgeberseite gleich einen Bündel an Wünschen, die wohl bei den Industriegesprächen für einen Eklat und Verhandlungsabbruch gesorgt hätten. Die Gewerbetreibenden wollen eine Kürzung der Kündigungsfristen, einen Entfall des Postensuchtages bei Selbstkündigung, eine Verkürzung der Weiterverwendungszeit von Lehrlingen auf das gesetzliche Ausmaß (3 Monate), die Zulassung einer täglichen Normalarbeitszeit bis zu 10 Stunden im Rahmen einer 5-Tage-Woche und den Entfall des Zeitzuschlages für Wochenstunden nach der 40. Stunde bei dem Modell der "Erweiterten Bandbreite".

Geht es nach den Grünen, dann werden Wimmer und Proyer ihr ganzes Verhandlungsgeschick aufbringen müssen, denn die Grünen erwarten einen Lohnabschluss von 5 Prozent. Die Lohnzuwächse würden seit Jahren deutlich dem Wirtschaftswachstum nachhinken und sich sogar unter Inflationsniveau befinden, so die Begründung. Der Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RfW) forderte in einem offenen Brief an die Regierung einen Runden Tisch. (APA)

Share if you care
17 Postings

Was soll der Schwachsinn mit Einmalzahlungen?
Die Preise steigen ja auch nicht nur für heuer und reduzieren sich nächstes Jahr wieder.
Die einzig sinnvolle Lösung wäre generell per Gesetz alle Löhne und Gehälter an den Verbraucherpreisindex+Steuer zu binden, dann verdienen wir netto reell immer das gleiche. Wir leisten ja auch das Gleiche und nicht weniger.
Über den Rest kann jedes Jahr verhandelt werden.
Für besondere Leistungen oder wenn's dem Unternehmen/Branche ein Jahr besonders gut geht dann dies mit Prämien abgelten.

Warum sind die Gewerkschafter und Betriebsräte immer solche dicke Personen?

Scheinen gut genährt zu sein. Denen geht´s zu gut....

und warum posten manche Personen

immer so einen großen Blödsinn?

zuerst sollte die einkommensschwächste branche starten

wie z.b. pfege, handel oder friseure. die setzen dann die benchmark für alle anderen - die mettaller zum schluss. die lohnschere zwischen metaller und handel geht deshalb so auseinander, weil hier immer auf dem vorjahresabschluss aufgebaut wird. die metaller sind immer die ersten mit den höchsten abschlüssen. das ist absolut nicht mehr gerechtfertigt. warum ist die arbeit mit metall um so viel "wertvoller" als die einer heimhilfe? die körperliche anstrengung kann es nicht sein, weil was da so manche heimhilfe morgendlich aus dem bett stemmen muss ist nicht selten jenseits des eigenen körpergewichts.

Dann sollen sich

die armen Hascherln im Handel halt genauso straff organisieren wie die Metaller und ebenso hart verhandeln.
Problem gelöst.

Um wieviel wird eigentlich das Arbeitslosengeld erhöht ? Als Ex-Metaller wär mir das wichtiger.
achja, die Manager belohnen sich mit 4,1% + Boni für die oberen Gau...ner

ihr Arbeitslosengeld wird eh von ihrem Einkommen berechnet

steigt das Einkommen, steigt auch das Arbeitslosengeld

da geht sich wohl nur ein kleine plus aus.

"es könnte eine Krise kommen"
"es wird eine Krise kommen"
"wir haben eine Krise"
"jetzt war grad a Krise"
"den zarten Aufschwung nicht gefährden"
"der Aufschwung wird schwächer"
"es könnte eine Krise kommen"

und dazwischen immer wenns notwendig erscheint oder über eine Änderung der Abgaben- und Steuerlast nachgedacht wird die Mär vom scheuen Reh Kapital und den Arbeitsplätzen die Stiftungen erhalten.

Wie lange lassen wir uns noch auf den Arm nehmen?
Und wer kauft in Zukunft die ganzen Dienstleistungen, Produkte und sonstiges Klumpat?

15 % Gehaltserhöhung

Wer es wirklich ernst meint, mit der Umverteilung, der soll nicht 2 oder 3 % Lohnerhöhung verlangen, sondern 15%.

Das wäre eine echte Umverteiung von den reichen Aktionären und Unternehmen hin zu den Arbeitnehmern.

Das hätte Sinn.

„Hinter dir! Ein dreiköpfiger Affe!“

Wird bei den Verhandlungen eigentlich berücksichtigt, dass sich eine prozentuelle Brutto-Lohnerhöhung Netto nicht im selben Ausmaß im Geldbörsel findet?
Bei einem Ausgangsgehalt von 3.000,- und einer Lohnerhöhung von 3,0% bleiben wir Netto nur 2,2% übrig. Der Abschluss müsste also entsprechend höher sein als die Inflationsrate, um überhaupt einen Inflationsausgleich zu bringen.

Same game as every year!

Die Sorgen kommen immer dann, wenn's den reichen gerade am besten passt.
Komisch nur, dass ganz egal wie es der Wirtschaft geht, die Reichen die einzigen sind, die trotz allem immer reicher werden!

Einfache Lösung:

Löhne und Gehälter an die Einkommenssteigerung des Managements koppeln.- Bedeutet für dieses Jahr 4% mehr plus Gratifikation. Braucht ja nicht gleich durchschnittlich 168tsd sein, wie bei den Bossen;-)

Einfach die Arbeitsleistung an die höhe des Gehalts anpassen. ;-)

Das würden einige

bei der Höhe ihrer Bezüge nicht überleben;-)

Viel zu fad!

Das Ergebnis ist fixiert. Sozusagen, in Stein gemeiselt. Aber nach schweren wochenlangen Verhandlungen können es beide Seite besser als guten Erfolg verkaufen. Was die Verhandler in diesen zähen schwierigen langen Tagen und Nächten tun, eine andere Geschichte. Stärken werden sie sich ganz sicher. Eine Maus müßte man sein.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.