Italien

Verletzte bei Flüchtlingsaufstand auf Lampedusa

21. September 2011, 22:30
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    foto: foto: sky italia/ap/dapd

    Migranten auf Lampedusa fliehen vor der Polizei vom Balkon eines Hauses. Die Beamten gingen mit Schlagstöcken gegen Tunesier vor, die aus dem Auffanglager entkommen waren

Die Flüchtlinge auf Lampedusa revoltierten gegen die Zustände im Lager und ihre Abschiebung.

Rom - Am Mittwoch blieb Bernadino di Rubeis nur mehr die Flucht. Der Bürgermeister von Lampedusa musste sich mit Polizeischutz in seinem Büro verschanzen. Er habe in seiner Schreibtischschublade einen Baseballschläger und sei jederzeit bereit, ihn auch zu benutzen, ließ er ausrichten. "Das hier ist Krieg" , sagte Rubeis zu Journalisten.

Seit Monaten kommen fast täglich Boote mit Flüchtlingen aus Tunesien auf der kleinen Insel vor Italien an. Doch nicht sie waren es, vor denen Rubeis fliehen musste - drei seine Wähler hatten den Bürgermeister attackiert. Er sei zu "nachsichtig" und "weich" im Umgang mit den Flüchtlingen, warfen sie ihm vor, er tue nicht genug, damit sie endlich von der Insel verschwinden.

Die Unerwünschten hatten aus Protest gegen ihre bevorstehende Abschiebung und die Zustände im Lager amDienstag die Anlage in Brand gesteckt, etwa 800 Insassen konnten fliehen. Am Mittwoch eskalierte dieSituation schließlich völlig: Bei Kämpfen zwischen der Polizei und ausgebrochenen Flüchtlingen wurden dutzende Menschen, darunter vier Beamte, verletzt, einer davon schwer, berichtet La Republica.

"DieWut wird von Tag zu Tag größer" , sagt eine Mitarbeiterin von Ärzten ohne Grenzen, die auf Lampedusa arbeitet, zumStandard. "Das Lager ist völlig überfüllt, die Menschen schlafen auf Matratzen auf dem Boden. Eigentlich sollten sie nur 48 Stunden hier sein, viele sind aber schon seit Wochen da." Lampedusa ist nur als Auffanglager gedacht:Von hier sollten Flüchtlinge möglichst schnell entweder aufs italienische Festland oder zurück in ihre Herkunftsländer gebracht werden.

Begonnen hatten die Ausschreitungen, nachdem eine Gruppe Tunesier, die bei dem Brand in der Nacht aus dem Lager fliehen konnten, Gasflaschen aus einemRestaurant gestohlen und gedroht hatten, sich damit in die Luft zu sprengen. Die Polizei konnte sie überwältigen. Etwa Hundert ebenfalls ausgebrochene Flüchtlinge marschierten durch die Stadt Lampedusa und skandierten "Freiheit, Freiheit" , bis aufgebrachte Bewohner sie mit Steinen attackierten.

"Verbrecher wegbringen"

Eltern brachten ihre Kinder in derSchule der Stadt in Sicherheit. Der Bürgermeister appellierte aus seinemBüro an Italiens Innenminister Roberto Maroni, er möge "diese Verbrecher" von der Insel bringen: "Wir wollen keinen einzigen Tunesier mehr auf der Insel. Lampedusa ist kein Alcatraz." Premierminister Silvio Berlusconi reagierte umgehen: Er will alle Tunesier auf der Insel, etwa 1000 Menschen, bis Freitag in ihre Heimat abschieben.

Die Behörden versuchten weiter zu klären, wie es den Flüchtlingen gelungen war, das Feuer im Lager zu legen. Das Gebäude war vollständig ausgebrannt, mehrere hundert Flüchtlinge verbrachten die Nacht daraufhin im Freien, 200 wurden mit Militärflugzeugen auf das italienische Festland ausgeflogen.

Derzeit sitzen auf Lampedusa etwa 1100 Menschen fest. Die Insel ist gerade 25 Quadratkilometer groß, etwa halb so groß wie der Wiener Bezirk Floridsdorf, und hat knapp 5000 Einwohner. Viele der Flüchtlinge aus Tunesien werden von Italien nicht als Asylsuchende anerkannt - weil sie nicht vor Verfolgung geflohen sind, sondern Arbeit suchen.

Nicht nur auf Lampedusa sind die Zustände in Flüchtlingslagern prekär: Human Rights Watch kritisierte die EU-Grenzschutzagentur Frontex in einem neuen Bericht massiv: Frontex setze Flüchtlinge in Griechenland "unmenschlicher und erniedrigender Behandlung" aus. Man wisse, dass die Zustände in griechischenFlüchtlingslagern schrecklich seien, hieß es von der EU-Kommission. Man versuche, das Land zu unterstützen, dieVerantwortung liege aber beiGriechenland. (tob, DER STANDARD Printausgabe, 22.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
1 2
Mason Monaghan
15
22.9.2011, 11:30

"They're just humans trying to make their lives better. Look, it sucks that the immigrants' country is so crappy, but the cold hard truth is that if we let them all come here, then it's just gonna make our country crappy too".

(Adaptiert von South Park, Saison 8, Episode 7 "Goobacks")

itsch
00
22.9.2011, 16:38

danke, bringt es genau auf den punkt, wie die meisten hier denken...

itsch
123
22.9.2011, 10:02

seid doch ehrlich, wenn wir so wie bisher gemütlich, ohne eigene kinder zu zeugen, unsere pension genießen wollen, brauchen wir sie eh alle!! http://derstandard.at/131639016... -vergreist

prusiner
12
22.9.2011, 15:01
die bisherigen Erfolge

siehe z.B. in DE den weit überproportionalen Anteil von Zuwanderern als Transferempfänger (Hartz IV in DE) bieten da allerdings nur wenig Anlaß zur Hoffnung

Viel Platz zwischen blau und grün!!
210
22.9.2011, 10:37
Und wie bringen die ausbildungslosen Einwanderer...

...die Pensionsbeiträge auf?
Durch das Legen goldener Eier?

Ernst Kratochwil
13
22.9.2011, 10:32
pension genießen wollen, brauchen wir sie eh alle!!

In ganz Europa demonstrieren gerade Millionen von Menschen weil sie keine Arbeit haben.

Wo sehen Sie in dieser Situation einen Bedarf von (meist) sprachunkundigen, ungelernten Arbeitskräften, als Pensionserhalter?

Die müssen zwangsläufig das System nur zusätzlich belasten, anstatt es zu unterstützen.

Viel Platz zwischen blau und grün!!
12
22.9.2011, 09:31
Echt ein Skandal...

..dass die EU den Tunesiern noch keine Eigentumswohnung gegeben hat.

günter55
829
21.9.2011, 22:04
Selbstverteidigung der Bewohner in Lampedusa

Hier versagt die EU komplett - Meer sperren, Kriegsschiffe vor der Küste Tunesiens. natürlich erst in den internationalen Gewässern!
Gibt es einen triftigen Grund aus Tunesien zu flüchten?
Nein - das sind alles Wirtschaftsflüchtlinge, die das Pech hatten, in diese Gesellschaft, die nicht allzuviel tolle Perspektiven bietet, hineingeboren zu werden.
Aber die können doch nicht Europa - also in diesem Fall die Vorhut Lampedusa überfallen - und dort alle ihre nicht erfüllten Träume in Frustrationsattacken ausleben.
Genau ab diesem Moment sind das für mich Verbrecher! Zurück - das Meer abschotten und aus.
Können wir denn - für die, die weiterdenken - z.B. 10, 20, 30 Mio Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen?

blasta
 
11
22.9.2011, 13:25

das ist eine nette illusion, mittels kriegschiffen das mittelmeer dicht machen zu wollen.
haben sie eine ahnung, wie groß das mittelmeer ist? da reichen die paar kreuzer/zerstörer/sonst. boote, die die EU-Staaten zur verfügung haben, bei weitem nicht aus.
und was sollte man tun, wenn dann doch mal ein kriegsschiff ein flüchtlingsboot entdeckt? abschiessen und versenken? die leute wieder zurück bringen, obwohl sie sich in internationalen gewässern aufhalten (was nicht illegal ist)?
mmN sollte man eher darauf schauen, die lebensbedingungen in ihren heimatländern zu verbessern.
und zur ausbeutung. man muss niemanden versklaven. es reicht, diese staaten zu zwingen, dass sie ihre märkte für unsere subventionierten (agrar)güter zu öffnen.

Ernst Kratochwil
01
22.9.2011, 14:01
und zur ausbeutung. man muss niemanden versklaven. es reicht, diese staaten zu zwingen, dass sie ihre märkte für unsere subventionierten (agrar)güter zu öffnen.,,,,.........

Wenn wir dort keine (verbilligten)Agrarprodukte liefern, geht es den Menschen dort tatsächlich besser?

Und unser Wohlstand begründet sich auch darauf, dass wir Waren billiger abgeben.

Wie soll das gehen?

Derzeit sagen die meisten, dass für die Entwicklungsländer die Lebensmittel zu teuer sind.

Woran auch wieder wir Schuld sind, wegen der Bioenergie-Produktion.

Aber es dürfte eh egal sein, ob das Problem daran liegt, dass die Waren zu teuer oder zu billig sind. Hauptsache wir (in Europa) sind daran Schuld.

blasta
 
00
23.9.2011, 10:21

"Wenn wir dort keine (verbilligten)Agrarprodukte liefern, geht es den Menschen dort tatsächlich besser?"
wenn unsere exportierten nahrungsmittel teuerer werden, wäre die nachfrage nach im land selbst produzierten nachrungsmitteln größer --> die landwirtschaft würde mehr arbeitsplätze schaffen --> weniger arbeitslose. dieser trend gibt es umgekehrt überall. der haupt-arbeitgeber, die landwirtschaft, in den sich zu entwickelnden staaten, bricht überall ein. hinzu kommt dann noch landgrabbing und ähnliches (wie z.B. massive korruption der (vom westen unterstützen) eliten).

und nicht nur die bioenergieproduktion ist schuld. ebenso der globalisierte nahrungsmittel markt, auf dem wild spekuliert wird um gewinn zu machen.

insertnamehere
 
00
23.9.2011, 14:22
" und nicht nur die bioenergieproduktion ist schuld. ebenso der globalisierte nahrungsmittel markt, auf dem wild spekuliert wird um gewinn zu machen."

Das sind BEIDES Punkte, durch die Nahrungsmittel TEURER werden - und das ist laut Ihren eigenen Ausführungen GUT.

blasta
 
00
23.9.2011, 14:44

ja das stimmt. aber diese teuerungen passierten zu einem zeitpunkt, als die eigenen landwirtschaften schon längst nicht mehr bzw. kaum noch existiert haben.
da waren die meisten länder schon massiv auf nahrungsmittel-import angewiesen (der davor günstiger war).

insertnamehere
 
00
26.9.2011, 09:10
Sollen wir jetzt also wieder subventionieren?

Michael Bakunin
125
22.9.2011, 10:10

Ja klar. Wir müssen unseren Wohlstand (der hauptsächlich der jahrhundertelangen Versklavung der restlichen Welt zu verdanken ist), gegen den Ansturm der Armen verteidigen. Am besten die Flüchtlingsboote im Meer versenken, gell? Oder was bezweckst du mit den Aussenden von Kriegsschiffen sonst?
Die sollen ruhig alle krepieren. Hauptsache wir können mit unseren fetten Bäuchen vor den Fernsehern sitzen und Chips in uns reinstopfen.
So schaut dein Weltbild aus, stimmts?
Mir graut vor Typen wie dir...

chat noir
00
22.9.2011, 15:56

da bringst wieder alles durcheinander... deine slogans passen hoit nit immer.

Michael Bakunin
00
22.9.2011, 18:34

doch, diesmal schon. nur du verstehst es vielleicht nicht. ;-)

schmeck.mein.smegma
22
22.9.2011, 11:30

die mär der ausbeutung.

wann wurde denn tunesein, marko, ägypten, äthiopien, nordkorea, burma nennenswert ausgebeutet?

andalusien und balkan, wurden die dann auch asugebeutet von isalmischen staaten?

viele islamische länder suchten schutz bei europäischen mächten vor den osmanen.

wie konnte deutschland nur zwei verlorene kriege und ausgebomte städte, reperaturzuahlungen, gebietsverluste und flüchtlingsströme überleben?

wie konnte japan zwei atombomben überleben? warum gibt es einen unterschied zw nord und südkorea? weil europa neordkorea ausbeutet und südkorea nicht?

wieviel millionen menschen haben die moslems versklavt? und warum müssen sie nicht zahlen sondern sollen von uns noch geld bekommen?

Michael Bakunin
11
22.9.2011, 15:52
themenverfehlung

was hat diese diskussion mit moslems zu tun?

insertnamehere
 
29
22.9.2011, 11:23
"unseren Wohlstand (der hauptsächlich der jahrhundertelangen Versklavung der restlichen Welt zu verdanken ist"

Ahem.

GRADE die Wirtschaften von Tunesien, Libyen und Algerien waren in diesen Jahrhunderten auf Piraterie und Sklavenhandel aufgebaut (bis ihnen das im 19. Jhdt. mittels Invasion abgestellt wurde)!

Und jetzt sind sie plötzlich seit Jahrhunderten die armen Ausgebeuteten?

insertnamehere
 
11
22.9.2011, 13:30
Übrigens, fun fact zu Lampedusa:

Die Insel war lt. wikipedia ab dem frühen Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein unbewohnt.

RatenS mal, wieso!

USV
24
22.9.2011, 10:51
Ich und meine Vorfahren...

hielten sich keine Sklaven.
Das, was wir heute haben, ist durch ehrliche Arbeit erwirtschaftet worden und das lasse ich mir von Gutmenschen nicht schlecht reden!

Michael Bakunin
01
22.9.2011, 15:50

irrtum.
auch heute arbeiten noch millionenheere von sklaven auf der ganzen welt, um unseren wohlstand zu erhalten.
dieses system wird uns früher oder später auf den kopf fallen, wenn wir nicht vorher etwas ändern.

insertnamehere
 
01
22.9.2011, 16:34
Wie is das eigentlich?

Wollen die Leute auf Lampedusa quasi bei unserer Ausbeutung der Millionen mitmachen, auf dass sie ebenfalls davon profitieren?

insertnamehere
 
01
22.9.2011, 16:19
"auch heute arbeiten noch millionenheere von sklaven auf der ganzen welt, um unseren wohlstand zu erhalten."

Nur unseren?

Wollen Sie damit sagen, dass außer uns jeder auf der Welt Fair-Trade-Produkte kauft und somit NICHT von der Ausbeutung dieser Sklavenheere profitiert?

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