Invasion der gefräßigen Winzlinge

Kurt de Swaaf, 22. September 2011, 11:39
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    foto: catherine baroffio

    Die Kirschessigfliege breitet sich in Europa rapide aus (Detail eines gefangenen Männchens mit den typischen schwarzen Flecken auf den Flügeln).

Die Kirschessigfliege, ein ostasiatischer Schädling, breitet sich zurzeit rapide in Europa aus - Auftreten spätestens im kommenden Jahr auch in Österreich zu erwarten

Es ist der Albtraum eines jeden Obstbauern. Fruchtfliegen, die ihre Eier in heranreifenden Früchten ablegen und deren Larven diese dann genüsslich aushöhlen - zu Abertausenden, vom Frühling bis weit in den Herbst hinein.

Der Name der Plage: Drosophila suzukii, die Kirschessigfliege. Die Schädlinge befallen jedoch nicht nur Kirschen. Ihre Larven sind "polyphag", kaum eine Obstsorte ist sicher vor ihnen. Ursprünglich stammt Drosophila suzukii aus Ostasien. Die Art tauchte 2008 erstmalig in Spanien auf. Italien und der Süden Frankreichs folgten 2009. Im vergangenen Jahr richtete die Kirschessigfliege in diesen drei Ländern mancherorts bereits erhebliche Schäden an. Nun scheint das Problem zu eskalieren.

Die Schweizer Biologin Catherine Baroffio von der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswill (ACW) und ihre Kollegen haben in diesem Sommer in mehreren Kantonen nach Kirschessigfliegen gesucht. Die eidgenössischen Bundesbehörden befürchteten, Drosophila suzukii könne unbemerkt in ihr Territorium eingedrungen sein - zu Recht. Schon im Juli wurde das ACW-Team in einer Tessiner Heidelbeerplantage fündig. Doch dabei blieb es nicht.

"Inzwischen hat sich die Lage ziemlich dramatisch geändert", erklärt Catherine Baroffio gegenüber dem Standard. Von Genf bis nach Graubünden und im Thurgau, überall wird befallenes Obst gemeldet. Seit zwei, drei Wochen vermehren sich die Fliegen explosionsartig, auch in Frankreich und Italien, sagt Baroffio. Im Trentino werden nun sogar Trauben, vor allem Pinot noir, von Drosophila suzukii heimgesucht. Es drohen Verluste bei der Weinlese.

15 Generationen pro Saison

Die nur drei Millimeter große Kirschessigfliege hat eine enorme Vermehrungsrate. Ein einziges Weibchen kann in seinem Leben mehr als 350 Eier legen. Bei günstigen Klimabedingungen dauert die Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier mitunter nur zehn Tage. Dementsprechend können Drosophila-suzukii-Populationen in einer Saison bis zu 15 Generationen hervorbringen, Millionenheere also.

Zu den betroffenen Obstsorten gehören nicht nur Kirschen, Heidelbeeren und Trauben, sondern auch Erdbeeren, Brom- und Himbeeren, Ribiseln, Pfirsiche und gelegentlich sogar Äpfel und Tomaten. Kirschessigfliegenweibchen verfügen über einen kräftigen Legeapparat, mit dem sie ihre Eier durch die Schale in das Fruchtfleisch platzieren. "Dieser Ovipositeur ist eine richtige Bohrmaschine", betont Catherine Baroffio. "Die Fliege ist komplett spezialisiert auf gesunde Früchte."

Die Bekämpfung von Drosophila suzukii ist sehr schwierig. Handelsübliche Insektizide wie Organophosphate und Pyrethrine sind zwar wirksam gegen die ausgewachsenen Tiere, doch wenn die Larven erst mal in den Früchten zugange sind, ist es zu spät. Anfliegende Drosophilae suzukii lassen sich in Becherfallen mit Apfelessig und Klebestreifen fangen. Männchen sind durch die dunklen Flecken auf den Flügeln leicht von anderen Drosophila-Arten zu unterscheiden.

Da die Kirschessigfliege bereits kurz vor den Grenzen angetroffen wird, ist ihr Auftreten wohl spätestens im kommenden Jahr auch in Österreich zu erwarten. Eine umfassende Bekämpfungsstrategie liegt noch nicht vor. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. September 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
Rodrigo Higgings
00
25.9.2011, 14:49
Hilft auch der gute alte Insektengrill????

Nix schöneres als Abends gemeinsam bei einem Bier die fetten Brummer und die kleinen Zischer zu beobachten, wenn sie an den Metallgittern verglühen. :-)

Bernhard Marold
01
23.9.2011, 15:19
Da müssen wir

die natürlichen Feinde: Drosophila Kawasaki, Drosophila Honda und Drosophila Yamaha einfüren. Die machen sich dann gegenseitig den Garaus.....

flux.
00
23.9.2011, 08:52
Drosophila suzukii

eine neue form der "gelben gefahr" kwasi ;o)

Naeich
 
01
22.9.2011, 09:53
Wer sind die natürlichen Feinden?

Könnte wieder mal effektiver sein als die Chemiekeule, die Nützlinge ausrottet und letztlich eh nur zu Resistenz fÜhrt.

Ceremony God
01
22.9.2011, 15:29
absolut richtig

Nur so kann auch effektiv bekämpft werden.
Ein paar Marder mehr in der Stadt hilft auch gegen Tauben!

WinstonSmith
11
22.9.2011, 09:28
die Mistviecher!

ich krieg sie aus meiner Küche nimma raus! Trotz Putzteufel und Chemiekeule!

$ standard>/dev/null
00
22.9.2011, 16:18

Ich stelle eine Dose mit ein wenig altem Öl darinnen auf.
Fängt Motten, Fruchtfliegen usw.
Hält, da Öl nicht verdunstet. Klebt wie der Teufel.

kleineres übel
02
22.9.2011, 10:33
Das Problem hatte ich auch vor kurzem...

Hat sich lösen lassen durch
1.) Biomüll immer sofort raus aus der Wohnung
2.) wenn sie zu Dutzenden auf den Fensterscheiben sitzen: Staubsauger daneben hinstellen und alle paar Minuten wegsaugen
3.) mehrere Gläser mit Apfelsaft, Essig, etwas Wasser verdünnen und, ganz wichtig: einen Spritzer Spülmittel rein => Fruchtfliegen gehen unter

Utrilitn
00
22.9.2011, 19:18

Biomüll NICHT* sofort raus aus der Wohnung, sondern in einem kleinem Plastikkübel deponieren. Dort sind dann auch die Fliegen. Gut so.

Vorm Austragen ZÜGIG einen dünnen, transparenten Gemüse-Plastiksack (vom Supermarkt) drüberziehen, und schon ist die Gesellschaft reisefertig.

*brauchen sowieso 10 Tage zur Entwicklung

klar kent
00
22.9.2011, 17:34

add 3) funktioniert das auch bei den zeugen jehovas?

Albatros99
00
22.9.2011, 16:11
Re: kleineres Übel

Funktioniert auch mit Apfelessig, Wasser, Spülmittel prima.

Albatros99

Raphael Hythlodeus
00
22.9.2011, 11:48
das mit apfelsaft und spülmittel können sie aber auch nur machen, wenn keine kinder in der nähe sind...

kleineres übel
00
22.9.2011, 11:54

Stimmt. Aber in diesen Fall kann man die Gläser evtl. an unereichbarere Stellen stellen, z.B. auf einem Küchenregal. Oder direkt zum Biomüll zwischen die Mistkübel^^

kleineres übel
00
22.9.2011, 10:29
Das Problem hatte ich auch vor kurzem...

Karl Gesellmann
00
22.9.2011, 10:17

ich nehme einfach den staubsauger und aus. ;)

AlBundyFan
 
01
22.9.2011, 09:48
na dann kauf einfach kein obst mehr

dann finden sie nix zu fressen.

kauf nix
00
22.9.2011, 09:08
also doch wieder auf gulasch umsteigen - macht nichts, das bier schmeckt auch besser dazu!

Dr. Fu Man Chu
013
22.9.2011, 08:33

noch gefährlicher ist nur die italienische drosophila ducatii

Der Nasenbär
00
22.9.2011, 13:18

die japanische drosophila kawasakii nicht vergessen... ganz böse...

Lappe ohne Rentier
00
22.9.2011, 14:59
Ich werde Sie beide gleich beim glu verpetzen...

Der Nasenbär
00
22.9.2011, 19:07

machen s nur ;)

eins
10
22.9.2011, 01:15
invasion?

jaja die welt geht unter... wie so oft !
viecher haben andere viecher schon seit jeher verdrängt
viecher haben pflanzen seit jeher verputzt
pflanzen haben viecher verputzt
macht platz für den menschen!

KM56
00
22.9.2011, 14:41
LESEN!

Ich glaube Sie haben den Artikel nicht verstanden. http://derstandard.at/130868104... rharmlosen

eins
00
23.9.2011, 04:27

ich glaube sie haben mein kommentar nicht verstanden!

Anne Vian
12
21.9.2011, 22:09

durfte die Viecher vor einer Woche in Ligurien als meine Futter-Konkurrenten bei einem Feigenbaum kennenlernen.....alle geklaubten Feigen hin, weil die Würmer drin gewohnt haben :-(

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