Es geht wieder aufwärts

10. Oktober 2011, 13:41
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Der große Boom, der irgendwann kommen muss, steht erst bevor

Die Onlinewerbung profitiert davon, in der besten Mediengattung mit den fortschrittlichsten Methoden ganz nahe an den Usern zu sein und zieht Werbeumsätze daher magisch an. Zumindest, wenn wir die Grenzen Österreichs gedanklich verlassen, denn bei uns dauert ein Wandel traditionell länger, ausgetretene Pfade werden ungern verlassen und Hände sollen sich auch schon mal freundlich gegenseitig waschen, wo es offline noch Beziehungspflege zu unterhalten gibt, hört man. Kurz: Der große Boom, der irgendwann kommen muss, steht erst bevor.

Zeiten, in denen man den Werbeeuro lieber zweimal umdreht, sind da ein Katalysator für Veränderungen. Denn da zählt dann wieder stärker die Leistung bzw. das Preis-Leistungs-Verhältnis, bei dem "Online" klassischerweise besonders gut abschneidet. Das ist ja der Grund für gute Geschäfte in den anderen Märkten, werden Änderungen erzwungen, ist das auch die solide Basis für Verschiebungen hin zu Onlinewerbung.

Eine - wenn auch nur herbeigeredete - kommende Krise vor dem Weihnachtsgeschäft ist in diesen anderen, gut entwickelten Märkten schon ein unerwünschtes Szenario: Dort ist der Marktanteil bereits so hoch, dass sich sinkende Werbeausgaben direkt auch im Internet bemerkbar machen. Bei uns hingegen kann man das Internet noch nicht merkbar einsparen, dafür aber durch eine Verschiebung ins Internet noch stark an Effizienz gewinnen. Die Vermarkter sind in Österreich gut aufgestellt und haben ein breites Angebot an Werbeträgern und Werbenetzen, die passenden Argumente dazu sind im Markt also vorhanden.

Damoklesschwert

Über all dem steht aber noch ein Damoklesschwert in Form des kommenden neuen TKG ("Cookie-Paragraph"), an dem der IAB schon lange arbeitet. Werden da die Hausaufgaben der Regierung nicht gemacht und die Branche somit geschädigt, könnte sich das trotz all der - in meinen Augen - guten Aussichten noch fatal auswirken: Dann wandern die steigenden Ausgaben für Onlinewerbung zwar ins Internet, da aber in die Töpfe der ausländischen Anbieter. In einem globalen Netz ist das ja leicht möglich, für die Medienfinanzierung im eigenen Land aber mehr als problematisch.

Abseits dieser offenen Wunde brauchen wir im Internet aber nicht ins Krisengejammer einstimmen: Ich bin der festen Überzeugung, dass auch eine eventuell kommende Aufschwungpause dem Internet nutzt, seine wahre Position im Mediamix zu finden. Wenn Kunden auf das Geld schauen, punktet das Internet immer durch messbare Effizienz. (derStandard.at, 26.9.2011)

  • Roland M. Kreutzer
    foto: privat/kreutzer

    Roland M. Kreutzer

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