Preise steigen, Renditen sinken - Otto Immobilien: Zinshausmarkt bleibt aktivstes Element am heimischen Immo-Markt
Im Vorjahr wurden rund 800 Millionen Euro in den Kauf von Wiener Zinshäusern gesteckt. Im ersten Halbjahr 2011 stieg die Zahl der Transaktionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent. Der Run auf das "Wiener Gold" ist damit nach wie vor ungebrochen, der Zinshausmarkt bleibt das aktivste Element am heimischen Immobilienmarkt, heißt es im aktuellen Zinshaus-Marktbericht von Otto Immobilien.
Das höchste Transaktionsvolumen wurde im ersten Halbjahr mit rund 47 Millionen Euro in den Bezirken 8 und 9 erzielt. Gleich dahinter folgt mit 42 Millionen Euro der 1. Bezirk. "Dass in der Inneren Stadt trotz des hohen Umsatzes (rund 63 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2010) die wenigsten Abschlüsse zu verzeichnen waren, verdeutlicht einmal mehr die Ausnahmesituation dieser Region ", so die Autoren des Marktberichtes.
Auch Ladenhüter gehen weg
"Trotz des nach wie vor knappen Angebotes drängen zahlreiche Zinshausinvestoren auf den Markt, sodass selbst Häuser, die früher als schwer verkäuflich gegolten haben, Abnehmer finden", erklärt Unternehmenschef Eugen Otto. Er weist auch darauf hin, dass angesichts einer
aktuell zu geringen Neubauleistung in Wien künftig die Nachfrage nach
Wohnraum das Angebot deutlich übertreffen werde. Doch gäbe es gerade in
den Wiener Gründerzeithäusern noch viele Reserven, hier liege viel
Wohnraumpotenzial brach. "Ein vordringliches Anliegen der Politik müsste
es daher sein, den - raschen und sicheren - Ausbau von Dachböden in den
Kernbezirken Wiens zu ermöglichen."
Die Preise sind im Vergleich zum letzten Marktbericht vom Frühjahr 2011 in nahezu ganz Wien gestiegen, unangefochtener Spitzenreiter ist weiterhin die Innere Stadt mit einer Preisspanne von 3200 bis 5200 Euro je Quadratmeter. Auch die Bezirke 2 bis 9 liegen bei den Quadratmeterpreisen nach wie vor auf den Spitzenplätzen. Die günstigsten Zinshausflächen kauft man in den Bezirken 10, 11, 21 und 22, wo auch die höchsten Renditen erzielt werden.
Neue Hotspots
Als neue Trendviertel sehen die Analysten von Otto Immobilien den Bereich rund um den Volkertmarkt im 2. Bezirk. In unmittelbarer Nähe befinden sich dort nicht nur das Entwicklungsgebiet bei den Nordwestbahngründen, sondern auch der Augarten und der wieder florierende Praterstern. "Außerhalb des Gürtels wird von Zinshauskäufern immer öfter im 16. und 17. Bezirk investiert. Diese Region entwickelt sich dementsprechend nicht nur im Bereich des Brunnenmarktes sehr gut", so Richard Buxbaum, Leiter der Abteilung für Wohnimmobilien und Zinshäuser bei Otto Immobilien.
Innerhalb des Gürtels seien der Karmelitermarkt, das Stuwerviertel und der Bereich Mariahilfer Straße besonders beliebte Grätzl. Im ersten Bezirk wurde die stärkste Entwicklung im Börseviertel rund um den Rudolfsplatz festgestellt.
Jeder zweite Käufer ist ein Privatier
Jeder zweite Zinshaus-Käufer war im vergangenen Halbjahr eine Privatperson - betrachtet nach der Anzahl der Transaktionen. Nach Umsatzvolumen waren fast zwei Drittel der Käufer Unternehmen. Insgesamt unterteilt die Studie die Käufer bzw. Verkäufer in drei Gruppen: Privatpersonen, Unternehmen (Personen- und Kapitalgesellschaften inklusive Banken und Versicherungen) und Sonstige (z.B. Privatstiftungen, Gebietskörperschaften oder Religionsgemeinschaften). Letztere sind als Käufer lediglich mit 10 Prozent am gesamten Volumen vertreten.
Die Zahl der Wiener Gründerzeithäuser sinkt indes quasi naturgemäß weiter; während im Herbst 2009 noch 15.529 klassische Gründerzeit-Zinshäuser gezählt wurden, sind es jetzt nur mehr rund 15.300. Als Gründerzeit-Zinshäuser im engeren Sinn definiert Studien-Autorin Stefanie Steinkellner jene Gebäude, die in den Jahren 1848 bis 1918 im Stil des Historismus (mit den entsprechenden Stilelementen, wie gegliederter Fassade etc.) in geschlossener Bauweise errichtet wurden, die keine Sondernutzung haben (z.B. öffentliche Gebäude) und an denen kein Wohnungseigentum begründet wurde. (red)