Standortfrage wird wohl erst 2012 entschieden - Kontrollamt: Mangelhafter Bauzustand des Gebäudes am Karlsplatz
Wien - Aus Anlass eines aktuellen Kontrollamtsbericht
über den negativen Bauzustand des Wien-Museums am Karlsplatz eine Bestandsaufnahme der Pläne für einen Neubau: Die von
der Stadt eingesetzte Expertengruppe will bis Jahresende die Grundlagen
für Standort, Finanzierung und inhaltliche Positionierung
erarbeiten. Dabei wurde das Projekt aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage einer "Redimensionierung"
unterzogen, räumte wie eine Sprecherin von Kulturstadtrat Andreas
Mailath-Pokorny am Dienstag auf Nachfrage ein.
Konkret bedeutet das, dass man das Vorhaben noch einmal auf
Einsparungspotenzial durchleuchtet habe, ohne Qualitätsverluste in
Kauf nehmen zu müssen, konkretisierte die Sprecherin. "Wir wollen
keinen Prunkbau und keine Stararchitektur hinstellen, sondern ein
funktionales Gebäude, das aber durchaus Signalwirkung hat",
erläuterte sie. Die Pläne werden nicht nur einen Neubau des eigentlichen
Ausstellungshauses, sondern auch die Errichtung eines neuen Depots
beinhalten.
Was den Standort betrifft, wurden in der
Vergangenheit immer wieder vorwiegend innenstadtnahe Plätze kolportiert -
neben einem Erweiterungsbau am Karlsplatz selbst etwa der Morzinplatz, der hintere Teil des Naschmarkts oder ein
Areal in der Nähe des künftigen Hauptbahnhofs. Wo der Neubau schließlich stehen soll, wollte Mailath-Pokorny
ursprünglich bereits im Herbst des Vorjahres entschieden wissen. Im
Frühsommer 2010 konnte sich der Ressortchef gar noch einen Baubeginn
im Jahr 2011 vorstellen. Nun sollen bis Ende Dezember einmal die
"politischen Entscheidungsgrundlagen" fertiggestellt sein, so das
Ziel.
Feuchteschäden
Die Leitung des Wien-Museums nahm den Kontrollamtsbericht jedenfalls zum Anlass, "um noch einmal auf die
Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des geplanten Neubaus (bzw. als
Alternative dazu der Sanierung und Erweiterung des Gebäudes am
Karlsplatz) hinzuweisen", wie es in einer Aussendung hieß. Man habe
jedenfalls alles getan, um die konstatierten Mängel kurzfristig zu
beheben - deshalb auch die regelmäßige Entfernung des Schimmels
veranlasst. Diese Maßnahmen würden jedoch nicht eine komplette
Funktionssanierung des Hauses ersetzen, die einen zweistelligen
Millionenbetrag kosten würde.
Das Kontrollamt hatte in seinem Bericht einen "über einen längeren Zeitraum anstehenden
Sanierungsbedarf" infolge eingeschränkter Standsicherheit und
Gebrauchstauglichkeit des Haertl-Baus festgestellt. Neben dem Schimmelpilzbefall mehrerer Fensternischen werden im Prüfbericht zudem "großflächige
Durchnässungen" an Fensterstürzen und Pfeilerachsen beanstandet. (APA)