Ex-EU-Kommissar übt scharfe Kritik an fehlender Initiative von Barroso & Co - Eurobonds als Lösungsvorschlag
Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler übt im Video-Interview im Rahmen der Eurokrise scharfe Kritik an der derzeitigen Führung der EU-Kommission um Präsident José Manuel Barroso. Fischler vermisst im Gespräch mit Hans Rauscher Vorschläge von Seiten der Kommission, wie die Euro-Krise bewältigt werden könnte.
Fischler über die Krise der EU und seine Vorschläge für die Euro-Rettung
Fischler glaubt nicht, dass das griechische Problem den Euro umbringen könnte: "Das ist ein Unsinn." Griechenland aus der Eurozone hinauszuwerfen würde "eine Spannung erzeugen, die die Union nicht überleben würde". Aus eigener Kraft könne Griechenland selbst durch noch so drastische Maßnahmen das Problem nicht lösen, zeigt sich Fischler überzeugt.
Von der Eurokrise zur EU-Krise
Die Art und Weise, wie man mit dem Problem bisher umgegangen sei, könnte zu einem Spillover-Effekt führen, der auch andere Staaten gefährdet und das Risiko exorbitant ansteigen lässt. Nun müsse man die Eurozone gegen Angriffe von außen "wasserdicht machen". Fischler spricht sich deshalb für Eurobonds aus. Wenn man jetzt nicht eingreife, "könnte es für die Zukunft der Union gefährlich werden".
Führungsschwäche
Fischler würde sich wünschen, dass in puncto Euro-Rettung nicht immer die Initiative von Merkel und Sarkozy ausgeht. Er fragt sich selbst: "Wo ist hier eigentlich die Europäische Kommission, die dazu da wäre, um Vorschläge zu machen?" Seine Antwort: "Hier sehe ich eine enorme Führungsschwäche." Ob Präsident Barroso abgesetzt werden sollte, beantwortet Fischler nicht direkt. Dazu meint er: "Wenn das so weiter geht, fürchte ich, dass es früher oder später Stimmen in diese Richtung geben wird." (rasch, derStandard.at, 21.9.2011)